Komma aufn Punkt

Landwirtschaft ist in unseren Breiten inzwischen ein Wort, mit dem die wenigsten Menschen noch Erfahrungen aus eigener Praxis verbinden können. Lediglich 1,6 % aller Erwerbstätigen (ca. 667 000 Personen) sind hierzulande im landwirtschaftlichen Sektor beschäftigt. Zugleich ist die Produktivität rasant gestiegen: Niemals wurden so viele Lebensmittel in so hoher Qualität von so wenigen Menschen produziert wie heute. Mithilfe des technischen Fortschritts konnte zudem der Plackerei weitgehend ein Ende gemacht werden, welche noch vor ein paar Jahrzehnten die Landwirtschaft prägte. Dank High-Tech kann heute eine zart gebaute Bäuerin allein einen Milchviehbetrieb mit 100 Kühen bewirtschaften; früher musste sich die ganze Familie für einen Betrieb mit 20 Kühen den Rücken krumm schuften.

Dass diese Zeiten vorbei sind, ist erfreulich. Doch es gibt auch eine Kehrseite: In einer Gesellschaft, wo fast niemand mehr den Tieren und Pflanzen durch eigenes Tun etwas abringen muss, gedeiht diesbezüglich der Aber- und Wunderglaube – zum Beispiel, dass es lila Kühe gebe oder auf Bauernhöfen zugehe wie im Tigerentenclub. Penetrant wird in den Medien ein idyllisches Bild der vormodernen Landwirtschaft mit dramatisierten Darstellungen der modernen Landwirtschaft kontrastiert. Kaum jemand ahnt noch, wie wichtig eine effiziente Agrarproduktion für die Gesellschaft ist und welche Freiräume sie geschaffen hat. Statt dessen wird munter an dem Ast gesägt, auf dem alle sitzen.

Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass nicht wenigen Agrarfachleuten regelmäßig der Kamm schwillt. Zwei von ihnen sind Catrin Hahn und Sabine Leopold – beides studierte Landwirtinnen und profilierte Agrarjournalistinnen. Seit einigen Jahren schreiben sie sich im Wirtschaftsmagazin Agrarmanager den Frust von der Seele: Die Glosse „Aufs Korn genommen“ erscheint regelmäßig auf der letzten Seite das Magazins. 32 dieser Glossen sind nun unter dem Titel „Komma aufn Punkt“ (, aufn .) in Buchform erschienen. „Eines Tages hatten wir einfach die Faxen dicke“, heißt es im Vorwort: „Herbeigeredete Ernährungsskandale, windige Gesundheitsversprechen, wild gewordene Tierretter, schamlose Geschäftsideen – Tag für Tag fanden sich neue Medieninhalte, die Agrarjournalisten wie uns Lachtränen in die Augen, Zornesfalten auf die Stirn oder die Schamröte ins Gesicht trieben.“

„Komma aufn Punkt“ ist eine Art Kompendium landwirtschafts- und wissenschaftsferner Gemeinplätze, die von den Autorinnen auf nonchalante Weise hinterfragt und mit trockenem Witz ad absurdum geführt werden. Die Glossen bereiten nicht nur Agrarfachleuten Vergnügen, sondern eignen sich ganz hervorragend dazu, die „landwirtschaftsfernen Schichten“ über einige grundlegende Zusammenhänge und Irrtümer aufzuklären. Denn es wird in den Beiträgen auch eine Menge Wissen vermittelt.

Das übrigens auch sehr schick gestaltete Buch kann ich daher allen nur wärmstens empfehlen! Bestellen kann man es für 11 Euro plus Versand direkt hier komma_aufn_punkt@aol.de