Klimaschädliches Schnitzel?

Ich greife die im Untertitel des neuen Buches von Hilal Sezgin gemachte Behauptung, Schnitzel seien schlecht für’s Klima, noch einmal auf, um zu zeigen, wie abwegig diese Behauptung ist.

Großer Zinnober, kleine Zahlen

Wer hierzulande in ein Schnitzel beißt, gilt manchem als Klimasünder, obwohl die beiliegenden Gurken und Zitronen im Hinblick auf deren Inhaltsstoffe pro Kilo eine schlechtere Klimabilanz haben dürften.

Schnitzel mit klimaschädlicher Null-Kalorien-Beilage

Abgesehen davon ist die Annahme, dass ausgerechnet Deutschland den Klimawandel maßgeblich beeinflussen könne, an sich schon purer Größenwahn. Der Anteil der Bundesrepublik an den weltweiten Emissionen anthropogener Treibhausgase (THG) beträgt laut Statistischem Bundesamt : 2,36 %. Allein China produziert mehr als zehnmal soviel. Der deutsche Beitrag ist so gering, dass etwa die im Klimaschutzplan 2050 erwogenen Reduktionsmaßnahmen selbst dann einen Nulleffekt hätten, wenn sie tatsächlich durchgeführt würden. Niemand kann nämlich sinnvoll errechnen, welchen Einfluss diese Mini-Mini-Reduktion auf das Weltklima im Jahre 2100 oder 2200 oder sonst wann haben könnte. 

Der Anteil der deutschen landwirtschaftlichen Gesamtproduktion an den nationalen THG-Emissionen (also den 2,36 %) beläuft sich dem Agrarpolitischen Bericht 2015 zufolge (S. 28) lediglich auf 6,7 %Wie hoch wiederum der Anteil hiesiger Fleischproduktion an der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion ist, lässt sich schwer sagen, minimal vielleicht 2 %, maximal vielleicht 10 %. Rate mal mit Rosenthal. Das hängt immer davon ab, was man als zur Fleischproduktion zugehörig betrachtet.

Man muss aber gar nicht noch diesen Anteil errechnen, um zu sehen, wie klitzeklein die Zahlen in Bezug auf die weltweiten Emissionen werden. Ein derart kleiner Prozentsatz geht im Datenrauschen unter. Auch wenn korrekterweise der THG-Anteil des Imports von Futtermitteln und Fleisch mitgezählt würde, bliebe der Effekt, den die Produktion sowie Konsumtion von Fleisch und speziell die von Schnitzeln hierzulande hat, statistisch null.

Wenn man nun noch bedenkt, dass die weltweiten anthropogenen THG-Emissionen nur einen Bruchteil der THG-Gesamtkonzentration in der Atmosphäre ausmachen – nämlich laut IPCC etwa  3% –, wird einem von den ganzen Nullen schwindelig.

Fazit

Die Frage, was der Bundesbürger durch Fleischverzicht für’s Klima tun kann, lässt sich leicht beantworten: Null. Es ist in der Tat vollkommen egal, ob wir hierzulande halb soviel Fleisch essen oder doppelt soviel oder dreimal soviel. Der Nulleffekt bliebe. Deshalb ist die pauschale Behauptung, Schnitzel seien schlecht fürs Klima, das Resultat eines geistigen Nulleffektes. Wer ein Schnitzel isst, kann sich ruhig noch eines gönnen und noch eines und noch eines … dem Klima ist das vollkommen wurst. 

Und hier noch was zum Weiterdenken:

http://euleev.de/…/andere…/EUdM_Mai_2014_Ott.pdf

http://keckl.de/texte/FOCUS%20Teil%20April%202011.pdf

Tödliches Lebensrecht – Nachtrag

Peilungsprobleme

Ich habe indirekt ein paar Reaktionen von Tierrechtlern und Veganern auf meinen Artikel mitbekommen. Sie reagieren wie üblich mit Geschichten von zwangsgeschwängerten Kühen oder gefolterten Schweinen und bekunden dann, dass es doch um diese Tiere gehe, wenn vom Lebensrecht die Rede sei.

Dass es Veganern und Tierrechtlern vor allem darum geht, die Nutztierhaltung abzuschaffen, ist jedoch alles andere als ein Geheimnis. Der Mensch hat insgesamt vierzehn Arten domestiziert. Die Tierrechtler könnten also einfach diese paar Arten aufzählen und das animalische Lebensrecht entsprechend eingrenzen. Dann würden aber die Willkür und das zirkuläre Denken, welche den veganen Ungeist beflügeln, noch deutlicher zutage treten.

Ko(s)mische Gründe

Es ist so: Tierrechtler haben irgendwie das Gefühl, man müsse aufgrund von diversen Missständen die Nutztierhaltung (“Tierausbeutung”) ganz abschaffen und die “Tiere befreien”. Dieses Gefühl reicht ihnen auch schon als Begründung aus, denn ihre Gefühle sind für sie nun einmal der ganze Kosmos. Wer widerspricht, verstößt gegen kosmische Gesetze.

Dummerweise kann man sich denjenigen, die nach rationaler Begründung fragen, nicht ganz entziehen. Man hält den Nebel im eigenen Kopf schließlich für das Licht der Aufklärung. Deshalb muss man sich eben notgedrungen etwas einfallen lassen, zum Beispiel das negative Lebensrecht für Tiere. Es dient hauptsächlich dem Zweck, Nutztierhalter anzuprangern und die damit verbundene Heuchelei zu verdecken.

Mit Hilfe des negativen Lebensrechts, so meinen Tierrechtler, kann man wunderbar im Schweinekostüm gegen den menschlichen Tiermord protestieren, ohne im Kitzkostüm gegen den Bambimord von Wölfen protestieren zu müssen. Man kann sogar aktiv die Ansiedlung von Wölfen, Bären oder Luchsen fordern, obwohl diese sich als Massenmörder von Rehlein, Hirschlein, Lämmlein, Zicklein, Kälbchen betätigen. Typischer Fall von denkste.

Lebensrecht als Transportmittel

Das Recht auf Leben ist nämlich – wie Schopenhauer sagen würde – kein Fiaker, aus dem man aussteigen kann, wann es einem beliebt. Um den Nutztieren durch deren weitgehende Abschaffung zu ihrem Lebensrecht zu verhelfen, musste man nolens volens auch den Wildtieren das Lebensrecht zusprechen. Da negatives Lebensrecht in der Wildnis aber wirkungslos ist, wären die Tierrechtler nun einmal verpflichtet, das Leben der Tiere aktiv zu schützen – und zwar das jedes einzelnen Individuums. Die Pointe am Lebensrecht ist ja dessen Unverrechenbarkeit. Das Lebensrecht des Frischlings gegen das des Wolfswelpen aufzurechnen, wäre dann unzulässig.*

Tierrechtler können generell schlecht zwischen ihrer wahren Motivation und einem rationalem Grund unterscheiden. Eine rationale Begründung, Tieren Lebensrecht zuzugestehen, kann nicht sein, dass es Nutztiere gibt, die man gerne abschaffen würde. Die tierrechtlichen Begründungen sind denn auch, dass Tiere Interessen haben oder dass ihr Leben ein subjektiver Wert für sie selber sei etc. Dies träfe aber für Nutz- und Wildtiere gleichermaßen zu. Sie müssen strikt gleich behandelt werden, da ihnen aus identischen Gründen Recht auf Leben zugestanden wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass Wildtiere fast durchweg ein gefährdeteres Leben führen als Nutztiere. Entgegen den manipulativen Darstellungen von Tierrechtlern haben Wildtiere in der Regel eine sehr kleine Chance, das übliche Schlachtalter vieler Nutztierarten zu erreichen. Die “Kindersterblichkeit” in der Wildnis ist zum Beispiel um ein Mehrfaches höher als in der Nutztierhaltung.

Haben nun Tiere ein Recht auf Leben und gilt obige Bedingung, müssen Wildtiere viel intensiver geschützt werden als Nutztiere, damit das Recht wirksam sein kann. Aufs negative Lebensrecht darf man sich hier eben gerade nicht herausreden, wie ich in meinem ersten Artikel zum Thema gezeigt habe.

Es gibt auch Tierrechtler, die eine Befriedung der Tierwelt durch den Menschen fordern (policing nature). Dies wollen sie zum Beispiel durch Abschaffung der Raubtiere bewerkstelligen. Es ist gewiss kein Zufall, dass die großspurigen Forderungen nach einem Lebensrecht für Tiere oft mit Forderungen nach weitreichenden Tierabschaffungsmaßnahmen verbunden sind. Tiere stören nämlich bei der Verwirklichung ihrer Rechte bloß.

Fazit

Tierrechtler und Veganer nehmen die verwendeten Begriffe nicht als solche ernst, sondern malträtieren sie wie ein tyrannischer Gutsherr seine Mägde und Knechte. Die Gewalt, die sie Begriffen und Sprache – also dem Denken – antun, spiegelt sich in ihrer tyrannischen Art, Diskussionen zu führen. Diese verlaufen fast immer nach dem Muster missglückter Beziehungsgespräche:

ierrechtler behauptet x.
ritiker widerlegt es.
T antwortet: Ich meinte doch y.
K fragt: Warum behauptest du dann x?
T antwortet: Weil ich y meine, habe ich doch gesagt!

Es ist eigentlich egal, anhand welcher konkreten Fragen sich immer wieder erweist, wie zirkulär das tierrechtliche Denksystem ist. Die Botschaft ist immer nur: Ich ich ich. Und diese Leute haben die Stirn, von anderen einen ergebnisoffenen Diskurs zu fordern! Der Diskurs ist bei diesen Leuten so offen wie ein zugekniffener Hintern.

 

* Selbst wenn man das Recht auf Leben als Prima-facie-Recht versteht, kommt man bei Tieren damit nicht weit. Prima-facie-Rechte sind Rechte, die bis auf Widerruf gelten. Das Recht auf Leben kann zum Beispiel unter bestimmten Umständen aufgehoben werden (Notwehr, Todesstrafe, Krieg).
Im Tierreich wäre ein Prima-facie-Recht auf Leben ebenso unwirksam wie ein negatives Lebensrecht. Denn im Tierreich gilt das Recht des Stärkeren, Gewitzteren usw. Das Recht auf Leben wäre absurderweise in diesem Fall der “Widerruf” zur weitgehend kriegerischen und gewalttätigen Praxis. Das funzt also auch nicht.

 

Was Tiere wollen

Suhlt das Schwein im Glück?

In der Tierethik sind Ansätze, in denen gleiche Berücksichtigung gleicher Interessen gefordert werden (Peter Singer), etwas in den Hintergrund gerückt. Zu deutlich wird hier Leben gegen Leben aufgerechnet, zwischen wertem und unwertem Leben unterschieden. Die dankenswerte Klarheit, mit der Peter Singer die praktischen Konsequenzen seiner Ethik benennt, ist vielen Scheinheiligen ein Dorn im Auge. 

Man folgt lieber dem von Tom Regan eingeschlagenen Holzweg, den inneren Wert der Tierindividuen zu betonen. Das Recht auf Leben für Tiere wird damit begründet, dass das eigene Leben ein subjektiver Wert für jedes Lebewesen sei. Gemeint sind dann aber meist nur “fühlende Lebewesen”, also diejenigen, die dem Menschen am meisten ähneln. 

Aus dieser These werden weitreichende Behauptungen abgeleitet. Hilal Sezgin etwa belehrt die jugendliche Leserschaft ihres neuen Buches, dass Tiere glücklich sein wollen, dass sie an der frischen Luft sein wollen, dass sie Kontakt mit Artgenossen haben wollen und vieles andere mehr. Sie beruft sich hierbei in erster Linie auf den “Befähigungsansatz” (Capability approach) der Philosophin Martha Nussbaum.

Capability to köttel

Nussbaum hat eine Gerechtigkeitstheorie entwickelt, wonach es elementare Grundbefähigungen gebe, die Voraussetzung für ein “gutes Leben” (Leben in Würde) seien. Dazu gehöre, dass Menschen ein Leben normaler Dauer führen, Nahrung aufnehmen, gesund sein, sich bewegen, Sex haben, denken können und vieles mehr. Nussbaum überträgt ihren Ansatz in dem Buch Die Grenzen der Gerechtigkeit auf Tiere. Diesen müsse ebenfalls die Chance auf ein “gelingendes” oder “gutes Leben” gewährt werden. Sie sollten “als das, was sie sind, gedeihen.”

Grundvoraussetzungen dafür seien ausreichend Nahrung, Gesundheit, körperliche Aktivität, Abwesenheit von Schmerz und Grausamkeit, positive Erlebnisse, Kontakt mit Artgenossen und dergleichen mehr. Weil “empfindungsfähige” Tiere angeblich nach Glück streben, hätten sie Anspruch auf Leben, Gesundheit, Sexualität, Spiel, Spaß, Kommunikation und und und. Es genügt laut Nussbaum, eine der aufgezählten Fähigkeiten zu besitzen, um einem Geschöpf eine Art dignity (Würde) zuzusprechen. Ob die Fähigkeit herumzulaufen oder die Fähigkeit zum Spiel oder die Fähigkeit zu denken – alle gelten gleich viel, sind nicht hierarchisch konzipiert.

Vielleicht habe da etwas missverstanden, aber nach dieser Logik müsste ein Gorilla der “genüsslich” seinen eigenen Kot mampft, bereits dadurch Würde haben. Karnickel, die morgens freudig ihre Köttel als Frühstückskorinthen mümmeln, verdienten allein deswegen unsere ganze Achtung. Denn artgemäße Ernährung gehört doch wohl zu den Grundbefähigungen gelingenden Gorilla- und Kaninchenlebens.

Würde in Köttelform würde mir nicht schmecken. Frau Nussbaum begründet leider an keiner Stelle, warum jene zahlreichen Fähigkeiten Würde generieren und deshalb unverrechenbare Rechtsgüter werden sollen. Sie erläutert zwar, warum sie die traditionellen Würdekonzepte zu rationalistisch findet, aber ihr eigenes Angebot ist eben doch zu emotional, also beliebig.  

Außerdem könnte man durchaus auf die wohlbegründete Idee kommen, dass die Fähigkeit, Tiere zu nutzen und zu verzehren, Grundvoraussetzung des guten Lebens von Menschen sei. Aber diese Fähigkeit steht nicht auf der Liste.

Von hinten durch die Brust ins Auge

Bei Hilal Sezgin sieht die Begründung des animalischen Lebensrechts ungefähr so aus: Für Tiere ist ihr Leben ein subjektiver Wert. Tiere wollen glücklich sein. Glücklich sind sie, wenn sie arttypische Verhaltensweisen ausleben können. Schweine seien glücklich, wenn sie suhlten, Hühner wenn sie scharrten usw. usf. Woher Sezgin all das weiß, steht jedoch in den Sternen. Sie betont nämlich gegen Peter Singer ausdrücklich, dass Glück nur subjektiv, aus der Innensicht bemessen werden könne.

Die Innensicht eines anderen Individuums steht aber niemandem zur Verfügung. Das Kunststück, objektiv von außen das Glück der Tiere aus deren Innensicht zu bemessen, brächten außer Sezgin allenfalls noch Münchhausen oder Mike Krüger fertig. Motto: Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehn. Sezgin behauptet aus ihrer äußeren Innensicht heraus zum Beispiel, dass Tiere Freundschaften schließen und einander physisch nahe sein wollen (für Einzelgänger sicher eine neue Information).

Peter Janich hat aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass alle Seelenzustände, die wir Tieren zuschreiben, “keinem Menschen anders bekannt sein können als aus dem Zusammenleben der Menschen selbst.” Durch unsere Kommunikation (Sprache) vermitteln wir einander unsere Seelenzustände und konstruieren sie zugleich mit.

Zuschreibungen der Art, wie Sezgin sie macht, können nichts anderes sein als metaphorische Zuschreibungen. Wer einmal damit anfängt, sie für bare Münze zu nehmen, kommt aus der Nummer nicht mehr heraus.*  In dem Bestseller Das geheime Leben der Bäume schildert Peter Wohlleben sehr anschaulich, dass Bäume Freunde finden, indem sie ihre Wurzeln miteinander verbinden. Was nun? **

Es nützt hier nichts, Analogieschlüsse zu machen und von der Ähnlichkeit des eigenen Nervenkostüms auf die innere Befindlichkeit eines Schweins oder Huhns zu schließen. Das alles ist nicht deren Innenperspektive. Sezgins vollmundige Behauptung “Tiere wollen das Leben genießen, indem sie sich bewegen“, ist daher unbegründet. Woher weiß sie, dass die Tiere ihr Glück in Bewegungseinheiten messen? Vielleicht messen sie es ja in Broteinheiten.

Sezgin kann ihren eigenen Prämissen zufolge nicht mal wissen, ob ein verhaltensgestörtes Tier in Gefangenschaft seinen Zustand nicht subjektiv dem Hunger und Parasitenbefall in der Wildnis vorzöge. Sie weiß ferner nicht, ob nicht jedes Tierindividuum sein Glück unterschiedlich bemisst? Woher will sie wissen, dass zum Beispiel alle Schweine identische Glücksvorstellungen haben, bloß weil sie Schweine sind? Sie kann ja nicht in die Individuen hineinsehen. *** 

Arttypisches Verrecken

Das arttypische Verhalten der Tiere besteht zu einem guten Teil darin, andere nicht nur am Gedeihen, sondern gleich ganz am Leben zu hindern. Wie unverrechenbar soll aber das arttypische Verhalten von Löwenpaschas sein, die Kinder ihrer Vorgänger zu killen? Schließlich rauben sie den männlichen Jungtieren damit deren unverrechenbare Fähigkeit, ihrerseits später Löwenjunge zu killen. Wie unverrechenbar ist die Fähigkeit der Erdmännchen-Frauchen, den Nachwuchs von Konkurrentinnen zu töten und zu fressen? Haben Tiere ein Recht auf den Infantizid? Macht das ihre Würde aus? Sollen wir sie dafür achten?

Orcas spielen in Freiheit nicht mit Bällen, sondern mit Robbenbabys, und fressen sie dann auf. Man könnte meinen, es mache den Schwertwalen großen Spaß, Pinguine auszusaugen wie Wassereis. Katzen spielen mit Mäusen und fühlen sich vielleicht großartig dabei.

Der Kontakt mit Artgenossen endet im Tierreich nicht selten tödlich, sexuelle Betätigung schwächt viele Tiere bis zur absoluten Erschöpfung. Die sexuelle Betätigung des Lachses ist das Laichen. Danach stirbt er. Sagt er sich nach endlosen Strapazen: “Es ist vollbracht! Damit ich werden kann, was ich bin, fehlt nur noch, dass ein Bär mich packt und verspeist, damit er gedeiht als das, was er ist”? 

Lachs wird das, was er ist, damit der Bär gedeihen kann, als das was er ist.

Strebt der Hirsch subjektiv danach, alle Hirschkühe zu begatten? Solche Fragen sind sinnlos, weil der Hirsch sich offenkundig nicht frei entschließen kann, dieses Jahr mal auf die stupide Popperei zu verzichten. Wie kommen Nussbaum und Sezgin darauf, dass es für den Hirschen zum guten Leben oder Glück gehört, sich sexuell zu betätigen? Vielleicht ist der Hirsch glücklich, wenn man ihn durch Kastration daran hindert.

Überhaupt: Wieso sollten handlungsunfähige Lebewesen noch zusätzlich subjektiv nach Tätigkeiten streben, die sie ohnehin nicht unterlassen können? Sie machen, was sie machen. Sie müssen es nicht wollen. Deshalb ist auch die Behauptung, dass Tiere einen Lebenswillen hätten, unplausibel. Tiere können sich offensichtlich nicht frei entschließen, ihr eigenes Leben zu beenden, haben auch hier keine Wahl. Einen Lebenswillen brauchen sie nicht.

Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass dies nicht meine kalten rationalistischen Konstruktionen sind, sondern Schlüsse aus Annahmen, denen die Tierrechtler in der Regel zumindest implizit zustimmen. Es ist ja gerade ihr Totschlageargument, dass Tiere im Gegensatz zu uns nicht anders können. 

Hirsch hat keinen Bock.

Die Forderung, Tiere sollten als “das gedeihen, was sie sind”, beruht zudem auf aristotelischem Aberglauben. Als ob es der vom unbewegten Beweger vorgegebene Zweck des Frischlings wäre, sich zur Bache oder zum Keiler zu vervollkommnen. Junge Wildschweine sind objektiv vor allem Nahrung für andere Tiere. Die meisten werden gefressen, von Krankheiten dahingerafft, von Kleinlebewesen zersetzt. Mit jener veraltet dogmatischen Argumentation ist es ein Leichtes zu sagen: Hausschweine haben ein Recht darauf, auf unseren Tellern zu landen. Denn sie gedeihen als das, was sie sind: Nahrung für uns.

Fazit

Die vermeintlich subjektive Innensicht der anderen Wesen, aus welcher viele Tierrechtler heute deren Glücksvorstellungen meinen erschauen zu können, erweist sich als Projektion ihrer eigenen Befindlichkeiten. Subjektive Befindlichkeiten sind aber unverbindlich. Damit kann man keinerlei objektive oder intersubjektive Geltung beanspruchen – und schon gar nicht derart drastische Forderungen wie einen universalen Fleischverzicht begründen.

Eine Ethik darauf zu gründen, dass manche Tiere einen immer so niedlich anschauen, ist keineswegs so human, wie Tierrechtler sich einbilden. Letztere prangern die vermeintliche Kälte des Rationalismus an und ersetzen diese durch die Hitze blindwütigen Eiferns. 

 

Anmerkungen

* Daniel Dennett sagt, dass das “Verhalten” von Dingen und Lebewesen gut prognostizierbar sei, wenn man es intentional interpretiere. Daraus zu schließen, dass es auch intentional ist, wäre jedoch ein Fehler. Setzt man nun wie Sezgin Beschreibung mit Zuschreibung gleich, ist nicht plausibel, warum sie die meisten Lebewesen aus ihrer Ethik ausschließt. Sie begründet letztere ja damit, dass die betreffenden Lebewesen subjektiv etwas wollen und deshalb sogar Zwecke an sich seien. Pflanzliches Leben kann aber ebenso sinnvoll als intentional beschrieben werden wie das von Insekten, Spinnentieren, Würmern etc. Sezgin müsste ihnen daher ihr Verhalten ebenso zuschreiben wie sie es bei ihren Lieblingstieren tut. Peter Singer hat offenbar inzwischen kapiert, dass Tierrechtler nicht vor der moralischen Berücksichtigung von Insekten ausweichen können. (Zum Unterschied von Zuschreiben und Beschreiben siehe das oben verlinkte Buch von Peter Janich).

** Welche geradezu hirnerweichenden Konsequenzen es hat, wenn man die aus Disneyfilmen gewonnene eigene Innensicht mit der Innensicht von Tieren verwechselt, führt Sezgin in ihrem Jugendbuch selbst vor. Sie macht dort ausgiebig Reklame für den Hof Butenland , einen “Gnadenhof”, auf dem ein paar Tiere herumlaufen, für die Leichtgläubige spenden und erblassen sollen. Sezgin schwärmt den Jugendlichen vom niedlichen Ochsen Mattis vor, der ein so inniges Verhältnis zu seiner Mutter habe. Wie schön es doch wäre, wenn alle Tiere so leben könnten!

Mattis ist jedoch kastriert. Sein Recht auf Sexualität ist ihm genommen worden. Hätte man ihn nicht kastriert, hätte er längst seine Mutter besprungen, anstatt an ihren Zitzen zu nuckeln. Er hätte auch Hilal Sezgin besprungen, wenn sie sich vor ihm gebückt hätte, denn Bullen springen auf alles, was die Form eines gebogenen Tores hat (Torbogenreflex). Ich bin selbst beim Reparieren eines Weidezauns mal beinahe von einem Jungbullen besprungen worden. Ich so: Alter, bissu schwul, oda was?

Auf Gnadenhöfen werden Tiere gnadenlos vermenschlicht. Wer sich etwa den Nachruf des Hofes Butenland auf den kleinen Hahn Flauschi durchliest, muss als normaler Mensch den Eindruck gewinnen, nach Strich und Faden vergackeiert zu werden. So etwas können erwachsene Menschen doch unmöglich ernst meinen! Flauschi wurde von einem Greifvogel gepackt. So what? Wäre das nicht passiert, hätte Flauschi sich im Laufe seines Lebens viele kleinere Vögel gepackt und wie der unkastrierte Mattis seine Mutter besprungen. Immerhin konnte der Greif mit Hilfe des Flauschfleisches gedeihen als das, was er ist.

Betreiber von Gnadenhöfen stehen mit einem Bein in der Klapsmühle und mit dem anderen im Knast. Irrsinn und Geschäftssinn greifen hier ineinander. Gnadenhofbetreiber sind auf Spenden und Erbschaften angewiesen, was sie zu zwielichtigen Praktiken verführt. Viele Gnadenhöfe müssen aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz geschlossen werden. Die Tiere haben es eben nicht gut dort. Sie sind Opfer von Menschen, die wie Sezgin in dem Wahn leben, Tiere seien “wie wir”.

*** Aus diesen Gründen kann “Tierwohl” eben nicht objektiv bestimmt werden.

Tödliches Lebensrecht

Katze bricht Recht und Genick einer Ratte

Die Natur ist so wunderschön und jedes Tier hat schließlich auch ein Recht zu leben.
Heinrich Himmler

 

Positiv und negativ

Tierrechtler betonen mit großer Emphase, dass Tiere ein Recht auf Leben hätten. Was bedeutet Recht auf Leben?

Recht auf Leben ist im engen Sinn ein subjektives Abwehrrecht, das alle Menschen (Rechtsträger) vor Verletzungen ihres Lebens durch den Staat (Adressat) schützt. Der Staat hat darüber hinaus auch die Pflicht, das Leben der Menschen bei unmittelbarer Gefahr aktiv zu schützen. Deshalb gibt es zum Beispiel die Polizei und das Strafrecht, ferner das Gesundheitssystem (Notärzte). Recht auf Leben ist in erster Linie negativ konzipiert – der Staat darf das Leben nicht nehmen – und in zweiter Linie positiv: der Staat muss es schützen.

Wie schon bei oberflächlicher Betrachtung deutlich werden dürfte, ist es unmöglich, Tieren das vollständige Lebensrecht zu gewähren. Man müsste zum Beispiel Tiere vor anderen Tieren aktiv schützen. Schützte man das Zebra gegen den Löwen, verletzte man das Lebensrecht des Löwen.

Schützte man das Leben von Kaninchen oder Mäusen, müssten die Füchse verhungern. Außerdem würden diese Tiere sich so explosionsartig vermehren, dass irgendwann die Bestände einbrächen und die meisten Tiere verendeten (wie dies etwa in Feldmauspopulationen immer der Fall ist). Ferner müssten die Tiere gesundheitlich versorgt werden. Päppelte man allein alle Individuen der Ratten-, Mäuse und Karnickelpopulationen, würde es schnell ganz eng auf dem Planeten.

Wie sehr das Lebensrecht des Menschen durch das der Tiere gefährdet wäre, kann jeder erahnen, der sich zum Beispiel vorstellt, dass Schadnager nicht getötet werden dürften. Die Ernten würden schon auf dem Feld weggefressen. Homo sapiens sapiens würde sich im tatkräftigen Bemühen, das Leben der Tiere zu sichern, zielsicher selbst abschaffen. Auch wenn man nur die Wirbeltiere zu Rechtsträgern machte, würde die Wirksamkeit dieses Rechtes durch dessen Wirksamkeit vereitelt. 

Tierrechtler machen eigentlich nichts anderes, als zu überlegen, wie man den grotesken Konsequenzen ihrer Forderungen ausweichen kann, ohne auf jene Forderungen verzichten zu müssen. Die Klügeren haben denn auch widerstrebend eingesehen, dass die Forderung nach einem positiven Lebensrecht für Tiere abwegig ist. Deshalb haben sich viele darauf verlegt, negatives Lebensrecht zu fordern. Das Leben der Tiere müsse nicht geschützt werden, dürfe aber von Menschen nicht genommen werden. So können Tierrechtler mit großer Geste das Lebensrecht für Tiere beschwören und dennoch Tiere getrost verrecken lassen.

Lebensrecht ohne Wirksamkeit?

Im Begriff des Rechts ist dessen Wirksamkeit enthalten. Recht ist ein System wirksamer Normen, deren Erfüllung staatlich gewährleistet wird. Ein Recht für Kreise auf ihre Quadrierung gibt es nicht, weil dieses Recht niemals wirksam werden kann. Man kann zwar ein entsprechendes Gesetz in die Verfassung schreiben, doch wie soll man die Bürger dazu motivieren, den Quadratstatus von Kreisen zu achten? Ähnliches gilt für die Forderung nach einem Lebensrecht für Tiere. 

Auch der Begriff negatives Lebensrecht ergibt überhaupt nur Sinn, wenn er in einer Rechtsordnung wirksam werden kann. Um in einer Rechtsordnung wirksam werden zu können, bedarf es einer Gemeinschaft von Rechtssubjekten, die motiviert sind, die entsprechenden Gesetze einzuhalten. Mit anderen Worten: Es bedarf einer Gemeinschaft von Lebewesen, die von von sich aus die Interessen anderer berücksichtigen können und wollen.

In der Bundesrepublik halten sich zum Beispiel fast alle Menschen freiwillig und aus moralischer Überzeugung ans Verbot, andere Menschen zu töten. Die Polizei muss nur in seltenen Fällen schützend eingreifen. Ferner sind die meisten Menschen gesundheitlich nicht unmittelbar mit dem Tod bedroht. Nur deshalb kann das Lebensrecht in erster Linie negativ und erst in zweiter Linie positiv bestimmt werden.

In einem vom Bürgerkrieg erschütterten Land wie Syrien sieht das schon ganz anders aus. Was nützt den Menschen dort ihr Lebensrecht, wenn keiner es schützt? Wo die Rechtsordnung zerfällt und nur noch das Recht der Stärkeren zählt, ist das negative Lebensrecht bedeutungslos. Deutschland dürfte keinen bedrohten Syrer aufnehmen, wenn für syrische Flüchtlinge nur das negative Lebensrecht gälte. Die Flüchtlinge dürften nicht vor dem Ertrinken gerettet, die lebensbedrohlich Verletzten nicht behandelt werden. 

Nun beklagen wir alle die Zustände in Syrien und machen dafür diverse Personen bzw. Personengruppen verantwortlich – Präsident Assad oder den Islamischen Staat zum Beispiel. Wir gehen also davon aus, dass sie anders könnten. Wir gehen von handlungsfähigen Subjekten aus. Selbst Assad wird prinzipiell zugetraut, einen Rechtsstaat herstellen zu können. Sonst würde man sein Handeln nicht verurteilen. 

Das animalische Gesetz der Straße

Es leuchtet ein, dass in einer Gruppe von Lebewesen, deren Mitglieder prinzipiell gar nicht anders können, als einander ans Leben zu gehen; in der es obendrein keinerlei Gesundheitssystem gibt, negatives Lebensrecht noch weniger Sinn hat als in Syrien. Es gäbe fast keine andere Aufgabe, als ununterbrochen das Leben der Mitglieder aktiv zu schützen. Menschen wären auf ewig zum militärischen UNO-Dauereinsatz für die Tiere verpflichtet.

Deshalb lehnt es zum Beispiel Hilal Sezgin ab, ein aktives Lebensrecht für Tiere zu postulieren (wenn ich das richtig verstanden habe). In ihrem neuen Buch schreibt sie, dass Menschen nicht das Recht hätten, einen Frischling zu erschießen, denn: “Es ist sein gutes Recht weiterzuleben und zu versuchen, stark und gesund aufzuwachsen.” Das klingt sehr generös. Doch was bedeutet dies de facto?

Die Chancen des Frischlings, sein Recht zu bekommen, stehen sehr schlecht. Weniger als 10 % der Wildschwein-Jungtiere erreichen das vierte Lebensjahr. Etwa die Hälfte stirbt in den ersten Wochen. Kaum ein Wildschwein schafft es, ganz erwachsen (ausgewachsen) zu werden. Sechs bis sieben Jahre ist das selten erreichte Maximum. Das Durchschnittsalter von Wildschweinen liegt deutlich unter dem von Zuchtsauen. In Gefangenschaft können sie bei guter Versorgung und Pflege zwanzig Jahre alt werden. 

Warum sind die Verluste wohl so hoch? Weil die Tiere bis zu ihrem Tod ein glückliches Leben haben? Oder weil sie Mangel und Not leiden, von Infektionen und Parasiten geschwächt sind und schließlich von Beutegreifern ohne Betäubung verspeist werden? Was nützt den Tieren hier ein negatives Lebensrecht?

Wer ein Lebensrecht für Tiere fordert und keine Probleme damit hat, dass sie fast alle schon als Kleinkinder sterben, dehnt jenen Begriff bis zur Unkenntlichkeit aus. Sezgin rührt keinen Finger für den Frischling, meint also cum grano salis: “Du hast keine Chance, also nutze sie”. 

Fazit

Recht auf Leben für Tiere kann weder als positives noch als negatives wirksam werden. Das Konzept ist daher in Bezug auf Tiere unbrauchbar. Wesentlich sinnvoller ist hingegen das klassische Konzept des Artenschutzes. Es ist nicht mit den Problem konfrontiert, Tiere als individuelle Rechtsträger behandeln und schützen zu müssen. Artenschutz hat auch ein klares Ziel, nämlich Erhaltung bestimmter Arten, und damit auch ein Kriterium, wie dieses Konzept an der Erfahrung scheitern kann (Aussterben einer geschützten Art).

Konzepte wie Recht auf Leben für Tiere setzen aufgrund ihrer Hypertrophie deren Befürworter dem Verdacht aus, mit ihren Forderungen andere Zwecke zu verfolgen als behauptet. Es ist sehr wohlfeil, Rechte zu verteilen wie Kamelle, ohne ein Kriterium zu nennen, inwiefern dieses Recht auch wirksam werden kann. Theoretisch könnten zum Beispiel die Wildschweine trotz ihres individuellen Lebensrechts kollektiv aussterben. Da sagen dann die Tierrechtler: Pech gehabt. Chance vertan.

Der eigentliche Zweck des tierrechtlichen Aktivismus ist es meinem Eindruck nach, den Menschen seiner fundamentalen Rechte zu berauben. Tierrechtler wollen einfach das Sagen haben. Wer Machtgelüste hat, versteckt sich gerne hinter “unschuldigen Kreaturen”, damit die Leute die Machtlüsternen mit ihren Knuddeltieren verwechseln und ihnen aus der Hand fressen.

 

Der Mensch ist immer der Böse

Sanfter Riese macht den Affen

Auch Silberrücken haben Tücken.

Menschenaffen, so heißt es bei vielen Tierrechtlern, seien Personen. Deshalb solle man ihnen Grundrechte zugestehen. Grundrechte sind in staatlichen oder überstaatlichen Verfassungen festgeschriebene Menschenrechte.

Obwohl sie angeblich Personen sind, werden selbst erwachsene Menschenaffen jedoch nicht für ihre Taten verantwortlich gemacht. Der Gorilla, der jüngst im Zoo von Cincinnati ein kleines Kind durch’s Gehege geschleift hat, ist vernünftigerweise erschossen worden – allerdings nicht zur Strafe, sondern weil Gefahr in Verzug war. Moralische Appelle wären ebenso nutzlos gewesen wie die Androhung juristischer Konsequenzen. Das Tier war im Vollbesitz seiner geistigen Affenkräfte und trotzdem nicht schuld.

Es kommt leider ab und zu vor, dass Kinder in Zoogehege fallen oder klettern. Auch aufmerksamen Eltern entgeht manchmal etwas. Die Zoomitarbeiter haben verantwortungsbewusst und korrekt gehandelt. Darüber müsste eigentlich nicht viel geredet werden. Doch nun muss sich der Direktor gegen einen öffentlichen Proteststurm wehren, und die Eltern des Kindes werden bezichtigt, fährlässig gehandelt zu haben.

Irgend etwas stimmt da nicht. Gorillas werden von echten oder vermeintlichen Tierfreunden gerne als sanfte Riesen bezeichnet – als wäre die Sanftheit ein Verdienst des Tieres. Verhält sich ein Gorilla aber wie der im Zoo von Cincinnati, werden sofort Menschen dafür verantwortlich gemacht. Das Tier wird reflexartig zum Opfer erklärt.

Den Trick durchschauen

Viele vermeintliche Tierfreunde behandeln Tiere so wie Eltern ihre verzogenen Tyrannenkinder. Bei jedem Pups des vergötterten Lieblings geraten sie in Ekstase, an jeder Bosheit sind andere schuld.

Bei den Tierrechtlern wird dies zum Prinzip – und paradoxerweise mit dem Gleichheitspostulat verbunden. Weil Tiere und Menschen in relevanter Hinsicht gleich seien, müsse man mit zweierlei Maß messen, welches aber gar kein zweierlei Maß sei. So könnte man den tierrechtlichen Imperativ zusammenfassen.

Der Trick ist, die strukturelle Asymmetrie zwischen Mensch und Tier zugunsten des Tieres umzudrehen. Worin besteht diese Asymmetrie? Darin, dass Menschen die einzigen bisher identifizierten Moralsubjekte (moral agents) auf Erden sind. Sie machen einander für ihr Tun verantwortlich, rechnen sich – wie der Philosoph Peter Janich es formuliert – ihre Taten als Verschulden oder Verdienst zu.

Menschen betrachten einander als handelnde Subjekte, also als Wesen, die eben auch anders können.* Wer stolpert oder niest, wird dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Denn das ist bloßes Verhalten. Wer jemanden aber absichtlich ins Gesicht niest oder die Treppe herunterwirft, handelt. Deshalb wird ihm seine Tat als Verschulden zugeschrieben. Er wird moralisch verurteilt und, sofern er kein Kind mehr ist, für letzteres gegebenenfalls juristisch belangt.

Einen Affen, der einen Artgenossen tötet, wird niemand moralisch oder juristisch zur Rechenschaft ziehen. Warum nicht? Tierrechtler betonen doch stets, dass Tiere gar nicht unflexibel in ihrem Verhalten seien, sondern ein breites Spektrum zur Verfügung hätten. Wie überaus wundersam jedoch, dass selbst die flexibelsten Exemplare exakt so konstruiert zu sein scheinen, dass die Tierrechtler sie für ihre guten Taten in den Himmel heben können, ohne sie für ihre Bosheiten in die Hölle schicken zu müssen!

In der Beziehungsfalle

Menschen haben in dieser Logik sowenig eine Chance wie Angeklagte in einem Schauprozess. Tiere erscheinen immer als die besseren Menschen, obwohl sie morden, quälen, plündern, vergewaltigen. Tötet ein Bulle einen Bauern, wird ihm dies von Tierrechtlern als Akt des Widerstands gegen den „Sklavenhalter“ positiv zugeschrieben; erdrückt derselbe Bulle ein kleines Kind, ist er für Tierrechtler nur ein Tier, das nicht anders konnte.

Bienen gelten als fleißig, sind aber im Vergleich zu Hummeln faul. Wer den Tieren ihren Fleiß als Verdienst zuschreibt, muss ihnen auch ihre Faulheit als Verschulden zuschreiben. Drohnen kämen dann schlecht weg. Sie werden von den Arbeiterinnen sofort aus dem Stock geschmissen, sobald sie ihre Funktion erfüllt haben. Da sie allein nicht lebensfähig sind, sterben sie alle schnell. Das ist nun wieder nicht nett von den Bienenweibchen. Aber sie können ja nicht anders …

Kinder und geistig Behinderte, die einen Erwachsenen mit einem Revolver bedrohen, werden daran gehindert zu schießen. Schimpansenmännchen, die Schimpansenbabys im Beisein der Mütter fressen, während sie diese vergewaltigen, zeigen „arttypisches Verhalten“. Nach dem Willen der Tierrechtler sollen sie darauf ein Grundrecht haben  („Recht auf Freiheit“).

Der wildlebende Schimpanse Frodo, der 2002 ein menschliches Baby tötete, zeigte damit ebenfalls “arttypisches Verhalten”, wie Jane Goodall betont: “Because chimpanzees are hunters and [...] their favourite prey is monkey infants, human beings are just one other kind of primate.” Frodo lebte bis 2013. Er wurde selbstverständlich nie für seine Tat zur Rechenschaft gezogen.

Laut tierrechtlichem Credo dürfe der Mensch keine Privilegien beanspruchen, bloß weil er kognitiv überlegen ist. Er dürfte der Gleichheitslogik zufolge aber auch nicht benachteiligt werden, weil er kognitiv überlegen ist. Wer den Menschen benachteiligt, weil dieser moral- und rechtsfähig ist, diskriminiert ihn aufgrund einer spezifisch menschlichen Eigenschaft, das heißt, weil er Mensch ist. Das paradoxe Resultat lautet, dass der Mensch durch das Diskriminierungsverbot diskriminiert wird. 

Der Vorwurf der Ungleichbehandlung ergibt jedoch nur unter Symmetriebedingungen Sinn. Menschen können Tiere daher gar nicht diskriminieren, denn beide sind in moralischer Hinsicht fundamental ungleich. Ungleichbehandlung von in relevanter Hinsicht Ungleichen ist gerecht. Man kann dem Menschen nicht sinnvoll vorwerfen: „Du glaubst wohl, du hättest Sonderrechte, bloß weil du allein alle Pflichten hast, was?“ Das ist so ähnlich, wie wenn man sagte: „Du glaubst wohl, du bist der Stärkste, bloß weil du mehr Kraft als alle anderen hast. Schwächere sind genauso stark wie du, also lass dich gefälligst von ihnen verprügeln!“ 

Paradoxe Botschaften wie die der Tierrechtler dienen tyrannischen Herrschaftsinteressen. Wer versucht, jemandem den Pelz zu waschen, ohne ihn nass zu machen, reibt sich bei diesem Versuch auf. Tierrechts-Gurus können je nach Gusto bestimmen, wer bei diesem Versuch erfolgreicher ist und wer nicht. 

* Von der philosophischen Frage des Determinismus, also ob Menschen tatsächlich anders können, sehe ich hier einmal ab. Denn sie spielt ja auch für Tierrechtler keine Rolle. Andernfalls würden sie keine moralischen Forderungen stellen.

Welthunger im veganen Zwangsdienst

Die Fleischproduktion, so behaupten Veganer mit Verve, sei schuld am Welthunger. „Wertvolle Nahrung“ lande in den Futtertrögen der Reichen, während 795 Millionen Menschen noch immer hungerten. Diese Anklage macht bei agrarisch Unwissenden stets großen Eindruck, sodass ihnen die Schnitzel in den Gierhälsen steckenbleiben. Dass universal praktizierter Veganismus die Lösung wäre, versteht sich dann natürlich von selbst. *Ironie aus*

Doch auch ohne jede agrarwissenschaftliche Kenntnis genügen die Kenntnisnahme der Daten sowie einfaches Nachdenken, um darauf zu kommen, dass obige These wohl ein bisschen schlicht ist:

1961 gab es etwas mehr als 3 Milliarden Menschen auf der Erde, von denen etwa 1,2 Milliarden hungerten (1950 hungerte noch jeder Zweite). 2015 gab es 7,35 Milliarden Menschen, von denen 795 Millionen hungerten. Heute werden also deutlich über 4 Milliarden Menschen mehr satt als 1961. Im selben Zeitraum ist die globale Fleischproduktion von 71 auf 318 Millionen Tonnen Schlachtgewicht gewachsen. Die Fleischproduktion hat sich mehr als vervierfacht. Tendenz steigend.


Von 1961 bis 2015 gab es also weltweit: erstens einen sehr starken Anstieg der Fleischproduktion, zweitens eine sehr starke Abnahme der hungernden Bevölkerung in Bezug auf die Gesamtbevölkerungszahl, drittens eine starke Abnahme der hungernden Bevölkerung in absoluten Zahlen. Der Welthunger hat im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung so drastisch abgenommen, dass heute 2,6 Milliarden Menschen hungern würden, wenn die Relation noch dieselbe wäre wie 1961.

Luftnummern statt Fakten 

Wie kommt man von diesen Zahlen zu der Behauptung, dass ausgerechnet die Fleischproduktion den Welthunger verursache? Ganz einfach, indem man gänzlich realitätsferne Theorien für bare Münze nimmt und als handfeste Fakten ausgibt. Man addiert die weltweiten Bruttonährstoffmengen und verteilt dann die Früchte dieser Rechenarbeit unter den geistig Armen. Hilal Sezgin füttert in ihrem neu erschienenen Jugendbuch sogleich den deutschen Nachwuchs damit : „Würden wir alles Getreide direkt selbst verzehren, statt es zu Tierfutter zu verarbeiten, könnten noch 4 Milliarden Menschen mehr ernährt werden.“

Derlei Studien sind jedoch wissenschaftlich nicht gehaltvoll. Sie werden gemacht, weil es eine starke Nachfrage danach gibt. Würden wir Holz und Kohle essen, könnten vielleicht 100 Milliarden Menschen mehr satt werden. Denn in Holz und Kohle sind viele Kalorien drin. Aber Vorsicht: nicht den Bibern das Frühstück wegessen! Hilal Sezgin verdirbt sich unterdessen den Magen an ihrem täglichen Einheitsgetreidebrei aus Massenertragspflanzen, die Leute bekommen von der getreidebasierten Kost ohne tierisches Eiweiß die schönsten Mangelerkrankungen, und alles wird gut. Dünger braucht auch kein Mensch. Wofür denn auch? Kann man doch selber essen!

Realitätscheck längst bestanden

Während in der Wirklichkeit längst eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden ist, dass mit hoher Fleischproduktion und intensiver Landwirtschaft viele Milliarden Menschen mehr satt werden als noch vor ein paar Jahrzehnten, sind Versuche, die vegetarischen Fieberphantasien in die Praxis umzusetzen, bisher katastrophal gescheitert. Als man vor hundert Jahren in Deutschland aufgrund abstrakt korrekter Berechnungen meinte, die Menschen sollten statt Schweinen lieber Getreide essen, verhungerten in der Folge 800.000 Menschen (Schweinemord).

Veganer scheinen unter Welthungerhilfe zu verstehen, den Welthunger tatkräftig zu fördern. Was würde wohl passieren, wenn diese Knallköpfe tatsächlich den Welternährungsverkehr regelten? Das könnte schon bald geschehen. Der amtierende Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, verkündet bereits, dass die Tötung von Nutztieren nicht mehr zu rechtfertigen sei. Im grünen Milieu und bei der sogenannten Bildungselite ist das bereits als feststehende Wahrheit anerkannt. 

Wie viele Milliarden Menschen müssten sterben, bis auch der letzte Naivling begriffe, wie menschenverachtend die Tierrechts-Ideologie ist und wie wenig Anlass besteht, deren Vertreter für respektable Personen zu halten? Der Welthunger wird ganz anderes besiegt werden, wenn Tierrechtler und Veganer dies nicht verhindern.

Rechte und Schnitzel

Der Untertitel von Hilal Sezgins Jugendbuch Wieso? Weshalb? Vegan! enthält zwei Tatsachenbehauptungen: 1. Tiere haben Rechte und 2. Schnitzel sind schlecht für’s Klima.
Tiere haben jedoch keine Rechte und Schnitzel sind nicht schlecht fürs Klima.

Recht

ist ein staatlich gesichertes Normensystem, das die Handlungsfreiheit der Menschen begrenzt und sie zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet.
Tiere sind nicht handlungsfähig und können daher die Interessen von Menschen nicht berücksichtigen. Sie können keine Normen befolgen und zu nichts verpflichtet werden. Dies gilt ohne Ausnahme für jedes einzelne Tier. Kein einziges Tier kann jemals Rechtssubjekt sein. Deshalb haben Tiere keine Rechte, sondern bleiben stets Objekte desselben.
Menschen haben alle Pflichten, deshalb auch alle Rechte. Tiere haben keine Pflichten, deshalb auch keine Rechte.

Menschen sind „von Natur aus“ (also üblicherweise) moral- und rechtsfähig. Sie schreiben einander ihre Taten als Verdienst oder Verschulden zu. Dass es ganz wenige menschliche Grenzfälle gibt, ändert nichts an der Sache. Wie Tibor R. Machan zu Recht betont, haben Begriffe an den Rändern immer Unschärfen. Deshalb muss man nicht Affen zu Menschen erklären. Ein Baum bleibt für uns offenbar auch dann ein Baum, wenn er keine Äste mehr hat, morsch ist oder „verkrüppelt“ aussieht. Bäume müssen nicht deshalb zu Vogelscheuchen erklärt werden, weil manche Bäume diesen vielleicht ähneln.

Es gibt gute Gründe, Demente oder Schwerstbehinderte weiterhin als Menschen anzusehen, Schimpansen oder Schweine jedoch nicht. Letztere sind erkennbar andere Lebewesen. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist so gewaltig, dass es eines ausgeprägten biologischen Tunnelblicks bedarf zu glauben, Menschen seien nichts als „nackte Affen“, „dritte Schimpansen“ oder ähnliches.

Mit moralischer und rechtlicher „Bevorzugung der eigenen Spezies“ (Speziesismus) hat das alles nichts zu tun. Die biologische Zugehörigkeit zur Art Homo sapiens sapiens ist nicht der Grund, Menschen Rechte zuzusprechen; sie ist nur ein pragmatisch höchst geeignetes Kriterium.

Der Versuch indes, Rechte für Tiere zu begründen, scheitert bei Sezgin und ihrer Gewährsfrau Martha Nussbaum besonders kläglich. Er besteht vor allem in der Aufzählung irgendwelcher vermeintlicher Fähigkeiten, von denen dann einfach gesagt wird, dass Tiere ein Recht hätten, sie auszuleben. Derlei Versuche, einen inneren Wert oder eine innere Würde aus beliebigen Eigenschaften zu destillieren, hängen – wie Norbert Hoerster sagen würde – begründungstheoretisch in der Luft.

Schnitzel

(Schweinefleisch) wird mit vergleichsweise wenig Kohlenstoff-Emissionen produziert. Reisanbau ist zum Beispiel viel klimaschädlicher. Der weltweite Methanausstoß durch Reisanbau beträgt etwa zwei Drittel der Metahnemission von Wiederkäuern. Würden die Menschen mehr Schweine- und Geflügelfleisch statt Wiederkäuerfleisch und Reis essen, könnte die Emission von Treibhausgasen drastisch gesenkt werden.

Ob das wünschenswert sein kann, ist eine andere Frage. Denn Wiederkäuer verwerten für Menschen gänzlich unverdauliche Nahrung, während Schweine und Geflügel zum Teil in Nahrungskonkurrenz zum Menschen stehen. Da diese Tiere aber wesentlich bessere Futterverwerter sind als Menschen, fällt diese Nahrungskonkurrenz nicht so stark ins Gewicht, wie Veganer und Fleischkritiker gerne behaupten. Die Produktion von Hochleistungsrassen in der Massentierhaltung ist klimafreundlicher als extensive Haltung von Rassen geringer Leistung.

Fazit

Die Wahrheit ist weitaus komplizierter als die einfachen Unwahrheiten, die Sezgin schon in der Überschrift präsentiert. Wäre Sezgin an Jugendlichen interessiert, würde sie berücksichtigen, dass sehr junge Menschen dazu neigen, in strikten Freund-Feind-Kategorien zu denken, weil sie moralisch noch nicht ausgereift sind.

Sezgin will Jugendliche aber auf ihren eigenen Infantilismus verpflichten, den sie auch mit noch soviel philosophischem Wortgeklingel nicht verbergen kann. Es ist ja in hohem Maße kindisch anzunehmen, dass die Übel der Welt beseitigt werden könnten, wenn Sezgins Lieblingstiere ein Recht auf Leben zugesprochen bekämen.

Aufklärerisch wäre es, den Jugendlichen mit einfachen Worten zu vermitteln, dass die Dinge so einfach nicht sind. Antiaufklärerisch ist es, die Jugendlichen um einer überwertigen Idee willen vorsätzlich dazu anzuleiten, sich selbst und anderen zu schaden.

Kochen ohne … Hildmann

Dem Vater grauset’s 

Ich habe mal einen Blick auf die Homepage des populären veganen Kochbuchautors Attila Hildmann geworfen. Dort wird unter anderem Folgendes behauptet:


Als sein Vater vor 14 Jahren einen Herzinfarkt erlitt, war das ein Schock für ihn. Attila beginnt damit, sich intensiv mit dem Thema „gesunde Ernährung“ zu beschäftigen. Er findet heraus, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel das Leben seines Vaters beendet hat und sagt dem Cholesterin den Kampf an.


Diese Aussage ist befremdlich. Kraft welcher Belege will Hildmann herausgefunden haben, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist? Die behandelnden Ärzte werden ihm eine derartige Auskunft nicht erteilt haben; sie hätten guten Gewissens allenfalls Vermutungen in diese Richtung äußern können.

Doch selbst diese Vermutungen wären überaus gewagt gewesen, denn die Hypothese, dass vom Nahrungscholesterin – und darum geht es ja wohl – eine Gesundheitsgefahr ausgehe, konnte nie belegt werden. Deshalb ist auch die Behauptung, Cholesterin sei für koronare Herzkrankheiten verantwortlich, falsch oder zumindest sehr zweifelhaft. Die US-Regierung hat ihren Gesundheitsbehörden im Jahr 2015 empfohlen, alle Warnungen bezüglich Cholesterin künftig zu unterlassen.

In einem Interview mit der SZ merkt die Redaktion an, dass dem Herzinfarkt von Hildmann senior erhöhte Cholesterinwerte vorausgegangen seien. Daraus zu schließen, dass Cholesterin die Ursache für den Herzinfarkt war, ist selbstverständlich ein Fehlschluss der Marke  danach, also deswegen. Meinem zukünftigen Tod ist die Geburt vorausgegangen. Ich werde jedoch nicht an ihr sterben. 

Logische Folgerung: Hildmann kann überhaupt nicht wissen, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist. Der Kampf gegen das Cholesterin erweist sich daher als Don-Quichotterie. Cholesterin ist unentbehrlich, um Nervenzellen und Gehirnzellen aufzubauen. Cholesterin-Mangel kann hingegen sehr gefährlich werden. Diesbezügliche Kampfhandlungen sollten also unterbleiben. Friede dem Hüttenkäse, Krieg den Seitanpalästen!

Die Geschichte über den Vater wirkt auf mich wie eine jener rührseligen Storys, die zwielichtige Personen an Wohnungstüren erzählen, um den Bargeldspiegel argloser Senioren zu senken.

Attila Hildmann beim insehen – mitfühl und sF

Dick & Dünn

Hildmanns Erfolg gründet wohl vor allem darauf, dass er früher dicklich war, jetzt dünn ist und behauptet, sein Gewichtsverlust sei die Folge veganer Ernährung. Darauf reagieren die Konsumenten heute mit gierigem Speichelfluss, denn kaum etwas ist für sie schlimmer, als dick zu sein. Dicke sind in diesem Land starker Diskriminierung ausgesetzt (siehe z.B. diese Dissertation, Kapitel 3. Und meinen Text). 

Zusätzlich zum herkömmlichen Schlankheitsversprechen bietet Hildmann der Kundschaft die typischen Veganer-Extras: Pseudomoral und Ökosprech („Veganismus ist das Beste für den Planeten“). So können die Kunden ihren schnöden Schlankheitswahn überhöhen und diverse Essstörungen als ethisch hochstehend rechtfertigen. 

Vielleicht ist Hildmann erfolgreicher als beispielsweise der Musikmanager Andreas Bär Läsker, weil dieser trotz veganer Kur noch immer irgendwie rundlich wirkt. Falls beide wieder aufquellen und am Ende so dick sein sollten wie vorher, können sie einpacken. Dann ist ihr Nimbus trotz Moralgewäsch und Tierleidgefasel dahin, die Kundschaft fühlt sich betrogen und wandert geschlossen zu Detlef D! Soost ab (I make you sexy).

Mit Gesundheit hat das alles nichts zu tun, denn „Übergewichtige“ leben im Schnitt länger als Dünne und haben auch bessere Chancen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu überleben. Der pummelige Attila hätte statistisch gesehen also eine längere Lebenserwartung als der dürre. 

Die gesundheitlichen Folgen des Schlankheitswahns werden hingegen weithin unterschätzt. Magersucht ist diejenige psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. 90 % der Magersüchtigen sind Mädchen oder Frauen. Jugendliche sind besonders gefährdet. Man könnte die Werbestrategie Hildmanns und anderer veganer Lifestyle-Apostel also durchaus als jugendgefährdend bezeichnen. Denn es wird hierbei moralischer Druck aufgebaut, der es jungen Menschen zusätzlich erschwert, den Veganismus aufzugeben, sobald sie Mangelerscheinungen bekommen. Motto: Was soll denn der arme Planet von mir denken? 

Vegane Kreislaufwirtschaft

Der Verdacht, dass die propagierte vegane Ernährungsweise nicht gesund sein kann, muss sich jedem skeptischen Betrachter doch schon allein deshalb aufdrängen, weil Hildmann parallel zu seinen Kochbüchern ein Präparat bewirbt, welches die Mängel der betreffenden Ernährungsweise auszugleichen verspricht. Zitat:

Wer aber auf tierische Lebensmittel verzichtet, sollte besonders auf die Zufuhr solcher Vitamine achten, die vor allem in Fleisch, Fisch & Co stecken. Das sind die Vitamine B12 und D3, die Spurenelemente Jod, Selen und Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Wäre ihm vor allem an Gesundheit gelegen, würde Hildmann einfach Fleisch, Fisch und Co. empfehlen anstatt ein Nahrungsergänzungsmittel zu bewerben, in welchem die Zusatzstoffe recht wild zusammengerührt zu sein scheinen. Ich würde so ein Zeug niemals schlucken, und Kindern würde ich das schon gar nicht verabreichen.

Mangel an essentiellen Stoffen hat unweigerlich gesundheitsschädigende Auswirkungen. Dieser Mangel wird bei Veganern durch das Gebot verursacht, keinerlei tierische Nahrung zu konsumieren. Ein solches Gebot kann fatale Auswirkungen haben. Vegane Kost kann nur mit Hilfe von synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt in die Nähe des gesundheitlich Verträglichen gerückt werden. Dies widerspricht schon rein logisch der Behauptung, vegane Kost sei als solche besonders gesund. 

Der oft geäußerte vegane Einwand, dass es auch „Fleischesser“ gibt, die z.B. an Vitamin-B-12-Mangel litten, verfängt nicht. Dazu folgendes Beispiel: Eine Lebensweise, deren Gebot es ist, keinen Sauerstoff zu sich zu nehmen, führt notwendig zum Erstickungstod. Dass andere Menschen aus vielerlei anderen Ursachen ebenfalls ersticken, ändert daran nichts. Normale Menschen würden im Zweifelsfall einfach atmen, bevor sie den Erstickungstod sterben; den Sauerstoff-Abstinenzlern wäre dies jedoch nicht erlaubt. 

Hildmanns Nachdenklichkeit

In einem Facebook-Post vom 22. Februar 2016 zitiert Hildmann sich selbst aus oben verlinktem SZ-Interview und versieht den Post mit dem Button nachdenklich.

Anfangs stand für mich die Frage im Raum: Kannst du einem Tier wehtun? Dann habe ich mir diese ganzen blutigen Videos angeschaut und wusste: Nur um jeden Morgen mein Leberwurstbrot zu essen, hätte ich einfach keinen Bock, ein Tier abzustechen. Ein Freund, der mich von der vegetarischen Idee überzeugt hat, wurde damals durch religiöse Themen angesprochen. Im Buddhismus gibt es die These, dass jedes Lebewesen Gottesatem hat. In der abendländischen Kulturgeschichte gibt es ähnliche Gedanken, zum Beispiel bei Schopenhauer.

Hier ist jeder Satz unfreiwillig komisch. Anstatt „diese ganzen blutigen Videos“ anzuschauen hätte er auch „jene ganzen unblutigen Videos“ anschauen können. So what? Er ist nicht bereit, für Leberwurst Schweine oder Kälber abzustechen. Wäre er denn bereit, alle Mäuse oder Ratten persönlich zu vergiften und qualvoll sterben zu lassen, die für seine Salat- und Gemüsegerichte dran glauben müssen? Viele Zutaten dieser Gerichte haben im Gegensatz zu Leberwurst so gut wie keinerlei Nährwert. Der Tod der Schadnager wäre also nicht nur qualvoll, sondern auch umsonst.

Die Bemerkung über den Buddhismus ist sinnfrei. Hildmanns Nachdenklichkeit reicht nicht so weit, zu erörtern, was daraus folgt, dass alle Lebewesen angeblich einen „Gottesatem“ haben. Ein Tötungsverbot scheint daraus jedenfalls nicht zu folgen, denn Pflanzen sind bekanntlich auch Lebewesen und hätten also ebenfalls einen eingebauten „Gottesatem“. Hildmann mag diesen Atem spüren, wenn er sich in die Ledersessel seines Porsches setzt. Denn dafür mussten Rinder ihren Atem aushauchen und auf eine Reise gehen, von der niemand zurückkommt.

Das Tötungsverbot gilt im Buddhismus nur für den Weisen. Der normale Buddhist darf sehr wohl Fleisch konsumieren. Aber:

Während der Konsument, der das Fleisch lediglich kauft, entlastet wird, werden die Produzenten, welche die Tötung durchführen (Fischer, Metzger usw.) verachtet und sozial diskriminiert,

schreibt der Indologe Lambert Schmidthusen und bezeichnet diese Haltung als ein “Manko” der buddhistischen Lebensweise. Fischer, Metzger usw. haben vom Gottesatem nicht viel. Dass man diejenigen verachtet, die einen ernähren, kommt mir irgendwie bekannt vor. Das ist ja eine feine Moral!

Ich habe das Gesamtwerk Schopenhauers gelesen. Auf einen „Gottesatem“ wird dort nicht Bezug genommen. Schopenhauer lehnte den Vegetarismus ab. Außerdem ging seine Tierliebe mit ausgeprägter Menschenfeindschaft einher. Dass er von Hildmann vereinnahmt wird, hätte ihn sicher zu derben Kraftausdrücken veranlasst. Gedanken, die dem Buddhismus und Schopenhauers Philosophie entlehnt sind, finden sich auch bei Hitler, Himmler und Co. Was besagt also „Ähnlichkeit“ in diesem Fall? Und worin genau besteht sie?

Strenger Buddhismus und Schopenhauer fordern eine asketische Lebensweise. Sowohl für den Buddhismus als auch für Schopenhauer ist die Nichtexistenz das Erstrebenswerte (Nirwana). Protzerei und hedonistisches Gehabe müsste sich der “Starkoch” also schon mal verkneifen. Porsche und Halligalli bei Let’s dance wären tabu. 

Fassen wir zusammen: Hildmann hat irgendwelche blutigen Videos gesehen (welche genau, teilt er nicht mit), will etwas nicht tun, wozu ihn niemand zwingt (Tier abstechen), hat Gerüchte über Buddhismus und Schopenhauer vernommen, kann aber nicht sagen, was sie bedeuten. Diese losen Gedanken und Assoziationen sollen tiefgründig wirken. Doch wie heißt es so schön in Otto Waalkes’ Wort zum Sonntag: „Sollte uns das nicht zu denken geben? Ich glaube, nein.“

Frage: Wenn das Hildmanns Nachdenklichkeit ist, wie sieht dann erst seine Gedankenlosigkeit aus?

Fazit

Attila Hildmann lässt keinerlei Urteilskraft erkennen. Sein ganzes Tun ist ebenso durchsichtig, wie es zum Lachen reizt. Leider bedeutet sein Erfolg, dass eine Form der Mangelernährung popularisiert wird, die vor allem für Kinder und Jugendliche von großem Schaden sein kann. Ferner wird eine Idee weitergetragen, die moralisch äußerst fragwürdig und im Kern totalitär ist (Veganismus). Da hört für mich der Spaß auf.

 

Veganes Leben lebt nicht

Halbherziger Verzicht

„ZDF-Moderatorin und Kochbuch-Autorin Jasmin Hekmati lebt vegan. Sie verzichtet, gemeinsam mit ihrem Mann, auf alle tierischen Produkte“, heißt es bei Stern-Online.

Diese Aussage ist mit Sicherheit falsch. Zu den tierischen Produkten zählen nämlich nicht nur „Fleisch, Käse, Eier und Fisch“; zu den tierischen Produkten zählt zum Beispiel auch alles, was beim Vieh hinten herauskommt und in Form von Gülle, Mist, Guano u.ä. als Dünger für die angebauten Pflanzen verwendet wird.

Wenn Frau Hekmati also „ganz normale Sojamilch“ und andere pflanzliche Produkte im Supermarkt kauft, sind diese höchstwahrscheinlich mit tierischen Produkten gedüngt worden – ganz egal, ob diese nun aus dem normalen Supermarkt, aus dem „Biosupermarkt“ oder aus dem „veganen Supermarkt“ stammen. Auch Nahrungsmittel, die nicht mit tierischem Dünger hergestellt werden, haben die Nutzung und den massenhaften Tod von Tieren und anderen Lebewesen zur Voraussetzung.

Viehlos glücklich?

Nachhaltige Landwirtschaft ist – universal praktiziert – nicht ohne Viehhaltung möglich. Viehlose Betriebe können die viehhaltenden nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Sie finden sich in Gesellschaften mit ausdifferenzierter Landwirtschaft dort, wo die Böden eine so hohe Qualität haben, dass sich die ansässigen Betriebe auf Ackerbau für Speisepflanzen spezialisieren können. In Gegenden mit schlechteren Böden (z.B. Sandböden in Niedersachsen) oder viel unwegsamen Grasland (z.B. Allgäu) spezialisiert man sich hingegen auf die Viehhaltung.

Der Überschuss an tierischen Nährstoffen in Gebieten mit intensiver Viehhaltung kann und sollte zu viehlosen Betrieben transportiert werden, damit diese nicht ausschließlich mit „Kunstdünger“ arbeiten müssen, der heute immer knapper und deshalb teurer wird. Gülle ist ein wertvoller Rohstoff, dessen gezielter Einsatz den Anteil an Kali- und Phosphat-(„Kunst“)dünger um 90 % verringern konnte, ohne die Erträge zu senken.

Die viehhaltenden Landwirte füttern die Veganer durch. Veganismus schmarotzt bei der Lebens- und Produktionsweise, die er ablehnt. Das zeigt sich auch beim Honig. Veganer lehnen in der Regel Honig ab, weil er aus der „Bienen-Massentierhaltung“ stammt. Doch wer soll die riesigen Mengen Obst für die Veganer bestäuben, wenn es keine Bienen mehr aus menschlicher Haltung gibt? Die paar Wildbienen reichen da nie und nimmer. In Gewächshäusern werden überdies Hummeln zur Bestäubung „versklavt“.

Wenn Veganer statt Milch Mandelmilch trinken, machen sie sich in besonderem Maße der “Bienensklaverei” schuldigWer viel Obst isst, hat sehr wahrscheinlich mehr „hochentwickelte“ Tiere auf dem Gewissen als jemand, der kein Obst, dafür aber gerne Steaks isst.

Allein aufgrund dieser paar Fakten und Zusammenhänge stellt sich bereits die Frage, warum vegane Eltern überhaupt soviel Energie in ihr häusliches Zwangssystem investieren. Es ist nämlich von vornherein aussichtslos und moralisch unsinnig, seine Lebensweise danach auszurichten, wie viel „Tierleid“ sie mutmaßlich verursacht. Die Maßeinheit fehlt hier ebenso wie die Instrumente, um das Leid zu quantifizieren. 

Die pure Anzahl getöteter Tiere taugt nicht. Denn Sterben kann mit mehr oder weniger Leid verbunden sein. Fachgerecht geschlachtetes Vieh leidet sehr wenig, fachgerecht vergiftete Nager leiden sehr viel. Das alles in einem Gesamtkalkül sinnvoll gegeneinander aufzurechnen, ist ein vergebliches Unterfangen.

Absurdes Theater

Frau Hekmati antwortet auf die Frage, wie sie auf den Veganismus gekommen sei, folgendes:

Im Prinzip hat mich mein Sohn darauf gebracht, der mich ganz naiv gefragt hat, warum er unsere Katze Otto nicht am Schwanz ziehen darf. Ich habe ihm erklärt, dass man anderen Lebewesen nicht weh tut, dass sie auch Schmerzen fühlen. Währenddessen stand ich gerade am Herd und habe ein Steak gebraten. Erst da fiel mir auf, wie inkonsequent ich doch war. Wie kann ich meinem Sohn erzählen, dass wir Tieren keine Schmerzen zufügen dürfen, und beim Essen endet dann diese Moral?

Das ist eine jener typischen Schnurren, in denen der Eindruck vermittelt werden soll, Kinder hätten ihre Eltern von sich aus zu irgendwelchen moralisch bedeutsamen Lebensentscheidungen genötigt. Solche Geschichten mit Kind und Katze dienen gemeinhin dem Zweck, Kritiker von vornherein emotional ins Unrecht zu setzen. Ein alter Propaganda-Trick, der offenbar auch im Privatleben bestens funktioniert: „Ich tu das alles nur der Kinder und der Tiere wegen. Bist du etwa gegen Kinder und Tiere?“ Als ob der Junge ein Interesse an veganer Ernährung geäußert hätte! 

Selbst wenn sich das Erweckungserlebnis tatsächlich so zugetragen haben sollte, fiele kein günstiges Licht auf die Bekehrte. Denn anstatt einfach zu antworten: „weil Otto es nicht mag“, redet die Mutter sich gegenüber einem Zweijährigen um Kopf und Kragen. Der Kleine wollte mit seiner Frage bloß ein bisschen Orientierung, doch Mutter verdonnert die ganze Familie gleich für die nächsten Jahrzehnte zu veganer Kost. Das Kind könnte daraus lernen, seiner Mutter besser keine Fragen mehr zu stellen.

Der naheliegende Gedanke, dass ihre Maxime untauglich sein könnte, weil sie auf falschen Prämissen beruht und nicht verallgemeinerbar ist, geht bei der ganzen Betriebsamkeit unter. Quäle nie ein Tier zum Scherz, hätte ja als Maxime ausgereicht. Viehhaltung und Fleischproduktion werden nämlich keineswegs zum Scherz betrieben und haben auch nicht den Zweck, Tiere zu quälen. Die Frage, warum man das dem Kind überhaupt erklären muss, wo Kinder doch angeblich von Natur aus so mitfühlend sind, bleibt wieder einmal unbeantwortet.

Frau Hekmati verfängt sich in einem Pseudokonflikt, den sie durch erhöhten Konsequenzaufwand zu lösen versucht. Damit rutscht sie unweigerlich jene schiefe Ebene herab, die alle Veganer schließlich in den Quatsch plumpsen lässt. Inkonsequenz ist hier nicht das Problem; die Probleme sind schlampiges Denken, moralische Kurzsichtigkeit, fehlende Sachkunde.

Diskurs mit Dreikäsehoch

Selbst ein Dreikäsehoch wird bemerken, dass da etwas faul ist. Wenn Lebewesen Schmerzen fühlen und man ihnen nicht weh tut – warum köpft Mutti den Salat und jagt die Bananen durch den Mixer? So sei das alles nicht gemeint, müsste Mutti antworten, denn der Salat spüre keinen Schmerz, genau wie alle anderen Pflanzen. Aha.

Sohn: Sind denn Pflanzen keine Lebewesen?

Mutti: Doch, aber … die spüren eben keinen Schmerz.

Sohn: Wieso nicht? Hast du doch eben gesagt!

Mutti: Ja, äh (schlägt im Veganer-Handbuch nach) … weil Pflanzen nicht weglaufen können.

Sohn: Was weglaufen kann, kann Aua fühlen?

Mutti: Ja … ähm …

Sohn: Auch die Spinne da? Oder die dicke Wanze? Und mein Spielzeug-Roboter?

Mutti: Hm … also die fühlen auch was, aber … keinen Schmerz. Der Roboter ist eine Maschine.

Sohn: Aber die können doch weglaufen!

Mutti: Ja, aber das ist was anderes.

Sohn: Wieso ist das was anderes?

Mutti: Weil Pflanzen und Insekten kein zentrales Dings … Nervenkostüm …

Usw.

(nur nebenbei: Pflanzen sind 100 bis 1000 mal berührungsempfindlicher als jedes Tier)

Mutter wird dann irgendwann den Kreis der moralisch Auserwählten drastisch eingeschränkt haben, nämlich auf die Wirbeltiere (5 % aller Arten) plus ein paar Zerquetschte, z. B. Hummer oder Bienen – alle Arten eben, die dazu taugen, Nicht-Veganer als Unmenschen dastehen zu lassen. Der Junge wird das nicht begreifen, denn seine Mutter hat sich zuvor derart weit aus dem Fenster gelehnt, dass ihre Einschränkungen wie Rücknahmen wirken.

Die Futterdose der Pandora

Wenn das Kind irgendwann lesen kann, könnte sich folgender Dialog entspinnen:

Sohn: Guck mal, Mutti, ich kann lesen, was auf Ottos Futterdosen steht: „Rind“

Mutti (beglückt): Stimmt!

Sohn: „Lamm“, „Huhn“, „Pute“

Mutti: Super!

Sohn: Das isst Otto.

Mutti: Genau. Er frisst es nicht, er isst es. Genau wie wir Menschen. Denn „fressen“ sagen die Menschen nur, um die Tiere zu erniedrigen.

Sohn: Wir essen aber gar kein Rind, kein Huhn, keine Pute …

Mutti: Nein. Denn es sind ja Lebew … äh … Tiere … also schmerzempfindliche … mit zentralem Dings … Und du weißt ja:

Mutti & Sohn: „Ein Tierlein niemals hau’! Es spürt wie du das Au. Beim Tierlein mache ei, damit es glücklich sei.“

Sohn: Und wie kommen die Tiere in die Dosen?

Mutti: Ja, also, die sind tot und werden dann zu … öhm … Fleisch verarbeitet.

Sohn: Wieso darf Otto Fleisch und ich nicht?

Mutti: Weil Otto ein Fleischfresser … äh -esser ist. Er kann nichts anderes essen.

Sohn: Und wieso sind die Tiere in den Dosen tot?

Mutti: Weil sie geschlachtet wurden.

Sohn: Geschlachtet?

Mutti: Ja, totgemacht.

Sohn: Von wem?

Mutti: Von Schlachtern. Das sind Menschen, die gelernt haben, Tiere zu töten.

Sohn: Macht das nicht au?

Mutti: Äh, ja doch … aber …

Sohn (empört): Bei Tieren macht man ei, nicht au!

Mutti: Mein Gott, du hast recht! Weißt du was? Otto kriegt ab jetzt nur noch Pflanzen zu essen. Danke, mein Schatz. Ich war so inkonsequent.

Sohn: Aber Otto kann doch gar keine Pflanzen essen.

Mutti: Ach so … ähem … (scrollt auf veganen Ratgeberseiten). Doch! Vebu und Peta sagen: alles kein Problem.

Sohn: Otto macht anderen Tieren au. Hab ich gesehen. Vögelchen und Mäuschen. Dann macht er die tot und legt sie uns vor die Tür.

Mutti: Ja, Otto ist ein Tier. Er kann nicht anders.

Sohn: Aber Otto macht au! Otto ist böse.

Mutti: Nein. Otto folgt nur seinen … äh … Trieben.

Sohn: Otto ist dumm!

Mutti: Nein, er ist nur … äh … anders. Also, er hat so Instinkte … die kann er nicht …

Sohn: Otto ist dumm und böse! Wenn Otto au machen darf, mach ich jetzt auch au!

Sohnemann packt Otto am Schwanz, zieht daran. Otto faucht und kratzt Sohnemann. Sohnemann plärrt. Mutti ist mal wieder mit ihren Nerven am Ende. Den Tieren zuliebe, der Umwelt zuliebe, dem Planeten zuliebe. Und was ist der Dank? Ein Ehemann, der heimlich mit den Kindern zu McDonald’s geht.

So stelle ich mir die erbaulichen Gespräche in veganen Haushalten vor, wo der wache Geist der Kinder mit Moralin betäubt wird und der Infantilismus der Erwachsenen sich am schutzbefohlenen Objekt delektiert, sodass Mündigkeit gar nicht erst entstehen kann.
Ein besonders schlimmes Beispiel hierfür ist übrigens die Initiative von Eltern für veganes Essen an Schulen.

Moralkater durch Katzenhaltung

Vegane Besitzer karnivorer Schmusetiere machen sich nicht der Inkonsequenz, sondern der Scheinheiligkeit schuldig. Die Anzahl getöteter Vögel und Kleinsäuger durch Katzen mit Freigang ist riesig. Auch wenn die für Deutschland oft genannte Zahl von 200 Millionen getöteten Singvögeln jährlich übertrieben sein mag, dürfte diese Zahl jedoch hinkommen, wenn man alle von Miezen gekillten Kleinsäuger mitzählt.

Wenn sich nun jemand darauf herausredet, seine Kätzchen nur in der Stube zu halten, bekommt er gleich wieder Ärger. „Artgerecht ist nur die Freiheit“, meint die Tierrechtlerin Hilal Sezgin. Also raus mit den Katzen an die frische Luft! Dort können sie eifrig Küken schreddern – naturbelassen, ganz ohne Betäubung und mit krallenbewehrter Pfotenarbeit.
Wie viele Schmusetiere in Privatwohnungen wohl ein elendes Dasein führen?

Merke: Man kann nicht ohne Selbstwiderspruch darüber klagen, dass Schweine, Rinder oder Hühner nur im Stall gehalten werden, und zugleich Tiere ausschließlich in der Wohnung halten.

Außerdem sollten auch die Stubentiger artgerecht gefüttert werden. Da Katzen unbestreitbar echte Karnivore sind, werden genau diejenigen Tiere für sie geschlachtet, welche von Veganen „befreit“ werden sollen: Rind, Lamm, Huhn, Pute usw. Der Agrarstatistiker Georg Keckl hat errechnet, dass allein für das Tierfutter von Miezi, Bello und Co. hierzulande mehr Tiere getötet werden als für den Gesamtbedarf des Freistaates Bayern. Der Umsatz allein für Katzenfutter beläuft sich in der Bundesrepublik auf 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Aufgrund dieser Schwierigkeit sind Veganer auf die Idee gekommen, Katzen und Hunde wie die eigenen Kinder zwangsweise zu veganisieren. Es kursieren diverse Wundergeschichten, worin fleischlose Fleischfresser ein höheres Alter erreichen als Jopi Heesters und Methusalem zusammen.

Es hat ja auch stets jemand daneben gesessen und genau darauf geachtet, was der angeblich vegan gefütterte älteste Hund der Welt in 27 Lebensjahren so in sich reingestopft hat. Derlei Geschichten erinnern mich an eine Folge der Comedy-Sendung King of Queens, wo der erwachsene Sohn Doug – ein Mittdreißiger – gar nicht bemerkt hat, dass Familienhund Rocky bereits mehrfach durch Nachfolger ersetzt worden ist und es sich bei der aktuellen Ausgabe um Rocky 5 handelt.

Die Veganisierung von Hund und Katze ist schlichtweg Tierquälerei. Hunde können zwar einen größeren Anteil pflanzlicher Kost vertragen als Katzen, aber auch sie sind zum guten Gedeihen auf tierisches Protein angewiesen. Die possierliche Liste an Supplementen und Ersatzprodukten, die etwa die Tierrechtsorganisation Peta empfiehlt, lässt den Verdacht aufkommen, dass Peta an den Präparaten mitverdient. Gesund ist das Zeug für die Tiere jedenfalls nicht.

Merke: Veganer haben keine Probleme zu behaupten, die Sonne drehe sich um die Erde oder letztere sei eine Scheibe, wenn dies dem Zweck dient, ihre Obst- und Gemüsereligion gegen rationale Einwände zu immunisieren.

Schmusetiere auf der veganen Abschussliste

Warum steht die Haltung von Abermillionen fleischfressender Schmusetiere nicht an erster Stelle der veganen Kritik? Viehhaltung hat den handfesten gesellschaftlichen Nutzen, hochwertige Nahrung bereitzustellen und nachhaltige, ertragreiche Landwirtschaft zu ermöglichen. Doch welchen Nutzen haben die heutigen Schoßtiere, außer individualisierten Großstadtbürgern als Ersatzmenschen zu dienen? Die Abschaffung aller Schmusetiere würde die Welt von Myriaden überflüssiger Fresser und Milliarden Kubikmetern nicht verwertbarer Fäkalien befreien – ganz zu schweigen von den abertausend Verletzungen durch Bisse oder den Übertragungen von Krankheiten, Würmern, Parasiten.

Es gibt radikale Tierrechtler, welche die Abschaffung der Schmusetiere fordern. Ihrer Logik zufolge dürften sie dabei jedoch nicht Halt machen. Einige fordern daher bereits die Abschaffung aller Raubtiere. Ganz konsequent sind indes nur diejenigen, welche die Abschaffung allen Lebens fordern.

Das ist uns doch tofuwurst!

Wie gehen Veganer mit solchen Einwänden um? Sie ziehen einen Flunsch oder springen einem gleich mit dem nackten Popo ins Gesicht. Schließlich sei man nicht perfekt. Das sagen die Zölibatären auch immer, wenn sie beim Geschlechtsakt oder beim Onanieren erwischt werden: Wir sind alle arme Sünder. Außerdem seien Fleischesser generell empathielos. Basta! Immerhin, so heißt es dann, tue man etwas und trage mit seinen Verzichtsverrenkungen ein kleines Bisschen zur Verbesserung der Welt bei. Dass sie damit ein großes Bisschen zu deren Verschlechterung beitragen, ist eben „unvermeidbar“.

»Utopischer dritter Frühling«

Jan Grossarth schreibt heute in einem an sich guten Artikel, dass die Biolandwirtschaft angesichts der jüngsten negativen Schlagzeilen über ihre “utopische Frühzeit” stolpere. Er behauptet, diese Frühzeit läge in den 1980er Jahren. Das trifft allerdings nicht zu. Als Frühzeit der Biolandwirtschaft in Deutschland kann bereits die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten. Mit dem völkischen Denken und der Lebensreformbewegung wurde die geistig-praktische Grundlage des Ökologismus und der Biolandwirtschaft geschaffen. Man experimentierte schon damals mit allerlei “naturnahen” Anbauformen. Bereits 1893 erfolgte zum Beispiel die Gründung der vegetarischen Obstbausiedlung Eden.
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft wurde Mitte der 1920er Jahre von Rudolf Steiner begründet und später auch von einigen führenden Nazis  (Himmler, Hess, Darré) befürwortet, von anderen jedoch abgelehnt (Göring, Heydrich, Bormann) und schließlich 1941 verboten. Dieses Verbot hinderte Himmler jedoch nicht, weiter Versuche mit dieser Wirtschaftsweise durchführen zu lassen. Der völkische Unrat, mit welchem die Biolandwirtschaft in ihrer Frühzeit verbunden war, passte recht gut zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis.
Nach dem Krieg war damit allerdings erst einmal ganz Schluss. Es waren Fortschrittsoptimismus und Technikfetischismus angesagt. Das völkisch-organische Vokabular wurde in der Öffentlichkeit weitgehend durch ein technokratisches ersetzt. Doch bereits mit der Ölkrise in den 1970er Jahren blubbere jener Unrat wieder hoch und kontaminierte die aufkommende Ökobewegung. Viele alte Nazis fanden bei den Grünen und in Naturschutzverbänden ein neues Zuhause. So wurde zum Beispiel der ehemalige “Reichslandschaftsanwalt” Alwin Seifert zu einem gefeierten Pionier der bundesrepublikanischen Ökobewegung. Sein Buch Gärtnern, Ackern ohne Gift ist nach wie vor ein Klassiker und hat sicher auch die Grünen dazu inspiriert, eine Landwirtschaft ohne Gift (und Gentechnik) zu fordern.

Die “utopische Frühzeit” der hiesigen Biolandwirtschaft erweist sich daher als dritter Frühling einer schon ziemlich betagten Ideologie. Der völkisch-rassistische Charakter dieser Ideologie macht sie daher auch für Rechtsradikale attraktiv.