»Es gibt keine Nutztiere«

Wenn man öffentlich über Nutztierhaltung diskutiert, wird schnell eine vegane oder tierrechtlich engagierte Person auf den Plan treten, die sich über den Ausdruck »Nutztier« erregt und sagt: »Es gibt keine Nutztiere!« Will heißen: Tiere sind nicht dazu da, um von uns genutzt zu werden. Die Tierrechtsorganisation Peta hat das Wort »Nutztier« sogar zum »tierfeindlichsten Wort« des Jahres 2010 gekürt.

Einwände

Der Duden definiert »Nutztier« folgendermaßen: »Tier, das vom Menschen wirtschaftlich genutzt wird.« Wenn jemand die wirtschaftliche Nutzung von Tieren kritisiert, muss er logischerweise auch davon ausgehen, dass diese stattfindet, es also Tiere gibt, die vom Menschen tatsächlich genutzt werden. Wenn es keine Nutztiere gäbe, hätten Veganer nichts, worüber sie sich beschweren könnten.

Hier wie überall verwandeln bzw. verwechseln »Moralisten« Sachaussagen mit moralischen Forderungen. Sie wollen damit sagen, dass es keine Nutztiere geben sollte. Zugleich wollen sie damit zum Ausdruck bringen, dass die Tiere nicht zu dem objektiven Zweck existieren, von Menschen genutzt zu werden.

Dass Tiere und Pflanzen für den Menschen da seien, wurde unter anderem im alten Griechenland von Aristoteles (384–322 v. Chr.) vertreten und vom Christentum übernommen (Anthropozentrismus). In diesem Sinne gibt es tatsächlich keine Nutztiere.

Es gibt aber Tierarten, die sich von Natur aus sehr gut für menschliche Zwecke eignen, zum Beispiel manche Wiederkäuer oder Allesfresser, die relativ groß sind und/oder schnell wachsen, deren Fortpflanzung problemlos steuerbar ist, die einen Herdentrieb haben und gut in Einpferchungen zu halten sind.

Von den 140 Arten, die theoretisch für die Nutzung durch den Menschen in Frage kommen, hat der Mensch nur vierzehn tatsächlich domestiziert. Das bedeutet: Unabhängig von der Tatsache, dass wir sie nutzen, gibt es Nutztiere im Sinne von »besonders gut zur Nutzung geeignet«.

Fazit

Es gibt sehr wohl Nutztiere. Wer deren Existenz leugnet, kann sich nicht zugleich über deren Existenz beschweren. Dass es keine Nutztiere geben sollte, ist eine moralische Forderung, die man anders begründen muss als mit dem Hinweis auf objektive Zwecke.