Wasser marsch?

Die Reaktionen von Journalisten und Politikern auf die Demonstration gegen das nun durchgewunkene neue Infektionsschutzgesetz ist erwartungsgemäß bestürztend. Es wird nach wie vor behauptet, bei den Teilnehmern handele sich bestenfalls um Verwirrte, im Kern aber um Reichsbürger und Rechtsextreme. Mit solchen Zuschreibungen sollen die Teilnehmer als Abschaum hingestellt werden, den man „wegkärchern“ muss.

Dieser Hund war mein Highlight der Veranstaltung. „Ja fein“, habe ich zu ihm gesagt. „So ist es brav!“ Auf der Maske steht „Diktatur“.

Ich war vor Ort und bin mehrmals das Areal zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Brandenburger Tor vollständig abgeschritten. Die Menschen dort waren durchweg friedlich. Es herrschte eine vollkommen unaggressive Stimmung.

Vom Erscheinungsbild her waren die Teilnehmer „Normalos“. Viele würde ich politisch links-grün einschätzen. Natürlich sind solche Einschätzungen oberflächlich. Sie reichen aber hin, um auszuschließen, dass man sich bei einem Naziaufmarsch oder einer Reichsbürgerveranstaltung befindet. Eine schwäbische Omi fragte mich freundlich nach dem Weg zum Brandenburger Tor. Es waren viele ältere Menschen da.

Ich habe auf dem ganzen Areal zwei Fahnen der AfD gesehen. Ansonsten war das Bild vor allem von Luftballons und Pappherzen geprägt. Ich sah viele „Peace“-Flaggen und Banner mit Aufschriften wie „Demokratie“, „Wir wollen unser Leben zurück“, Plakate mit den Porträts von Willy Brandt und Mahatma Gandhi. Eine Gruppe skandierte unablässig „Friede! Freiheit! Demokratie!“ Damit konnte ich mich ohne Weiteres identifizieren. Wie bei der Demo am 29. August war die Love-&-Peace-Fraktion zahlreich vertreten. Die Harmlosigkeit der Leute sprang geradezu ins Auge.

Doch diese Bürger sind (Achtung, jetzt folgt was Ironisches) in Wirklichkeit verantwortungslose Virenschleudern und eine gravierende Bedrohung für die Allgemeinheit. Denn sie hielten sich kaum an die Maskenpflicht, welche der Senat bar jeder wissenschaftlichen Grundlage kraft seiner selbstherrlichen Willkür dekretiert hat. Man stelle sich nur vor: Diese nichtswürdigen Elemente weigerten sich doch tatsächlich, Mundnasenbedeckungen im Freien zu benutzen! Sie waren einfach nicht bereit, schwachsinnige Vorschriften zu befolgen. Wie können sie nur? Das ist Insubordination gegen unsere allgütige Staatsmacht! (Ironie aus)

Sobald die Polizei per Megaphon das Wort ergriff, wurde sie konsequent niedergetrötet und niedergerasselt. Richtig so. Man verstand kein Wort von dem, was die Polizei verkündete. Warum auch? Man konnte es sich auch so denken. „Wenn Sie sich nicht an die Vorschriften halten, wird die Versammlung aufgelöst“. Als ob sie nicht aufgelöst worden wäre, wenn alle Teilnehmer brav ihre Masken getragen hätten! Und gegen 12:30 Uhr war dann Schluss mit lustig. Wasser und Tränengas marsch. In anderen Fällen glänzt die Polizei in Berlin mit wohlwollender Deeskalation, aber gegen schwäbische Omis muss mit unerbittlicher Härte vorgegangen werden. Was für eine Schande.

Hauptsache, Karl Lauterbach hatte seinen Spaß mit Igor dem Unsäglichen.

Ja ja, der Horizont ist bald erreicht.

Die Botschaft ist klar: Die Menschen sollen sich nicht trauen, auf Demonstrationen gegen das Corona-Regime zu gehen. Davon darf man sich aber nicht einschüchtern lassen. Ohne massiven Druck demonstrierender Bürger wird die Regierung weiter in Richtung Faschismus marschieren. Die Zeit des Argumentierens ist lange vorbei. Jetzt muss auf die Töpfe gehauen werden wie in Dänemark.

Aber die Deutschen sind für sowas offenbar zu obrigkeitshörig und denunziationsgeil.