Generation Kackbratze

Blas‘ dich nicht auf, sonst bringet dich/zum Platzen schon ein kleiner Stich.

(Friedrich Nietzsche)

Nichts gibt so sehr das Gefühl von Unendlichkeit wie der stetige Nachschub an Selbstbestätigungsliteratur für Frauen.
Naiverweise könnte man vermuten, dass dieser Markt irgendwann gesättigt sei, so wie etwa bei Staubsaugern oder Rasierapparaten, wo sich die Konzerne immer wahnwitzigere technische Spielereien ausdenken müssen, damit überhaupt noch jemand ein neues Gerät kauft. Aber in jener Literatursparte wird seit Jahr und Tag dieselbe Platte aufgelegt; „Ich bin toll und begehrenswert“ läuft dort ohne nennenswerte Modifikation in Endlosschleife, und die Leserinnen reagieren wie Pawlowsche Hündinnen mit erhöhtem Speichelfluss in Erwartung eines Leckerlis.
Naiverweise könnte man darüber spekulieren, wie es um das behauptete Selbstbewusstsein von Autorinnen und Leserinnen bestellt sein muss, die es in jeder Sekunde wie Marktschreierinnen herausbrüllen müssen, dass ihnen die Schlagadern aus dem Kopf zu springen drohen.
Naiverweise könnte man weiter fragen, warum man Menschen, die ein derart zwanghaftes Selbstlob anstimmen, sympathisch finden oder gar lieben soll.
Noch naiver mag derjenige denken, der davon ausgeht, dass eine Frau, die ein halbwegs funktionierndes Selbstbewusstsein hat, sich derlei peinliche Beweihräucherung verbitten würde.

Wer so naiv denkt, hat einfach nichts begriffen von dem alles beherrschenden Bedürfnis jener Frauen: dem Bedürfnis nach ständiger Bestätigung ihres eigenen Narzissmus‘ durch andere. Da dieses narzisstische Bedürfnis per se maßlos und niemals zu befriedigen ist, gibt es im erwähnten Segment auch keinerlei Sättigung des Marktes. Im Hinblick auf den Verkaufserfolg erweist es sich als sehr günstig, dass literarische Originalität in diesem Genre vollkommen entbehrlich, ja sogar störend ist. Da sich die Zielgruppe auf dem Reflexniveau von Lurchen befindet und immer nur „bestätige mich, bestätige mich“ ruft, würde eine differenzierte oder gar doppelbödige Darstellungsweise die Kundschaft nur verunsichern und zu starken Umsatzeinbußen führen.

Der in jenen Werken zum Vorschein kommende Ungeist ist das strikte Gegenteil von Emanzipation, vielmehr der zeitgemäße Ausdruck der Unterwerfung unter das Patriarchat. Denn ein solch ostentativer Kackbratzen-Feminismus für Sachbearbeiterinnen bestätigt schließlich alle patriarchalen Vorurteile über Frauen, anstatt sie in Frage zu stellen. Das dortige Aufmucken ist vergleichbar mit der Sklavenmoral von Gewerkschaftsmitgliedern, die den Oberen ständig beweisen müssen, dass sie auch was wert sind. In Wirklichkeit wollen diese Frauen sich überhaupt nicht emanzipieren; sie sind nur beleidigt, dass sie von den Männern nicht vollkommen an die Kandare genommen werden und lechzen geradezu nach Loriots „Immer hinten drauf!“ Natürlich möchten sie nicht von jedem dahergelaufenen Versager erniedrigt werden. Es muss schon „Mr. Right“ sein, also mindestens ein Erfolgsmensch mit Leitwolfqualitäten (= dicker Brieftasche).
Dummerweise sieht man es den Männern nicht immer gleich an, wie „erfolgreich“ sie tatsächlich sind, da sie stets einen auf dicke Brieftasche machen müssen, damit jene Bratzen sich überhaupt für sie interessieren. Der Grad ihrer Enttäuschung über die Männer lässt sich daher auch auf Heller und Pfennig genau beziffern.

Solche Frauen verachten sich selbst und sind mit dem gesellschaftlichen Zwang zur Emanzipations-Laiendarstellung völlig überfordert. Ihr infantiles Liebesbedürfnis kann niemals befriedigt werden. Das ihnen gemäße Beziehungsmodell ist das der Beziehungsfalle. Sie verlangen von ihren männlichen Partnern ständige narzisstische Zufuhr; wenn sie diese tatsächlich bekommen, verachten sie ihre Partner und zeihen sie der Unlauterkeit. Wird die Zufuhr aber verweigert, hat das natürlich ebenso katastrophale Folgen. Der blanke Terror. Double Bind, Borderlinesyndrom und fragmentierte Persönlichkeit sind heute derart normal, dass als „gestört“ inzwischen derjenige gilt, der ein halbwegs funktionierendes Ich hat.
Das würdelose Männerbashing, das in dieser Art Literatur betrieben wird, ist vergleichbar mit dem Neid der Billigjobber auf Hartz-Vierer und darf nicht verwechselt werden mit dem berechtigten Spott wirklich selbstbewusster Frauen über die peinliche Wichtigtuerei der Männer. Jenes Bashing hat nämlich nur die Funktion, von der eigenen Unerträglichkeit abzulenken. Die Selbstbestätigungs-Ziegen kämen mit Männern, die keine Machos und Vollidioten sind, niemals klar, weil sie dann erkennen müssten, dass ihr Bratzentum vollkommen unabhängig vom männlichen Objekt ist. Um Baruch de Spinoza ein wenig abzuwandeln: „Was Petra über Paul erzählt, sagt uns mehr über Petra als über Paul“. Denn „Petras“ Narzissmus ist der „eines schwachen Selbst, das nur über die Vortäuschung der eigenen Grandiosität stabilisiert werden kann.“ (Heinz Kohut)
Rührend auch diese erflunkerten, gequält selbstironischen Geschichten, in denen man z.B. von einer verschworenen Gemeinschaft patenter Freundinnen liest, die sich gegenüber der bösen Männerwelt behauptet und dabei einige Rückschläge verkraften muss. Wie unbeholfen Autorinnen dort die Fähigkeit zur Solidarität simulieren, obwohl jeder merkt, dass diese Frauenfreundschaften nur durch Neid und Missgunst zusammengehalten werden! Ja, so wären sie gerne: so, wie es immer in den großen SAT-1-Filmen zu sehen ist. Aber in Wirklichkeit sind sie strukturell zu keinerlei Solidarität fähig, schon gar nicht zu der mit den eigenen Geschlechtsgenossinnen.

Erstaunen könnte einen bei allem nur, dass diese Frauen glauben, man bemerke nicht, was sie für arme Würstchen sind. Das liegt nun wieder daran, dass es in den Intimbeziehungen einen geschlossenen Kreis der Unmündigkeit gibt, eine Art do ut des der charakerlichen Deformationen. Denn die Männer merken ja auch nicht, was sie für Hanswurste sind. Das ganze Gezeter der Frauen über die Männer et vice versa ist grundiert von einem stillschweigenden Konsens: Ich lasse dir deine Unfreiheit, wenn du mir die meine lässt. Das Beziehungspack schlägt sich und verträgt sich, ohne dass ein reflektierendes Bewusstsein dazwischenträte. Daher läuft auch alles vollkommen berechenbar stets in den gleichen Bahnen ab. Die Kulturindustrie freut sich natürlich über derart berechenbare Kundschaft und füttert sie mit dem „immer anderen Immergleichen“ (Adorno). Dass nur ja keiner ausschert! Feminismus? Emanzipation? Gerne doch! Aber bitte nur, wenn der Fiskus seinen Vorteil davon hat.

Solange sich die Menschen im Geschlechterverhältnis das Leben zur Hölle machen, braucht man auf Emanzipation nicht zu hoffen.