Who the fuck is Cecil?

Für NovoArgumente habe ich einen Kommentar zur weltweiten Empörung über jenen berüchtigten Großwildjäger geschrieben, der den angeblich beliebtesten Löwen Afrikas über den Haufen geschossen hat. Dazu gäbe es normalerweise nicht viel zu sagen. Falls es sich um Wilderei gehandelt haben sollte, wäre ein sauberes Gerichtsverfahren angebracht.

Empathisches Lynchen?

Man kann den Tod des Löwen bedauern und dies zum Anlass nehmen, über Sinn oder Unsinn der Großwildjagd als Touristenvergnügen zu diskutieren. Es steht auch jedem frei, reiche Hobbyjäger unsympathisch zu finden. Doch die mediale Hetze und die Gewalt gegen den Schützen sind unerträglich. Für jeden zivilisierten Menschen sollte es selbstverständlich sein, nicht noch Öl ins Feuer zu gießen.

Doch was macht PETA-Gründerin Ingrid Newkirk? Sie befürwortet öffentlich die Todesstrafe durch Erhängen für den Cecil-Jäger. Nur vierzehn Tage später wurde in der Berliner Zeitung ein wohlwollendes Porträt erneut hochgeladen, in dem Newkirk als eine hochmoralische Person dargestellt wird, die zwar ein bisschen verrückt, aber grundsätzlich im Recht sei.

Die mediale Entrüstung über den Tod eines Löwen zeigt wieder, wie wenig die Überhöhung des Tiers mit zivilisatorischem Fortschritt zu tun hat. Tierrechtler klagen ausgiebig über die Empathielosigkeit aller, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen. Doch wie empathielos muss man sein, um das menschliche Leid in Simbabwe vollkommen auszublenden? Gegen dieses Leid ist der unsanfte Tod eines betagten Löwen eine Petitesse.

Tiermord?

Wenn Newkirk die Todesstrafe für den Löwenjäger will, unterstellt sie, dass die Tötung des Tiers mit Mord gleichzusetzen ist. Vielleicht sollte sie dann ihre deutsche Kollegin zurückpfeifen, die in der BILD-Zeitung für ein Jagdverbot plädiert, weil sich die Bestände selbst regulieren.

Denn damit, dass sich Bestände selbst regulieren (Artenschutz), kann niemand widerspruchsfrei argumentieren, der Tieren ein individuelles Lebensrecht zugesteht. Nur wo ein Recht auf Leben besteht, kann überhaupt sinnvoll von Mord oder Totschlag geredet werden.

Die Behauptung der Tierrechtlerin entspricht exakt derjenigen eines zynischen Malthusianers, welcher behauptet, die menschlichen Bestände in Slums regulierten sich selber durch Hunger, Seuche und Verbrechen. Haben die Tierindividuen ein Lebensrecht, müssen sie vom Staat oder überstaatlichen Institutionen aktiv geschützt werden – und zwar nicht nur vor den Menschen, sondern auch vor anderen Tieren, einschließlich der Artgenossen.

Wohlgemerkt: Nicht die Art als solche müsste geschützt werden, sondern jedes einzelne Individuum. Cecils Nachfolger Jericho müsste z.B. daran gehindert werden, die Jungen seines Vorgängers zu töten, und er müsste außerdem wegen Mordversuchs angeklagt werden. Das bedeutet Recht auf Leben in der Praxis. Alles andere ist nur Gerede.

Davon wollen Newkirk und Co. aber nichts wissen. Es ist bezeichnend, dass sich Tierrechts-Aktivisten bei derlei Widersprüchen nicht aufhalten, sondern einfach alles nehmen, was sie in die Hände bekommen, um andere mit Dreck zu bewerfen. Dass sie sich dabei auch noch besonders zivilisiert vorkommen, ist eine der vielen Selbsttäuschungen, denen sie erliegen.