Subversive Atemnot

Es ist wirklich „faszinierend“ zu lesen, wie irgendwelche Faktenchecker mir weismachen wollen, dass ich keine Atemnot unter der Maske habe. Ich habe sie, indem ich sie empfinde. Das ist wie mit dem Schmerz: Man hat ihn oder eben nicht. Es ist sinnlos zu sagen, man bilde sich ihn nur ein. Und ich habe nun einmal eine gewisse Atemnot unter jeder Maske. Auch bei Minustemperaturen ziehe ich mir nie Stoff über Nase und Mund – da müssen die Minustemperaturen schon deutlich in den zweistelligen Bereich gehen.

Ich kann nur einlagige Stoffmasken einigermaßen gut vertragen, die nicht eng anliegen. Schon OP-Masken sind für mich eine Tortur, zumal sie merkwürdigerweise nach Urin riechen. Auch hier kann man nicht sagen, ich bilde mir ein, dass ich Uringeruch wahrnehme. Man könnte nur sagen, dass sie kein Material enthalten, das solchen Geruch erzeugt. Doch wenn die Dinger für mich trotzdem nach Pisse stinken, vermag kein Faktenchecker der Welt dies zu widerlegen. Selbst wenn jegliches Unwohlsein beim Maskentragen „psychisch bedingt“ sein würde und keine körperliche Ursache nachweisbar wäre, wäre dieses Unwohlsein trotzdem höchst real.

Neulich musste ich im Bahnhof eine lange Treppe hinaufspurten. Solche Belastungen sind für mich nichts Besonderes, da ich einigermaßen sportlich bin. Ich merkte aber, dass mir diese erhöhte Belastung mit Maske auf Dauer nicht gut bekommen würde. Ich würde niemals mit einer Maske Sport treiben, denn ich denke, ich würde irgendwann kollabieren, weil ich nun einmal nicht genug Luft bekomme. Und ich habe einen sehr stabilen Kreislauf.

Im Winter habe ich mal bei Temperaturen unter null versucht, mit einem Tuch im Gesicht zu joggen. Das konnte ich keine drei Minuten lang aushalten. Ich bin nicht Reinhold Messner, der in der Antarktis mit vermummten Gesicht höchste Strapazen bewältigt. Will mich „Correctiv“ etwa mit einem Ochsenziemer zwingen, Sport mit Maske zu treiben, um mir zu beweisen, dass ich spinne?

Es ist wahrscheinlich ungesund, bei Temperaturen unter minus fünf Grad während des Joggens die kalte Luft ungefiltert tief in seine Lungen zu saugen. Dennoch ist es mir subjektiv angenehmer als ein Schal vorm Gesicht. Die Aversion dagegen habe ich mir nicht ausgesucht. Sie war schon vor der Maskenpflicht vorhanden. Welche Ursache sie hat, weiß ich nicht. Es könnte aber immerhin sein, dass eine physische Disposition dahinter steckt und meine unbewusste „Körperintelligenz“ jene aversive Reaktion hervorruft. Mir läuft nach einer Weile unter der Maske auch immer die Nase. Ich muss dann häufig „schniefen“. Das nervt mich auch deshalb, weil zum Beispiel Mitreisende in der Bahn denken könnten, ich sei an Covid erkrankt. Vielleicht reagieren meine Schleimhäute auf die zunehmende Keimbelastung? Keine Ahnung, aber mein „Maskenschnupfen“ ist nun einmal eine Tatsache. What the f* hat der Staat, haben „Rechercheagenturen“ da überhaupt mitzureden?

Die Übergriffigkeit eines tendenziell totalitären Regimes wird hier besonders deutlich: Seine Zensurbehörde legt fest, was die Bürger empfinden dürfen und was nicht. Eine Oma, die im Supermarkt wegen der Maske zusammenklappt, tut dies also nicht, weil sie die Maske nicht verträgt, sondern weil sie eine rechte Verschwörungstheoretikerin ist. Denn Masken schaden nun einmal nicht! Nur regierungsfeindliche Subjekte leiden darunter. Ihre Bockigkeit allein lässt sie leiden. Doch Widerstand ist zwecklos. „Gib dich zufrieden und sei stille!“ Zersetzende Elemente sind unverzüglich in Erziehungslager zu überführen, wo sie täglich zwanzig Stunden lang mit Videos von Eckart von Hirschhausen gefoltert werden und unter Schlafentzug immer wieder sagen müssen:

Eine Alltagsmaske ist die Hose für Nase und Mund!
Wer was andres sagt, der ist ein Hund!
Alltagsmasken sind gesund!

Von China lernen, heißt siegen lernen.