Dr. Regen und Prof. Traufe

Gleich und gleich gesellt sich gerne. Das Horrorkabinett der Ministerpräsidenten berauscht sich mitsamt Horrorkanzlerin an den Horrszenarien von Horrorberatern, um den Horror so sehr zu steigern, dass die Leute alles mit sich machen lassen und selber als Horrorclowns widerspenstige Elemente aus ihren Reihen entfernen. Das hat bisher prima geklappt. Es wird auch weiter klappen, denn „gute Leute muss man haben“ (KaLeu).

Die Welt berichtet:

Diesmal war es nicht der Virologe Christian Drosten, den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Ratgeber für die weitere deutsche Corona-Politik hinzuzog. Nein, der in der breiten Öffentlichkeit bisher eher unbekannte Forscher Michael Meyer-Hermann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung beriet Merkel und die Ministerpräsidenten in ihren stundenlangen Debatten. Die von Meyer-Hermann erstellten Modellierungen geben Anlass zu großer Sorge.

Statt Professor Regen also Professor Traufe, statt Doctor Tarr nun Professor Fether. Mir ist Meyer-Hermann schon früh so negativ aufgefallen, wie er Merkel positiv aufgefallen sein dürfte. Warum ausgerechnet er zum Berater der Kanzlerin wurde, ist nicht schwer zu erraten, wenn man die Überschrift eines Interviews vom April liest: Infektionsforscher lobt Kanzlerin. Noch Fragen? Bitteschön!

Am 17. April kommentierte ich dazu:

Irre. Der Marschbefehl scheint zu sein, alles zu ignorieren, was sonst noch auf dem Spiel steht. Koste es, was es wolle. Egal, wie viele Leute an den Folgen der Restriktionen leiden und sterben müssen. Denn Berechnungen zeigen das nun mal. „Überlastung“ besteht bereits, wenn Patienten „nicht optimal versorgt werden“. Also quasi immer. Denn auch ohne Corona gibt es eine Menge Patienten, die nicht optimal oder gar nicht versorgt werden. Wenn die Wirtschaft erstmal am Boden liegt, ist es mit dem schönen Gesundheitssystem ohnehin vorbei. Und was heißt hier „wieder“? In Deutschland konnte zu keinem Zeitpunkt mit eine exponentielle Ausbreitung des Virus belegt werden. Dass Meyer-Hermann nicht weiß, wie leicht man die Reproduktionszahl über die Menge der Tests steuern kann, mag glauben, wer will. Doch wo ist eigentlich Professor Krause vom Helmholtz-Zentrum geblieben? Der hatte doch jüngst vor den schlimmeren Folgen der Maßnahmen gewarnt. Ach, ich verstehe. Genau deshalb redet jetzt Meyer-Hermann, und Krause hat Pause.

Am 29. März war im ZDF ein Interview mit Gérard Krause erschienen, in dem er über Kontakt- und Ausgangssperren sagt:

Diese schwerwiegenden gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen müssen wir so kurz und so niedrig intensiv wie möglich halten, denn sie könnten möglicherweise mehr Krankheits- und Todesfälle erzeugen als das Coronavirus selbst. Obwohl mein Schwerpunkt Infektionskrankheiten sind, bin ich der Auffassung, dass wir die Auswirkungen auf andere Bereiche der Gesundheit und der Gesellschaft unbedingt beachten müssen. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht allein auf die Opfer durch das Coronavirus fokussieren.

Das war natürlich die falsche Botschaft für Merkel. Im Mai beklagte er sich zu allem Überfluss noch über den Druck, den Politiker und Gesellschaft auf Wissenschaftler ausüben. Im selben Interview wagte er außerdem zu sagen,

… dass Kinder zum einen gar nicht so stark an der gesamten Übertragung der Gesellschaft beitragen. Zum anderen, gar nicht so häufig infiziert sind, wenn sie Kontakte waren.

Das ist Drostenlästerung der schlimmsten Art! Und Lauterbach, der Kinderschreck, ist bestimmt im Dreieck gesprungen. Auch Krauses neueste Einlassungen dürften nicht dazu beitragen, dass er in Merkels Gunst steigt, denn er stellt den Sinn der Massentests infrage. Alles in allem ist Krauses Kritik milde, zu milde. Er tastet die wichtigsten Corona-Dogmen kaum an. Dennoch scheint er sich damit schon zu weit vorzuwagen.

In meinem laienhaften Verständnis wäre er als Infektionsepidemiologe für die Regierung der erste Ansprechpartner des Helmholtz-Zentrums, und nicht der Systemimmunologe Meyer-Hermann. Doch dieser reüssiert wie alle anderen Berater der Kanzlerin mit dem One-Hit-Wonder: „exponentielles Wachstum“. Krause scheint diesbezüglich etwas weniger beflissen zu sein. Mein Eindruck: Krause hat gewisse Skrupel. Merkel hat keine, Drosten hat keine, Wieler hat keine, Meyer-Hermann hat keine. Gleich und gleich …

In der neuen Normalität gibt es bald offizielle Ausschreibungen für Regierungsberater in Sachen Infektionsschutz. Wer das schlimmste Szenario präsentiert, wird gehört. Niemals vergessen: ganz oft „exponentielles Wachstum“ sagen und dabei so schauen: