Gott im Kochpott?

Die verzweifelte Frage aller Suchenden: Gott, wo bist du? Konnte jüngst geklärt werden. Wie die Erzdiözese Wien berichtet, hat man Gott zufällig in der Küche eines gewissen Karl-Heinz Steinmetz gefunden, der gleich nach seiner Erleuchtung einen Artikel mit der Überschrift Gott zwischen den Kochtöpfen – Ethik der Ernährung verfasste.

Aus den verkrusteten Herdplatten gebot Gott seinem Metz in die Tasten zu meißeln, dass der Mensch mit Hilfe von Fair Trade, Tierschutz und ökologischem Landbau einen gottgefälligen Weg einschlagen könne. Die nächsten Schritte zur Seligkeit seien dann unter anderem: „Der regelmäßige Besuch eines Wochenmarkts, der Kauf von Eiern aus Bodenhaltung“ sowie ein „paar Euro mehr für einen ehrlichen Winzer vor Ort.“

Das klingt zwar himmlisch einfach, doch auf Erden sind die Dinge teuflisch kompliziert: Ökologischer Landbau verschwendet weit mehr von Gottes schöner Fläche als der konventionelle. Im ökologischen Landbau werden oft stärkere Gifte eingesetzt, die Tiere haben oft einen schlechteren Gesundheitsstatus und krepieren häufiger. In der Bodenhaltung von Legehennen kann sich – im Gegensatz zur Haltung in ausgestalteten Käfigen – keine feste Rangordnung ausbilden, sodass es häufiger zu Rangordnungskämpfen mit teilweise schweren Verletzungen kommt.

Beim Fair Trade handelt es sich meist um glatten Betrug. Die Verbraucher stehen vorm Dickicht der Etiketten wie Moses vorm Dornbusch und grübeln verzweifelt, was den Besuch von Wochenmärkten gottgefälliger macht als den Besuch von Lichtspielhäusern oder Fußpflege-Studios. Auf der Suche nach einem Winzer vor Ort müssen sie länger pilgern als auf dem Jakobsweg, denn für 99 % der Weltbevölkerung dürfte selbst der Weg zu Gott erheblich näher sein.

Um all diese Gebote zu erfüllen, benötigen die Gläubigen daher neben einem überquellenden Zeitbudget auch ein überquellendes Bankkonto und ein überkandideltes Nervenkostüm. „Seien Sie kreativ und entdecken Sie den persönlichen Beitrag, den Sie im Alltag leisten möchten und auch können“, fordert Steinmetz, der eine Ausbildung in klassischer Homöopathie hat und die Venia legendi für das Fach Spiritualitätsforschung besitzt. Auf seiner Seite ArcAnime. Arche der Seele schreibt er unter anderem über „Rosenölsalbung“, „Wiederentdeckung der Bürste“ und „Zimtgeheimnisse in Bibel und Vatikan“.

Warum konnte er nur seine Zinnobergeheimnisse über ethische Ernährung nicht für sich behalten? Weil „die biblische Schöpfungsgeschichte [...] den Menschen darauf hin[weist], dass er für die ganze Schöpfung – seine Mitmenschen, Tiere und Natur – eine gewisse Mitverantwortung hat.“ Die Frage, wie der Christenmensch für die gesamte Schöpfung auch nur den Hauch einer Verantwortung haben kann, wo doch der Schöpfer allmächtig ist, hat der Kochpott-Gott seinem Entdecker nicht beantwortet.

Fazit: „Gott kann besser als wir denken, alle Not zum besten lenken“, heißt es in einem Bachchoral. Im Omnibus des Lebens sollten die Reisenden dem Fahrer also nicht ins Lenkrad greifen – sonst überschlägt sich der Karren und landet mitten im Quatsch.

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