Kochen ohne … Hildmann

Dem Vater grauset’s 

Ich habe mal einen Blick auf die Homepage des populären veganen Kochbuchautors Attila Hildmann geworfen. Dort wird unter anderem Folgendes behauptet:


Als sein Vater vor 14 Jahren einen Herzinfarkt erlitt, war das ein Schock für ihn. Attila beginnt damit, sich intensiv mit dem Thema „gesunde Ernährung“ zu beschäftigen. Er findet heraus, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel das Leben seines Vaters beendet hat und sagt dem Cholesterin den Kampf an.


Diese Aussage ist befremdlich. Kraft welcher Belege will Hildmann herausgefunden haben, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist? Die behandelnden Ärzte werden ihm eine derartige Auskunft nicht erteilt haben; sie hätten guten Gewissens allenfalls Vermutungen in diese Richtung äußern können.

Doch selbst diese Vermutungen wären überaus gewagt gewesen, denn die Hypothese, dass vom Nahrungscholesterin – und darum geht es ja wohl – eine Gesundheitsgefahr ausgehe, konnte nie belegt werden. Deshalb ist auch die Behauptung, Cholesterin sei für koronare Herzkrankheiten verantwortlich, falsch oder zumindest sehr zweifelhaft. Die US-Regierung hat ihren Gesundheitsbehörden im Jahr 2015 empfohlen, alle Warnungen bezüglich Cholesterin künftig zu unterlassen.

In einem Interview mit der SZ merkt die Redaktion an, dass dem Herzinfarkt von Hildmann senior erhöhte Cholesterinwerte vorausgegangen seien. Daraus zu schließen, dass Cholesterin die Ursache für den Herzinfarkt war, ist selbstverständlich ein Fehlschluss der Marke  danach, also deswegen. Meinem zukünftigen Tod ist die Geburt vorausgegangen. Ich werde jedoch nicht an ihr sterben. 

Logische Folgerung: Hildmann kann überhaupt nicht wissen, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist. Der Kampf gegen das Cholesterin erweist sich daher als Don-Quichotterie. Cholesterin ist unentbehrlich, um Nervenzellen und Gehirnzellen aufzubauen. Cholesterin-Mangel kann hingegen sehr gefährlich werden. Diesbezügliche Kampfhandlungen sollten also unterbleiben. Friede dem Hüttenkäse, Krieg den Seitanpalästen!

Die Geschichte über den Vater wirkt auf mich wie eine jener rührseligen Storys, die zwielichtige Personen an Wohnungstüren erzählen, um den Bargeldspiegel argloser Senioren zu senken.

Attila Hildmann beim insehen – mitfühl und sF

Dick & Dünn

Hildmanns Erfolg gründet wohl vor allem darauf, dass er früher dicklich war, jetzt dünn ist und behauptet, sein Gewichtsverlust sei die Folge veganer Ernährung. Darauf reagieren die Konsumenten heute mit gierigem Speichelfluss, denn kaum etwas ist für sie schlimmer, als dick zu sein. Dicke sind in diesem Land starker Diskriminierung ausgesetzt (siehe z.B. diese Dissertation, Kapitel 3. Und meinen Text). 

Zusätzlich zum herkömmlichen Schlankheitsversprechen bietet Hildmann der Kundschaft die typischen Veganer-Extras: Pseudomoral und Ökosprech („Veganismus ist das Beste für den Planeten“). So können die Kunden ihren schnöden Schlankheitswahn überhöhen und diverse Essstörungen als ethisch hochstehend rechtfertigen. 

Vielleicht ist Hildmann erfolgreicher als beispielsweise der Musikmanager Andreas Bär Läsker, weil dieser trotz veganer Kur noch immer irgendwie rundlich wirkt. Falls beide wieder aufquellen und am Ende so dick sein sollten wie vorher, können sie einpacken. Dann ist ihr Nimbus trotz Moralgewäsch und Tierleidgefasel dahin, die Kundschaft fühlt sich betrogen und wandert geschlossen zu Detlef D! Soost ab (I make you sexy).

Mit Gesundheit hat das alles nichts zu tun, denn „Übergewichtige“ leben im Schnitt länger als Dünne und haben auch bessere Chancen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu überleben. Der pummelige Attila hätte statistisch gesehen also eine längere Lebenserwartung als der dürre. 

Die gesundheitlichen Folgen des Schlankheitswahns werden hingegen weithin unterschätzt. Magersucht ist diejenige psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. 90 % der Magersüchtigen sind Mädchen oder Frauen. Jugendliche sind besonders gefährdet. Man könnte die Werbestrategie Hildmanns und anderer veganer Lifestyle-Apostel also durchaus als jugendgefährdend bezeichnen. Denn es wird hierbei moralischer Druck aufgebaut, der es jungen Menschen zusätzlich erschwert, den Veganismus aufzugeben, sobald sie Mangelerscheinungen bekommen. Motto: Was soll denn der arme Planet von mir denken? 

Vegane Kreislaufwirtschaft

Der Verdacht, dass die propagierte vegane Ernährungsweise nicht gesund sein kann, muss sich jedem skeptischen Betrachter doch schon allein deshalb aufdrängen, weil Hildmann parallel zu seinen Kochbüchern ein Präparat bewirbt, welches die Mängel der betreffenden Ernährungsweise auszugleichen verspricht. Zitat:

Wer aber auf tierische Lebensmittel verzichtet, sollte besonders auf die Zufuhr solcher Vitamine achten, die vor allem in Fleisch, Fisch & Co stecken. Das sind die Vitamine B12 und D3, die Spurenelemente Jod, Selen und Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Wäre ihm vor allem an Gesundheit gelegen, würde Hildmann einfach Fleisch, Fisch und Co. empfehlen anstatt ein Nahrungsergänzungsmittel zu bewerben, in welchem die Zusatzstoffe recht wild zusammengerührt zu sein scheinen. Ich würde so ein Zeug niemals schlucken, und Kindern würde ich das schon gar nicht verabreichen.

Mangel an essentiellen Stoffen hat unweigerlich gesundheitsschädigende Auswirkungen. Dieser Mangel wird bei Veganern durch das Gebot verursacht, keinerlei tierische Nahrung zu konsumieren. Ein solches Gebot kann fatale Auswirkungen haben. Vegane Kost kann nur mit Hilfe von synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt in die Nähe des gesundheitlich Verträglichen gerückt werden. Dies widerspricht schon rein logisch der Behauptung, vegane Kost sei als solche besonders gesund. 

Der oft geäußerte vegane Einwand, dass es auch „Fleischesser“ gibt, die z.B. an Vitamin-B-12-Mangel litten, verfängt nicht. Dazu folgendes Beispiel: Eine Lebensweise, deren Gebot es ist, keinen Sauerstoff zu sich zu nehmen, führt notwendig zum Erstickungstod. Dass andere Menschen aus vielerlei anderen Ursachen ebenfalls ersticken, ändert daran nichts. Normale Menschen würden im Zweifelsfall einfach atmen, bevor sie den Erstickungstod sterben; den Sauerstoff-Abstinenzlern wäre dies jedoch nicht erlaubt. 

Hildmanns Nachdenklichkeit

In einem Facebook-Post vom 22. Februar 2016 zitiert Hildmann sich selbst aus oben verlinktem SZ-Interview und versieht den Post mit dem Button nachdenklich.

Anfangs stand für mich die Frage im Raum: Kannst du einem Tier wehtun? Dann habe ich mir diese ganzen blutigen Videos angeschaut und wusste: Nur um jeden Morgen mein Leberwurstbrot zu essen, hätte ich einfach keinen Bock, ein Tier abzustechen. Ein Freund, der mich von der vegetarischen Idee überzeugt hat, wurde damals durch religiöse Themen angesprochen. Im Buddhismus gibt es die These, dass jedes Lebewesen Gottesatem hat. In der abendländischen Kulturgeschichte gibt es ähnliche Gedanken, zum Beispiel bei Schopenhauer.

Hier ist jeder Satz unfreiwillig komisch. Anstatt „diese ganzen blutigen Videos“ anzuschauen hätte er auch „jene ganzen unblutigen Videos“ anschauen können. So what? Er ist nicht bereit, für Leberwurst Schweine oder Kälber abzustechen. Wäre er denn bereit, alle Mäuse oder Ratten persönlich zu vergiften und qualvoll sterben zu lassen, die für seine Salat- und Gemüsegerichte dran glauben müssen? Viele Zutaten dieser Gerichte haben im Gegensatz zu Leberwurst so gut wie keinerlei Nährwert. Der Tod der Schadnager wäre also nicht nur qualvoll, sondern auch umsonst.

Die Bemerkung über den Buddhismus ist sinnfrei. Hildmanns Nachdenklichkeit reicht nicht so weit, zu erörtern, was daraus folgt, dass alle Lebewesen angeblich einen „Gottesatem“ haben. Ein Tötungsverbot scheint daraus jedenfalls nicht zu folgen, denn Pflanzen sind bekanntlich auch Lebewesen und hätten also ebenfalls einen eingebauten „Gottesatem“. Hildmann mag diesen Atem spüren, wenn er sich in die Ledersessel seines Porsches setzt. Denn dafür mussten Rinder ihren Atem aushauchen und auf eine Reise gehen, von der niemand zurückkommt.

Das Tötungsverbot gilt im Buddhismus nur für den Weisen. Der normale Buddhist darf sehr wohl Fleisch konsumieren. Aber:

Während der Konsument, der das Fleisch lediglich kauft, entlastet wird, werden die Produzenten, welche die Tötung durchführen (Fischer, Metzger usw.) verachtet und sozial diskriminiert,

schreibt der Indologe Lambert Schmidthusen und bezeichnet diese Haltung als ein “Manko” der buddhistischen Lebensweise. Fischer, Metzger usw. haben vom Gottesatem nicht viel. Dass man diejenigen verachtet, die einen ernähren, kommt mir irgendwie bekannt vor. Das ist ja eine feine Moral!

Ich habe das Gesamtwerk Schopenhauers gelesen. Auf einen „Gottesatem“ wird dort nicht Bezug genommen. Schopenhauer lehnte den Vegetarismus ab. Außerdem ging seine Tierliebe mit ausgeprägter Menschenfeindschaft einher. Dass er von Hildmann vereinnahmt wird, hätte ihn sicher zu derben Kraftausdrücken veranlasst. Gedanken, die dem Buddhismus und Schopenhauers Philosophie entlehnt sind, finden sich auch bei Hitler, Himmler und Co. Was besagt also „Ähnlichkeit“ in diesem Fall? Und worin genau besteht sie?

Strenger Buddhismus und Schopenhauer fordern eine asketische Lebensweise. Sowohl für den Buddhismus als auch für Schopenhauer ist die Nichtexistenz das Erstrebenswerte (Nirwana). Protzerei und hedonistisches Gehabe müsste sich der “Starkoch” also schon mal verkneifen. Porsche und Halligalli bei Let’s dance wären tabu. 

Fassen wir zusammen: Hildmann hat irgendwelche blutigen Videos gesehen (welche genau, teilt er nicht mit), will etwas nicht tun, wozu ihn niemand zwingt (Tier abstechen), hat Gerüchte über Buddhismus und Schopenhauer vernommen, kann aber nicht sagen, was sie bedeuten. Diese losen Gedanken und Assoziationen sollen tiefgründig wirken. Doch wie heißt es so schön in Otto Waalkes’ Wort zum Sonntag: „Sollte uns das nicht zu denken geben? Ich glaube, nein.“

Frage: Wenn das Hildmanns Nachdenklichkeit ist, wie sieht dann erst seine Gedankenlosigkeit aus?

Fazit

Attila Hildmann lässt keinerlei Urteilskraft erkennen. Sein ganzes Tun ist ebenso durchsichtig, wie es zum Lachen reizt. Leider bedeutet sein Erfolg, dass eine Form der Mangelernährung popularisiert wird, die vor allem für Kinder und Jugendliche von großem Schaden sein kann. Ferner wird eine Idee weitergetragen, die moralisch äußerst fragwürdig und im Kern totalitär ist (Veganismus). Da hört für mich der Spaß auf.

 

Veganes Leben lebt nicht

Halbherziger Verzicht

„ZDF-Moderatorin und Kochbuch-Autorin Jasmin Hekmati lebt vegan. Sie verzichtet, gemeinsam mit ihrem Mann, auf alle tierischen Produkte“, heißt es bei Stern-Online.

Diese Aussage ist mit Sicherheit falsch. Zu den tierischen Produkten zählen nämlich nicht nur „Fleisch, Käse, Eier und Fisch“; zu den tierischen Produkten zählt zum Beispiel auch alles, was beim Vieh hinten herauskommt und in Form von Gülle, Mist, Guano u.ä. als Dünger für die angebauten Pflanzen verwendet wird.

Wenn Frau Hekmati also „ganz normale Sojamilch“ und andere pflanzliche Produkte im Supermarkt kauft, sind diese höchstwahrscheinlich mit tierischen Produkten gedüngt worden – ganz egal, ob diese nun aus dem normalen Supermarkt, aus dem „Biosupermarkt“ oder aus dem „veganen Supermarkt“ stammen. Auch Nahrungsmittel, die nicht mit tierischem Dünger hergestellt werden, haben die Nutzung und den massenhaften Tod von Tieren und anderen Lebewesen zur Voraussetzung.

Viehlos glücklich?

Nachhaltige Landwirtschaft ist – universal praktiziert – nicht ohne Viehhaltung möglich. Viehlose Betriebe können die viehhaltenden nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Sie finden sich in Gesellschaften mit ausdifferenzierter Landwirtschaft dort, wo die Böden eine so hohe Qualität haben, dass sich die ansässigen Betriebe auf Ackerbau für Speisepflanzen spezialisieren können. In Gegenden mit schlechteren Böden (z.B. Sandböden in Niedersachsen) oder viel unwegsamen Grasland (z.B. Allgäu) spezialisiert man sich hingegen auf die Viehhaltung.

Der Überschuss an tierischen Nährstoffen in Gebieten mit intensiver Viehhaltung kann und sollte zu viehlosen Betrieben transportiert werden, damit diese nicht ausschließlich mit „Kunstdünger“ arbeiten müssen, der heute immer knapper und deshalb teurer wird. Gülle ist ein wertvoller Rohstoff, dessen gezielter Einsatz den Anteil an Kali- und Phosphat-(„Kunst“)dünger um 90 % verringern konnte, ohne die Erträge zu senken.

Die viehhaltenden Landwirte füttern die Veganer durch. Veganismus schmarotzt bei der Lebens- und Produktionsweise, die er ablehnt. Das zeigt sich auch beim Honig. Veganer lehnen in der Regel Honig ab, weil er aus der „Bienen-Massentierhaltung“ stammt. Doch wer soll die riesigen Mengen Obst für die Veganer bestäuben, wenn es keine Bienen mehr aus menschlicher Haltung gibt? Die paar Wildbienen reichen da nie und nimmer. In Gewächshäusern werden überdies Hummeln zur Bestäubung „versklavt“.

Wenn Veganer statt Milch Mandelmilch trinken, machen sie sich in besonderem Maße der “Bienensklaverei” schuldigWer viel Obst isst, hat sehr wahrscheinlich mehr „hochentwickelte“ Tiere auf dem Gewissen als jemand, der kein Obst, dafür aber gerne Steaks isst.

Allein aufgrund dieser paar Fakten und Zusammenhänge stellt sich bereits die Frage, warum vegane Eltern überhaupt soviel Energie in ihr häusliches Zwangssystem investieren. Es ist nämlich von vornherein aussichtslos und moralisch unsinnig, seine Lebensweise danach auszurichten, wie viel „Tierleid“ sie mutmaßlich verursacht. Die Maßeinheit fehlt hier ebenso wie die Instrumente, um das Leid zu quantifizieren. 

Die pure Anzahl getöteter Tiere taugt nicht. Denn Sterben kann mit mehr oder weniger Leid verbunden sein. Fachgerecht geschlachtetes Vieh leidet sehr wenig, fachgerecht vergiftete Nager leiden sehr viel. Das alles in einem Gesamtkalkül sinnvoll gegeneinander aufzurechnen, ist ein vergebliches Unterfangen.

Absurdes Theater

Frau Hekmati antwortet auf die Frage, wie sie auf den Veganismus gekommen sei, folgendes:

Im Prinzip hat mich mein Sohn darauf gebracht, der mich ganz naiv gefragt hat, warum er unsere Katze Otto nicht am Schwanz ziehen darf. Ich habe ihm erklärt, dass man anderen Lebewesen nicht weh tut, dass sie auch Schmerzen fühlen. Währenddessen stand ich gerade am Herd und habe ein Steak gebraten. Erst da fiel mir auf, wie inkonsequent ich doch war. Wie kann ich meinem Sohn erzählen, dass wir Tieren keine Schmerzen zufügen dürfen, und beim Essen endet dann diese Moral?

Das ist eine jener typischen Schnurren, in denen der Eindruck vermittelt werden soll, Kinder hätten ihre Eltern von sich aus zu irgendwelchen moralisch bedeutsamen Lebensentscheidungen genötigt. Solche Geschichten mit Kind und Katze dienen gemeinhin dem Zweck, Kritiker von vornherein emotional ins Unrecht zu setzen. Ein alter Propaganda-Trick, der offenbar auch im Privatleben bestens funktioniert: „Ich tu das alles nur der Kinder und der Tiere wegen. Bist du etwa gegen Kinder und Tiere?“ Als ob der Junge ein Interesse an veganer Ernährung geäußert hätte! 

Selbst wenn sich das Erweckungserlebnis tatsächlich so zugetragen haben sollte, fiele kein günstiges Licht auf die Bekehrte. Denn anstatt einfach zu antworten: „weil Otto es nicht mag“, redet die Mutter sich gegenüber einem Zweijährigen um Kopf und Kragen. Der Kleine wollte mit seiner Frage bloß ein bisschen Orientierung, doch Mutter verdonnert die ganze Familie gleich für die nächsten Jahrzehnte zu veganer Kost. Das Kind könnte daraus lernen, seiner Mutter besser keine Fragen mehr zu stellen.

Der naheliegende Gedanke, dass ihre Maxime untauglich sein könnte, weil sie auf falschen Prämissen beruht und nicht verallgemeinerbar ist, geht bei der ganzen Betriebsamkeit unter. Quäle nie ein Tier zum Scherz, hätte ja als Maxime ausgereicht. Viehhaltung und Fleischproduktion werden nämlich keineswegs zum Scherz betrieben und haben auch nicht den Zweck, Tiere zu quälen. Die Frage, warum man das dem Kind überhaupt erklären muss, wo Kinder doch angeblich von Natur aus so mitfühlend sind, bleibt wieder einmal unbeantwortet.

Frau Hekmati verfängt sich in einem Pseudokonflikt, den sie durch erhöhten Konsequenzaufwand zu lösen versucht. Damit rutscht sie unweigerlich jene schiefe Ebene herab, die alle Veganer schließlich in den Quatsch plumpsen lässt. Inkonsequenz ist hier nicht das Problem; die Probleme sind schlampiges Denken, moralische Kurzsichtigkeit, fehlende Sachkunde.

Diskurs mit Dreikäsehoch

Selbst ein Dreikäsehoch wird bemerken, dass da etwas faul ist. Wenn Lebewesen Schmerzen fühlen und man ihnen nicht weh tut – warum köpft Mutti den Salat und jagt die Bananen durch den Mixer? So sei das alles nicht gemeint, müsste Mutti antworten, denn der Salat spüre keinen Schmerz, genau wie alle anderen Pflanzen. Aha.

Sohn: Sind denn Pflanzen keine Lebewesen?

Mutti: Doch, aber … die spüren eben keinen Schmerz.

Sohn: Wieso nicht? Hast du doch eben gesagt!

Mutti: Ja, äh (schlägt im Veganer-Handbuch nach) … weil Pflanzen nicht weglaufen können.

Sohn: Was weglaufen kann, kann Aua fühlen?

Mutti: Ja … ähm …

Sohn: Auch die Spinne da? Oder die dicke Wanze? Und mein Spielzeug-Roboter?

Mutti: Hm … also die fühlen auch was, aber … keinen Schmerz. Der Roboter ist eine Maschine.

Sohn: Aber die können doch weglaufen!

Mutti: Ja, aber das ist was anderes.

Sohn: Wieso ist das was anderes?

Mutti: Weil Pflanzen und Insekten kein zentrales Dings … Nervenkostüm …

Usw.

(nur nebenbei: Pflanzen sind 100 bis 1000 mal berührungsempfindlicher als jedes Tier)

Mutter wird dann irgendwann den Kreis der moralisch Auserwählten drastisch eingeschränkt haben, nämlich auf die Wirbeltiere (5 % aller Arten) plus ein paar Zerquetschte, z. B. Hummer oder Bienen – alle Arten eben, die dazu taugen, Nicht-Veganer als Unmenschen dastehen zu lassen. Der Junge wird das nicht begreifen, denn seine Mutter hat sich zuvor derart weit aus dem Fenster gelehnt, dass ihre Einschränkungen wie Rücknahmen wirken.

Die Futterdose der Pandora

Wenn das Kind irgendwann lesen kann, könnte sich folgender Dialog entspinnen:

Sohn: Guck mal, Mutti, ich kann lesen, was auf Ottos Futterdosen steht: „Rind“

Mutti (beglückt): Stimmt!

Sohn: „Lamm“, „Huhn“, „Pute“

Mutti: Super!

Sohn: Das isst Otto.

Mutti: Genau. Er frisst es nicht, er isst es. Genau wie wir Menschen. Denn „fressen“ sagen die Menschen nur, um die Tiere zu erniedrigen.

Sohn: Wir essen aber gar kein Rind, kein Huhn, keine Pute …

Mutti: Nein. Denn es sind ja Lebew … äh … Tiere … also schmerzempfindliche … mit zentralem Dings … Und du weißt ja:

Mutti & Sohn: „Ein Tierlein niemals hau’! Es spürt wie du das Au. Beim Tierlein mache ei, damit es glücklich sei.“

Sohn: Und wie kommen die Tiere in die Dosen?

Mutti: Ja, also, die sind tot und werden dann zu … öhm … Fleisch verarbeitet.

Sohn: Wieso darf Otto Fleisch und ich nicht?

Mutti: Weil Otto ein Fleischfresser … äh -esser ist. Er kann nichts anderes essen.

Sohn: Und wieso sind die Tiere in den Dosen tot?

Mutti: Weil sie geschlachtet wurden.

Sohn: Geschlachtet?

Mutti: Ja, totgemacht.

Sohn: Von wem?

Mutti: Von Schlachtern. Das sind Menschen, die gelernt haben, Tiere zu töten.

Sohn: Macht das nicht au?

Mutti: Äh, ja doch … aber …

Sohn (empört): Bei Tieren macht man ei, nicht au!

Mutti: Mein Gott, du hast recht! Weißt du was? Otto kriegt ab jetzt nur noch Pflanzen zu essen. Danke, mein Schatz. Ich war so inkonsequent.

Sohn: Aber Otto kann doch gar keine Pflanzen essen.

Mutti: Ach so … ähem … (scrollt auf veganen Ratgeberseiten). Doch! Vebu und Peta sagen: alles kein Problem.

Sohn: Otto macht anderen Tieren au. Hab ich gesehen. Vögelchen und Mäuschen. Dann macht er die tot und legt sie uns vor die Tür.

Mutti: Ja, Otto ist ein Tier. Er kann nicht anders.

Sohn: Aber Otto macht au! Otto ist böse.

Mutti: Nein. Otto folgt nur seinen … äh … Trieben.

Sohn: Otto ist dumm!

Mutti: Nein, er ist nur … äh … anders. Also, er hat so Instinkte … die kann er nicht …

Sohn: Otto ist dumm und böse! Wenn Otto au machen darf, mach ich jetzt auch au!

Sohnemann packt Otto am Schwanz, zieht daran. Otto faucht und kratzt Sohnemann. Sohnemann plärrt. Mutti ist mal wieder mit ihren Nerven am Ende. Den Tieren zuliebe, der Umwelt zuliebe, dem Planeten zuliebe. Und was ist der Dank? Ein Ehemann, der heimlich mit den Kindern zu McDonald’s geht.

So stelle ich mir die erbaulichen Gespräche in veganen Haushalten vor, wo der wache Geist der Kinder mit Moralin betäubt wird und der Infantilismus der Erwachsenen sich am schutzbefohlenen Objekt delektiert, sodass Mündigkeit gar nicht erst entstehen kann.
Ein besonders schlimmes Beispiel hierfür ist übrigens die Initiative von Eltern für veganes Essen an Schulen.

Moralkater durch Katzenhaltung

Vegane Besitzer karnivorer Schmusetiere machen sich nicht der Inkonsequenz, sondern der Scheinheiligkeit schuldig. Die Anzahl getöteter Vögel und Kleinsäuger durch Katzen mit Freigang ist riesig. Auch wenn die für Deutschland oft genannte Zahl von 200 Millionen getöteten Singvögeln jährlich übertrieben sein mag, dürfte diese Zahl jedoch hinkommen, wenn man alle von Miezen gekillten Kleinsäuger mitzählt.

Wenn sich nun jemand darauf herausredet, seine Kätzchen nur in der Stube zu halten, bekommt er gleich wieder Ärger. „Artgerecht ist nur die Freiheit“, meint die Tierrechtlerin Hilal Sezgin. Also raus mit den Katzen an die frische Luft! Dort können sie eifrig Küken schreddern – naturbelassen, ganz ohne Betäubung und mit krallenbewehrter Pfotenarbeit.
Wie viele Schmusetiere in Privatwohnungen wohl ein elendes Dasein führen?

Merke: Man kann nicht ohne Selbstwiderspruch darüber klagen, dass Schweine, Rinder oder Hühner nur im Stall gehalten werden, und zugleich Tiere ausschließlich in der Wohnung halten.

Außerdem sollten auch die Stubentiger artgerecht gefüttert werden. Da Katzen unbestreitbar echte Karnivore sind, werden genau diejenigen Tiere für sie geschlachtet, welche von Veganen „befreit“ werden sollen: Rind, Lamm, Huhn, Pute usw. Der Agrarstatistiker Georg Keckl hat errechnet, dass allein für das Tierfutter von Miezi, Bello und Co. hierzulande mehr Tiere getötet werden als für den Gesamtbedarf des Freistaates Bayern. Der Umsatz allein für Katzenfutter beläuft sich in der Bundesrepublik auf 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Aufgrund dieser Schwierigkeit sind Veganer auf die Idee gekommen, Katzen und Hunde wie die eigenen Kinder zwangsweise zu veganisieren. Es kursieren diverse Wundergeschichten, worin fleischlose Fleischfresser ein höheres Alter erreichen als Jopi Heesters und Methusalem zusammen.

Es hat ja auch stets jemand daneben gesessen und genau darauf geachtet, was der angeblich vegan gefütterte älteste Hund der Welt in 27 Lebensjahren so in sich reingestopft hat. Derlei Geschichten erinnern mich an eine Folge der Comedy-Sendung King of Queens, wo der erwachsene Sohn Doug – ein Mittdreißiger – gar nicht bemerkt hat, dass Familienhund Rocky bereits mehrfach durch Nachfolger ersetzt worden ist und es sich bei der aktuellen Ausgabe um Rocky 5 handelt.

Die Veganisierung von Hund und Katze ist schlichtweg Tierquälerei. Hunde können zwar einen größeren Anteil pflanzlicher Kost vertragen als Katzen, aber auch sie sind zum guten Gedeihen auf tierisches Protein angewiesen. Die possierliche Liste an Supplementen und Ersatzprodukten, die etwa die Tierrechtsorganisation Peta empfiehlt, lässt den Verdacht aufkommen, dass Peta an den Präparaten mitverdient. Gesund ist das Zeug für die Tiere jedenfalls nicht.

Merke: Veganer haben keine Probleme zu behaupten, die Sonne drehe sich um die Erde oder letztere sei eine Scheibe, wenn dies dem Zweck dient, ihre Obst- und Gemüsereligion gegen rationale Einwände zu immunisieren.

Schmusetiere auf der veganen Abschussliste

Warum steht die Haltung von Abermillionen fleischfressender Schmusetiere nicht an erster Stelle der veganen Kritik? Viehhaltung hat den handfesten gesellschaftlichen Nutzen, hochwertige Nahrung bereitzustellen und nachhaltige, ertragreiche Landwirtschaft zu ermöglichen. Doch welchen Nutzen haben die heutigen Schoßtiere, außer individualisierten Großstadtbürgern als Ersatzmenschen zu dienen? Die Abschaffung aller Schmusetiere würde die Welt von Myriaden überflüssiger Fresser und Milliarden Kubikmetern nicht verwertbarer Fäkalien befreien – ganz zu schweigen von den abertausend Verletzungen durch Bisse oder den Übertragungen von Krankheiten, Würmern, Parasiten.

Es gibt radikale Tierrechtler, welche die Abschaffung der Schmusetiere fordern. Ihrer Logik zufolge dürften sie dabei jedoch nicht Halt machen. Einige fordern daher bereits die Abschaffung aller Raubtiere. Ganz konsequent sind indes nur diejenigen, welche die Abschaffung allen Lebens fordern.

Das ist uns doch tofuwurst!

Wie gehen Veganer mit solchen Einwänden um? Sie ziehen einen Flunsch oder springen einem gleich mit dem nackten Popo ins Gesicht. Schließlich sei man nicht perfekt. Das sagen die Zölibatären auch immer, wenn sie beim Geschlechtsakt oder beim Onanieren erwischt werden: Wir sind alle arme Sünder. Außerdem seien Fleischesser generell empathielos. Basta! Immerhin, so heißt es dann, tue man etwas und trage mit seinen Verzichtsverrenkungen ein kleines Bisschen zur Verbesserung der Welt bei. Dass sie damit ein großes Bisschen zu deren Verschlechterung beitragen, ist eben „unvermeidbar“.

»Utopischer dritter Frühling«

Jan Grossarth schreibt heute in einem an sich guten Artikel, dass die Biolandwirtschaft angesichts der jüngsten negativen Schlagzeilen über ihre “utopische Frühzeit” stolpere. Er behauptet, diese Frühzeit läge in den 1980er Jahren. Das trifft allerdings nicht zu. Als Frühzeit der Biolandwirtschaft in Deutschland kann bereits die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten. Mit dem völkischen Denken und der Lebensreformbewegung wurde die geistig-praktische Grundlage des Ökologismus und der Biolandwirtschaft geschaffen. Man experimentierte schon damals mit allerlei “naturnahen” Anbauformen. Bereits 1893 erfolgte zum Beispiel die Gründung der vegetarischen Obstbausiedlung Eden.
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft wurde Mitte der 1920er Jahre von Rudolf Steiner begründet und später auch von einigen führenden Nazis  (Himmler, Hess, Darré) befürwortet, von anderen jedoch abgelehnt (Göring, Heydrich, Bormann) und schließlich 1941 verboten. Dieses Verbot hinderte Himmler jedoch nicht, weiter Versuche mit dieser Wirtschaftsweise durchführen zu lassen. Der völkische Unrat, mit welchem die Biolandwirtschaft in ihrer Frühzeit verbunden war, passte recht gut zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis.
Nach dem Krieg war damit allerdings erst einmal ganz Schluss. Es waren Fortschrittsoptimismus und Technikfetischismus angesagt. Das völkisch-organische Vokabular wurde in der Öffentlichkeit weitgehend durch ein technokratisches ersetzt. Doch bereits mit der Ölkrise in den 1970er Jahren blubbere jener Unrat wieder hoch und kontaminierte die aufkommende Ökobewegung. Viele alte Nazis fanden bei den Grünen und in Naturschutzverbänden ein neues Zuhause. So wurde zum Beispiel der ehemalige “Reichslandschaftsanwalt” Alwin Seifert zu einem gefeierten Pionier der bundesrepublikanischen Ökobewegung. Sein Buch Gärtnern, Ackern ohne Gift ist nach wie vor ein Klassiker und hat sicher auch die Grünen dazu inspiriert, eine Landwirtschaft ohne Gift (und Gentechnik) zu fordern.

Die “utopische Frühzeit” der hiesigen Biolandwirtschaft erweist sich daher als dritter Frühling einer schon ziemlich betagten Ideologie. Der völkisch-rassistische Charakter dieser Ideologie macht sie daher auch für Rechtsradikale attraktiv.

Das vepönte Sekret

Bei den Gruppen auf dem Hochland essen und schlafen Frauen und Kinder zusammen in einer Hütte, aber nicht mit ihren Männern, sondern mit ihren Schweinen. [...] Wenn ein Ferkel die Muttersau verloren hat, zögern die Frauen nicht, es zusammen mit einem menschlichen Baby zu säugen.
(Marvin Harris über “Naturvölker” in Neuguinea)

Milch als Viagra

Mahatma Gandhi war der Ansicht, dass alles Leid aus dem sinnlichen Begehren resultiere. Tierische Produkte, so schloss er im Einklang mit den meisten Vegetariern seiner Zeit, weckten animalische Gelüste und seien daher möglichst zu vermeiden. Wer Fleisch esse, falle auch anderen “tierischen” Lastern zum Opfer: der sexuellen Unzucht, dem Alkoholismus, der Trunksucht. Sobald jemand bei der Nahrungsaufnahme Genuss empfindet, “gewinnt”, so Gandhi wörtlich, “der Teufel” und der Körper wird zur “Brutstätte des Lasters.” 

Gandhi hielt Milch für ein Aphrodisiakum. Jahrelang hatte er versucht, ohne Milch auszukommen, da diese nicht zu einer strikt vegetarischen Diät passe (das Wort “Veganismus” gab es damals noch nicht). “Milch macht müde Männer munter”, lautet ein immer noch geläufiger Werbespruch. Der Subtext des Spruches bestätigt die von Gandhi vertretene Ansicht, dass Milch nicht etwa müde, sondern lüstern mache. 

Der bloße Gedanke an das weiße Sekret bringt auch die heutigen Veganer um Schlaf und Verstand. Sie verteufeln es, wo sie nur können, und steigern sich in die wüstesten Behauptungen hinein (“Milch besteht aus Eiter, Blut, Hormonen, Antibiotika”). Manche Aktivisten schwitzen bei diesem Thema aus jeder Pore ihre verdrückte Geilheit aus. Nichts scheint sie mehr anzuregen als die Vorstellung, an einer “artfremden” Zitze zu saugen.

Der Affekt gegen den Milchkonsum hat keinerlei wissenschaftliche Grundlage. Dennoch finden die gesammelten Milchfieberfantasien in den Medien ein erstaunlich großes Echo. Als gäbe es irgendeinen stichhaltigen Einwand gegen den Genuss von Milchprodukten, außer dem naheliegenden, dass Menschen, die Milchprodukte nicht vertragen, sie auch nicht konsumieren sollten!

Evolutionäre Erfolgsgeschichte

Die Fähigkeit, Lactose (Milchzucker) nach Beendigung der Stillphase aufzuschließen, verdankt sich einer Mutation des Lactase-Gens, welche dafür sorgt, dass der Körper ein ganzes Leben lang jenes Aufschlüsselungs-Enzym (Lactase) in ausreichender Menge bildet. In Nord- und Mitteleuropa können ca. 90 % aller Menschen Milchzucker verdauen.

Diese Mutation hat sich in einer – an Evolutionsmaßstäben gemessen – rasenden Geschwindigkeit von etwa 7500 bis 8000 Jahren in Europa durchgesetzt. Der Prozess vollzog sich zur selben Zeit wie die Entwicklung der Milchviehwirtschaft. Offenbar waren die Selektionsvorteile der laktosetoleranten Milchviehhalter enorm groß. Wo ist bloß das Problem?

Artfremd und pervers

Der Fehler liegt einmal mehr in einem verqueren Naturbegriff, demzufolge das Übliche das Natürliche, das Unübliche aber das Perverse sei. In dieses Naturbild passen Darwin und die moderne Evolutionstheorie jedoch nicht hinein. Dieser zufolge treibt gerade das Unübliche und scheinbar Perverse den Evolutionsprozess voran.

Unter bestimmten Umständen bietet eine Anomalie wie zum Beispiel die Mutation des Lactase-Gens den entscheidenden Überlebensvorteil. Die “Mutanten” können sich häufiger fortpflanzen als die “Normalen”, sodass die “Mutanten” innerhalb einer Population schließlich zu den “Normalen” werden und die vormals “Normalen” aussterben. Dieses Spiel ereignet sich überall auf der Erde unentwegt und wird von modernen Wissenschaftlern selbstverständlich nicht moralisch bewertet.

Es ist aus evolutionsbiologischer Sicht prinzipiell nicht möglich, bestimmte Prozesse als “Perversionen” darzustellen, weil gar kein normatives Maß zur Verfügung steht.* Es gibt zum Beispiel Schmetterlinge, die sich von Schweiß ernähren. Schweiß ist ein Sekret, genau wie Milch. Ist nun der Schmetterling pervers, weil er sich von einer Flüssigkeit ernährt, die doch eigentlich dem “Zweck” dient, den Körper des Transpirierenden zu kühlen? Ist er pervers, weil die meisten Schmetterlinge sich von Nektar ernähren? Milchdrüsen sind entwicklungsbiologisch betrachtet modifizierte Schweißdrüsen. Sind Säugetiere also allesamt pervers, weil sie diese Drüsen zur Aufzucht ihrer Jungen “zweckentfremdet” haben? In der Evolution ist es normal, dass Organe im Laufe der Zeit einen Funktionswandel erfahren.

Fazit

Das Naturverständnis, das den Affekt gegen den Milchkonsum grundiert, ist statisch. Bei vielen Veganern vernebelt die antiquierte und vom Christentum tradierte Naturvorstellung systematisch den Blick auf die Dinge. Veganer geben sich oft links und progressiv. Doch ihre Argumente gegen den Milchkonsum sind bisweilen genauso reaktionär wie die Argumente fundamentalistischer Christen gegen Homosexualität und alle Geschlechtsakte, die zum Vergnügen vollzogen werden.

Nimmt man die ideologische Brille ab, bleibt nicht viel übrig. Kühen die Kälber wegzunehmen, damit man erstere melken kann, erscheint dann nicht wie eine Sünde wider die Natur oder wider die Mutterschaft als solche. Man kann dann zwar immer noch herumgreinen, dass Kühe unter ihrem Kälberverlust angeblich mehr leiden als menschliche Kälber unter dem Verlust ihrer Smartphones. Aber man kann nicht mehr so tun, als hätte man damit irgendwelche Naturgesetze auf seiner Seite. 

Wer also weiter Milchprodukte genießt, muss keine Angst haben, irgendwann soviel Käse zu fabrizieren, wie es viele Veganer und Tierrechtler tun, wenn sie über Milch reden.

 

* Dass manche Biologen dazu neigen, die genetische Fitness oder die natürliche Selektion zu vergöttern, steht auf einem anderen Blatt. Es zeigt, dass auch nüchterne Zeitgenossen der Versuchung nicht widerstehen können, irgend etwas anzubeten.

 

 

Unideologischer Biolandbau?

Gegen meine Vorbehalte bezüglich des Biolandbaus wird oft eingewendet, dass es viele unideologische Biobauern gebe, die einfach nur einen speziellen Markt bedienen wollen. Das ist zweifellos richtig. Es ist vollkommen legitim, aus rein ökonomischem Interesse ein bestimmtes “Segment” zu bedienen, für das es gesellschaftliche Nachfrage und staatliche Förderungen gibt. Solche Biobauern sind mir persönlich auch viel sympathischer als die “Überzeugungstäter”.

Dies ändert aber gar nichts an den geistigen Grundlagen des Biolandbaus. Wer zum Beispiel Papst-Souvenirs verkauft, muss nicht selber gläubig sein. Auch ein Ungläubiger kann einen Laden betreiben, in dem es Papst-Aschenbecher oder Papst-Bembel gibt. Er braucht also nicht an die christlichen Religion, den Katholizismus und den “Stellvertreter Gottes auf Erden” zu glauben, um erfolgreich Papst-Devotionalien zu verkaufen. Dennoch wäre ihm ohne Katholizismus kein geschäftlicher Erfolg beschieden.

Vielleicht hätte es sogar ohne das Christentum mit seiner Vorstellung einer durch Gott zweckhaft gestalteten Natur niemals Biolandbau gegeben. Jedenfalls sind die Verbote, an welche sich die Biolandwirte halten müssen, meiner Ansicht nach nicht vernünftig zu begründen. Sie beruhen auf einer ideologischen Abneigung gegen das “Künstliche” und “Widernatürliche”.
Ob jeder einzelne Biobauer diese Abneigung teilt, spielt dabei keine Rolle.

There is no way to compromise!

Bio und Konventionell können nicht an einem Strang ziehen. Es ist völlig gleichgültig, ob sich die betreffenden Landwirte auf professioneller und persönlicher Ebene gut verstehen. Es geht nicht darum, wer menschlich okay ist und wer nicht. Es gibt hochanständige Biobauern, stinkstiefelige Konventionelle und umgekehrt. Das ist nicht der Punkt!

Biolandwirtschaft lebt bezüglich ihres Images parasitär vom schlechten Image der konventionellen. Es ist nicht möglich, das Image der Konventionellen zusammen mit den Bios zu verbessern. Das Image der Konventionellen kann sich nur verbessern, wenn sich das der Biolandwirtschaft verschlechtert. Biolandwirtschaft ist Teil jener Ideologie der “Naturnähe”, die eine moderne, hochtechnisierte und für alle denkbaren Lösungen offene Landwirtschaft grundsätzlich als Teufelswerk dastehen lässt.

Es wird immer mit zweierlei Maß gemessen werden, solange jener Mythos, der konstitutiv für die Biolandwirtschaft ist, nicht durchbrochen werden kann. Man sieht es am aktuellen Fall der Herrmanndorfer Landwerkstätten. Der Betreiber erhält in überregionalen Zeitungen Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen. Alles bemüht sich, die Tatsache herunterzuspielen, dass die Biotierhaltung aus strukturellen Gründen in vielen Belangen nicht besser, sondern schlechter ist als die konventionelle. Dass man auf dem “Vorzeigebetrieb” offenbar nicht in der Lage ist, Tiere vernünftig zu halten, darf einfach nicht wahr sein. Nirgendwo wird die naheliegende Konsequenz gezogen, Fleisch vom konventionellen Erzeuger zu kaufen, die Konventionellen zu loben. Niemand kommt auf den Gedanken, dass der Nimbus der Biolandwirtschaft keine reale Grundlage haben könnte.

Und nun fordern Biolandwirte sogar, dass sich die Konventionellen hinter sie stellen sollen, weil einer ihrer Kollegen das Opfer jener Mentalität geworden ist, von der die Biolandwirte sonst so sehr profitieren (“Natur ist gut, Tiere sind gut, Mensch ist böse”). Nichts könnte für Konventionelle falscher sein, als diesem Aufruf zur Solidarität zu folgen, welche von den Verbänden der Biolandwirtschaft gegenüber den Konventionellen grundsätzlich verweigert wird. Es gilt zu begreifen, dass die mangelnde Solidarität der Bio-Verbände schlüssig und folgerichtig ist. Die Solidarität anständiger Biobauern mit ihren konventionellen Kollegen ist menschlich lobenswert, steht jedoch im Widerspruch zu dem, was die Biolandwirtschaft im Innersten ausmacht. 

Es kann natürlich sein, dass ich mich irre. Ich befürchte allerdings eher, dass nach langer Zeit und vielen Enttäuschungen auch der letzte Konventionelle meine Analyse teilen wird.

Grüne Woche diffamieren!

Pünktlich zur Internationalen Grünen Woche in Berlin findet ein Aufmarsch diverser Tunichtgute und Einfaltspinsel statt, die Es satt haben. Das Es ist ein Popanz namens Agrarindustrie. Jeder stellt sich darunter etwas anderes vor, doch für alle Teilnehmer steht fest, dass Es die Inkarnation des Bösen sei. Dabei wird eine winzige Kleinigkeit vergessen: Allein jenem Es ist es zu verdanken, dass die Menschen soviel Freizeit haben, um gegen Es zu revoltieren, anstatt sich – wie in der guten alten Zeit –  in irgendwelchen Gehöften die Buckel krumm zu schuften. Die Kinder sind so verwöhnt, dass sie glauben, sie könnten jenes Es vernichten und zugleich ein angenehmes Leben führen. Was für ein Selbstbetrug!

Bock auf Tierbefreiungsblock?

Besondres bockig sind die Mitglieder des sogenannten Tierbefreiungsblocks. Diese marschieren zusammen mit Ökolandwirten, obwohl letztere an “Tierbefreiung” (Abschaffung der Nutztiere) nicht das geringste Interesse haben dürften. Offenbar ist den marschierenden Ökolandwirten aber an einer Landwirtschaft kaum gelegen, welche die Menschen auch ernähren kann. Haben doch jüngst die Initiatoren der Wir-haben-es-satt-Demonstration vor dem Reichstag erkleckliche Fuder Mist ausgekippt. Motto: Agrarindustrie ist Mist.

So sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus! Mist wird nicht als wertvoller Dünger verwendet, sondern wie Kamelle unters Volk gestreut. Und die Moral von der Geschicht: “Die Verbraucher müssen bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.” Das ist ja mal ein emanzipatorisches Programm erster Güte! Darüber freuen sich die Verbraucher mit kleinem Geldbeutel ganz besonders. Prima Konzept: mehr Geld für Ware, die nicht besser ist, sondern bloß ineffizient produziert wird. Es gab mal eine Disko, die Teuer und Scheiße hieß. Das war wenigstens witzig.

Der Grüne-Woche-Frosch mit der Maske

Angesichts solcher Gaga-Aktionen nimmt es nicht wunder, dass sich die größten Gaganauten auf der Wir-haben-es-satt-Demo so wohl fühlen wie die Maden im Speck. Aus purem Übermut fordern die Tierbefreiungswesen dazu auf, die Grüne Woche zu demaskieren. Unter “Demaskieren” verstehen diese Kinder allerdings, dem Gegner eine Maske zu entreißen, die sie selber aufhaben. Auf der Homepage sieht man es bildlich dargestellt: Kuh auf Wiese, Viehtransport, Schlachtung, abgepacktes Fleisch im Supermarkt. Ist es denn die Möglichkeit? Die Tiere werden gehalten, transportiert, geschlachtet, verkauft und gegessen! Doch die Grüne Woche vermittelt perfiderweise den Eindruck, dass Landwirtschaft nur dazu da ist, Kälbchen, Ferkelchen und Küken zu knuddeln. Danke, liebe Tierbefreier, für diese Demaskierung! Was kommt als nächstes? Den Weihnachtsmann demaskieren (“Es ist Opa!”)?

Was die Befreiungsblockheads sonst noch schreiben, ist der übliche halbverdaute Phrasenbrei, den Tierbefreier eben bei jeder Gelegenheit wiederkäuen. Man dürfe die armen Tiere nicht nutzen, das sei “Diskriminierung”. Und schuld daran sei nur der Kapitalismus. Derlei Phrasen habe ich schon so oft aufgegriffen und besprochen, dass ich mich hier mit einer Kurzfassung begnüge. Wenn Tiere andere Tiere töten und nutzen dürfen, muss es das Tier namens Homo sapiens auch dürfen. Andernfalls würde es aufgrund seiner Artzugehörigkeit diskriminiert. Die Aktivisten können also nicht den Speziesismus beklagen und zugleich fordern, der Mensch solle andere Tiere nicht nutzen. Die Tierbefreier diskriminieren ihrerseits Tiere, indem sie ein paar Knuddelarten den anderen vorziehen – meist sogar mit dem expliziten Verweis, dass jene Arten (“höhere Wirbeltiere”) so seien “wie wir”. Anthropozentrismus und Speziesismus in einem.

Was den Kapitalismus betrifft: Es wäre einmal interessant zu erfahren, wie die Aktivisten sich den Kommunismus oder irgend eine “freie Gesellschaft” ohne effiziente Landwirtschaft vorstellen. Woher soll der Überfluss kommen, den Marx ja zur Bedingung einer neuen Gesellschaft gemacht hat? Aber solche Fragen zu beantworten, ohne noch mehr Phantasmagorien zu produzieren, ist natürlich zuviel verlangt von den Aktivisten. Die wollen nur ein bisschen Dissidenz spielen – die Suppe sollen schließlich andere auslöffeln. Und natürlich wollen diese Apostel niemanden diffamieren, nein, ganz gewiss nicht. Sie sind doch bloß gegen Ausbeutung von Tieren. Frage: Wenn sie dagegen sind, warum machen sie es dann? Dass sie nicht wissen, was sie tun, ist eine Ausrede, die nur für Tiere gilt – sofern sie nicht von Tierrechtlern zu mündigen Subjekten erklärt werden.

Kommet Zuhauf!

Wer weiter eine Landwirtschaft will, die in der Lage ist, die Menschen aller gesellschaftlichen Schichten mit hochwertigen und erschwinglichen Lebensmitteln zu versorgen, sollte sich am 16. Januar ab 9 Uhr 15 bei der Demonstration Wir machen Euch satt auf dem Berliner Washingtonplatz (direkt am Hauptbahnhof) einfinden! Es ist wichtig. So wichtig, wie kaum jemand ahnt. Streichelzoo-Landwirtschaft ist nur was für Narren.

 

Massenbegehren gegen Volkstierhaltung

Für Fleischfressende Heim- und Schmusetiere werden in Deutschland jedes Jahr mehr Tiere geschlachtet als für die gesamte österreichische Bevölkerung. Freilaufende Katzen töten in der Bundesrepublik jährlich 200 Millionen Wildvögel.

Katze beim Ausrotten eines gefiederten Mitgeschöpfs

Hundekot vergiftet unsere Städte, seine Beseitigung kostet Abermillionen.

Hund zeigt arttypisches Verschmutzungsverhalten

Kinder, Erwachsene und deren Textilien sind in ständiger Gefahr, Opfer von Hundebissen zu werden. Jährlich werden etwa 40 000 Bundesbürger von den besten Freunden des Menschen gebissen. 

Hund gegen Hose. Kampf mit harten Bandagen.

Stoppt endlich diesen Wahnsinn! Heim- und Schmusetiere abschaffen! Sofort!

Eurer
Aktionsbündis Knuddeltierwende 

Agrar-Nachrichten (audio)

Die Themen der heutigen Agrar-Nachrichten:

– Glyphosat weiter unter Glyphosatverdacht
– Elsa, die große alte Dame des Wiederkäuens, tot

Trauer und Fassungslosigkeit: Elsa, die berühmte Leitkuh, gestorben

– Hof Butenland droht Spendenflut
– Berühmter Viehbesatzdichter Hirtenreiter feiert Siebzigsten
Maiszünsler Tier des Jahres 2016

Possierliche Raupe Nimmersatt: Der Maiszünzler

– Wolf gewinnt Vier-Wolfsschanzen-Tournee
– Das Wetter

BSE–Spätfolgen im TV

Nach Baywatch, A-Team und Dalli-Dalli wird nun ein weiterer TV-Kult neu aufgelegt: Liebling, ich habe die Hirne geschrumpft mit ihrem beliebten Hauptdarsteller Creutzfeldt-Jakob. Die Daily-Soap über bovine Schwammköpfe war Anfang des Jahrtausends ein echter Straßenfeger. Weil Journalisten ständig verwirrte Wiederkäuer vor die Kamera zerrten, mussten damals sogar zwei Minister ins Real-Life zurücktreten. Das Drama wirkte so lebensecht, dass die Leute noch heute um ihre Gehirne bangen, sobald die Buchstaben B und S hintereinander genannt werden. Verdi-Chef Bsirske kann ein Liedchen davon singen. 

Spongebov mit Prionen

Damit die Menschen nicht weiter die Realität mit der Wirklichkeit verwechselten, machte die Europäische Union irgendwas. Im Jahr 2001 verbot sie die Verfütterung von Tiermehl an das liebe Vieh. Seitdem sind Hühner und Schweine als Allesfresser not amused, weil sie statt mit hochwertigem Tiermehl nun mit Sojaschrot gefüttert werden. Dass die vielbeklagten EU-Importe von Sojafutter zugenommen haben, liegt zum großen Teil am Tiermehlverbot.

Mehl 4U

Dabei ist die Verfütterung von Tiermehl an sich völlig unbedenklich. Die tierischen Restkörper werden schließlich kräftig druckerhitzt, bevor sie als Futter dienen. “Die Anforderungen (133 Grad Celsius, 3 bar über 20 Min.) gewährleisten auch die Inaktivierung der äußerst hitzestabilen Erreger der BSE”, heißt es in dem Fachbuch Nutztiere in der Lebensmittelkette. Großbritannien pflegte damals allerdings das typisch britische Understatement und erhitzte die Tierkörper nur bei 95 Grad. Dass diese Praxis aber Ursache der BSE-Katastrophe gewesen sei, ist nicht besonders plausibel. Udo Pollmer und seine Mitautorinnen schreiben in ihrem Buch Wer hat das Rind zur Sau gemacht:

Auch auf dem Höhepunkt der Seuche lieferten die Briten ihr BSE-Pulver noch in alle Welt, Hunderttausende Tonnen gelangten nach Indonesien, Thailand, Frankreich, Russland, Schweden, Indien und Saudi-Arabien. Doch die erwarteten Massenausbrüche blieben aus. Besonders infektiös kann das britische Tiermehl also nicht gewesen sein.

Pollmer, Keckl, Alfs machen überdies in Kapitel 14 von Don’t Go Veggie darauf aufmerksam, dass wir Menschen Knochen, Innereien und andere Reste selbstverständlich weiterhin verzehren dürften. Der Mensch “kann aus Knochen Suppe kochen oder sich eine Leber mit Apfelscheiben und Zwiebeln braten. Aber die Verfütterung an Schweine ist verboten.” Auch werden Katzen und Hunde nach wie vor mit solchen Zutaten ernährt. Nur das Vieh wird daran gehindert, diese hochwertigen Bestandteile der Schlachtkörper zu genießen. 

Ein Fressen für’s Geseier

Vorsicht ist bei der Nahrungsaufnahme die Mutter der chinesischen Porzellankiste.

Da nun die EU erwägt, diese Tierdiskriminierung zu beenden und das Tiermehl als Futter wieder zuzulassen, kommt es zu einem kleinen Remake der damaligen Erfolgsserie. Die Medien werfen dem empörungswilligen Stimmvieh ein paar olle Kammellen vor, und dieses dreht erwartungsgemäß durch. Die ARD beispielsweise nimmt ihren Bildungsauftrag wieder besonders ernst, indem sie mit Bildern von mampfenden Rindern auf ihren Videobeitrag hinweisen. Dabei soll das Tiermehl nur für Hühner und Schweine zugelassen werden: Schweine sollen Hühnermehl und Hühner Schweinemehl fressen dürfen. Wiederkäuer gucken in die Röhre.

Auf Facebook tobte sich allerdings der aufgeklärte Bürger mit seinem Spezialwissen aus. Es sei pervers, widernatürlich und krank, “reine Pflanzenfresser” mit Tiermehl zu füttern, unsere Profitgier führe uns in den Abgrund, der Mensch sei doch das schlimmste Tier usw. usf. Das übliche Blabla eben. Zum Glück sind auf Facebook auch ein paar Landwirte und Landwirtschaftsjournalisten unterwegs, die in den Kommentaren Aufklärungsarbeit leisteten. Sie konnten eine Facebook-Epidemie wutbürgerlicher Hirnerweichung gerade noch im Keim ersticken.

Mir persönlich lag es sehr am Herzen, die Leute darüber in Kenntnis zu setzen, dass auch die lieben Wiederkäuer scharf auf tierisches Eiweiß sind und gerne kleine Tiere verspeisen. Wer es nicht glaubt, kann sich auf youtube u.a. dieses Video reinziehen. Komisch, die Leute sind doch sonst so youtube-gebildet. Ich habe das gezeigte Verhalten übrigens auch öfter selber beobachtet, als ich noch Rinder gehütet habe.

Fazit

Die erneute Zulassung von Tiermehl wäre ein Akt der Vernunft. Sie würde erstens der gigantischen Verschwendung wertvoller Teile des Schlachtkörpers Einhalt gebieten, zweitens bei Hühnern und Schweinen zu mehr Tierwohl führen. 

Das Beispiel zeigt auch, wie wichtig es ist, dass Landwirte und Agrarfachleute sich in die sozialen Netzwerken begeben und dort kommentieren. Wenn sie der Desinformation etwas entgegensetzen wollen, dann sollten sie es auf den Facebook-Seiten von Sendern oder Politikern tun, die öffentlich Unsinn verzapfen. Dies lesen nämlich viele Menschen, die noch mit Argumenten erreichbar sein könnten.