„Ich vertraue den Experten!“

„Ich vertraue den Experten!“ ist ein Satz, der mir in den letzten Monaten immer dann entgegengeschleudert wurde, wenn meine Diskussionsgegner mit ihrem Latein am Ende waren. Da sie stets schon zu Beginn der Diskussion am Ende waren, eröffneten sie diese gleich mit jenem Satz. Meine Argumente wurden gekontert, indem man mit gewissem Stolz erklärte, man selber habe kein anderes Argument als das Argumentum ad verecundiam, das Argument der Autorität. Mir wurde letztere abgesprochen und ein Dunning Kruger Effekt unterstellt, wonach inkompetente Menschen ihre Kompetenz überschätzen.

Eine Dame fühlte sich sogar bemüßigt, vor mir als eine Art Scharlatan zu warnen, der zwar „sehr intelligent“ sei, aber ahnungslosen Menschen Bären aufbinde. Ich sei kein Wissenschaftler und habe mich Diskussionen mit selbigen nie „gestellt“. Meine Beiträge müssten kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen, seien also im Grunde wertlos.

Anlass war mein Hinweis, dass Eugenik und Rassenkunde seinerzeit von vielen Wissenschaftlern anerkannt und keineswegs eine pseudowissenschaftliche Spezialität der Nazis waren. Wer lesen kann, verfügt über genügend Kompetenz, um das nachzuprüfen, zum Beispiel hier oder hier – beides Standardwerke zum Thema. Meine Aussage würde auch nicht falsch, wenn ich Hilfsabdecker in der Tierkörperbeseitigungsanstalt wäre. Die Eugenik fußte auf einer im gesamten politischen Spektrum anerkannten Wissenschaft. Vordenker waren hochangesehene Koryphäen wie Karl Pearson oder Francis Galton. Kritische Stimmen wurden als „Verharmloser“ und „Leugner“ bekämpft. Wenn man damals „den Experten“ vertraute, war man aus heutiger Sicht ein Rassist.

Ich vertraue ebenfalls Experten, habe aber klare Kriterien, mit denen ich die Vertrauenswürdigkeit derselben beurteile. Je stringenter sie argumentieren und je besser sie mit Daten umgehen, desto vertrauenswürdiger sind sie für mich. Mein Vertrauen ist also nicht a priori vorhanden, sondern stellt sich a posteriori ein oder nicht. Ich lese wissenschaftliche Veröffentlichungen stets mit wohlwollender Skepsis, reagiere jedoch allergisch, wenn Vermutungen oder Prognosen als Tatsachen präsentiert werden. Noch aversiver reagiere ich, wenn diese dazu genutzt werden, Panik zu verbreiten. Bangemachen gilt nicht! Denn die Wahrscheinlichkeit, dass apokalyptische Vorhersagen sich bestätigen, ist so niedrig wie die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass ein Autor, der sie verbreitet, zweifelhafte Motive hat. Man muss also keineswegs ein Fachmann sein, um Ungereimtheiten zu erkennen und die richtigen Fragen zu stellen. Besonders hohe Intelligenz ist ebenfalls nicht erforderlich. Normale Intelligenz reicht vollkommen. 

Auf meinen Einwand, es tue nichts zur Sache, ob ich Wissenschaftler sei oder nicht, ging die Dame nicht ein. Sie wiederholte nur: „Du bist kein Wissenschaftler“, obwohl sie zuvor mit abwertendem Impetus erwähnt hatte, dass ich ein Diplom in Sozialwissenschaften habe. Auch wenn Sowi mit gewissem Recht als „Laberfach“ gilt, steht immerhin „Wissenschaftler“ auf meinem Diplomzeugnis. In der Tat bin ich ein gelernter Wissenschaftler, praktiziere nur nicht als solcher. Genau wie ich ein ausgebildeter Landwirt bin, aber nicht als Landwirt arbeite. Ich kann ohne Peer Review eine Kuh von einer Färse unterscheiden, während habilitierte Tierrechtsphilosophen trotz Peer Review beim Wort „Färse“ wohl eher an Achilles denken. Wenn man sie nach dem Unterschied zwischen Zucht und Mast fragt, stürzt ihr System ab.

Ich kenne die Prinzipien der empirischen Wissenschaft, kann sie anwenden, habe in meinem Studium vier Semester lang Datenanalyse und Statistik belegt und selber empirische Analysen erstellt. Dafür habe ich beste Noten bekommen. Ich bilde mir weiß Gott nichts darauf ein. Doch bereits mit diesem geringen Grundwissen bin ich offenbar den meisten Leuten, die sich öffentlich zum Thema Corona äußern, weit voraus. Semester eins, Stunde eins: Was ist eine Grundgesamtheit? Was ist eine Zufallsstichprobe? Man könnte viele Verlautbarungen zu Corona hervorragend im Unterricht einsetzen, weil darin alle Fehler enthalten sind, die ein Anfänger nicht machen darf, wenn er die Prüfung bestehen will.

Beispiel: Die Behauptung, dass es disziplinlose junge Leute seien, welche nun die „Infektionszahlen“ nach oben treiben. Richtig ist: Es werden viel mehr Symptomlose getestet als früher. Unter jungen Leuten ist der Anteil Symptomloser größer als unter alten. That‘s it. Da die Zahlen nicht aus einer kontinuierlich beobachteten, per Zufallsauswahl zusammengestellten und damit repräsentativen Bevölkerungsgruppe gewonnen wurden, sind solche Aussagen pure Propaganda. Auf Basis von nichts kann man den Leuten eben alles erzählen. Ich habe sogar praktizierenden Wissenschaftlern vergeblich zu erklären versucht, was valide Daten sind und was nicht. Wenn man sich denen „stellt“, was ich oft getan habe, verliert man schnell sein Vertrauen in sie.

Das naive Vertrauen in den Peer-Review-Prozess ist hingegen typisch für Leute, die keine Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb haben. Es kann unter anderem mit einer Arbeit erschüttert werden, die den schönen Titel trägt: „Peer review: a flawed process at the heart of science and journals“. Selbstverständlich hängt man solche Dinge nicht an die große Glocke, wenn man im Wissenschaftsbetrieb noch etwas werden will. Der Biologie-Professor Francois Balloux twitterte jüngst mit Bezug auf Diskussionen über Corona Folgendes:

Ich bin irritiert und fasziniert von Behauptungen, die ich auf Twitter sehe, demnach sich die intellektuelle Kompetenz von Wissenschaftlern anhand der Anzahl von peer-reviewten Publikationen messen lässt, die diese produzieren. Peer-Review hilft, Publikationen von niedriger Qualität herauszufiltern, aber versagt dabei regelmäßig.

Ein User sekundierte mit einem Zitat aus oben erwähnter Publikation:

Wir haben also kaum Nachweise für die Effektivität von Peer-Review, aber erhebliche Nachweise für dessen Schwächen. Peer-Review taugt nicht nur wenig dabei, grobe Mängel in Publikationen zu entdecken. Es ist auch fast nutzlos beim Aufspüren von Betrug, langsam, teuer, hoch subjektiv, eine Art Lotterie, anfällig für Bias und leicht zu missbrauchen.

Das Peer-Review-Verfahren kann als Mittel der Korruption verwendet werden und wird es sicher auch. Cliquenwirtschaft und Kölner Klüngel dürften dort weiter verbreitet sein, als naive Menschen es sich träumen lassen. Wissenschaftler sind keine Übermenschen. Unter ihnen herrscht der gleiche Gruppendruck, wirken dieselben Machtmechanismen wie bei anderen Menschen auch. „Experten-Checks“, die einer puren Veröffentlichungslogik folgen, sind denn auch eher unfreiwillig komisch. Der Journalist Jens Berger schreibt dazu:

Sicher kann man sich aus dieser ‚Veröffentlichungslogik‘, nach der nur derjenige etwas zum Thema beitragen darf, der unzählige Artikel in Fachzeitschriften publiziert hat und häufig zitiert wurde, sein eigenes „Ranking“ erstellen. Losgelöst vom Inhalt kommt man damit aber nicht weit.

Noch „komischer“ ist, dass die Veröffentlichung von Christian Drosten und seinem Team, in dem das PCR-Testverfahren für SARS-CoV-2 vorgestellt wird, kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hat. Der Juraprofessor Martin Schwab schreibt in seinem unbedingt lesenswertem Dossier (S. 32): „Das Papier wurde am 21. Januar 2020 eingereicht, am 22. Januar angenommen und am 23. Januar veröffentlicht. Eine peer review hat auch hier nicht stattgefunden. Daran nimmt die regierungsfreundliche Berichterstattung indes keinen Anstoß.“ Merke: Peer-Review-Mangel ist nur bei Coronaskeptikern eine Krankheit.

Man muss dergleichen aber gar nicht wissen, um zu erkennen, dass Drosten oft ziemlich merkwürdige Dinge erzählt. Sein Dogmatismus bei gleichzeitig abrupten Kehrtwenden ohne hinreichende empirische Begründung kann er dummen Leuten als wissenschaftliche Redlichkeit verkaufen. Anstatt nach den harten Daten zu fragen, die seine Meinungsumschwünge begründen könnten, belehren seine Fans andere darüber, dass Wissenschaft nicht unfehlbar sei und die Meinungen sich änderten, sobald die Tatsachen sich änderten. Abgesehen davon, dass letzteres wissenschaftshistorisch schlicht falsch ist, wüsste man beispielsweise gerne, welche empirischen Befunde zur Wirkung von Masken so zwingend sein sollen, dass Drosten sich beim Thema Maskenpflicht um 180 Grad drehen musste. Solche Befunde gibt es schlichtweg nicht.

Der Stanford-Professor für Medizin, Jay Bhattacharya, erläutert in diesem Video kurz und knapp, warum die Maskenpflicht kontraproduktiv ist:

Genau hinhören, Herr Drosten! Vor allem zwischen Min. 0:44 bis 1:05.
Maskenpflicht „not supported by scientific data“.

Zur Erinnerung: Grundrechtseinschränkungen müssen mit bewiesenen Tatsachen, also harten Daten begründet werden. Bloße Vermutungen oder Plausibilität reichen nicht aus. Auch hier gilt wieder: Wer nicht weiß, was valide Daten sind, kann mühelos über den Löffel balbiert werden.

Drosten kurz vor seiner Bekehrung zum Maskenwahn

Und auch sein Umschwung von Beschwichtigung zu Panik scheint mir nicht gut begründet zu sein. Es waren wohl vor allem das Horrormodell des Imperial College sowie ein Artikel über die Spanische Grippe ausschlaggebend, von welcher er seitdem besessen zu sein scheint. Die anschließende Schlammschlacht war ziemlich lächerlich. Drosten räumt Kritik eigentlich nie aus, sondern wird bloß in verbindlichem Tonfall krötig und wirft mit Batterien ungelegter Eier um sich. Der Arzt und Autor Gunter Frank schreibt über Drostens Podcast:

An dieser Stelle möchte ich einfach nur mein Entsetzen über die Art und Weise äußern, mit der er gegensätzlichen Positionen begegnet. Von Informationen, die dem Hörer eine nachprüfbare Einordnung der Lage ermöglicht, und von einem respektvollen, wissenschaftlichen Streit um die beste Lösung, ist dieser Podcast Lichtjahre entfernt. Es ist mir ein Rätsel, wie man dies als Maßstab guter Information ansehen kann. Hier spricht eine Eminenz, die keine Kritik an der eigenen Meinung duldet.

Immer, wenn Drosten sachlich angegriffen wird, schwärmen die „Rechercheagenturen“ aus und agieren dabei so, als würden sie in seinem Auftrag jeglichen Restverstand killen. Motto: Drostens PCR-Test ist nicht nur sauber, sondern rein. Falsch positive Ergebnisse gibt es nicht! Basta. Jeder Testpositive ist ein Erkrankter! Basta. Wer etwas anderes behauptet, muss in die Robertkochwäsche und wird danach vom Wielermat durchgeschleudert, bis ihm Hören und Sehen vergeht. Wenn ein „böser“ Twitterer eine lange Liste von Meldungen über falsch positive Resultate zusammenstellt, verbreitet er natürlich „Fake News“. Plötzlich stört man sich daran, dass die Liste „nicht repräsentativ“ sei. Als ob sich ein Corona-Alarmist je für Repräsentativität interessiert hätte!

Ich machte besagte Dame darauf aufmerksam, dass Experten sehr oft unterschiedlicher Meinung sind, und fragte sie, nach welchen Kriterien sie denn über divergierdende Expertenmeinungen entscheide. Da sie sich mit geheuchelter Bescheidenheit jede Kompetenz abgesprochen hatte, bleibt die Frage, kraft welcher Kompetenz sie denn die Kompetenz anderer überhaupt noch beurteilen kann. Wo ist der archimedische Punkt, von dem aus sie zu dem Urteil kommt, dass Drosten die Wahrheit spricht und Wodarg ein Scharlatan ist? Die gleiche Frage stellte ich einem anderen „Freund“, der sich für nicht kompetent erklärt hatte und mir zugleich trotzig entgegenschleuderte, er vertraue dem Robert-Koch-Institut, denn dieses leiste hervorragende Arbeit. Da musste ich an einen Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) denken:

Würde wohl ein Virtuose sich geschmeichelt fühlen durch das laute Beifallsklatschen seines Publikums, wenn ihm bekannt wäre, dass es (…) aus lauter völlig Tauben bestände?

Hört her, ihr wackeren Leute vom Robert-Koch-Institut! Hier ist ein Bürger, der nicht mal eine fallende Kurve in einer Grafik als fallend erkennen kann. Er bescheinigt euch hervorragende Arbeit. In dulci jubilo – nun singet und seid froh!

Drostens Vorgänger am Institut für Virologie der Charité, Professor Krüger, schätzt Corona weniger gefährlich ein, als Drosten es tut. Gleiches gilt bekanntlich für dessen Nachfolger an der Universität Bonn, Professor Streeck. Krüger und Streeck sind auf dem Gebiet der Virologie nicht weniger oder kaum weniger qualifiziert als Drosten. Virologie ist aber gar nicht die entscheidende Wissenschaft, sondern Epidemiologie. Diese befasst sich explizit mit der Ausbreitung von Krankheiten und Krankheitserregern. Keiner der drei ist meines Wissens Epidemiologe. Drosten hat zwar eine besondere Qualifikation im Bereich Coronaviren. Das macht aber seine epidemiologische Kompetenz nicht größer als die von Krüger oder Streeck. Außerdem kann Spezialisierung auch ein Nachteil sein („Tunnelblick“).

Wenn man nur das Argumentum ad verecundiam in Anschlag bringt, steht es in dieser Konstellation 2:1 gegen Drosten. Mir ist nicht klar, warum man von diesen drei Herren ausgerechnet ihm am meisten vertrauen sollte. Ich befürchte, das Hauptkriterium vieler Leute ist tatsächlich Drostens Wuschelkopf. Dagegen hat ein streng gescheitelter Streeck mit Fassonschnitt nun einmal keine Chance. Würde er seine Haare wie Urban Priol frisieren, wäre er vielleicht wieder im Rennen.

Logisch unabweisbar gilt Folgendes: Beruft man sich nur auf formale fachliche Autorität, übertrumpfen die Einschätzungen von Top-Epidemiologen wie John Ioannidis, Tom Jefferson & Carl Heneghan, Sunetra Gupta, Martin Kulldorff & Jay Bhattacharya, Johan Giesecke und vielen anderen Drostens Urteil. Diese Fachleute haben eine andere Auffassung als er.

Aber auch unter Top-Epidemiologen herrscht keine Einigkeit. Man dürfte also nur mit Top-Epidemiologen gleichen Ranges dagegen argumentieren. Drosten oder gar Wieler wären damit weg vom Fenster. Hier müsste dann aber die reine Überzahl einer Gruppe entscheiden bzw. die addierten Punkte der beiden Gruppen auf dem h-Index. Derlei „Ranking“ wird zwar im Bereich der Klimaforschung emsig betrieben, um den Einfluss des Menschen aufs Klima zu „beweisen“. Doch schon das grenzt an Absurdität und ist gänzlich sachfern.

Besonders absurd wird die ganze Sache, wenn man bedenkt, dass diejenigen, die sie betreiben, sich an angeblich höchster persönlicher Autorität orientieren, dies aber nur deswegen tun, um Ergebnisse höchster Evidenz zurückzuweisen. Denn lässt man nur wissenschaftliche Resultate höchster Evidenz zu, muss man Maßnahmen wie die Maskenpflicht ablehnen. Der ganze Zinnober mit Rankings und Veröffentlichungen wird bloß veranstaltet, um Maßnahmen mit „no evidence“ oder „low evidence“ zu rechtfertigen. Das passt rational betrachtet absolut nicht zusammen. Worauf gründet denn höchste individuelle wissenschaftliche Autorität, wenn nicht auf höchster wissenschaftlicher Strenge? Hier wird es aber umgekehrt gemacht. Man schließt von der faktischen Stellung innerhalb einer Hierarchie der Publikations- und Zitierhäufigkeit auf wissenschaftliche Qualität. Es wird die pure Inzucht angepriesen. Impulse von außen gelten als unstatthafte Verunreinigungen, obwohl allgemein bekannt ist, wie wichtig solche Impulse sind.

Man kommt in Sachen Corona um ein eigenes Urteil aufgrund inhaltlicher Parameter gar nicht herum, wenn man seine Mündigkeit nicht an Drostens Garderobe abgeben will. Doch genau letzteres tun Leute, die behaupten, sie vertrauten hier „den Experten“. In Wirklichkeit vertrauen sie nur dem Instinkt, ihr Mäntelchen in den stärksten Wind zu hängen. Sie sind nicht der rationalen Autorität des besseren Arguments verpflichtet, sondern der irrationalen Autorität eines übergriffigen Staates hörig. Denn in ihrem Gedankensystem ist der Fall, dass auch wissenschaftlich hochrangige Persönlichkeiten korrupt oder verblendet sein können, a priori ausgeschlossen. Ebenfalls kategorisch ausgeschlossen ist der Gedanke, dass das Ranking-System ganz oder zum Teil korrumpiert sein könnte. Solche Vermutungen werden reflexartig als „Verschwörungstheorien“ verworfen. Wenn ich ein Wissenschaftler mit unlauteren Interessen wäre, käme mir das sehr gelegen.

Hinzu kommt noch, dass Experten zwar meist sehr viel mehr von ihrer Materie verstehen als Laien. Doch damit machen sie noch lange keine besseren Prognosen als Hinz und Kunz. Bekanntlich schlagen selbst Schimpansen Bankexperten und können besser an der Börse spekulieren als Analysten. Die Liste dramatischer Fehlprognosen renommierter Experten ist endlos. Drosten lag bei der Schweinegrippe daneben, Wodarg lag richtig. Es besteht also nicht der geringste Grund, den Schreckensprognosen von Drosten und Co. mehr zu trauen als der Prognose Wodargs oder einer Vorhersage von Lieschen Müller, die über gesunden Menschenverstand verfügt und meint: „Macht mal halblang, ihr komischen Vögel!“ Ein Peer Review wäre in diesem Fall ziemlich kontraproduktiv.

Das Problem sind nämlich gar nicht solche vermeintlich ungebildeten und unaufgeklärten Leute, sondern die Heerscharen Halbgebildeter mit akademischem Abschluss, die ihre blanke Hörigkeit gegenüber irrationaler Autorität mit aufgeklärtem Gestus zu kaschieren wissen und anderen Vorträge über irrationale Verschwörungstheorien halten. Diese Leute hat der Journalist Paul Schreyer in seinem Buch „Chronik einer angekündigten Krise“ gut beschrieben:

Sie tendieren dazu, das Gegebene als erwiesen hinzunehmen und die Oberfläche für die Wahrheit zu halten – “Alles ist, wie es scheint“. Was akzeptierte Autoritäten wie Minister, Leitmedien oder staatlich geprüfte Professoren verkünden, das nehmen sie eher für bare Münze, als es anzuzweifeln. Daher können sie von diesen Autoritäten auch leichter betrogen werden – leichter vor allem, als sie selbst es glauben.

Motto: Ich bin klein, mein Herz ist rein, ich vertrau dem Drostenwielerlein. Wer es anders macht, der ist ein Schwein.

Aufklärung in Zeiten von Corona.