Keine Ursache

Die randomisierte und kontrollierte Studie aus Dänemark zur Wirkung von Alltagsmasken ist nun endlich erschienen. Ihr Ergebnis ist wenig überraschend. Es konnte nicht gezeigt werden, dass Alltagsmasken die Ausbreitung von SARS-CoV-2 verhindern.

Die Oxford-Epidemiologen Carl Heneghan und Tom Jefferson erläutern das Resultat in diesem Artikel. Falls eine Paywall vorhanden ist, kann man den Beitrag in der PDF-Version lesen, die ich hochgeladen habe:

Auch ohne diese neue Studie, die hohe Qualitätsstandards erfüllt, müsste die Maskenpflicht von allen Gerichten unisono als rechtswidrig verworfen werden, da eine Wirkung bereits vor Erscheinen dieser Studie nicht nachzuweisen war. Stattdessen haben wir es mit einer weitgehend korrupten* Judikative zu tun, die sich weigert, eins und eins zusammenzuzählen, weil ebenfalls korrupte Institutionen wie das Robert-Koch-Institut und die Bundesärztekammer den Maskenunfug mit der wissenschaftlich klingenden Phrase von „zunehmender Evidenz“ rechtfertigen. Damit kann man Dummköpfe beeindrucken, die sich für gescheit halten, hat also die „intellektuelle Elite“ im Sack.

Voraussehbar war die Reaktion der Twitter-Experten aus den Reihen der Maskenfaschisten. Sie sind zu dumm, die harten Resultate von anderen Formulierungen zu unterscheiden, und meinen, die Studie würde nichts über die Wirkung von Masken aussagen, wenn alle sie sachgerecht verwenden. Natürlich sagt sie darüber nichts aus. Warum auch? Sie ist ja dazu da, die Wirkung unter Realbedingungen zu ermitteln. Ferner scheint den Twitter-Experten entgangen zu sein, dass Masken gleich welchen Typs auch bei korrekter Anwendung von klinischem Personal nichts gegen Grippeviren auszurichten vermögen.

Doch es wird weiter die Parole ausgeben, das ganze Elend komme nur daher, dass die Menschen Maßnahmen wie Maskenpflicht und „Social Distancing“ einfach nicht konsequent genug befolgen. Mit Ursache und Wirkung stehen Maskenfetischisten und Lockdowner notorisch auf Kriegsfuß. Die praktische Wirkungslosigkeit der nichtpharmazeutischen Maßnahmen ist in zig Arbeiten aufgezeigt worden, zuletzt in diesem schönen Werk. Zitat:

Stringency of the measures settled to fight pandemia, including lockdown, did not appear to be linked with death rate.

Ein Versuch mit 3000 Soldaten hat zudem jüngst belegt, dass selbst strengste Maßnahmen, sprich Lockdowns, nicht verhindern können, dass sich das Virus ausbreitet. Das alles ist nichts Neues. Als der Epidemiologe Knut Wittkowski dies im April äußerte, wurde er medial gekreuzigt.

Was folgt daraus, dass es zwischen der Strenge (Konsequenz) von Maßnahmen einerseits und Todesrate sowie Verbreitung des Virus andererseits keinen Zusammenhang gibt? Daraus folgt, dass es Nonsens ist zu behaupten, man müsse wirkungslose Maßnahmen nur konsequenter befolgen, damit sie wirken. Im Klartext: Die Anklage, „Masken- und Maßnahmenverweigerer“ würden indirekt Menschen töten, ist gegenstandslos. Da man mit den Maßnahmen aufgrund ihrer Wirkungslosigkeit keine Menschenleben rettet, ist jemand, der die Maßnahmen nicht befolgt, in keiner Weise dafür verantwortlich, dass andere Menschen an Atemwegserkrankungen sterben.

Man kann daher mit mehr Recht sagen, dass die „Konsequenten“ im Lande für den Tod von Menschen verantwortlich sind, und zwar derjenigen, die infolge der Maßnahmen sterben, wie zum Beispiel alle zusätzlichen Hunger- oder Tuberkulosetoten weltweit, oder alle, die in Altenheimen gestorben sind, weil das Pflegepersonal in Quarantäne musste und Infizierte von Intensivstationen in die Heime verlegt wurden. Da kommen weit mehr Tote zusammen als durch das Virus selbst. Und diese zusätzlichen Todesfälle könnte man tatsächlich verhindern, wenn man auf jene Maßnahmen verzichtet.

Es folgt daraus, dass all diese Maßnahmen rechtswidrig sind, weil sie nicht wirken bzw. sogar kontraproduktiv sind. Ich finde es ziemlich ärgerlich, dass dieser Aspekt auch bei juristischen Kritikern der Maßnahmen im Hintergrund bleibt. Wirkungslosigkeit ist aber der Hauptgrund, warum all jene Zwangsverrichtungen verfassungswidrig sind. Als Richter kann man schon bei oberflächlicher Prüfung im Eilverfahren erkennen, dass Lockdowns oder Maskenpflicht sich wissenschaftlich zumindest sehr zweifelhaft ausnehmen, da letzteres evident ist („evident“ im deutschen Sinn von „ohne gründliche Prüfung offenkundig“).

Doch mit solchen Einwänden befindet man sich geistig noch in der alten Normalität, die von Resten des Aufklärungsgedankens durchwirkt war. In der neuen Normalität gelten ohne Einschränkungen wieder Aber- und Wunderglaube. Man behauptet einfach, dass strenge Rituale vor der Strafe des Virusbefalls schützen. Werden dennoch Menschen befallen und sterben, liegt es eben daran, dass jene Rituale nicht streng genug befolgt worden sind. Derlei egoistische Liederlichkeit habe den Tod unschuldiger Opfer zur Folge. Man identifiziert und stigmatisiert Tätergruppen. Damit schafft man die Voraussetzung, sie zu drangaslieren und letztlich zu eliminieren.

Ich stelle mich also demnächst mit einem Aluhut auf den Marktplatz, führe dort Veitstänze auf und verlange, dass alle mitmachen. Wenn sie das nicht tun, sage ich, dass das Virus durch Aluhüte und Veitstänze in die Flucht geschlagen werde. Wer nicht mitmache, sei ein empathieloses Schwein, ein Mörder von Alten, Kranken, Kindern und Kindeskindern! Auf diesem Niveau sind wir inzwischen. Es ist das Niveau des Faschismus:

Die Debatte darum, ob der Schutz des Lebens höchster Wert sei oder nicht, ist von Anfang an eine Nebelkerze gewesen. Denn um eine solche Debatte mit Bezug auf die Anticorona-Maßnahmen sinnvoll führen zu können, müsste die Wirkung letzterer ja erst einmal erwiesen sein oder nahe liegen. Da aber, siehe oben, kein Zusammenhang zwischen der Strenge von Maßnahmen und Todeszahlen besteht, sind solche Debatten rational witzlos. Selbst wenn es oberstes Ziel wäre, dass die Menschen an allen möglichen Todesarten millionenfach elend krepieren dürften, bloß an Covid nicht, wären die Maßnahmen ungeeignet, dieses Ziel zu erreichen.

Statt aber letzteren Tatbestand in den Vordergrund zu rücken, wird allerorten darüber schwadroniert, ob der höchste Wert der Verfassung nun das Recht auf Leben oder die Menschenwürde sei oder beides in einem oder umgekehrt. Angesichts des dabei ausgebreiteten Pennälerwissens über ethische Grundfragen kommt mir nur das große Gähnen. Wenn ich Richter wäre, würde ich die gegnerischen Parteien dazu aufrufen, zur Sache zu kommen: Kann man mit Maßnahmen, die nicht wirken, Grundrechtseinschränkungen begründen. Nein? Danke. Der Fall ist klar, der Quatsch ist verfassungswidrig. Die Sitzung ist geschlossen.

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* Siehe diese Definition von Korruption: “In der Rechtswissenschaft steht Korruption für den Missbrauch einer Funktionsstellung im politischen, privaten, juristischen, wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Bereich, aber auch bei Organisationen und sonstigen nichtwirtschaftlichen Vereinigungen.“