Aktionsbündnis Agrarende

Warnhinweis

Wer die »Volksinitiative gegen die Massentierhaltung« der »Fördergemeinschaft ökologischer Landbau« unterzeichnet, sollte sich auch über die Konsequenzen klar sein. Dies wäre nur ein erster Schritt zum generellen und flächendeckenden Verzicht auf »Massentierhaltung« (eine Definition sucht man da wie immer vergebens). In Verbindung mit einer Wende zum ökologischen Landbau bedeutet dies, dass es nicht mehr genügend Dünger geben wird, um Erträge zu erhalten, die eine ausreichende Versorgung der Menschen mit Ackerfrüchten sicherstellen.

Zu glauben, dass extensive Weidewirtschaft und Freilandhaltung genügend Dung für die Äcker liefert, ist hochgradig weltfremd. Was hier durchgeboxt werden soll, ist eine Mangelwirtschaft von Anno Dazumal. Die Biobauern wollen ihre effizientere Konkurrenz aus dem Markt drängen. Dem Verbraucher bliebe dann keine Wahl mehr: Er wäre gezwungen, auf Grundlage der Bio-Mangelwirtschaft Mondpreise für minderwertige Produkte zu bezahlen. Bis jetzt machen das nur die fehlgeleiteten »bewussten Verbraucher« aus den wohlhabenden Schichten freiwillig. Die Angehörigen der Unterschicht würden dagegen zu Zwangsvegetariern wie andere Arme auf dem Globus auch.

Die auf der Homepage abgebildeten Damen, die für bäuerliche Landwirtschaft demonstrieren, wären gewiss nicht bereit, sich als Arbeits- und Reproduktionskräfte für die von ihnen geforderte Wirtschaftsweise zur Verfügung zu stellen. Dann müssten sie nämlich 365 Tage im Jahr schuften und möglichst viele Nachkommen zeugen, die dann auch alle nur schuften müssten. Zum Demonstrieren fehlte dann Zeit und Energie.

Die Befürworter der bäuerlichen Landwirtschaft beschweren sich über Geruchsbelästigung durch Gülle. Sie scheinen zu glauben, dass es keinerlei Geruchsbelästigung mehr geben würde, wenn die Höfe wieder allesamt in den Dörfern stünden. Wenn die Agrarwendler den Misthaufen des Bauern direkt vor der Tür und dessen Jauchegrube direkt neben dem Swimming-Pool hätten, wären sie die Ersten, die sich beschweren. Wenn alle Kühe wieder durch die Dörfer zu den Weiden trotteten, würden die hochmoralischen Landlust-LeserInnen bestimmt gegen Scheiße auf Wegen, Straßen und in Vorgärten zu Felde ziehen.*

Besonders die Linken in diesem Lande sollten endlich begreifen, dass es sich bei der Agrarwende nicht um ein »linkes Projekt« handelt, auch wenn die Öko- und vegane Schundliteratur sich in linken Kreisen besonders gut verkauft. Wer wirklich weniger Nutztierindividuen will, ohne dabei die Landwirtschaft an die Wand zu fahren, sollte moderne Hochleistungsrassen und moderne Ställe befürworten. Wenn z.B. weltweit alle Schweine nach modernen Kriterien gehalten würden, könnte der Bestand um 44 % sinken. In der Biohaltung krepiert hingegen jedes 3. Ferkel, die Lebern der Bioschweine kann man wegen Parasitenbefall fast alle in die Tonne kloppen und die Viecher leiden stark unter Eiweißmangel.

Viel Spaß also bei eurer beknackten Agrarwende, ihr Hornochsen!

 

 

* Es ist kein Zufall, dass solche Forderungen stets von Menschen aufgestellt werden, die es nicht gewohnt sind, die Konsequenzen ihrer Postulate selber zu tragen. Die Moral dieser Leute besteht darin, sich auf Kosten anderer in Szene zu setzen, die die Suppe auslöffeln sollen. Auf Wolke 7 lässt sich die Quadratur des Kreises bequem fordern. Aber Vorsicht: Vielleicht fällt man irgendwann doch aus allen Wolken.

12 Gedanken zu „Aktionsbündnis Agrarende

  1. Wie immer guter Kommentar.
    Aber werfen Sie nicht alle „Linken“ in einen Topf. Wer halbwegs sozial denkt, kann gar nicht für die Biowirtschaft sein; schließt sich m.E.aus.

  2. He, nichts gegen Hornochsen. Schön marmoriert und gute Nische auf absolutem Grünland.
    Ansonsten wie immer d’accord 🙂

    LGBB

  3. In allen Punkten meine Zustimmung! In den Dörfern wird ja nicht einmal mehr das Krähen der Hähne geduldet.
    Vielen Dank für den durchdachten Beitrag!

  4. Super, vielen Dank 🙂 ein schöner, endlich logischer Beitrag in einer emotionsferngesteuerten Gesellschaft 🙂 sehr erheiternd zugleich.

    LG

  5. Hatte Gelegenheit, Ihren Artikel über Veganismus in der heutigen Kölner Rundschau zu lesen. Schon lange nicht mehr so eine Polemik gelesen, noch dazu so eine platte, habe ich gedacht. Bis ich Ihre Webseite besuchte, wo Sie Ihr NoGo-Prinzip beschreiben. Da war mir dann klar, wie Sie das eigentlich meinen. Also: Weiter so!
    LG W.

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