Der schizophrene Tierfreund

Wenn noch vor ein paar Jahrzehnten jemand von sich behauptete, ein Tierfreund zu sein, war in der Regel klar, dass diese Redeweise lediglich ein wohlwollendes Interesse an der Tierwelt als solcher oder die Vorliebe für bestimmte Tierarten signalisierte. Bis auf ein paar Verwirrte wäre niemand auf den Gedanken gekommen, diesen Begriff von Freundschaft mit dem gleichlautenden zu verwechseln, den Menschen für enge Beziehungen untereinander verwenden.

Wer ein „Freund“ schneller Autos ist, wird seinen Porsche trotzdem nie zum Bier einladen; wer Blumen „liebt“, wird trotzdem seine Orchideen nicht heiraten; wer Pasta „geil“ findet, wird trotzdem mit seinen Spaghetti keinen Beischlaf à la bolognese vollziehen. Normalerweise kann man im alltäglichen Geplauder ungefähr einschätzen, was mit den jeweiligen Ausdrücken im konkreten Zusammenhang gemeint ist (beim ernsthaften Argumentieren sollte man sich selbstverständlich um mehr Präzision bemühen). Ein Begriff hat bekanntlich viele Facetten. Man muss deswegen nicht gleich die Nerven verlieren.

Ersatzmoral für Ersatzmenschen

Da Tiere in der modernen Gesellschaft immer mehr den Status von „Ersatzmenschen“ (Marvin Harris) haben und fast nur noch als Projektionsobjekte dienen, um emotionale Defizite auszugleichen, können sich die Verwirrten einbilden, besonders klaren Sinnes zu sein, wenn sie zwischen der Freundschaft der Menschen zueinander und deren Beziehung zu Tieren keinen Unterschied mehr machen. Diese Verwirrten nennen sich „Antispeziesisten“ oder Tierrechtler und tyrannisieren heute jeden, der ihnen begegnet, mit ihren fixen Ideen.

So hat beispielsweise der „Tierrechtler und Verfasser ethisch-philosophischer Texte“, Armin Rohm, einen Artikel mit dem Titel Der omnivore Tierfreund verfasst. Dort vertritt er die Meinung, dass die Tierfreundschaft omnivorer Zeitgenossen nichts anderes sei als „moralische Schizophrenie“. Wer Fleisch konsumiert und gleichzeitig behauptet, ein Tierfreund zu sein, leidet für Rohm an einer Art moralischen Schwachsinnes. Pflanzenliebhaber, die Kohlköpfe essen, scheinen hingegen völlig okay zu sein. Rohm präsentiert vier Beispiele „moralischer Schizophrenie in der Praxis“, die vor allem eines offenbaren: dass der Autor nicht weiß, was Freundschaft ist (dazu später).

Gegenliebe und Wohlwollen

Freundschaft ist laut Aristoteles durch Gegenliebe und Wohlwollen gekennzeichnet. Doch leider trifft der Mensch bei wilden Tieren bestenfalls auf Gleichgültigkeit, sofern er nicht in ihr Beuteschema passt oder ihnen sonst in irgend einer Weise von Nutzen ist. Mückenweibchen saugen z.B. das Blut des Menschen, um ihre Eier zu ernähren. Sie zapfen ihn an und schwirren ab, ohne „Danke, Partner“ zu rufen. Statt dessen hinterlassen sie Juckreiz und Malaria.

Was kaum noch einer zu wissen scheint: Viele Tiere sind die natürlichen Feinde des Homo sapiens. Schlangen töten z.B. jedes Jahr über 50 000 Menschen, besonders viele in Indien. Mahatma Gandhi meinte jedoch unverdrossen, das Verhältnis von Mensch und Tier solle eines „der gegenseitigen Hilfe“ sein. Hilfe gibt’s bei solchen Begegnungen aber nur in Form von Hilferufen und in Gestalt medizinischen Personals. Dass eine Kobra jemals einer Oma über die Straße geholfen hätte, ist jedenfalls nicht überliefert.

Da können sich die Tierrechtler noch so sehr bei ihren Liebesobjekten anbiedern – wenn sie einem Kaffernbüffel in freier Wildbahn zu nahe kommen, nimmt dieser sie kurzerhand auf die Hörner. Wenn Armin einem Krokodil die Hand reicht, nimmt es gleich den ganzen Rohm. Das Rudelkuscheln mit der wild lebenden Fauna muss leider mangels Gegenliebe und Wohlwollen von Seiten der Tiere ersatzlos gestrichen werden. Wilde Tiere sind an der Freundschaft zum Menschen herzlich wenig interessiert. Weil es kein gegenseitiges Wohlwollen gibt, kann es auch keine Freundschaft geben.

Aristoteles meinte immerhin, dass so etwas wie Freundschaft zwischen dem Menschen und den von ihm domestizierten Tieren geben könne. Ich habe da meine Zweifel. Aber selbst wenn man die Beziehung zwischen Herr und Hund, Frauchen und Kätzchen, Bauer und Sau als „Freundschaft“ bezeichnet, ist damit zugleich impliziert, dass diese nur ganz ausgewählten Arten und Exemplaren gilt. Oft ist jemand, der seine Katze verhätschelt, auf Nachbars Lumpi nicht gut zu sprechen. Die allgemeine Tierliebe endet also nicht selten bereits am eigenen Gartenzaun.

Moralische Schizophrenie?

Armin Rohm will von alldem nichts wissen, sondern setzt die ganze verlogene Fleischfresserbande kurzerhand auf die Anklagebank. Schon sein erstes Beispiel „moralischer Schizophrenie“ geht allerdings in die Binsen. Erst, so klagt der Autor, liebkose der Fleischesser

seinen Hund (‚Mein bester Freund und Kamerad.‘), dann unterschreibt er eine Petition gegen das Abschlachten der Delfine in Taiji (‚Diese Japaner, das sind doch gefühllose Unmenschen! Da kann ich doch nicht tatenlos zusehen‘) […] und dann … isst er ganz genüsslich ein Steak – die fleischgewordene Todesangst eines feige hingerichteten, unschuldigen Tierkindes.

Wie oben bereits dargestellt, kann jemand durchaus seinen eigenen Hund lieb haben, ohne zugleich die ganze Fauna zu umarmen – genau wie jemand seine Frau lieben kann, ohne gleich zum Don Giovanni zu werden, der behauptet: „Wer nur einer treu ist, begeht ein Unrecht an den anderen“. Das vom Autor beklagte Verhalten hat also weder mit psychischer noch mit moralischer Schizophrenie irgend etwas zu tun.

Rohm schiebt dem omnivoren Tierfreund mit den in Klammern gesetzten Bemerkungen bereits seine verquere Tierrechtler-Logik und seine Motive unter. In den betreffenden Beispielen befinden sich die fiktiven Omnivoren immer schon im Rechtfertigungsmodus. Offensichtlich kommt Rohm gar keine Konstellation mehr in den Sinn, in welcher er nicht der Ankläger ist, sondern sich selber für seine kruden Vorwürfe rechtfertigen muss.

Er übersieht deshalb auch, dass man am Wohl der Delfine als Spezies interessiert sein kann (Artenschutz), ohne in dem Wahn zu leben, jeder Tümmler der Meere habe ein Recht auf Leben. Wer schonende Fangmethoden fordert, muss nicht prinzipiell gegen die Tötung von Meeresbewohnern sein. Man kann ohne Selbstwiderspruch ein Interesse am Arterhalt großer Raubfische und Meeressäuger haben, damit der Ozean nicht von Humboldt-Kalmaren übervölkert wird (biologisch-ökologische Motive). Was hat das alles damit zu tun, dass man auch Schoßtiere zum eigenen Vergnügen erwerben und dieses Vergnügen für das Höchste der freundschaftlichen Gefühle halten kann?

Schizophren ist es wohl eher, wenn Veganer Hunde und Katzen halten. Diese Tiere verspeisen bekanntlich eine Menge anderer Mitgeschöpfe als Futter der Sorten „Rind“, „Lamm“, „Huhn“ usf. Wer als veganer „Tierfreund“ Katzen oder Hunde mit artgerechtem Futter versorgt, gibt seinen Lieblingen u.a. „die fleischgewordene Todesangst feige hingerichteter und unschuldiger Tierkinder“ zu fressen. Manche Veganer versuchen ihre moralische Schizophrenie aufzulösen, indem sie Bello und Miezi mit veganer Kost zwangsernähren. Damit setzen sie sich aber dem berechtigten Vorwurf aus, schnöde Tierquäler zu sein, die das Wohl ihrer angeblich besten Freunde skrupellos der eigenen „Moral“ und Rechthaberei opfern.

Bizarrer Rollentausch

Zu welch eigenartigen Ergebnissen man kommen kann, wenn man nicht begreift, dass Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht, demonstriert der Autor mit folgendem Gedankengang. Für ihn sei „ein Freund jemand, der mich mag, mir vertraut, mich genau so akzeptiert, wie ich bin.“ Ein Freund sei jemand, „der ehrlich zu mir ist, durchaus auch mal kritisch, mich aber nicht belehrt, bevormundet, beschämt, täuscht oder in meiner Freiheit einschränkt“. Ein Freund sei „jederzeit für mich da“, stehe ihm „gerade in schwierigen Zeiten zur Seite“, verteidige ihn „gegen Angriffe jeder Art“, wünsche ihm „von ganzem Herzen“ nur das Beste und füge ihm „niemals willentlich Schaden“ zu.

Damit, so könnte man meinen, liefert er eine solide Begründung, warum eine Freundschaftsbeziehung mit Tieren nicht möglich ist – weder mit dem eigenen Hund noch mit anderen Spezies. Es dürfte ja auch Rohm klar sein, dass Tiere nicht „kritisch“ zu ihm sein können; dass sie nicht in der Lage sind, ihn zu entmündigen, weil sie selber gar nicht mündig sind; dass sie ihn ebenso wenig belehren können wie Steine oder Wollmäuse es vermögen. Welchen Sinn hätte es auch, diese Handlungen und Unterlassungen lobend zu erwähnen, wenn die betreffenden Objekte ohnehin dazu prinzipiell unfähig sind. Ich persönlich schätze beispielsweise an Steinen, dass sie nicht kläffen und nicht auf den Bürgersteig machen können. Doch ich bezeichne sie allenfalls ironisch als meine „stillen Freunde“.

Tiere können Menschen auch nicht gegen „Angriffe aller Art“ verteidigen. Rohms Hund könnte sein Herrchen nicht gegen meine Argumente verteidigen; er könnte ihn nur gegen mich verteidigen, indem er mir in den Hintern bisse. Hunde verteidigen zwar ihre Besitzer oder deren Gut, dies aber oft gegen andere Tiere. Letztere betrachtet der Autor aber angeblich auch als seine Freunde. Und dass irgend ein Rindvieh in der Pampa ausgerechnet einem deutschen Tierrechtler nur das Beste wünschen und ihm niemals willentlich Schaden zufügen würde, wird selbst Rohm uns nicht ernsthaft weismachen wollen.

Er meint wohl etwas anderes: „Wenn ich prüfen will, ob ICH mich zu Recht als Tierfreund bezeichne, wechsle ich einfach die Perspektive und frage mich, inwiefern die Tiere, deren Freund zu sein ich behaupte, das wohl auch so sehen.“ Demnach sei „sonnenklar, dass Handlungen wie einsperren, vergewaltigen, deportieren, ermorden, zerstückeln und essen aus Sicht der Tiere definitiv nicht als Freundschaftsbeweis durchgehen.“

Dies wäre jedoch nur „sonnenklar“, wenn die betreffenden Tiere Armin Rohm wären. Denn der Autor hat sich nicht etwa in konkrete Tiere hineinversetzt, sondern nur ein Tierkostüm angezogen und sich dabei eingebildet, „aus Sicht der Tiere“ zu sprechen. Er unterstellt einfach, dass Tiere 1. eine Vorstellung von Freundschaft haben; dass sie 2. ein Interesse daran haben, mit Menschen befreundet zu sein, und dass 3. deren Vorstellung von Freundschaft so emphatisch ist, wie es vom Autor beschrieben wird. Dies ist aber nicht der Fall. Insofern läuft sein „Test“ darauf hinaus zu ergründen, was wäre, wenn man sich selber für ein Tier hielte.

Auch ernsthafte Versuche, sich in Tiere hineinzuversetzen, sind übrigens zum Scheitern verurteilt. Man weiß nicht genau, was in den Viechern vorgeht. Man kann allerdings mit einigem Recht annehmen, dass sie meistens kein Interesse daran haben, verletzt oder gefressen zu werden (obwohl das nicht für alle Tiere gilt: Parasiten „wollen“ zum Beispiel gefressen werden). Was dies jedoch mit Freundschaft zu tun hat, bleibt rätselhaft.

Zur Freundschaft gehören mindestens zwei. Wenn man herausfinden will, ob X mit Y befreundet ist, muss man beide fragen. Antwortet einer mit „nein“, besteht keine Freundschaft, ganz unabhängig davon, ob sich X als Freund von Y „bezeichnet“. Tiere können die Frage aber gar nicht beantworten und auch keine Freundschaftsanfrage bei Facebook erwidern.

Rohm schreibt noch viel über den Unterschied von Mitleid und Mitgefühl und dass man den Tieren auf „Augenhöhe“ begegnen solle usw. Wer aber Tieren wirklich auf „Augenhöhe“ begegnen will, sollte sich – siehe oben – vorsehen, dass diese Begegnung nicht ins Auge geht bzw. im Tiermagen endet.

Fazit

Rohm will im Dienste seiner Ideologie Omnivore ins Unrecht setzen, die bekunden, sie seien Tierfreunde. Über diese meint er mit einem Begriff von Freundschaft herfallen zu dürfen, der in Bezug auf Tiere unangemessen ist. Die Feststellung, dass sich Menschen nicht ohne Selbstwiderspruch als Tierfreunde im emphatischen Sinne von „Freundschaft“ bezeichnen können, ist trivial wahr. Sie gilt aber für alle Menschen, einschließlich der Tierrechtler. Letztere wollen dies bloß nicht wahrhaben und lassen andere dafür büßen – unter anderem die Tiere selbst. 

Der Autor verhält sich gegenüber den Tieren wie ein abgewiesener Liebhaber, der nicht erkennt, dass das Objekt seiner Begierde nichts von ihm wissen will. Er gefällt sich in der Rolle des Anklägers, vor dem die Leute „um Absolution winseln“. Er benutzt Ausdrücke wie „deportieren“, „ermorden“, „vergewaltigen“, „zerstückeln“, „feige hingerichtetes Tierkind“. Diese maßlose und denunziatorische Terminologie ist auch typisch für Elaborate fanatischer Abtreibungsgegner oder anderer religiöser Fundamentalisten. Als Einführung in die vegane Gedankenwelt ist der Text daher gut geeignet. Motto: Die ihr eintretet, lasst jede Hoffnung auf Vernunft fahren!

 

 

 

18 Gedanken zu „Der schizophrene Tierfreund

  1. Sehr treffend formulierter Text..
    Zu dem Thema „Freundschaft“ zwischen Mensch und Tier ist die Dokumentation „Grizzly Man“ von Werner Herzog zu empfehlen.

    • Der „Grizzly Man“ Timothy Treadwell begegnete den Bären „auf Augenhöhe“, wie Rohm es fordert. Das ist Treadwell nicht gut bekommen: Einer seiner „Freunde“ hatte ihn zum Fressen gern. So leid mir der „Grizzly Man“ tut, so sehr zeigt sein Beispiel, was für ein Unsinn den Tierrechtlern in den Köpfen herumgeistert, und wie erbarmungslos ihre Ideen an der Realität scheitern.

  2. Grizzly Man kann ich auch nur empfehlen, bin aber mit meinen Gedanken irgendwie bei den Wollmäusen hängengeblieben. Bin ich Speziesismus-Gefährdete, wenn ich die vernichte, obwohl sie Mäuse heißen, aber keine sind? Wie weit schadet allein der Name im Zusammenhang mit der Vernichtung meiner Empathie? Ist Vegane Wurst eine Wollmaus oder lebt man besser, wenn man auch seine Gedanken vom Fleisch befreit und Rundrollengemüsebratlinge mit Leidimitatgeschmack ißt, nachdem man Staub gesaugt hat?

    Fragen über Fragen.

  3. Tiere sind Nutztiere, ob im Zoo oder als Blindenhund, als Reitpferd oder Schaf
    zur Deichpflege. Ist artgerechte Tierhaltung im Aquarium oder Vogelkäfig
    möglich? Ist der Methanausstoß bei Afrikas Wiederkäuern nicht vorhanden.
    Müssen alle Katzen in den Tierheimen kastriert werden?
    Wir sind von unseren Wohlstandsproblemen schon so benebelt, das wir mit
    Chloramphenicol behandelte Chrimps als Delikatesse verputzen !!!!

  4. Ich als Biologe weiß ganz genau das Tiere nur ein Zweck dienen.
    Als Speise für den Menschen.
    Der Mensch ist die Krone der Schöpfung.
    Daher darf er alle Tiere töten. Sei es um die zu verspeisen oder für Versuche.
    Tiere gelten nach dem deutschen Recht als Sache. Als Gegenstand!
    Somit ist definitiv klar das ein Tier auch wie ein Gegenstand behandelt werden kann.
    Mit meinen Gegenständen mach ich was ich will.
    Da kann mir keiner scheiß Veganer reinreden. Wenn ich eine Töle gegen eine Wand hauen möchte, dann tu ich das.
    Tiere als Freunde. Ich kann ein Auto schließlich auch nicht als Freund haben.

    Leute kommt endlich wieder zur Vernunft. Tiere sind keine Freunde. Sondern Lebensmittel oder Versuchsobjekte. Tiere sind da, damit es den Menschen gut geht.

    • Tiere gelten nach deutschem Recht nicht als Sache (Siehe § 90 BGB), werden allerdings in den meisten Fällen juristisch wie Sachen behandelt. Darin kommt eine gewisse Ratlosigkeit zum Ausdruck, da das Römische Recht und die einflussreiche Rechtsphilosophie Immanuel Kants nach meiner Kenntnis nur zwischen Sachen und Personen unterscheiden. Tiere sind zwar keine Sachen, wenn man ihnen aber Personenstatus zuschreibt, „überfordert man das Tier“ (Otfried Höffe).
      Ihren Aussagen stimme ich übrigens nicht zu. Der Mensch ist weder Krone der Schöpfung, noch sollte er mit Tieren machen dürfen, was er will. Tiere sollten meiner Auffassung nach umfassenden Schutz genießen, so wie es beispielsweise in der bundesrepublikanischen Gesetzgebung verankert ist. Die Grenze des Tierschutzes wird durch das Selbsterhaltungsinteresse des Menschen bestimmt. U.a. deshalb ist es nicht möglich, Tieren ein „Recht auf Leben“ zuzugestehen. Die Menschen sind z.B. zur Produktion ihrer Lebensmittel zwingend auf eine Landwirtschaft mit Viehhaltung angewiesen.
      Tierschutz kann nicht sinnvoll ohne ein gewisses Maß an „Anthropozentrismus“ begründet werden. Die Haltung des Menschen gegenüber Tieren kann immer nur eine „paternalistische“ sein, wenn man ihnen Schutz gewähren will. Wenn man Tieren auf „Augenhöhe“ begegnet, kann man sie nicht mehr moralisch berücksichtigen, da moralische Reflexion ein menschliches Spezifikum ist. Tiere und Menschen ontologisch, moralisch und rechtlich gleichzustellen (wie es Tierrechtler und Veganer oft tun) führt hingegen nicht zu einem besseren Tierschutz, sondern zur Abschaffung aller Rechte und damit in den Kampf aller gegen alle.

    • „Tiere sind sa, damit es den Menschen gut geht. Zum Essen oder als Versuchsobjekte“
      =>erbärmlich.
      Mit welchem Interesse bist Du denn „Biologe“?

  5. Wozu gibt es so ein Scheiß wie Tierschutz überhaupt?
    Wozu halten sich Leute überhaupt Tiere in ihrem Zuhause?
    Tiere gehören in den Stall und haben Mich Eier und Fleisch zu geben.
    In Deutschland halten sich Menschen Tiere in ihrem Zuhause, die in China oder Thailand als ganz normale Speise dienen.
    Und das verstehe ich nicht.
    In China hat doch auch keiner ein Schwein in seiner Stube.
    Zum Glück haben die erkannt wie vielseitig das Schwein ist und essen immer mehr Schweinefleisch.

    Tiere die nicht als Speise dienen können, gehören bekämpft. Schließlich sind das dann Schädlinge.
    Veganer sind auch Schädlinge. Auch da muss mal der Schädlingsbekämpfer bei.

    Der Mensch sollte die einzige Spezies sein die Schutz bekommt. Ok, die Tiere müssen im Stall müssen bis zu ihrer Schlachtung auch geschützt werden. Damit vom gutem Fleisch nichts abhanden kommt.

    • Gibt schon kranke Menschen in den Antivegan Kreisen. Widerlich .
      Auch als Omnivore, der Veganer nicht austehen kann, finde ich, daß der Herr Schmincke geht zu weit geht.
      Aber was soll man anderes erwarten von Leuten die sich Antivegan schimpfen.

      Antivegan kann also so definiert werden:
      Freude an Tierquälerei, Hass auf Menschen die anderer Meinung sind.

  6. 2 Fragen an den Autor:

    1. Wie steht er selbst zu (Haus-) Tieren, liegen ihm Tiere unabhängig von ökologischen Aspekten als Individuen am Herzen?

    2. Die Demontage der Worte von Herrn Rohm folgt dem Schema
    „Herr Rom sagt…“ … „das ist aber nicht so.“
    Sind die aufgeführten „das ist aber nicht so“ – Postulate auch belegbar?

    Danke.

  7. @Der kleine Menschenfreund
    „Was für eine lustige Trollparade!“

    Ist das nicht der eigentliche Zweck des Internets? Anonyme Räume zu schaffen, wo völlig frei das postmoderne Spiel mit multiplen Identitäten gespielt werden kann? Wo man auch mal (unter einem geschickt gewählten Pseudonym und unter sorgfältiger Vermeidung von für seine Standard-Netzidentität typische Redewendungen!) die kinderfickende psychopathische Satansnazibestie rauslassen kann, nur um mal zu sehen, wie das Publikum reagiert (oder weil einem mal wieder so laaaaaaaaangweilig ist!), ohne deswegen gleich vom Rechner weg in die forensische Psychiatrie verklappt oder von einem wütenden Mob gelyncht zu werden?

    Ich mein‘ ja nur…

    • Da muss ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben. Im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht würden sich die meisten Schreiber hier sehr wohl zu benehmen wissen.

      Übrigens, keiner der mir bekannten „Antiveganer“ isst zum Frühstück Welpensuppe oder zerfällt beim Biss in eine Möhre zu Staub …

  8. Ich war über die Gleichsetzung mit „Abtreibungsgegnern“ etwas überrascht. Bei „Abtreibungen“ handelt es sich ja ohne jeden Zweifel um das Töten menschlicher Entitäten. Abtreibungsgegner verstehen sich daher lediglich als Menschen, welche anderen menschlichen Entitäten unabhängig vom Entwicklungsgrad vollwertigen ethischen Menschenstatus zuerkennen. Für den Abtreibungsgegner ist der „Transportakt“ der Geburt als ethische Aufwertung irrelevant. Es gibt für ihn keinen Grund, weshalb eine Frühgeburt einerseits vollwertigen Menschenstatus haben soll – bei einer Spätabtreibung die unter Umständen sogar einen Monat ältere menschliche Entität hingegen nicht. Auch der angeblich nötige Mindestentwicklungsgrad ist für den Abtreibungsgegner nicht plausibel. Ein Neugeborenes ist auch nicht mal auf dem Stand eines erwachsenen Schimpansen und besitzt dennoch vollen Menschenwert, unabhängig von seien Entwicklungsdefiziten. Das Gleiche gilt übrigens auch für einen 90-jährigen Demenzkranken oder einen Menschen im Koma. Es ist somit für ihn schlicht und ergreifend die Tatsache entscheidend, dass es sich um eine menschliche Entität handelt, unabhängig von Alter, Entwicklungsgrad, Geschlecht, oder Hautfarbe. Mit der ersten Zelle wird ein Algorithmus initiiert, welcher erst wieder mit dem Tot des Menschen endet und ab dieses Zeitpunktes ist es im Übrigen logisch möglich, das erste Personalpronomen zu benutzen („Meine Mutter war mit MIR schwanger“ – nicht mit meinem „Embryo“). Weshalb diese Sichtweise so absurd sein soll wie bei „Tierrechtlern“, erschließt sich mir nicht. Das die aktuelle „praktische“ Betrachtung für die betroffene Frau natürlich am vorteilhaftesten ist, leuchtet ein. Das war die ethische Unterscheidung über die Hautfarbe der Menschen für den Plantagenbesitzer jedoch auch.

    • In der Frage des Schwangerschaftsabbruchs muss genauso sorgfältig argumentiert werden wie in der Frage des Tierschutzes. Denn hier wird die Diskussion schnell hysterisch. Wenn man – wie Sie – seine Meinung sachlich und mit logisch kohärenten Argumenten vorträgt, ist ein Diskurs möglich, der durch vernünftiges Sprechen gekennzeichnet ist. Vernünftiges Sprechen ist laut Peter Janich „eine Beziehungshandlung unter Symmetriebedingungen. Vernünftig soll heißen, dass für beide Parteien eines Zwiegesprächs gleiche Rechte und gleiche Pflichten zu fordern sind. Weder Autoritätswahrheiten noch Gewaltandrohungen, weder Täuschungen noch uneinlösbare Versprechungen sollen darin vorkommen.“

      In dem betreffenden Passus richtete sich meine Kritik nicht gegen die etwaige Absurdität bestimmter Anschauungen, sondern gegen die maßlose, denunziatorische Terminologie, die sowohl für den betreffenden Autor als auch für religiöse Fundamentalisten und/oder eben fanatische Abtreibungsgegner typisch ist. Die Ausdrücke „zerstückelt“ und „unschuldiges Kind“ sind für den Wortschatz von (meist religiös motivierten) fanatischen Abtreibungsgegnern geradezu charakteristisch. Und genau wie diese präsentieren die Tierrechtler oft Fotos von „zerstückelten“ Körpern, um beim Betrachter Ekel und Abscheu zu erzeugen. Dass aber ein Embryo ein „Kind“ sei, versteht sich keineswegs von selbst.

      Ich will grundsätzlich nichts anderes erreichen, als dass Anschauungen unter jenen Symmetriebedingungen vernünftiger Rede vorgetragen werden. Der Grund, warum ich Veganer und Tierrechtler so hart angehe, ist, dass sie es oft nicht für nötig halten, die Regeln des vernünftigen Diskurses einzuhalten. Und dies liegt, wie ich meine, an der Schwäche ihrer Argumente und an manichäischen Haltung, zu den „Reinen“ zu gehören.

      Ich habe keine Probleme mit tierrechtlichen Argumenten, außer dass sie falsch sind. Allein deshalb würde ich aber niemals jemanden, der sie sachlich vorträgt, persönlich attackieren. Leute wie Rohm verhalten sich außerordentlich unfair, indem sie ihre Anschauungen in Gestalt inquisitorischer Anklagen vortragen. Diese sollen aufkommende Kritik im Keim ersticken. Wer schreit: „Tiere essen ist Mord“, verhindert den Diskurs ebenso wie derjenige, der schreit „Abtreibung ist Mord“. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil die Dinge nicht so einfach sind, dass man sie auf die Alternative Entweder-Oder herunterbrechen könnte. Patentlösungen gibt es nicht.

      Ich persönlich vertrete in beiden Fragen eine pragmatische und keine dogmatische Sichtweise. Es gibt vernünftige Gründe für die Nutzung und Tötung von Tieren, und es gibt vernünftige Gründe für den Schwangerschaftsabbruch. Daraus folgt aber nicht, dass jede Form der Tiernutzung oder jeder Schwangerschaftsabbruch in Ordnung sei.

      Inhaltlich möchte ich noch darauf hinweisen, dass der Begriff „menschliche Entität“ näher bestimmt werden müsste. Sind nicht auch Sperma und Eizellen im unvereinigten Zustand „menschliche Entitäten“? Die Natur geht allerdings sehr verschwenderisch mit ihnen um, als dass man ihnen ein Recht auf Leben zugestehen könnte (was übrigens auch für viele nichtmenschliche Lebewesen gilt). Verzeihen Sie mir diese bewusste Geschmacklosigkeit zum Zwecke der Verdeutlichung: Aber wären nicht auch Urin und Kot, die aus dem menschlichen Verdauungssystem stammen, „menschliche Entitäten“? Das Problem besteht hier wohl darin, das spezifisch Menschliche an der „Entität“ näher zu explizieren.

      Ihre Formulierung, dass „mit der ersten Zelle ein Algorithmus initiiert“ wird, ist ebenfalls deutungsbedürftig. Algorithmen sind – wie auch Programme – Handlungsvorschriften zu bestimmten menschlichen Zwecken. Die Rede von „Programmen“, „Informationen“, „Algorithmen“ ist modellhaft. Sie beschreibt die Natur als ob sie nach bestimmten Zwecken organisiert wäre und nicht etwa, wie sie tatsächlich ist. Diese Modelle dienen dem Erkenntnisinteresse der biologischen Wissenschaft (auch wenn selbst viele Biologen ihre Modelle mit der Wirklichkeit verwechseln). Selbstverständlich enthalten z.B. „Gene“ keine „Information“ und können diese deshalb auch nicht weitergeben. In chemischen Verbindungen sind keine „Programme“ enthalten, die „ablaufen“. Deshalb wird in Zellen auch kein Algorithmus initiiert. Vom wem denn auch?

      Insofern wäre es z.B. falsch zu behaupten, von der Befruchtung an würde eine Programmierung auf die spätere menschliche Existenz erfolgen, die bis zum Tod lediglich ausgeführt werde. Überdies entstehen nach der Befruchtung oft nicht lebensfähige Zellbündel und bizarre Formen, die vom Körper selbst frühzeitig abgestoßen werden (innere Selektion).

      Sie unterstellten meinem Eindruck nach einen Begriff von Naturgesetzen, die etwas vorschreiben. Naturgesetze schreiben aber nach meiner Auffassung nichts vor, sondern sind menschliche Beschreibungen dessen, was passiert. Es gibt kein „Naturgesetz“, das nicht bereits falsifiziert wäre. So ist auch die Prämisse: „Immer dann, wenn sich menschliches Sperma und menschliche Eizelle vereinigen, kommt ein Mensch dabei heraus“, empirisch falsch.

      Diese Bemerkungen dienen nur dem Zweck zu zeigen, dass die Sache eben kompliziert ist.
      Aus pragmatischer Sicht bringt es nichts, sich kategorisch auf ein Argument (Kontinuitätsargument, Diskontinuitätsargument) zu versteifen. Denn dann wird oft nur noch über Schlagwörter wie „Heiligkeit des Lebens“ (Spaemann) oder „Abwägung im Hinblick auf den allgemeinen Nutzen“ (Singer) gestritten. Um der Praxistauglichkeit willen kommt man ohne irgend eine Form der Abstufung und Abwägung nicht herum, sofern der Anspruch, eine humane Moral zu vertreten, nicht ad absurdum geführt werden soll. Dazu vielleicht bald mehr. Vielen Dank jedenfalls für Ihre sachliche Kritik!

  9. Also dann hat noch keiner das Konzept des Deutschschweizers Emil Kraepplin (Schweinehirt ?) verstanden. Schizophren ist der in der Minderheit zur Mehrheit und Macht-Elite stehende Opositionelle. Das Engagement aller Seiten hat keinerlei moralischen Eigenwert. Doppelte Kontingenz !
    Für den Fleischfresser sind Veganer und Vegetarier „schizophren“, für den Veganer und Vegetarierer sind Fleischfresser „schizophren“. Nun gut, Schizophrenie gibt es nicht, sie ist eine deutsche Erfindung (der Massentierhaltung ?), und man weis doch wie das beim Deutschen läuft. Was man nicht gebrauchen kann wird „geschreddert“.

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