Buchen sollst du suchen, Glyphen sollst du pryphen

Glyphosat ist ein Pflanzenschutzmittel, das seit mehr als 40 Jahren erfolgreich zur Vernichtung von Unkraut eingesetzt wird. Neuerdings wird es öfter mal im Urin gesichtet oder in Brötchen „gefunden“. Dann verschwindet es eine Weile aus den Schlagzeilen, taucht plötzlich in Baumärkten wieder auf, erregt etwas Aufmerksamkeit, tüdelt eine Weile vor sich hin, aber der Durchbruch in den Panik-Charts lässt weiter auf sich warten. Gegen Dioxin oder Acrylamid ist Glyphosat nicht mal ein One-Hit-Wonder.

Was läuft da falsch? Glyphosat hat doch alles, was zum Erfolg nötig ist. Es wurde von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als wahrscheinlich krebserregend eingestuft (ist also wahrscheinlich nicht krebserregend)*; außerdem wird es in der bösen konventionellen Landwirtschaft eingesetzt, und Greenpeace, BUND, Campact, Die Grünen sowie alle üblichen Verdächtigen setzten sich für ein Totalverbot des Totalherbizids ein.** Das Wort enthält sogar ein Ypsilon, was auf Leser normalerweise so wirkt wie die Rassel einer Klapperschlange. Wo bleibt also bitteschön die Massenpanik?

Meiner Ansicht nach sind viele Karrieren bloß deshalb nie in Schwung gekommen, weil die Interpreten keine vorteilhaften Namen hatten. Ludwig Franz Hirtreiter tat also gut daran, sich Rex Gildo zu nennen („Hossa“), und Antonio Augusto Schinzel-Tenicolo hätte gewiss weniger Erfolg in der Schlagerbranche gehabt, wenn er sich nicht in Christian Anders umbenannt hätte („Es fährt ein Zug nach nirgendwo“). Selbst Anton Hofreiter könnte unter dem Namen Tony Yard Ryder noch eine gediegene Karriere als Countrysänger hinlegen. Doch er zieht lieber gegen das Glyphosat in Baumärkten zu Felde, anstatt in letzteren aufzutreten.

Wer eine Gruselkarriere machen will, sollte auch einen irgendwie gruseligen Namen haben. Nicht jeder hat das Glück, schon von Geburt an Max Schreck zu heißen, wie der erste Darsteller des Nosferatu. Der britische Gentleman William Henry Pratt nannte sich z.B. Boris Karloff und machte mit diesem Namen als Frankensteins Monster Furore.

Aber Glyphosat ist trotz Ypsilon das totale No-Go! Fachleute winken ab, sobald sie nur den Namen hören. Glyphen sind bekanntlich grafische Darstellungen von Schriftzeichen, Glyphosat klingt daher wie ein Spartensender für Typografiefreunde oder wie ein Satellit, der Botschaften nach China sendet, um die drolligen Uha-Polyphen nach Europa zu locken.

Leider ist auch der chemische Klarname von Glyphosat etwas zu sperrig: N-(Phosphonomethyl)glycin taugt bestenfalls als Übungswort für Logopäden. Meine Empfehlung wäre daher, den Stoff in Glyphoxinamid umzutaufen. Das weckt nostalgische Erinnerungen an vergangene kollektive Panikattacken und hat zugleich den Zauber eines Neuanfangs inne. Also, liebe Greenpeace, BUND und Co., lieber Anton Hofreiter: Lassen Sie über das Glyphosat ein wenig Gras wachsen und starten Sie dann mit Glyphoxinamid neu durch! Das wird bestimmt ein Renner.

Herzlichst

Hier O. Glyphe

 

Siehe zum Thema auch diesen hervorragenden Artikel von Susanne Günther sowie die aktuelle Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und aktuell (August 2015) den Artikel von Ludger Weß zur Veröffentlichung der IARC-Monografie.

 

* Auf die Liste der IARC kommt eigentlich alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Krebs ist ziemlich aufbrausend. Alles, was ihm in die Quere kommt, erregt ihn. Wer z.B. gesalzenen Fisch chinesischer Art isst (Kategorie 1 „sicher krebserregend“), kann jetzt schon mal sein Testament pökeln. Als sicher krebserregend gelten auch alkoholische Getränke. Warum die Grünen nicht ein Alkoholverbot fordern, welches demnach doch viel dringender geboten wäre als ein Verbot von Glyphosat, bleibt ein Rätsel. Die IARC ist nicht dafür zuständig, Risiken zu bewerten. Wie gefährlich die jeweiligen Stoffe unter Realbedingungen sind, lässt sich anhand der Klassifizierungen der IARC nicht beantworten.

** Sich für ein Totalverbot von Herbiziden einzusetzen ist genauso einfach, wie effektiver Pflanzenschutz ohne Herbizide schwer ist. Um Äcker einigermaßen sauber zu halten und damit die Ernte zu sichern, müssten pro Hektar weit mehr als die 63 grünen Bundestagsabgeordneten zum Jäten abkommandiert werden. Freiwillige vor!

 

9 Gedanken zu „Buchen sollst du suchen, Glyphen sollst du pryphen

  1. Im gesamten Text kommt das Wort „Monsanto“ genau null-mal (in Worten: NULL!!!) vor.
    Das geht gar nicht.

    Klaus Alfs, Sie sind raus!

    • Mein Text ist frei von Produktplatzierungen. Wenn Sie darauf bestehen, dass Ihr ganz persönlicher Lieblingskonzern genannt wird, müssen Sie sich an jemand anderen wenden.

  2. Und dass es weltweit immer häufiger zu Resistenzen kommt und sog. Superunkraut vorallem den Landwirten in den USA zu schaffen macht, haben sie natürlich in ihrer Recherche „zufällig“ übersehen….

    Und dass es in manchen Gegenden (z.B. Argentinien), wo Pestizide (darunter auch Roundup) massiv eingesetzt werden, zu erhöhten Krebsraten unter Kindern kommt wohl auch. Für die Opfer, egal ob gesundheitlich oder auch finanziell, muss ihr zynischer Artikel wie ein Schlag ins Gesicht wirken.

    • O je, schon wieder ein Experte! Zu Resistenzen kommt es überall und immer, wo Pflanzenschutz betrieben wird. Und an Ihrem unheiteren Krebsraten beteilige ich mich nicht, Sie Rächer der Witwen und Waisen. Es spricht zwar nichts dafür, dass Glyphosat krebserregend ist, aber Sie wissen natürlich ganz genau, dass „Krebs“ und „Kinder“ immer gehen, um schwächliche Einwände als stark erscheinen zu lassen. Und so ganz unauffällig reden Sie dann über den „massiven Einsatz“ von Pestiziden („darunter auch Roundup“), anstatt beim Thema meines Artikels, nämlich Glyphosat zu bleiben. Roundup enthält Glyphosat als Hauptwirkstoff, aber auch einige wesentlich giftigere Substanzen. Glyphosat ist in keiner Weise problematisch und auch nicht der Einsatz von Pestiziden als solcher. Auch Wasser ist bei unsachgemäßem Gebrauch tödlich. Wenn Sie grundsätzlich was gegen Pflanzenschutzmittel haben, dann gehen Sie doch Unkraut jäten anstatt hier große Sprüche zu klopfen. Sie will ich mal sehen, wie Sie den Queckenbewuchs mit der Hacke bekämpfen! Was? Das sollen die lieben „Subsistenzbauern“ alleine machen, während Sie bequem auf Ihrem Hintern sitzen und verbales Superunkraut produzieren? Die werden sich bedanken. Der „massive Einsatz“ menschlicher Arbeitskräfte zur Unkrautvernichtung scheint für Sie offenbar gesundheitlich unbedenklich zu sein. Was glauben Sie, wie viele Tote der gänzliche Verzicht auf Pflanzenschutzmittel produzieren würde? Und wie viele Kinder dann wohl an Hunger stürben?

      • Zu behaupten, dass Glyphosat und all die anderen Pestizide/Fungizide/Insektizide in keiner Weise gefährlich sind, disqualifiziert Sie endgültig. Die Liste von Pflanzenschutzmitteln, die aus dem Verkehr gezogen wurden bzw. keine Neuzulassung mehr bekommen haben und das aus gutem Grund ist gar nicht mal so kurz (DDT, Bromacil, Atrazin, etc.). Bei vielen von diesen Stoffen hat sich die schädigende Wirkung für Mensch und Tier erst dann gezeigt, als sie sich in der Nahrung, Umwelt oder im menschlichen Gewebe durch jahrzehntelange Exposition angereichert haben. Deshalb ist noch nicht sicher, ob Glyphosat nicht doch irgendwann verboten wird, zumindest in D oder der EU. Und dass es für Pestizide Grenzwerte gibt ist natürlich nur eine Erfindung von lauter „Ahnungslosen“. Es steht ihnen aber natürlich frei, ihr Obst und Gemüse gerne ausreichend mit Glyphosat und anderen Chemikalien zu behandeln und es dann in rauen Mengen zu verzehren. 😉 Sie können sich auch noch zusätzliche Produkte aus China und Indien importieren lassen, da Sie dann in den Genuss von einigen bei uns verbotenen Substanzen kommen. Und gerne so viel und so oft wie möglich…
        Dazu fällt mir nur noch ein: lauter Geisterfahrer, nur KA nicht….

        • Ihnen fällt immer was Neues ein. Niedlich. Mit folgendem Satz haben Sie sich Ihre Rote Karte redlich verdient: »Zu behaupten, dass Glyphosat und all die anderen Pestizide/Fungizide/Insektizide in keiner Weise gefährlich sind, disqualifiziert Sie endgültig.« Glyphosat wird aber als Grundstoff von Herbiziden benutzt. Die haben Sie in Ihrer Aufzählung vergessen. »Pestizid« ist entweder der Oberbegriff aller Pflanzenschutzmittel oder (im engeren Sinne) ein Synonym für Schädlingsbekämpfungsmittel. Benutzen Sie den Begriff im umfassenden Sinn, erübrigt sich eine weitere Aufzählung von Fungiziden etc. Benutzen Sie den Begriff in letzterem Sinne, ist er fehl am Platze. Denn Glyphosat gehört nicht zu den Schädlingsbekämpfungsmitteln. Da haben Sie in der »Sesamstraße« bei der Lektion Eins von diesen Dingen ist anders als die anderen nicht richtig aufgepasst.
          Gegen Leute wie Sie ist das Krümelmonster ein Philosophenkönig. Sie können nicht einmal ein Herbizid von einem Insektizid unterscheiden und wollen mir hier den Experten vorspielen. Netter Versuch. Zu behaupten, dass mein Fuß in keiner Weise gefährlich ist, disqualifiziert denjenigen endgültig, in dessen Hintern er landet. Und wer die Ansicht vertritt, Dihydrogenmonoxid (Wasser) sei in keiner Weise gefährlich, disqualifiziert sich selbst.
          Was Sie hier ausbreiten, sind irgendwelche Befürchtungen, für die es keinerlei Evidenz gibt. Es könnte eine Menge passieren, z. B. könnte uns auch der Himmel auf den Kopf fallen, weil die Gallier es befürchten. Was glauben Sie, wie viele Menschen aufgrund der praktischen Konsequenzen Ihrer Geisteshaltung krepieren? Beispiel DDT-Verbot: »Die Nebenwirkungen des DDT-Verbotes haben mit Sicherheit mehr Menschen das Leben gekostet als die Nebenwirkungen des DDT«, stellt Hubert Markl nüchtern fest. Dank Typen wie Ihnen konnte sich die Malaria, die fast schon besiegt war, wieder ungehindert ausbreiten.
          Das DDT-Verbot ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass das Vorsorgeprinzip sich selbst ad absurdum führt. Politiker der Grünen inszenieren sich als besonders verantwortungsbewusste Menschen, wenn Sie gemäß des Vorsorgeprinzips eine Null-Risiko-Politik befürworten. Aber wenn sie diesem Prinzip konsequent folgten, müssten sie gegen ein Verbot von Glyphosat sein, denn sie wissen ja nicht, welche Risiken sich aus diesem Verbot ergeben. Das wahrscheinliche Szenario ist, dass andere Wirkstoffe eingesetzt werden, deren toxische Wirkung weniger gut erforscht ist. Das Glyphosat-Verbot wäre übrigens durchaus im Interesse von Monsanto. Aber das kapieren Sie wahrscheinlich auch nicht.
          Ich warte immer noch auf konkrete Vorschläge, wie Sie wirksamen Pflanzenschutz betreiben wollen. Wollen Sie alle Pestizide verbieten lassen? Oder nur alle »künstlichen«? 99,99 % aller Pestizide werden von den Pflanzen selbst produziert, um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Am besten auch verbieten, gell?
          Haben Sie sich denn inzwischen freiwillig zum Jäten gemeldet? Damit könnten Sie ein gutes Werk tun, und Ihnen vergingen die Flausen. Nach einem Tag Arbeit würden sie nach Glyphosat lechzen! Und wie steht’s denn z.B. mit Bt-Pflanzen? Wenn man diese anbaut, kann man sich Insektizide sparen. Bt-Pflanzen finden Sie aber bestimmt auch doof, weil böse-böse Gene drin. Diese Gene könnten sich ja im »Körper anreichern«. Und dann würde aus manchem Hohlkopf womöglich ein Kohlkopf. Aber gegen Kupfersulfat haben Sie bestimmt nichts, denn das benutzen ja die guten Biobauern, und es reichert sich als Schwermetall ja »bloß« in den Böden an.
          Wissen Sie was: Trinken Sie doch einfach mal einen großen Schluck aus der Kupfersulfat-Flasche. Das wird Ihren Geist sicher beflügeln. Wohl bekomm’s 🙂

          • Schon klar das „Alucard“ darauf nicht antwortet!
            Hehe 😉
            Btw, ist Alu nicht auch schädlich…?

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