Haditsch strikes back

Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Haditsch ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologe und Infektionsepidemiologe. Er ist von seiner Ausbildung her höchst qualifiziert, sich zum Thema Covid-19 zu äußern. Und genau das tut er auch.

Ich bin auf ihn aufmerksam geworden durch ein Video, das er am 30. März 2020 bei Youtube veröffentlicht hat. Haditsch warnt dort mit sehr guten Argumenten vor den Folgen der Covid-Panikmache. Viele weitere Videos sind entstanden, in denen er genauso angenehm und unaufgeregt agiert. Er signalisiert immer Dialogbereitschaft, grenzt sich glaubhaft von Extremisten ab, lehnt Angriffe, die auf die Person anstatt auf den Inhalt zielen, konsequent ab. Was gibt es also an ihm auszusetzen? Nichts. Er sagt deutlich seine Meinung, dies aber mit sorgfältig abgewogenen Worten und in verbindlicher Form. Er bleibt immer fair. Wenn alle so gewissenhaft argumentieren würden, wären wir schon viel, viel weiter.

Haditsch ist Österreicher. Auf einen Westfalen wie mich wirkt er etwas schrullig. Ich mag das. Aber in seinem Heimatland gibt es die erfolgreiche Satiresendung Willkommen Österreich mit Christoph Grissemann und Dirk Stermann. In einer Folge nehmen die beiden Martin Haditsch aufs Korn, machen sich über sein Äußeres und seinen bisweilen stockenden Redefluss in einer TV-Diskussion lustig. Wenn ich so etwas sehe, kommt mir nur ein müdes Ha-ha-ha über die Lippen. Seehr witzig! Schaut einfach mal in den Spiegel, ihr Luschen. Martin Haditsch hat reagiert und selber ein Video zu dieser Sendung gemacht. Auch als Professor muss man sich schließlich nicht alles gefallen lassen.

Mir ist jenes Genre ohnehin zuwider, in welchem sich offenkundig ungebildete Leute mit großer Klappe tummeln, die glauben, sie können anderen von oben herab kommen. Ein typisches Beispiel ist Jan Böhmermann:

Er bewarb sich an drei Schauspielschulen, die ihn allesamt ablehnten, und ein viertes Mal mit Erfolg an der Schauspielschule Hannover, wo er jedoch nicht antrat. Auch sein Studium an der Universität zu Köln in Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften brach er ab.

Aber pure Arroganz reicht ja auch. Und ein Kommandoton wie in der Kaserne: Maske auf, Hände waschen! Jaja, mach den Kopf zu! Mich wundert schon lange nichts mehr, wenn die Ergüsse solcher Leute im Buchhandel inzwischen unter der Rubrik „Philosophie“ zu finden sind. So etwa ein Buch von Mario Sixtus. Dieser kann als Qualifikation immerhin einen erfolgreichen Schulabbruch vorweisen:

Nachdem er das Theodor-Heuss-Gymnasium in Ratingen ohne Abschluss verlassen hatte, spielte Sixtus seit Anfang der 1980er Jahre als Bassist in New-Wave- und Punk-Bands (Chim Chim Cheree, Panic in Slumberland). In den 1990er Jahren produzierte Sixtus unter dem Pseudonym Zadoc mehrere Singles und Alben mit dem Darkwave/EBM-Projekt Tilt!. Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Sixtus als freiberuflicher Programmierer und Web-Designer. Als Journalist schrieb er für das Magazin De:Bug sowie für Zeitungen und Online-Medien, unter anderem in der Zeit ….

Und so weiter und sofort. Immerhin kann er programmieren. Zum Philosophen oder zur moralischen Instanz wird er dadurch aber nicht. Zugegeben, Mario Sixtus ist kein Satiriker. Aber witzig findet er sich trotzdem. Es fällt allgemein auf, dass viele Meinungsführer hierzulande keinerlei Qualifikation bieten können, außer ihrem imperalen Anspruch, Meinungsführer zu sein.

Haditschs Qualifikation habe ich oben genannt. Welche Qualifikation haben Stermann und Grissemann? Über Stermann heißt es bei Wikipedia:

Stermann leistete nach seinem Abitur Zivildienst. Anschließend wollte er Theaterwissenschaften in Deutschland studieren, wo er aber aufgrund seiner Abiturnote und des hohen Numerus clausus mehrere Jahre auf einen Studienplatz hätte warten müssen. Daher entschied er sich, nach Wien zu gehen und dort Theaterwissenschaften und Geschichte zu studieren, was er aber abbrach.

Okay. Das war nichts. Dann sehen wir einmal bei Grissemann nach. Er

studierte vier Jahre Germanistik, Publizistik und Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien, brach das Studium jedoch ab …

Danke, das reicht. Nach Zivildienst und Studienabbruch kam bei beiden nur noch Komik und Elend.

Ich habe nichts gegen Studienabbrecher. Mich stört nicht, wenn jemand mit Komik oder Satire sein Geld verdient. Ich bin nicht der Meinung, dass man ein Experte sein muss, um bei Themen mitreden zu dürfen, die uns alle betreffen. Man kann gebildet sein, ohne ein Studium abgeschlossen zu haben. Umgekehrt sind viele Akademiker so dumm und ungebildet, dass die Steine weich werden. Ich bin der Letzte, der Respekt vor bloßen akademischen Titeln predigt. Das sei alles zugestanden. Aber zweierlei sollte man wenigstens aufbringen, bevor man sich äußert: rudimentäre Sachkunde und Fairness. Es macht die Sache nicht besser, wenn man pures Ressentiment als Satire kennzeichnet. Diese sollte vor allem auf Mächtige zielen, statt sich an Menschen zu delektieren, die wie Haditsch einer diskriminierten Minderheit („Coronaleugner“) angehören und ohnehin schwersten Anfeindungen ausgesetzt sind. Haditsch ist qualifiziert und hat Courage, Stermann/Grissemann sind unqualifiziert und feige. So einfach ist das.