Ungezogene Verbraucher

Quo vadis Qualität?

In der Podiumsdiskussion im Forum Moderne Landwirtschaft, an der ich teilgenommen habe, musste ich mehrfach ein lautes Lachen unterdrücken, weil einige Teilnehmer so angestrengt darüber rätselten, warum der Verbraucher nicht das kaufe, was die betreffenden Teilnehmer für qualitativ hochwertige Lebensmittel halten.

Dabei ist die Erklärung simpel: Das, was die Herren Müller, Stellpflug sowie Kaisers‘-Chef Tuchlenski für hochwertige Lebensmittel halten, sind in Wirklichkeit keine besonders hochwertigen Lebensmittel. Im besten Falle sind sie mit den preiswerten gleichwertig. Deshalb kaufen Verbraucher eher die preiswerten Waren. Was sie in Umfragen antworten, spiegelt die gesellschaftliche Ideologie wider, nicht das, was sie wirklich tun. Nur der „kritische Verbraucher“ nimmt das, was in Ökotest steht oder von Foodwatch, Greenpeace und Co. verbreitet wird, für bare Münze, und entscheidet sich oft für überteuerte Minderware. 

Arme Schweine!

Verbraucherschützer bei der Erziehungsarbeit

Ökoschwein vor der Zwangsbeglückung

Ich habe in der Runde mehrfach darauf hingewiesen, dass Produkte aus biologischem Anbau – bis auf die „Biodiversität“ an Unkräutern – nicht besser sind als konventionell erzeugte, sondern in mancherlei Hinsicht sogar schlechter abschneiden. Den Herren war dies nicht bekannt, und sie empörten sich entsprechend. Ich legte dar, dass sich zum Beispiel Bioschweine oft in einem miserablen Gesundheitszustand befinden und es daher kein Wunder ist, dass Bioschweinehalter wieder auf konventionell umstellen.

Darauf konterte Herr Tuchlenski mit einem wohl von Kaisers-Tengelmann unterstützen Projekt, wo Schweine in Freilandhaltung „nur mit Äpfeln gefüttert“ werden, wie Tuchlenski stolz betonte. Damit hatte er die Lacher des fachkundigen Publikums auf seiner Seite. Verbraucherschützer Müller und „Verbraucherschützer“ Stellpflug sowie der Kaisers‚-Chef selbst fragen sich indes vielleicht noch heute, was es da zu lachen gab.

Lassen wir sie ahnungslos sterben. Zuviel Fachwissen ist ungesund. Hoffen wir kontrafaktisch, dass die Zahl der Würmer in den Äpfeln die Zahl der Spulwürmer übertrifft, die die Schweine in den Lungen haben. Dass Schweine Omnivore sind und tierisches Eiweiß benötigen, hat sich zu den Herren noch nicht herumgesprochen. Durch das unsinnige Tiermehlverbot sind die Schweine  – wie die Hühner – schon jetzt weitgehend zu Zwangsvegetariern gemacht worden. Da sie in der Biohaltung zusätzlich noch unter der Eiweißarmut des Biofutters leiden, kann niemand ernsthaft behaupten, es ginge Bioschweinen im Schnitt besser als Konvi-Schweinen.* Was können aber die Verbraucher für den Kinderglauben der Verbraucherschützer? 

Fazit

Die Lebensmittel werden von den deutschen Landwirten so effizient produziert, dass sie trotz exzellenter Qualität sehr preiswert sind. Die niedrigen Preise sind daher kein Signal für niedrige Qualität. Letzteres weiß jeder Verbraucher aus Erfahrung – nur der „kritische“ nicht. Dass Red Bull keine Flügel verleiht, hält der „kritische Verbraucher“ für dreisten Betrug und fragt erbittert: Wem kann ich denn noch trauen?

Die Verunsicherung der Verbraucher wird indes von denen herbeigeführt, die vorgeben, letztere zu schützen. Die selbsternannten Verbraucherschützer bedienen ein Segment von Disktintionswilligen, denen es nicht behagt, dass sich die „Proleten“ hochwertige Nahrungsmittel wie Burger und Co. schmecken lassen. Deshalb muss eine Umerziehung schon bei den Kleinen stattfinden. In den Schulen wird ihnen eingehämmert, dass Burger minderwertige Nahrungsmittel seien, die Umwelt und Tiere vernichten. Statt dessen sollen die Kinder glauben, Gurken und Zucchini seien hochwertig, ökologisch korrekt und tierleidfrei. Verkehrte Welt!

Wer schützt die Kinder eigentlich vor den Verbraucherschützern?  

 

* Es gibt hervorragende Biolandwirte, die ihr Handwerk verstehen, und es gibt schlechte konventionelle Landwirte. Entscheidend für das Tierwohl ist in erster Linie das Können des Halters. Der Biolandwirt hat jedoch aufgrund vieler unsinniger Regelungen größere Hürden zu überwinden. Vieles kann daher auch der beste Biolandwirt nicht verhindern. Die höheren Ferkelverluste in der Schweinehaltung resultieren zum Beispiel daraus, dass Ferkelschutzkörbe nicht erlaubt sind. Dem Eiweißmangel des Futters ist ebenfalls schwer beizukommen usw.