Veganes Leben lebt nicht

Halbherziger Verzicht

„ZDF-Moderatorin und Kochbuch-Autorin Jasmin Hekmati lebt vegan. Sie verzichtet, gemeinsam mit ihrem Mann, auf alle tierischen Produkte“, heißt es bei Stern-Online.

Diese Aussage ist mit Sicherheit falsch. Zu den tierischen Produkten zählen nämlich nicht nur „Fleisch, Käse, Eier und Fisch“; zu den tierischen Produkten zählt zum Beispiel auch alles, was beim Vieh hinten herauskommt und in Form von Gülle, Mist, Guano u.ä. als Dünger für die angebauten Pflanzen verwendet wird.

Wenn Frau Hekmati also „ganz normale Sojamilch“ und andere pflanzliche Produkte im Supermarkt kauft, sind diese höchstwahrscheinlich mit tierischen Produkten gedüngt worden – ganz egal, ob diese nun aus dem normalen Supermarkt, aus dem „Biosupermarkt“ oder aus dem „veganen Supermarkt“ stammen. Auch Nahrungsmittel, die nicht mit tierischem Dünger hergestellt werden, haben die Nutzung und den massenhaften Tod von Tieren und anderen Lebewesen zur Voraussetzung.

Viehlos glücklich?

Nachhaltige Landwirtschaft ist – universal praktiziert – nicht ohne Viehhaltung möglich. Viehlose Betriebe können die viehhaltenden nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Sie finden sich in Gesellschaften mit ausdifferenzierter Landwirtschaft dort, wo die Böden eine so hohe Qualität haben, dass sich die ansässigen Betriebe auf Ackerbau für Speisepflanzen spezialisieren können. In Gegenden mit schlechteren Böden (z.B. Sandböden in Niedersachsen) oder viel unwegsamen Grasland (z.B. Allgäu) spezialisiert man sich hingegen auf die Viehhaltung.

Der Überschuss an tierischen Nährstoffen in Gebieten mit intensiver Viehhaltung kann und sollte zu viehlosen Betrieben transportiert werden, damit diese nicht ausschließlich mit „Kunstdünger“ arbeiten müssen, der heute immer knapper und deshalb teurer wird. Gülle ist ein wertvoller Rohstoff, dessen gezielter Einsatz den Anteil an Kali- und Phosphat-(„Kunst“)dünger um 90 % verringern konnte, ohne die Erträge zu senken.

Die viehhaltenden Landwirte füttern die Veganer durch. Veganismus schmarotzt bei der Lebens- und Produktionsweise, die er ablehnt. Das zeigt sich auch beim Honig. Veganer lehnen in der Regel Honig ab, weil er aus der „Bienen-Massentierhaltung“ stammt. Doch wer soll die riesigen Mengen Obst für die Veganer bestäuben, wenn es keine Bienen mehr aus menschlicher Haltung gibt? Die paar Wildbienen reichen da nie und nimmer. In Gewächshäusern werden überdies Hummeln zur Bestäubung „versklavt“.

Wenn Veganer statt Milch Mandelmilch trinken, machen sie sich in besonderem Maße der „Bienensklaverei“ schuldigWer viel Obst isst, hat sehr wahrscheinlich mehr „hochentwickelte“ Tiere auf dem Gewissen als jemand, der kein Obst, dafür aber gerne Steaks isst.

Allein aufgrund dieser paar Fakten und Zusammenhänge stellt sich bereits die Frage, warum vegane Eltern überhaupt soviel Energie in ihr häusliches Zwangssystem investieren. Es ist nämlich von vornherein aussichtslos und moralisch unsinnig, seine Lebensweise danach auszurichten, wie viel „Tierleid“ sie mutmaßlich verursacht. Die Maßeinheit fehlt hier ebenso wie die Instrumente, um das Leid zu quantifizieren. 

Die pure Anzahl getöteter Tiere taugt nicht. Denn Sterben kann mit mehr oder weniger Leid verbunden sein. Fachgerecht geschlachtetes Vieh leidet sehr wenig, fachgerecht vergiftete Nager leiden sehr viel. Das alles in einem Gesamtkalkül sinnvoll gegeneinander aufzurechnen, ist ein vergebliches Unterfangen.

Absurdes Theater

Frau Hekmati antwortet auf die Frage, wie sie auf den Veganismus gekommen sei, folgendes:

Im Prinzip hat mich mein Sohn darauf gebracht, der mich ganz naiv gefragt hat, warum er unsere Katze Otto nicht am Schwanz ziehen darf. Ich habe ihm erklärt, dass man anderen Lebewesen nicht weh tut, dass sie auch Schmerzen fühlen. Währenddessen stand ich gerade am Herd und habe ein Steak gebraten. Erst da fiel mir auf, wie inkonsequent ich doch war. Wie kann ich meinem Sohn erzählen, dass wir Tieren keine Schmerzen zufügen dürfen, und beim Essen endet dann diese Moral?

Das ist eine jener typischen Schnurren, in denen der Eindruck vermittelt werden soll, Kinder hätten ihre Eltern von sich aus zu irgendwelchen moralisch bedeutsamen Lebensentscheidungen genötigt. Solche Geschichten mit Kind und Katze dienen gemeinhin dem Zweck, Kritiker von vornherein emotional ins Unrecht zu setzen. Ein alter Propaganda-Trick, der offenbar auch im Privatleben bestens funktioniert: „Ich tu das alles nur der Kinder und der Tiere wegen. Bist du etwa gegen Kinder und Tiere?“ Als ob der Junge ein Interesse an veganer Ernährung geäußert hätte! 

Selbst wenn sich das Erweckungserlebnis tatsächlich so zugetragen haben sollte, fiele kein günstiges Licht auf die Bekehrte. Denn anstatt einfach zu antworten: „weil Otto es nicht mag“, redet die Mutter sich gegenüber einem Zweijährigen um Kopf und Kragen. Der Kleine wollte mit seiner Frage bloß ein bisschen Orientierung, doch Mutter verdonnert die ganze Familie gleich für die nächsten Jahrzehnte zu veganer Kost. Das Kind könnte daraus lernen, seiner Mutter besser keine Fragen mehr zu stellen.

Der naheliegende Gedanke, dass ihre Maxime untauglich sein könnte, weil sie auf falschen Prämissen beruht und nicht verallgemeinerbar ist, geht bei der ganzen Betriebsamkeit unter. Quäle nie ein Tier zum Scherz, hätte ja als Maxime ausgereicht. Viehhaltung und Fleischproduktion werden nämlich keineswegs zum Scherz betrieben und haben auch nicht den Zweck, Tiere zu quälen. Die Frage, warum man das dem Kind überhaupt erklären muss, wo Kinder doch angeblich von Natur aus so mitfühlend sind, bleibt wieder einmal unbeantwortet.

Frau Hekmati verfängt sich in einem Pseudokonflikt, den sie durch erhöhten Konsequenzaufwand zu lösen versucht. Damit rutscht sie unweigerlich jene schiefe Ebene herab, die alle Veganer schließlich in den Quatsch plumpsen lässt. Inkonsequenz ist hier nicht das Problem; die Probleme sind schlampiges Denken, moralische Kurzsichtigkeit, fehlende Sachkunde.

Diskurs mit Dreikäsehoch

Selbst ein Dreikäsehoch wird bemerken, dass da etwas faul ist. Wenn Lebewesen Schmerzen fühlen und man ihnen nicht weh tut – warum köpft Mutti den Salat und jagt die Bananen durch den Mixer? So sei das alles nicht gemeint, müsste Mutti antworten, denn der Salat spüre keinen Schmerz, genau wie alle anderen Pflanzen. Aha.

Sohn: Sind denn Pflanzen keine Lebewesen?

Mutti: Doch, aber … die spüren eben keinen Schmerz.

Sohn: Wieso nicht? Hast du doch eben gesagt!

Mutti: Ja, äh (schlägt im Veganer-Handbuch nach) … weil Pflanzen nicht weglaufen können.

Sohn: Was weglaufen kann, kann Aua fühlen?

Mutti: Ja … ähm …

Sohn: Auch die Spinne da? Oder die dicke Wanze? Und mein Spielzeug-Roboter?

Mutti: Hm … also die fühlen auch was, aber … keinen Schmerz. Der Roboter ist eine Maschine.

Sohn: Aber die können doch weglaufen!

Mutti: Ja, aber das ist was anderes.

Sohn: Wieso ist das was anderes?

Mutti: Weil Pflanzen und Insekten kein zentrales Dings … Nervenkostüm …

Usw.

(nur nebenbei: Pflanzen sind 100 bis 1000 mal berührungsempfindlicher als jedes Tier)

Mutter wird dann irgendwann den Kreis der moralisch Auserwählten drastisch eingeschränkt haben, nämlich auf die Wirbeltiere (5 % aller Arten) plus ein paar Zerquetschte, z. B. Hummer oder Bienen – alle Arten eben, die dazu taugen, Nicht-Veganer als Unmenschen dastehen zu lassen. Der Junge wird das nicht begreifen, denn seine Mutter hat sich zuvor derart weit aus dem Fenster gelehnt, dass ihre Einschränkungen wie Rücknahmen wirken.

Die Futterdose der Pandora

Wenn das Kind irgendwann lesen kann, könnte sich folgender Dialog entspinnen:

Sohn: Guck mal, Mutti, ich kann lesen, was auf Ottos Futterdosen steht: „Rind“

Mutti (beglückt): Stimmt!

Sohn: „Lamm“, „Huhn“, „Pute“

Mutti: Super!

Sohn: Das isst Otto.

Mutti: Genau. Er frisst es nicht, er isst es. Genau wie wir Menschen. Denn „fressen“ sagen die Menschen nur, um die Tiere zu erniedrigen.

Sohn: Wir essen aber gar kein Rind, kein Huhn, keine Pute …

Mutti: Nein. Denn es sind ja Lebew … äh … Tiere … also schmerzempfindliche … mit zentralem Dings … Und du weißt ja:

Mutti & Sohn: „Ein Tierlein niemals hau’! Es spürt wie du das Au. Beim Tierlein mache ei, damit es glücklich sei.“

Sohn: Und wie kommen die Tiere in die Dosen?

Mutti: Ja, also, die sind tot und werden dann zu … öhm … Fleisch verarbeitet.

Sohn: Wieso darf Otto Fleisch und ich nicht?

Mutti: Weil Otto ein Fleischfresser … äh -esser ist. Er kann nichts anderes essen.

Sohn: Und wieso sind die Tiere in den Dosen tot?

Mutti: Weil sie geschlachtet wurden.

Sohn: Geschlachtet?

Mutti: Ja, totgemacht.

Sohn: Von wem?

Mutti: Von Schlachtern. Das sind Menschen, die gelernt haben, Tiere zu töten.

Sohn: Macht das nicht au?

Mutti: Äh, ja doch … aber …

Sohn (empört): Bei Tieren macht man ei, nicht au!

Mutti: Mein Gott, du hast recht! Weißt du was? Otto kriegt ab jetzt nur noch Pflanzen zu essen. Danke, mein Schatz. Ich war so inkonsequent.

Sohn: Aber Otto kann doch gar keine Pflanzen essen.

Mutti: Ach so … ähem … (scrollt auf veganen Ratgeberseiten). Doch! Vebu und Peta sagen: alles kein Problem.

Sohn: Otto macht anderen Tieren au. Hab ich gesehen. Vögelchen und Mäuschen. Dann macht er die tot und legt sie uns vor die Tür.

Mutti: Ja, Otto ist ein Tier. Er kann nicht anders.

Sohn: Aber Otto macht au! Otto ist böse.

Mutti: Nein. Otto folgt nur seinen … äh … Trieben.

Sohn: Otto ist dumm!

Mutti: Nein, er ist nur … äh … anders. Also, er hat so Instinkte … die kann er nicht …

Sohn: Otto ist dumm und böse! Wenn Otto au machen darf, mach ich jetzt auch au!

Sohnemann packt Otto am Schwanz, zieht daran. Otto faucht und kratzt Sohnemann. Sohnemann plärrt. Mutti ist mal wieder mit ihren Nerven am Ende. Den Tieren zuliebe, der Umwelt zuliebe, dem Planeten zuliebe. Und was ist der Dank? Ein Ehemann, der heimlich mit den Kindern zu McDonald’s geht.

So stelle ich mir die erbaulichen Gespräche in veganen Haushalten vor, wo der wache Geist der Kinder mit Moralin betäubt wird und der Infantilismus der Erwachsenen sich am schutzbefohlenen Objekt delektiert, sodass Mündigkeit gar nicht erst entstehen kann.
Ein besonders schlimmes Beispiel hierfür ist übrigens die Initiative von Eltern für veganes Essen an Schulen.

Moralkater durch Katzenhaltung

Vegane Besitzer karnivorer Schmusetiere machen sich nicht der Inkonsequenz, sondern der Scheinheiligkeit schuldig. Die Anzahl getöteter Vögel und Kleinsäuger durch Katzen mit Freigang ist riesig. Auch wenn die für Deutschland oft genannte Zahl von 200 Millionen getöteten Singvögeln jährlich übertrieben sein mag, dürfte diese Zahl jedoch hinkommen, wenn man alle von Miezen gekillten Kleinsäuger mitzählt.

Wenn sich nun jemand darauf herausredet, seine Kätzchen nur in der Stube zu halten, bekommt er gleich wieder Ärger. „Artgerecht ist nur die Freiheit“, meint die Tierrechtlerin Hilal Sezgin. Also raus mit den Katzen an die frische Luft! Dort können sie eifrig Küken schreddern – naturbelassen, ganz ohne Betäubung und mit krallenbewehrter Pfotenarbeit.
Wie viele Schmusetiere in Privatwohnungen wohl ein elendes Dasein führen?

Merke: Man kann nicht ohne Selbstwiderspruch darüber klagen, dass Schweine, Rinder oder Hühner nur im Stall gehalten werden, und zugleich Tiere ausschließlich in der Wohnung halten.

Außerdem sollten auch die Stubentiger artgerecht gefüttert werden. Da Katzen unbestreitbar echte Karnivore sind, werden genau diejenigen Tiere für sie geschlachtet, welche von Veganen „befreit“ werden sollen: Rind, Lamm, Huhn, Pute usw. Der Agrarstatistiker Georg Keckl hat errechnet, dass allein für das Tierfutter von Miezi, Bello und Co. hierzulande mehr Tiere getötet werden als für den Gesamtbedarf des Freistaates Bayern. Der Umsatz allein für Katzenfutter beläuft sich in der Bundesrepublik auf 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Aufgrund dieser Schwierigkeit sind Veganer auf die Idee gekommen, Katzen und Hunde wie die eigenen Kinder zwangsweise zu veganisieren. Es kursieren diverse Wundergeschichten, worin fleischlose Fleischfresser ein höheres Alter erreichen als Jopi Heesters und Methusalem zusammen.

Es hat ja auch stets jemand daneben gesessen und genau darauf geachtet, was der angeblich vegan gefütterte älteste Hund der Welt in 27 Lebensjahren so in sich reingestopft hat. Derlei Geschichten erinnern mich an eine Folge der Comedy-Sendung King of Queens, wo der erwachsene Sohn Doug – ein Mittdreißiger – gar nicht bemerkt hat, dass Familienhund Rocky bereits mehrfach durch Nachfolger ersetzt worden ist und es sich bei der aktuellen Ausgabe um Rocky 5 handelt.

Die Veganisierung von Hund und Katze ist schlichtweg Tierquälerei. Hunde können zwar einen größeren Anteil pflanzlicher Kost vertragen als Katzen, aber auch sie sind zum guten Gedeihen auf tierisches Protein angewiesen. Die possierliche Liste an Supplementen und Ersatzprodukten, die etwa die Tierrechtsorganisation Peta empfiehlt, lässt den Verdacht aufkommen, dass Peta an den Präparaten mitverdient. Gesund ist das Zeug für die Tiere jedenfalls nicht.

Merke: Veganer haben keine Probleme zu behaupten, die Sonne drehe sich um die Erde oder letztere sei eine Scheibe, wenn dies dem Zweck dient, ihre Obst- und Gemüsereligion gegen rationale Einwände zu immunisieren.

Schmusetiere auf der veganen Abschussliste

Warum steht die Haltung von Abermillionen fleischfressender Schmusetiere nicht an erster Stelle der veganen Kritik? Viehhaltung hat den handfesten gesellschaftlichen Nutzen, hochwertige Nahrung bereitzustellen und nachhaltige, ertragreiche Landwirtschaft zu ermöglichen. Doch welchen Nutzen haben die heutigen Schoßtiere, außer individualisierten Großstadtbürgern als Ersatzmenschen zu dienen? Die Abschaffung aller Schmusetiere würde die Welt von Myriaden überflüssiger Fresser und Milliarden Kubikmetern nicht verwertbarer Fäkalien befreien – ganz zu schweigen von den abertausend Verletzungen durch Bisse oder den Übertragungen von Krankheiten, Würmern, Parasiten.

Es gibt radikale Tierrechtler, welche die Abschaffung der Schmusetiere fordern. Ihrer Logik zufolge dürften sie dabei jedoch nicht Halt machen. Einige fordern daher bereits die Abschaffung aller Raubtiere. Ganz konsequent sind indes nur diejenigen, welche die Abschaffung allen Lebens fordern.

Das ist uns doch tofuwurst!

Wie gehen Veganer mit solchen Einwänden um? Sie ziehen einen Flunsch oder springen einem gleich mit dem nackten Popo ins Gesicht. Schließlich sei man nicht perfekt. Das sagen die Zölibatären auch immer, wenn sie beim Geschlechtsakt oder beim Onanieren erwischt werden: Wir sind alle arme Sünder. Außerdem seien Fleischesser generell empathielos. Basta! Immerhin, so heißt es dann, tue man etwas und trage mit seinen Verzichtsverrenkungen ein kleines Bisschen zur Verbesserung der Welt bei. Dass sie damit ein großes Bisschen zu deren Verschlechterung beitragen, ist eben „unvermeidbar“.