»Tiere wollen leben.«

Sprüche wie »Tiere wollen leben!« oder »Alle Tiere wollen leben« fehlen auf keiner Veganer-Demonstration oder Mahnwache vor Schlachthöfen. Der »Lebenswille« der Tiere scheint für jeden offenkundig zu sein. Deshalb wird er von Aktivisten so gerne bemüht, um »Tierausbeuter« an den Pranger zu stellen. Wenn Veganer »Tiere wollen leben« rufen, soll man sich »also darf man sie nicht töten« hinzudenken.

Quo vadis Lebenswille?

Streng genommen kann man lediglich feststellen, dass Tiere leben; der dazugehörige Wille ist hingegen nirgendwo auszumachen. Damit etwas als lebendig gelten kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein – wie Abgrenzung von der Außenwelt, Stoffwechsel, Selbstregulation, Fortpflanzung, Vererbung, Wachstum und Entwicklung. Hierbei gibt es auch Grenzfälle (zum Beispiel Viren). Was aber in all diesen Definitionen fehlt, ist ein zusätzlicher Wille, der gleich einem fünften Element als eigentliche Kraft wirkt, die den ganzen Apparat erst zum Laufen bringt.

Die Vorstellung, dass noch etwas zu den genannten Kriterien hinzukommen müsse, damit Leben sei, hat sich bis ins zwanzigste Jahrhundert gehalten (Vitalismus), ist aber mit der modernen Biologie nicht mehr gut vereinbar. Laut dem berühmten Naturwissenschaftler Isaac Newton ist stets diejenige Theorie vorzuziehen, welche mit den wenigsten unbewiesenen Annahmen auskommt (Sparsamkeitsgrundsatz). Die Biologie erzielt seit Darwin hervorragende Ergebnisse, gerade weil sie auf jenen Zusatz verzichtet.

Soll der Lebenswille der Tiere daran erkennbar sein, dass sie sich auf alle mögliche Arten dem Tod (Zerfall) entgegenstemmen, dann haben ihn auch Pflanzen, Pilze, Einzeller – kurz: sämtliche Lebewesen. Denn sie alle müssen sich mit einem gewissen Aufwand erhalten, sonst sterben sie. Genau das unterscheidet sie ja von unbelebter Materie.

Ein Stein ist derart tiefenentspannt, dass er sich keinerlei Mühe zu geben braucht, um als Stein zu existieren. Auf lange Sicht zerbröselt er einfach, ohne zu murren. Das arme Pantoffeltierchen dagegen muss sich schon erheblich mehr abstrampeln, um zu bleiben, was es ist. Damit es gepflegt zerbröseln kann, muss es umständlicherweise erst seine Existenz als Pantoffeltierchen beenden.

Der »Lebenswille« kann als solcher also kein Grund sein, Tiere nicht zu töten. Wenn man diesen unterstellt, müsste sich das Tötungsverbot logischerweise auf alle Lebewesen erstrecken.

Leben, das leben will …

Tatsächlich haben manche Denker diese Konsequenz gezogen, zum Beispiel Albert Schweitzer (1875–1965). Ihm zufolge haben Lebewesen ohne Ausnahme den gleichen Lebenswillen. Deshalb lehnt er auch jede moralische Rangordnung ab. Ob Affe oder Amöbe – ein Lebewesen zu töten ist stets gleich großes Unrecht.

Schweitzer hat die absurden Konsequenzen seiner Auffassung dankenswerterweise nicht verschwiegen: Menschen machen sich permanent schuldig, weil sie es nicht vermeiden können, sich als Lebewesen auf Kosten anderer Lebewesen zu erhalten, sofern sie selbst leben wollen.

Was unvermeidlich ist, kann aber nicht Gegenstand der Moral sein. Man kann zum Beispiel die Verdauung nicht sinnvoll als unmoralisches Treiben verurteilen, bloß weil Menschen sich auch entschließen können, in den Hungerstreik zu treten, die Verdauung zum Erliegen zu bringen und daran zu sterben.

Schweitzers Ethik der »Ehrfurcht vor dem Leben« ist in Deutschland sehr populär. Ob sie jedoch zu mehr taugt als zu fortwährender Zerknirschung, sei dahingestellt. Der Philosoph Norbert Hoerster bemerkt kritisch, auf Basis dieser Ethik gebe es »keine überzeugende Lösung für auch nur einen einzigen moralischen Konflikt«.

Trotzdem ist jeder, der aus dem »Lebenswillen« unmittelbar ein Tötungsverbot ableiten will, auf eine Ethik Marke Schweitzer verpflichtet. Wer in der Logik A sagt, muss auch B sagen – selbst wenn »B« dann »Blödsinn« bedeuten sollte.

Wie wir?

Oft hört man auch, dass Tiere leben wollen wie wir. Dies führt dann in die Irre, wenn damit gemeint ist, dass sie in der gleichen Weise wie Menschen etwas wollen. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen pflegen Menschen nämlich meist mit Vorsatz zu wollen. Was bedeutet das? Menschen sind ganz offensichtlich als einzige Spezies fähig, Wünsche zweiter Ordnung zu bilden, sich also zum Beispiel als Heroinsüchtige zu wünschen, keinen Wunsch nach Heroin zu haben.

Ein junges Paar kann beschließen, erst ein Studium zu absolvieren, bevor es sich den gemeinsamen Kinderwunsch erfüllt. Kann aber der Hirsch sich frei entscheiden, dieses Jahr auf anstrengende Rangkämpfe und zehrende Dauerbegattung zu verzichten, weil er lieber die schöne Natur genießen will?

Menschen können ihre Strebungen, Bedürfnisse, Wünsche und Ziele prüfen und im Hinblick auf höherstufige Wünsche oder Ziele unter Abwägung von Gründen verändern. Sie können sich die Erfüllung von Wünschen erster Ordnung ein ganzes Leben lang versagen – zum Beispiel durch Zölibat, eheliche Treue, Alkoholabstinenz – und sogar infolge einer negativen Lebensbilanz den Freitod wählen. Dass Tiere sich aus freiem Entschluss umgebracht hätten, ist zumindest nicht bekannt (auch von Lemmingen nicht). Es gibt keine Hinweise darauf, dass Tiere persönliche Lebensbilanzen erstellen.

Warum sollten sich Tiere also noch zusätzlich wünschen, was sie ohnehin nicht vermeiden können? Das wäre zwar theoretisch möglich, aber nicht sehr plausibel. »Um sich das Weiterleben zu wünschen, muss man ein Konzept der eigenen Sterblichkeit haben«, schreibt der Tierrechtler Tom Regan. Man muss wissen, dass man sterben wird.

Der Hirnforscher Wolf Singer glaubt, dass Tiere nicht in der Lage seien, ihren eigenen Tod zu antizipieren, weil ihnen die dazu notwendigen Frontalhirnstrukturen fehlen. Letzteres ist zumindest für diejenigen ein triftiger Einwand, welche moralischen Status von neurologischen Fakten abhängig machen. Und dies wiederum ist bei den vielen Tierrechtlern und Veganern der Fall.

Fazit

Man kann mit guten Gründen abstreiten, dass Tiere einen Lebenswillen haben. Mit noch besseren Gründen kann man bestreiten, dass Tiere in gleicher Weise etwas wollen wie Menschen. Menschen können aus freiem Entschluss ihr Leben beenden oder beenden lassen. Nur unter dieser Voraussetzung hat die Aussage »Ich will leben!« Nachdruck. Im anderen Fall wird man vom Leben gewissermaßen gar nicht erst gefragt. Tiere führen kein Leben, sondern werden vom Leben geführt.

Haben Nutztiere ein verkürztes Leben?

Wer nicht stirbt zur rechten Zeit …

»Nutztiere haben ein kurzes, qualvolles Leben« – diese Behauptung ist das Mantra aller, die sich gegen »Massentierhaltung« engagieren. Vom angesehenen Tierethiker über die vegane Aktivistin bis zum »kritischen Konsumenten« herrscht in dieser Frage allgemeiner Konsens.

Der Philosoph Jean-Claude Wolf schreibt: »Wenn Lebewesen empfindungsfähig sind, ist es falsch, sie ihrer Lebensdauer und Lebensfreude zu berauben. Wenn man sie tötet, verringert man wahrscheinlich die Summe ihrer Lebensfreude (außer wenn man sie tötet, um ihnen schwere Schmerzen zu ersparen). Ich nenne dies das Beraubungsargument.« Der berühmte Tierrechtler Tom Regan meint: »[…] ein vorzeitiger Tod ist ein Verlust von sehr fundamentaler und unumkehrbarer Art.« Deshalb dürften Menschen das Leben von Tieren nicht »verkürzen«.

Nun ist das Leben der meisten Tiere nach menschlichen Maßstäben im Ganzen recht unkommod. Überdies geht die Lebensfreude und Lebensdauer des einen auf Kosten der Lebensfreude und Lebensdauer des anderen. Tötet man ein Tier nach »kurzer« Lebensdauer, reduziert man die Summe der Lebensunfreude desselben drastisch. Ein am ersten Lebenstag getötetes Küken leidet insgesamt wahrscheinlich weniger als ein Huhn, das drei Jahre alt wird. Noch weniger leidet ein in die Pfanne geschlagenes Ei, und am wenigsten leidet ein Huhn, das gar nicht erst existiert. Lässt man das Ei zum Küken werden und dieses länger leben, vergrößert man die Summe seines Leides.

Um eine Lebensbilanz ziehen zu können, müsste man Freude und Leid miteinander verrechnen. Doch woher will ein Jean-Claude Wolf wissen, ob die Rechnung fürs Tier unterm Strich auch aufgeht? Vielleicht würde ein Wildtier, das in den Fängen eines Bären endet, den Jäger anklagen, der es ein paar Jahre zuvor nicht geschossen und damit eines schmerzfreien Todes »beraubt« hat. Motto: Hätte ich das nur vorher gewusst! Tiere pflegen allerdings höchstwahrscheinlich ohnehin keinerlei Lebensbilanzen zu ziehen.

Nur die Harten kommen in den Kindergarten 

In Büchern sowie auf unzähligen Internet-Portalen sind Tabellen zu finden, in welchen die durchschnittliche Nutzungsdauer der betreffenden Tierarten mit deren »natürlicher Lebenserwartung« kontrastiert wird. Man braucht bei Google bloß diesen Begriff einzugeben, schon kommt einem der grobe Unfug entgegen – z. B. dass Schweine im »Kindergartenalter« geschlachtet würden. Nun kommen Tiere bekanntlich nicht in Kindergärten und damit auch nie in ein Kindergartenalter. Warum nicht? Weil Kindheit ein spezifisch menschliches, kulturelles Phänomen ist, es deshalb auch keine Tierkinder oder Tierbabys gibt. Man kann das Schlachtalter von Schweinen auch auf das Maximalalter von Bäumen »übertragen« (10.000 Jahre). Dann sterben die Schweine nicht einmal im Samenalter.

Auf der Seite Sag nein zur Milch von Animal Rights Watch steht, dass »Milchkühe« eine natürliche Lebenserwartung von dreißig Jahren hätten. In einem Schaubild des Vegetarierbundes (Vebu) wird die natürliche Lebenserwartung von Kaninchen mit zwölf, von Schweinen mit fünfzehn, von Lämmern [sic!] mit zwanzig, von Gänsen mit vierzig Jahren angegeben usw. Ähnliches findet sich bei Vier Pfoten.

In der tierethischen Literatur wird der Begriff »(natürliche) Lebenserwartung« oft genauso unreflektiert verwendet, so zum Beispiel im Einführungsbuch von Markus Wild und Herwig Grimm oder in einem Buch der Mannheimer Ethikerin Ursula Wolf. Das ist für Hochschulprofessoren der Philosophie erstaunlich, da deren Geschäft doch eigentlich die präzise Verwendung von Begriffen sein sollte. Dahinter scheint jedoch Methode zu stecken, denn nur wenn man den betreffenden Begriff falsch anwendet, kann man in diesem Punkt zu einem negativen Urteil über die Nutztierhaltung kommen. Benutzt man ihn jedoch korrekt, bleibt von der Klage über das angeblich verkürzte Leben der Nutztiere nichts übrig. Im Gegenteil.

Das tragisch frühe Ende des Jopi Heesters

»Lebenserwartung« ist laut Wikipedia definiert als die im Durchschnitt zu erwartende Zeitspanne, die einem Lebewesen ab einem bestimmten Zeitpunkt bleibt. Ein Durchschnittswert ist etwas völlig anderes als ein Maximalwert. Johannes Heesters starb mit 108 Jahren nicht vorzeitig, weil die höchste nachgewiesene Lebensdauer eines Menschen 122 Jahre beträgt. Hier werden also Äpfel mit Birnen verglichen.

Domestizierte Arten und die entsprechenden Wildformen erreichen solche Maximalalter nur in menschlicher Obhut bei optimaler Fütterung und medizinischer Versorgung – also unter künstlichen Bedingungen. In der Natur sieht das selbstverständlich ganz anders aus. Die Wildformen der domestizierten Arten haben keineswegs eine höhere Lebenserwartung als letztere, im Gegenteil.

Die Lebenserwartung eines Durchschnitts-Exemplars ist in der Natur ungefähr so hoch, wie es dauert, bis es durch ein Exemplar der nächsten Generation ersetzt wird. Je schneller die Generationenfolge, desto kürzer die Lebenserwartung. Im Schnitt zieht eine Kuh in der Wildnis etwas mehr als ein Kalb groß und wird durch dieses ersetzt. Eine Milchkuh hingegen schafft in Deutschland im Durchschnitt 2,9 Laktationen – knapp drei Kälber – und wird 5,3 Jahre alt.

Würden alle Milchkühe zwanzig oder gar dreißig Jahre alt, brächte jede von ihnen in ihrem Leben 15 bis 28 Kälber zur Welt, die ihrerseits wieder ein Alter von zwanzig bis dreißig Jahren erreichten und entsprechend viele Kälber produzierten. Dann wäre der Planet bald mit Rindern überfüllt. Laut Darwin vermehrt sich jede Tierart mit einer solchen Rate, dass der Erdball rasch mit den Nachkommen eines einzigen Paares bevölkert wäre, wenn nicht fast alle sterben würden, bevor sie sich fortpflanzen können (natürliche Selektion).

Ein kurzes, hartes Leben ist also bei Wildtieren ganz normal und – was dazukommt – ökologisch funktional. Bereits als Junges zu sterben oder als Ei gefressen zu werden ist für ein Wildtier das Normalste, Natürlichste der Welt. In den Worten des Vegetarierbundes: Es gibt nichts Natürlicheres für Tiere, als im »Babyalter« oder im »Kindergartenalter« einen äußerst unsanften Tod zu sterben. Die wenigen Tiere, die ein hohes Alter erreichen, fallen in der Regel nicht einfach um, sondern sterben ebenfalls einen qualvollen Tod durch Verhungern oder Fressfeinde.

Umgekehrt wird ein Schuh draus

Nutztiere unterliegen der künstlichen Selektion, Wildtiere der natürlichen Selektion. Soll die korrekt definierte natürliche Lebenserwartung als Maßstab dienen, käme hierfür nur die Lebenserwartung der jeweiligen Wildformen in Frage. Denn für Tiere, die der künstlichen Selektion unterliegen, gibt es per definitionem keine natürliche Lebenserwartung.

Legt man diesen Maßstab an, entfällt allerdings jeder Grund zur Klage, weil die Nutztierarten im Schnitt mindestens so alt werden wie ihre wilden Verwandten. Wer mit der natürlichen Lebenserwartung – überhaupt mit den natürlichen Bedingungen der betreffenden Arten – argumentiert, müsste sich sogar beschweren, sobald Nutztierarten durchschnittlich älter würden als deren Wildformen, da letzteres unnatürlich ist.

Es wäre demnach unmoralisch, Tiere länger und besser leben zu lassen, als es die Natur den Wildtieren vorgibt. Solche Kritiker müssten genau das für die Tiere fordern, was sie kritisieren: ein kurzes, qualvolles Leben. Tiere medizinisch zu versorgen, den Nachwuchs zu schützen, regelmäßig Futter bereitzustellen, Ställe zu beheizen und dergleichen wären moralisch verwerfliche Handlungen.

Bambi als Goldenes Kalb

Am Beispiel der fragwürdigen Behauptung, Nutztiere hätten ein (besonders) kurzes und qualvolles Leben, zeigt sich, dass die Kritiker der modernen Nutztierhaltung aus einem schiefen Blickwinkel heraus argumentieren. Das Leid der Wildtiere wird systematisch bagatellisiert, das Leid der Nutztiere wird systematisch dramatisiert.

Die natürlichen Übel herunterzuspielen und die durch Menschen verursachten Übel (moralische Übel) zu dramatisieren, ist eine besonders im Christentum verbreitete Angewohnheit. Der Zweck dieses Manövers besteht darin, einen als allmächtig und allwissendend vorgestellten Gott auch als Inbegriff des Guten darstellen zu können. Die Existenz schlimmster Übel in der Welt spricht aber dagegen. Deshalb konzentriert man sich auf die moralischen Übel, weil Menschen daran angeblich selbst schuld seien. Schließlich habe Gott sie mit freiem Willen ausgestattet. Angesichts der natürlichen Übel ist dies nicht leicht möglich. Für diese Übel ist Gott ganz direkt selbst verantwortlich. Daher die Neigung, die natürlichen Übel herunterzuspielen oder als Strafe Gottes hinzustellen. Allerdings hat man sich schon früher nicht beliebt gemacht, wenn man beispielsweise den qualvollen Seuchentod unschuldiger Kinder als Strafe Gottes bezeichnete.

Man muss nur »Gott« durch »Natur« ersetzen, dann sieht man die gleiche Struktur. Die Natur, die Tiere gelten als Inbegriff des Guten. Nur der Mensch ist schlecht. Was er mit den Tieren anstellt, ist Sünde und Frevel. Was die Naturwesen miteinander anstellen, unter welchen Bedingungen sie natürlicherweise leben, wird weitgehend ausgeblendet. Doch nach messbaren Parametern geht es Wildtieren im Schnitt weit schlechter als ihren domestizieren Verwandten in modernen Haltungsformen nach modernen Tierschutzstandards. Dass Wildtiere ein besseres Leben hätten, weil sie »frei« seien, »mehr Platz« hätten o.ä., ist eine sehr gewagte Behauptung, die vor allem auf Projektionen beruht.

Auch wenn sie es vehement bestreiten, haben viele Tierrechtler ein zu idyllisches Bild von Tieren in freier Wildbahn und können damit bei zahllosen Menschen Eindruck machen, die vom Bambi-Syndrom ergriffen sind. Selbst ein so skeptischer Geist wie der Philosoph Norbert Hoerster behauptet in seinem lesenswerten Buch zur Tierethik, Wildtiere hätten ein »im ganzen erfreuliches Leben.« Das ist grotesk. Damit schwächt Hoerster seine Argumentation ohne Not erheblich. Wer auf solcher Basis argumentiert, zieht notwendig falsche Schlüsse.

 

Glückliche Tiere?

»Milch von glücklichen Kühen«, »Eier von glücklichen Hühnern« – diese Schlagworte sind allgegenwärtig und prägen die Debatten um die Nutztierhaltung. Viele Konsumenten behaupten, es sei ihnen wichtig, dass Nutztiere nicht nur gesund und munter, sondern auch glücklich seien.

Gefühlsübertragung 
Wie bei allen Übertragungen menschlicher Regungen auf das Tier besteht auch beim Thema »Glück« das grundsätzliche Problem darin, dass die Tiere uns nicht in Worten mitteilen können, was sie empfinden. Man kann die Tiere nicht sinnvoll fragen: Seid ihr glücklich?

Jede Gefühlsregung ist uns nur aus dem Zusammenleben und der sprachlichen Kommunikation mit unserersgleichen bekannt. Sprache ist nicht einfach ein Abbild dessen, was im Inneren geschieht, sondern konstruiert dieses entscheidend mit. Schreiben wir anderen Lebewesen also bestimmte Gefühle zu, so handelt es sich hierbei immer um metaphorische Übertragungen. Wir wenden die entsprechenden Begriffe an, wie wir etwa einen Schraubendreher zum Büchsenöffnen anwenden (zur näheren Erläuterung siehe hier).

Wenn wir auch Kindern, die noch nicht sprechen können, Glücksempfindungen zuschreiben, liegt das daran, dass Kinder Menschen sind, die eine bestimmte Entwicklung durchleben, die der unsrigen gleicht. Man war schließlich selber mal Kleinkind und schließt als Erwachsener darauf zurück. Man war aber nie ein Ferkel oder ein ausgewachsenes Schwein – außer im übertragenen Sinn.

Deshalb sind die beliebten Vergleiche zwischen Kleinkindern und erwachsenen Tieren hier unangebracht. Dass erwachsene Schweine oder Hunde bestimmte kognitive Fähigkeiten haben, die denen von Kleinkindern ähneln, bedeutet nicht, dass sie dasselbe empfinden. Es gibt keine logische Brücke vom einen zum anderen. Es gibt auch keinen zwingenden Zusammenhang zwischen evolutionären Homologien – zum Beispiel einem ähnlichen Nervensystem – und innerem Erleben. Denn 1. können schon kleine Unterschiede große Differenzen ausmachen und 2. ist das innere Erleben Dritten vollkommen unzugänglich, wenn die Vermittlung über eine Wortsprache inklusive Semantik fehlt (zur näheren Erläuterung siehe hier, Kapitel: »Von hinten durch die Brust ins Auge«)

Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist qualitativer Art. Der Mensch ist ein anderes Lebwesen als ein Hund oder Schwein oder Schimpanse. So etwas muss man den Leuten heute erklären, da sie von der allgegenwärtigen Pseudowissenschaft und vom Disneykonzern dumm gemacht wurden.

Ein großes Wort
Will man Begriffe, die menschliche Regungen bezeichnen, auf Tiere anwenden, muss erst einmal geklärt werden, was sie beim Menschen selbst bedeuten. Dies nimmt sich beim Begriff »Glück« allerdings schwierig aus. Schon beim Menschen unterscheiden sich die Glücksvorstellungen beträchtlich. Aristoteles verstand darunter, als philosophierendes Wesen den Göttern nahezukommen. Vernunftlose Tiere seien daher zum Glück nicht fähig. Andere meinen hingegen, dass ausgerechnet seine Vernunftfähigkeit den Menschen unglücklich mache.

Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi glaubt wiederum, Glück bestehe in völliger Vertiefung in eine Tätigkeit (»Flow«). Nun kann man zwar sagen, dass Tiere weit mehr »im Augenblick vertieft« leben als Menschen. Dass sie deswegen glücklicher sind, kann indes bezweifelt werden. Sigmund Freud war gar der Auffassung, es sei im Plan der Schöpfung schlichtweg nicht vorgesehen, dass der Mensch – und damit wohl auch das Tier – glücklich sei.

Wenn der Hahn kräht …
Was nun die »glücklichen« Kühe oder Hühner betrifft, so haben die Leute beim Gedanken daran meist Haltungsbedingungen rückständiger Landwirtschaft von anno dazumal im Kopf: Hühner auf dem Mist, Kühe auf der Weide, Schweine auf der Koppel oder im Wald. Es ist offenkundig, dass die Menschen hier ihre eigene Verklärung der »guten alten Zeit« auf das Empfinden der Tiere übertragen.

Damals, so glauben sie, habe Landwirtschaft mehr im Einklang mit der Natur gestanden. Die früheren Haltungsformen seien »naturnäher« und deshalb besser gewesen als die modernen. Natur bedeutet aber in erster Linie Mangel und Tod. Da die natürliche Selektion umso mehr greift, je »natürlicher« die Tierhaltung ist, sind die Verluste und Krankheiten in solchen Haltungsformen größer als in der verpönten »Massentierhaltung«.

Man sieht, dass bei solchen unreflektierten Anwendungen dem freien Projizieren Tür und Tor geöffnet wird. Das »Glück« der Tiere ist das der Menschen, die Tiere betrachten. Die Tierrechtlerin Hilal Sezgin meint zum Beispiel, es sei schön für eine Schwalbe, durch die Gegend zu fliegen und Nahrung für ihre Jungen zu sammeln. Diese Äußerung sagt allerdings mehr über die Gefühle einer kinderlosen Feuilletonistin aus als über das Empfinden der Schwalbe selbst, die sich bis zur Erschöpfung für den gierigen Nachwuchs abrackert. Eine mit Kindern und Haushalt überforderte Mutter würde vielleicht eher beklagen, wie schrecklich das Dasein der armen Schwalbe doch sei.

Arttypisch = glücklich?
Zu solchen Projektionen zählt auch die Gleichsetzung von arttypischem Verhalten mit subjektiven Glücksempfindungen der Tiere. Arttypisches Verhalten ist jedoch nicht dasselbe wie artiges Verhalten. Liest man zum Beispiel das Jugendbuch von Hilal Sezgin, bekommt man den Eindruck, die Fauna sei eine große Heilsarmee, wo Schweine »nachweislich« schon zwei Menschenleben gerettet haben und alle nur knuddeln, suhlen, laufen oder spielen wollen. Mit keinem Wort werden dort unangenehme arttypische Verhaltensweisen geschildert.

Doch für viele Arten sind zum Beispiel die Tötung von Jungtieren (Infantizid) und Kannibalismus typisch – und zwar auch für die »knuddeligen«, wie Erdmännchen, Mäuse, Bären, Schweine, Affen, Vögel und viele andere mehr. Das typischste Verhalten für die meisten Tiere ist das Abwehrverhalten im Maul des Fressfeindes. Fluchtverhalten ist auch sehr typisch.

Um das Tierwohl zu gewährleisten, versucht man daher, eine ganze Reihe arttypischer Verhaltensweisen zu unterbinden, zum Beispiel Penisbeißen, Schwanzbeißen, Federpicken, blutige Rangkämpfe etc. Diese werden zu Unrecht der »Massentierhaltung« angelastet.

Man könnte also dieser Logik entsprechend folgendes behaupten: Es macht den Eber glücklich, wenn er in den Penis des Nachbarn beißt; es macht dem Mastschwein Freude, den Schwanz des Stallgenossen anzuknabbern; das Huhn zieht tiefe Befriedigung daraus, ein anderes Huhn von Innen aufzupicken; die Katze fühlt sich großartig, wenn sie mit ihrer Beute spielt. »Aus neutraler Forscherperspektive könnte Kannibalismus auch eine Form der Zuneigung sein«, heißt es in einem Artikel zum Thema. Na dann: guten Appetit!

Fazit

Es ist ebenso verführerisch wie verfehlt, einfach von seinen eigenen Befindlichkeiten auf die der Tiere zu schließen. Dies kann zu dramatischen Fehleinschätzungen führen, was zum Beispiel die Tiergerechtheit von Haltungsformen betrifft. In Debatten um Tierschutz wird die Gleichsetzung menschlicher und tierlicher Regungen von vielen Beteiligten bewusst als Kampfmittel benutzt. Motto: »Stell dir vor, du wärst ein Schwein … «. Man kann sich auch vorstellen, ein Dreieck zu sein, das neidisch auf die vielen Ecken des Dodekaeders ist.

Die Debatten ums »Glück« der Nutztiere sind von den irrationalen Vorstellungen dominiert, die Großstädter von der Natur haben. Durch diese verzerrte Wahrnehmung werden Tiere in »künstlichen« Haltungsformen als unglücklich bezeichnet, obwohl sie im Schnitt gesünder und nach messbaren Kriterien besser leben als in den »naturnahen«. Wie viele Tiere in der verklärten Haltung sterben und leiden, ist dann buchstäblich egal – Hauptsache, sie sind »glücklich« (also zum Beispiel an der frischen Luft).

Die Vorstellung, dass Tiere zufrieden oder »glücklich« sind, wenn sie arttypisches Verhalten ausleben, ist hochgradig naiv. Auf die Idee kann nur kommen, wer ein allzu idyllisches Bild von Natur und Tieren hat. Es wird auch nicht verstanden, dass die vermeintliche Freude des einen Tieres sehr häufig das Leid eines anderen zur Folge hat.

Tand ist das Gebilde von Menschenhand

Die Sonne hat nicht den Zweck, die Kohlköpfe wachsen zu lassen.
Gustave Flaubert

Rache der Natur?
Die moderne, hochtechnisierte Landwirtschaft hat ein offenbar irreparabel schlechtes Image. Dass der rasante technische Fortschritt in der Agrarproduktion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erst die Voraussetzungen für den immensen Wohlstand geschaffen hat, von dem die Menschen heute profitieren, wird in der Gesellschaft kaum noch positiv bewertet. Statt dessen ist es schick, von der „Rache der Natur“ zu menetekeln, welche schon bald zu einem ökologischen Super-GAU führe, wenn die Menschheit nicht schleunigst ihr technisches Besteck verkleinere und auf den Tugendpfad einer naturgemäßen Lebensweise zurückfinde.

„Die industrialisierte Landwirtschaft“, behauptet Greenpeace beispielsweise, „erzielt dauerhaft weder höhere Erträge noch gesunde Lebensmittel.“ Geboten sei daher eine „naturnahe Landwirtschaft“, die „natürliche Kreisläufe“ nutze, anstatt Pestizide und Gentechnik zu verwenden. Der simple Tatbestand, dass die „industrialisierte Landwirtschaft“ sehr wohl immer höhere Erträge erzielt und Lebensmittel so gesund sind wie nie zuvor, wird durch das Wörtchen „dauerhaft“ verschleiert. Greenpeace gibt etwas als Tatsache aus, was lediglich von einigen Menschen befürchtet wird. Die NGO scheint darauf zu hoffen, dass die Erträge in Zukunft einbrechen, damit die propagierte „naturnahe Landwirtschaft“ endlich als Sieger dasteht.

Greenpeace kann mit derlei irreführenden Behauptungen Eindruck machen, weil es heute ein Allgemeinplatz vermeintlich aufgeklärter Bürger ist, dass die Landwirtschaft sich „von der Natur entfernt“ habe und nicht gegen die Natur, sondern nur mit der Natur möglich sei. Solche Sätze dürfte jeder schon gehört oder gelesen haben. Sie wirken auf den ersten Blick nachdenklich, sind aber so inhaltsleer wie ausgelaugte Böden.

Von Zwecken gezwickt

Der Grund, warum so gerne die Natur bemüht wird, um subjektive Interessen als objektive auszugeben, ist einfach: Kein Mensch weiß genau, was Natur überhaupt sein soll. Deshalb kann jeder in sie hineininterpretieren, was ihm gerade einfällt. Der schier unendliche Variantenreichtum des Begriffs bewirkt leider nicht, dass er mit Bedacht verwendet wird. Im Gegenteil: Wo von Natur die Rede ist, fehlt der Dogmatismus selten.

Dieser offenbart sich zum Beispiel in den lautstarken Bekundungen veganer Tierrechtler. „Kuhmilch ist nicht für Menschen da“, lautet ein typischer Satz von Veganern. „Die Milch erfüllt […] einen ganz gezielten Zweck, nämlich den Aufbau des Immunsystems sowie das schnelle Wachstum und die Kräftigung des Nachwuchses“, heißt es auf der Website von Animal Rights Watch (Ariwa). Die Frage, von wem dieser Zweck gesetzt worden sei, hat sich Ariwa offenbar nicht gestellt. Wer diese Frage nun naiv mit „die Natur“ beantwortet, ist schon hereingefallen. Denn er hat damit auch die These bejaht, dass Natur von sich aus irgendwelche Zwecke setzen könne, als wäre sie eine Person.

Die Milch erfüllt aber nicht den Zweck, das Immunsystem aufzubauen und das Kalb zu kräftigen, sondern sie baut einfach das Immunsystem auf und kräftigt das Kalb. Dass es der objektive Zweck der Milch sei, dies zu bewirken, ist bloß ein Glaubenssatz (Dogma). Der Genuss von Milch verschafft dem Kälbchen auch Wohlbefinden und hat zur Folge, dass deren Rückstände als Kälberschiss hinten wieder herauskommen. Mit demselben Recht wie die Veganer könnte nun jeder behaupten, Milch erfülle den ganz gezielten Zweck, dem Kalb Wonne zu bereiten und die Luft mit Kotgeruch anzureichern.

Verneint man einfach, dass die Natur als solche zweckhaft sei, läuft die Empörung von Tierrechtlern ins Leere. Denn wo es keine Zwecke gibt, kann auch nichts zweckentfremdet werden. Man kann also getrost Milch trinken oder darin baden, ohne damit der Natur nur einen Millimeter ferner zu stehen als laktoseintolerante Ökopäpste.

Zwei Naturbegriffe

Am Beispiel der Milch wird die Differenz zwischen zwei grundlegenden Naturbegriffen deutlich, welche man vereinfachend als final und kausal bezeichnen könnte. Beim finalen Naturbegriff wird danach gefragt, welches Ziel und welchen Zweck (nicht welchen Nutzen) die Naturerscheinungen haben. Er geht im wesentlichen auf Aristoteles (384–322 v. Chr.) zurück und prägte bis zur Entwicklung der Naturwissenschaften (Galilei, Newton) die abendländische Naturauffassung, insbesondere die des Christentums.

Aristoteles unterscheidet zwischen physis (Natur) und techné (Kunst). Natürlich ist demgemäß alles, was ohne menschliche Planung, Absicht und Eingriffe von selbst da ist. Künstlich ist alles, was vom Menschen geplant und gemacht wird. Für Aristoteles hat jedes Naturding seinen Zweck in sich selbst, nämlich den, die in ihm liegende Vollkommenheit zu erreichen (Entelechie). Diese Zwecke wurden Aristoteles zufolge vom „unbewegten Beweger“, der Ursache aller Ursachen, festgelegt. Die Entelechie des Haferkorns wäre es beispielsweise, zur ausgereiften Pflanze zu werden. Hafer wäre also ebenso wenig für menschliche Vegetarier da wie Kuhmilch für menschliche Mischköstler. Denn wer das Korn an der Entfaltung seiner Vollkommenheit hindert, indem er es zerquetscht und ins Müsli rührt, handelt naturwidrig.

Der kausale Naturbegriff definiert Natur hingegen nicht im Hinblick auf deren Zweckmäßigkeit, sondern unter dem Aspekt ihrer Gesetzmäßigkeit und Berechenbarkeit. Hier werden die Naturerscheinungen in Wenn-Dann-Konstellationen gebracht. Galileo Galilei (1564-1641) und andere „entdeckten“ die Naturgesetze jedoch nicht einfach, indem sie Löcher in den Himmel starrten, sondern „erzeugten“ sie mit Hilfe von ausgeklügelten technischen Experimenten und Geräten „künstlich“. Der Gegensatz von physis und techné wurde damit aufgehoben. Natur kann nämlich nur erkannt werden, indem man technisch in sie eingreift. Egal ob Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine oder „Artefakte“ – alles unterliegt denselben Naturgesetzen.

Natürliche Landwirtschaft?

Vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaft ist die Rede von einer „natürlichen Landwirtschaft“ streng genommen sinnlos, denn wo alles Natur ist, kann es nichts Naturwidriges geben. Landwirtschaft kann die physikalischen, chemischen, biologischen Naturgesetze in keiner Weise außer Kraft setzen, ist also stets natürlich und niemals künstlich. Raubbau, Umweltzerstörung und alles Negative, was der Landwirtschaft zur Last gelegt werden kann, verstößt damit nicht gegen objektive Naturzwecke, sondern widerstreitet allein menschlichen Zwecken (die wiederum von den natürlichen Bedürfnissen der Gattung Mensch bestimmt sind). Den „Ökosystemen“ ist es völlig schnurz, ob sie durcheinandergebracht werden, und „Artenvielfalt“ ist nicht der objektive Zweck des Regenwalds.

Legt man seinen Betrachtungen hingegen den finalen Naturbegriff zugrunde, muss streng genommen jede vom Menschen hervorgerufene Veränderung als naturwidrig gelten. „Natürliche Landwirtschaft“ wäre in diesem Begriffsrahmen ein Widerspruch in sich. Nicht umsonst leitet sich das Wort „Kultur“ vom lateinischen cultura ab, was soviel bedeutet wie „Ackerbau“. Landwirtschaft ist aus dieser Perspektive also stets künstlich und niemals natürlich.

Der Senftenberger See in der Lausitz. Ein »Naturparadies«, entstanden durch Braunkohletagebau.

Dummerweise verwechseln die Bürger heutzutage meist Agrarlandschaft mit unberührter Natur. So ist beispielsweise die Lüneburger Heide „ein Produkt des Raubbaus der Hanse, die ganze Eichenwälder verschlang, um ihre Koggen auszurüsten“, wie der Philosoph Gernot Böhme anmerkt. „Die oftmals nur unbewusste, teilweise aber bewusst initiierte Assoziation von landwirtschaftlicher Natur mit unberührter Natur muss folglich als zentrale Konfliktquelle erkannt werden“, resümiert der Philosoph Christian Dürnberger. Landwirtschaft und unberührte Natur unter einen Hut zu bringen gleicht dem Versuch, seinen Pelz zu waschen, ohne nass zu werden. Die falschen Assoziationen erschweren als ideologischer Ballast sachgerechte Lösungen agrarwirtschaftlicher Probleme.

Reine Natur und menschliche Aliens

Definiert man Natur als das, was ohne menschlichen Einfluss seiner eigenen Zweckbestimmung folgt, muss man den Menschen gedanklich aus der Natur herausnehmen und schauen, was übrigbleibt. Dadurch wird es möglich, den Menschen moralisch gegen die Natur auszuspielen. Er kann wie eine Art bösartiger Alien dargestellt werden, der von außen in die unschuldige Natur eindringt und sie zerstört.

Da Menschen der finalen Naturbestimmung zufolge gar nicht anders als naturwidrig handeln können, ist es leicht, sie als per se schuldig zu bezeichnen (Erbsünde). Die Menschen können ihre Schuld jedoch klein halten, indem sie möglichst wenig gegen die Natur handeln. Wenn es eine natürliche Landwirtschaft in diesem Denksystem schon nicht gibt, so scheint es immerhin machbar zu sein, eine weniger künstliche und damit „naturnähere“ Landwirtschaft zu betreiben.

Das Bestreben, möglichst „naturnah“ zu leben, erzeugt eine Art Sog zum „Urzustand“, zu einer Natur ohne Menschen. Je rückständiger die Art und Weise der Naturbearbeitung wirkt, desto näher steht sie dem Ursprung, desto weniger sündhaft ist sie. Im Umkehrschluss bedeutet das: Je fortschrittlicher und „künstlicher“ die Naturbearbeitung wirkt, desto sündhafter erscheint sie. Die moderne Zivilisation überziehe demnach ihr Sündenkonto so sehr, dass letzteres nur durch einen universalen Crash bereinigt werden könne.

Zurück zur Natur!

Eine solche Denkweise nennt man kulturpessimistisch. Für den Kulturpessimismus ist die Parole „Zurück zur Natur“ kennzeichnend, welche vom Schweizer Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) formuliert wurde. Ursprüngliche Natur wird bei ihm als das schlechthin Gute angesehen. Je weiter sich die Menschheit von jener Ursprünglichkeit entferne, desto schwächer, kriecherischer und feiger werde sie.

Diese Denkfigur ist besonders beliebt bei Menschen, die von der „unberührten Natur“ (Wildnis) in keiner Weise persönlich behelligt werden, sondern sich den Luxus leisten können, sie schön und edel zu finden. „Die Natur geht mit allen Tieren, die ihrer Vorsorge überlassen sind, mit solcher vorzüglichen Liebe um, woraus zu sehen ist, wie eifrig sie auf ihre Rechte hält“, schreibt Rousseau blauäugig. Erst auf dieser Grundlage konnte die Vorstellung entstehen, dass Natur nicht etwas Bedrohliches ist, sondern ihrerseits durch den Menschen bedroht werde und deshalb geschützt werden müsse. Von dort führt ein direkter Weg zur heutigen Disneyfizierung der Natur (Bambi-Syndrom), zu Veganismus, Tierbefreiung und den Forderungen von Ökofundamentalisten, die Menschheit auszurotten oder zumindest stark zu dezimieren.

Vom Totschlagargument zum Totschlag

Der Kulturpessimismus begleitet als eine Art intellektueller Katzenjammer die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse. Sämtliche Probleme und Verwerfungen, die bei solchen Prozessen entstehen, werden nur auf eine einzige Ursache zurückgeführt (Unstatthafte Entfernung vom Ursprung), und als Patentlösung wird gefordert, irgend einen „ursprünglicheren“ Zustand wieder herzustellen.

Während des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts war diese Denkweise besonders in Deutschland sehr weit verbreitet. In der „Lebensreformbewegung“ huldigten städtisch sozialisierte Angehörige der Mittel- und Oberschicht einer „naturgemäßen Lebensweise“. Hier entstand der Mythos, dass naturbelassene Nahrung gesünder sei als verarbeitete und dass deren Genuss eine moralische Höherentwicklung der Menschheit herbeiführe.

Im Nationalsozialismus schließlich wurde diese Ideologie durch die Ernährungslehre des Hygienikers und Bakteriologen Werner Kollath (1892-1970) zur offiziellen Doktrin. Kollath, Erfinder der Vollwertkost, teilte die Wertigkeit der Nahrung nach dem Grad ihrer Verarbeitung ein. Je geringer der Verarbeitungsgrad, desto höher deren Wertigkeit. Kollaths Lehre halten weite Teile der Bevölkerung auch heute noch für richtig. Die Beliebtheit von „Steinzeitdiät“ und ähnlichen Marotten legt davon beredtes Zeugnis ab.

Die Landwirtschaftpolitik im Nationalsozialismus bemühte sich, die notorische „Fett- und Eiweißlücke“ der heimischen Agrarproduktion zu schließen, um Autarkie zu erlangen. Dabei konnte sie auf moderne Verfahren gar nicht verzichten. Parallel aber wurden Bauern als „Neuadel aus Blut und Boden“ (Walther Darré) aufs Podest gehoben, wurden rückständige bäuerliche Lebensformen gegenüber den städtischen idealisiert. „Landwirt“ galt als Schimpfwort, „Bauer“ als Ehrentitel. Der „knorrige“, „erdverbundene“ und „naturnahe“ Bauer wurde gegen den „feigen“, „kriecherischen“ und „naturfernen“ jüdischen Händler in Stellung gebracht. Im Nationalsozialismus zeigte sich also in besonders schrecklicher Weise, wozu es führen kann, wenn Natürlichkeit und Künstlichkeit moralisch gegeneinander ausgespielt werden.

Wir scheißen auf die Natur!

„Landwirtschaft ist der hartnäckige Versuch, der Natur etwas Essbares abzuringen. Je weiter sie sich dabei von der ‚reinen Natur’ entfernte, desto reichhaltiger, vielfältiger und gesünder wurden unsere Lebensmittel“, schreiben Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Wie gezeigt, haben viele Menschen Probleme, diesem Befund zuzustimmen, weil sie unreflektiert dem Naturverklärungs-Mythos huldigen.

Die konventionelle Landwirtschaft wird allerdings nicht aus der Defensive herauskommen, solange deren Vertreter sich dieser Ideologie bedienen, um ihr Image aufzubessern. Bei dem Versuch, sich als besonders naturverbunden darzustellen, können konventionelle Landwirte nur verlieren. Denn Landwirtschaft ist keineswegs besonders „naturnah“, bloß weil sie von der Wirtschaftswissenschaft zum Sektor der „Urproduktion“ gezählt wird und „Rohstoffe“ produziert (Rohöl wäre nach dieser Logik weniger künstlich als jede Ackerfrucht, die heute geerntet wird). Den Assoziationen, die solche Begriffe wecken, dürfen moderne Landwirte nicht erliegen, sonst werden sie Opfer der selbsternannten Naturapostel.

Landwirte können den agrarfernen Bürgern zwar viel erzählen von natürlichen Lebensbedingungen ihrer Schweinchen, Kälbchen oder Hühnchen. Doch sobald die Bürger „Natur“ hören, denken sie an Wiesen und Wälder, an Bambi und Schweinchen Babe. Sehen sie dann in den Ställen zuviel Beton, Metall oder Kunststoff, werden sie den Landwirten nicht mehr glauben, dass moderne Ställe tiergerecht sind.

Ein Weg aus der Falle wäre die Flucht nach vorn. Nicht die Natürlichkeit der Landwirtschaft sollte hervorgehoben werden, sondern deren Künstlichkeit, und zwar durchaus im Sinne von Kunstfertigkeit. Einen modernen Betrieb zu führen ist eine Kunst, das heißt sie erfordert eine Menge technisches Know-How, eine hervorragende Ausbildung und viel Wissen um die Bedürfnisse der gehaltenen Tiere. Man sollte es einmal damit versuchen, jeden Hinweis auf „Naturverbundenheit“ und „Natürlichkeit“ zu unterlassen.*

 

* Dieser Artikel ist in gekürzter Form erstmals im September 2015 in der Zeitschrift Agrarmanager erschienen

Tierethische Grenzkontrolle

Hund oder Baby?
Das Kerngeschäft der Tierrechtler ist es, erwachsene intakte Exemplare diverser Tierarten gegen nicht erwachsene, beeinträchtigte oder beschädigte Menschen auszuspielen. Ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sei unvergleichlich vernünftiger als ein menschliches Baby, meinte im achtzehnten Jahrhundert Jeremy Bentham (1748–1832).

Gäbe es triftige Argumente, die zeigten, dass es unzulässig ist, Tiere und Menschen auf diese Weise miteinander zu vergleichen, wäre das gesamte tierrechtliche Unterfangen gefährdet. Man wüsste dann nämlich gar nicht, wozu der ganze Aufwand veranstaltet wird – es sei denn zu dem Zweck, die Menschenrechte zu unterminieren und Tiere dafür lediglich einzuspannen. Ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier qualitativ, und ist es sinnvoll, den Begriff »Mensch« zu verwenden, gibt es keinerlei rationalen Grund, Tiere rechtlich in irgend einer Weise mit Menschen gleichzustellen.

Wer darf rein? 
Das Argument der Tierrechtler* ist das Folgende: Da es Menschen gebe, denen die Vernunft- und Moralfähigkeit ebenso abgehe wie den Tieren, brauchten sie entweder moralisch und rechtlich so wenig berücksichtigt zu werden wie Tiere, oder Tiere müssten die gleiche Berücksichtigung in Moral und Recht erfahren wie Menschen – aber auf anderer Grundlage.

Diese Grundlage ist bei Peter Singer die Empfindungsfähigkeit, genauer die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden: Nur was (Schmerz) empfinden kann, kann Interessen haben. Nur was Interessen hat, muss moralisch berücksichtigt werden. Gleiche (subjektive) Interessen sollen laut Singer unabhängig von der Spezieszugehörigkeit gleich berücksichtigt werden. Diesem Prinzip pfropft er noch eine objektive Unterscheidung zwischen unbewusstem, bewusstem und selbstbewusstem Leben auf. Selbstbewusste Lebewesen seien »Personen«  – zum Beispiel geistige gesunde Menschen, aber auch Menschenaffen und Delfine. Personen sollten nach Singer den Schutz der Menschenrechte genießen.

Bei Tom Regan ist es die Kategorie des Subjekt-eines-Lebens-Seins, welches den betreffenden Lebewesen »inhärenten Wert« verleihe – ebenfalls unabhängig von der Spezieszugehörigkeit.

Tierrechtler meinen, dadurch den Kreis derjenigen Entitäten zu erweitern, denen Rechte zugesprochen werden müssen. Doch auch sie ziehen enge Grenzen. Nicht jedes Tier oder gar Lebewesen wird einbezogen, sondern nur diejenigen Arten, welche die benannten Eigenschaften aufweisen.

Die meisten Tierrechtler sprechen diese Eigenschaften nur den Wirbeltieren zu (also lediglich 5 % der Fauna), plus ein paar Wirbellosen, zum Beispiel Kraken. Tom Regan zählt zu den Lebewesen mit inhärentem Wert Säugetiere und Vögel ab einem Jahr, bei den Fischen ist er sich nicht sicher. Wirbellose fallen ganz heraus.

Wer anderen eine Grube gräbt …
Der Vorwurf, den die Tierrechtler den »Speziesisten« machen, fällt indes auf sie selber zurück: Aus der Tatsache, dass manche Menschen bestimmte normale Eigenschaften ihrer Art nicht haben, konstruieren sie, dass diese Eigenschaften untaugliche Mittel seien, um auch diese Individuen unter den Schutz der Menschenrechte zu stellen. Doch auch innerhalb der definierten Gruppe »empfindungsfähiger Lebewesen«, »Personen« oder »Lebewesen mit inhärentem Wert« gibt es Exemplare, welche die ihrer Art zugeschriebenen Eigenschaften in geringerem Ausmaß oder überhaupt nicht haben.

Zum Problem innerartlicher Differenz kommt noch das generelle Problem hinzu, dass die Grenze zwischen schmerzempfindlichen und nicht schmerzempfindlichen Lebewesen auf empirischer Basis nicht genau bestimmbar ist. »Wenn ich einen Wurm mit einem Strickleiternervensystem zwicke, hat der natürlich einen Rückzugsreflex. Doch für diesen lokalen Spinalreflex braucht es kein Gehirn. Wir wissen nicht genau, wann ein Reiz tatsächlich als Schmerz empfunden wird«, betont der Neurophysiologe Wolf Singer.

Nacktmulle (Nagetiere) hätten trotz »reichem Sozialleben« bei Peter Singer als Spezies keine Chance, da sie angeblich nicht schmerzempfindlich sind. Doch jeder Tierfreund würde sich gegen die Konsequenz sträuben, dass man mit diesen Nagern deshalb machen könne, was man wolle. Wenn man sie mit heißem Wasser übergießt, bloß weil man sie hässlich findet, hätte Singer keine prinzipiellen Einwände dagegen parat.

Noch heikler ist die Kategorie Subjekt-eines-Lebens-Sein bzw. »inhärenter Wert«. Die hierfür laut Regan erforderlichen Eigenschaften Bewusstsein, Fühlen, Wünschen, Glauben (consciousness, feeling, desire, belief) stellen sich bei einem Lebewesen schwerlich erst ab dem ersten Geburtstag ein und können sehr wohl auch Fischen, Wirbellosen oder sogar Pflanzen zugesprochen werden, wenn man diese Begriffe nur schwach genug definiert.

Hinzu kommt, dass der »inhärente Wert« zwar irgendwie in jenen Eigenschaften gründen, aber zugleich von diesen unabhängig sein soll. Regan will genau das vermeiden, was Singer betreibt – den ethischen Perfektionismus (Stufenleiter). Er zieht daher eine nominell scharfe Grenze: Alle Säugetiere und Vögel ab einem Jahr haben unverlierbaren inhärenten Wert, die anderen nicht. Aber diese Grenze kann sich ja nur aus pragmatisch-praktischen Erwägungen heraus ergeben, nicht aus prinzipiellen. Sie beruht weit mehr auf bloßer Setzung (Dezisionismus), als Regan es den »Speziesisten« bezüglich der Kategorie »Mensch« vorwirft.

Singer und Regan betonen, dass es in der Moral nur aufs konkrete Individuum ankomme, nicht auf Gruppen (moralischer Individualismus). Dennoch benennen sie ganze Arten, die moralisch und rechtlich berücksichtigt werden sollen. Sie schließen nicht aus der Existenz beeinträchtigter Exemplare oder Jungtiere, dass es Speziesismus wäre, sie aufgrund ihrer Artzugehörigkeit den Wirbellosen vorzuziehen. Eine Biene ist aber vielleicht mehr Subjekt ihres Lebens, hat einen reicheren Erfahrungshorizont als ein neugeborener Bär oder ein neugeborenes Beuteltier.

Äpfel und Birnen
Die Probleme, die angeblich eine tierrechtliche Revision von Moral und Recht erzwingen, tauchen bei den Tierrechtlern selbst an anderer Stelle, aber in höherem Maße wieder auf. Ausnahmen machen eine Regel nicht ungültig, sondern bestätigen diese. Es ist weder beim Menschen noch bei anderen Arten sinnvoll, alle Exemplare ständig daraufhin abzuscannen, ob sie irgendwelche der Art zugeschriebenen Eigenschaften im Moment X auch wirklich in vollem Umfang besitzen. Tierrechtler schließen von den wenigen bekannten normalen erwachsenen Exemplaren auf alle. Sie schließen nicht vom Ausnahmefall auf den Normalfall, sondern umgekehrt. Und genau das tut man auch, wenn man sagt, dass Menschen zu praktischer Vernunft und Moral fähig sind.

Es bietet sich als Ausweg an, den Artbegriff als solchen zu verwerfen und zu behaupten, dass es nur Individuen oder Gene gebe oder ähnliches. Dann muss man ihn aber auch ganz verwerfen und darf nicht nur den Begriff »Mensch« als »speziesistisch« kritisieren, sondern auch beispielsweise den Begriff »Nacktmull«. Dann tappt man allerdings in die Reduktionismusfalle. Die Tierrechtler müssten sich zum Beispiel fragen lassen, warum sie denn Tiere noch von Pflanzen abgrenzen. Dies könnte man analog als »Regumismus« kritisieren – als Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem taxonomischen Reich. Schließlich gibt es auch hier Übergänge und Lebewesen, bei denen eine Zuordnung schwerfällt.

Viel Lärm um nichts
Menschen unterscheiden sich qualitativ von anderen Lebewesen. Sie haben eine spezifische Art des Denkens und Bewusstseins. Der Unterschied ist nicht einfach, dass Menschen über ein Mehr an Intelligenz verfügen, wie Singer unterstellt. Selbst wenn die qualitativen Differenzen aus einer bloßen Steigerung hervorgegangen wären, änderte dies nichts.  Wasser geht ab einer bestimmten Temperatur vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand über. Es ist nicht sinnvoll, diesen qualitativen Unterschied mit dem Hinweis zu leugnen, dass er auf einer Steigerung der Temperatur beruht. Die Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Tieren sind zu gering, um beide auf Basis eines gemeinsamen Nenners rechtlich gleichzustellen.

In der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen ist davon die Rede, Menschen seien mit Moral und Gewissen »begabt«. Was bedeutet »Begabung«? Wenn jemand zum Geigenspiel begabt ist, wird niemand verlangen, dass er auf Anhieb spielen kann wie Paganini. Er bringt nur die Voraussetzungen mit, die Kunst des Geigenspiels zu erlernen, anstatt das Instrument bis ans Ende seiner Tage zu traktieren und damit die Zuhörer zu quälen. Ein Schimpanse ist für das Violinspiel gänzlich unbegabt. Er wird auch nach Jahren keine noch so einfache Etüde spielen können.

Menschen sind in diesem Sinne zu Vernunft und Moral begabt. Kinder lernen, vernünftig zu handeln und selbstbestimmte Menschen zu werden. Ein erwachsenes Pferd oder ein anderes Tier ist in keiner Weise vernünftiger als ein menschlicher Säugling. Das Pferd ist gänzlich unbegabt, das Baby hingegen nicht. Kinder fangen sehr früh an, primitive physikalische oder psychologische Theorien aufzustellen und wieder zu verwerfen. Untersuchungen des Psychologen Andrew Meltzoff zeigen, dass sie dies von Geburt an tun. Meltzoff ist der Ansicht, dass schon Babys wie kleine Wissenschaftler agieren.

Da die Rationalität des Menschen sich qualitativ von den geistigen Fähigkeiten der Tiere unterscheidet, haben Menschen auch als einzige Spezies die Fähigkeit, moralisch zu handeln. Sie können nicht nur passiv von moralischen Regeln und juristischen Gesetzen profitieren, sondern diese selbst schaffen und aus Einsicht befolgen. Sie geben sich die Gesetze ihres Handelns selbst, weil sie die Wahl haben.

Vernunft- und damit Moralfähigkeit sind die prinzipielle Gründe, warum man Lebewesen Rechte zuspricht. Die Spezies Homo sapiens dient als pragmatisches Abgrenzungskriterium. Klarere Grenzen können auch Tierrechter nicht ziehen. Im Gegenteil. Ihre Forderungen sind gegenstandslos und gefährlich.

*Auf die Unterscheidung von Tierrechtler (Regan) und Tierbefreier (Singer) verzichte ich hier der Einfachheit halber.

Tiere sind eben so bürtig wie wir

Jens Tuider – ein im Uni-Gewächshaus herangezüchtetes Tierrechtler-Pflänzchen – hat eine eigene Seite: Tierrechte. Einfach gute Argumente.

Er geht als Tierrechtler »davon aus, dass es keinen grundlegenden Unterschied zwischen Menschen und Tieren gibt, sondern dass Tiere uns moralisch ebenbürtig sind.«

Es gibt auch keinen grundlegenden Unterschied zwischen Tuider und einem Tofublock, denn beide bestehen hauptsächlich aus Wasser. Daher ist der Tofu dem Tuider moralisch ebenbürtig – oder gar überlegen, weil mehr Wasser drin. Tuider macht ihm folgerichtig auch Vorwürfe, wenn er sich an selbigem verschluckt. Oder nicht?

Meint Tuider, dass Tiere (welche?) »genauso moralisch« sind wie Menschen? Nein, das meint er nicht. Er meint, dass Tiere die gleichen grundlegenden Grundrechte wie Menschen haben sollen, kann es aber nicht so recht ausdrücken.

Wer jedoch verlangt, dass Menschen Tiere Rechte zusprechen, muss logischerweise davon ausgehen, dass Tiere Menschen moralisch nicht ebenbürtig sind, sofern er Tiere »grundlegend« von jeder moralischen und rechtlichen Pflicht entbindet.

Wären Tiere Menschen tatsächlich moralisch ebenbürtig, wären sie im Normalfall voll zurechnungsfähig, müssten Recht und Gesetz beachten sowie Handeln und Gedanken bei sich und bei anderen anhand von moralischen Normen beurteilen können. Dann gäbe es zum Beispiel Kakerlaken oder Zecken oder Nacktmulle auf Ethik-Lehrstühlen.

Affen gibt es dort ja schon eine ganze Reihe. Und es werden immer mehr.

Die Gefühle haben Schweigepflicht

 

Die Tiere könnten ja eben die Saiteninstrumente, die Pflanzen die Flöteninstrumente der Empfindung sein.

Gustav Theodor Fechner

 

Stumpfe Pflanzen?
Ich habe soeben ein neueres Buch der renommierten Tierethikerin Ursula Wolf erstanden (2012). Ich schlage es mittendrin auf und lese in einer Fußnote: »Die angeblichen Belege für das Fühlen von Pflanzen können inzwischen als widerlegt gelten.« Als einzigen Beleg für diese Behauptung weist Frau Wolf auf ein Werk der Biologin Marian Stamp Dawkins aus dem Jahre 1982 (!) hin. Was bedeutet hier also »inzwischen«? Dass Frau Wolf sich seit 1982 nicht mehr mit dem Thema befasst hat? Jedenfalls ist inzwischen die Pflanzenneurobiologie groß in Mode. Urvater: Charles Darwin.

So widerlegt, wie Frau Wolf meint, scheint die von ihr kritisierte Auffassung wohl nicht zu sein. Im Gegenteil. Die Vorstellung, dass ohne Nerven keine Empfindung sei, ist nichts als ein Dogma, das von Aristoteles, Stoa, Scholastik übernommen und in neurophysiologische Terminologie gebracht wurde: Pflanzen seien demnach keine „richtigen“ Lebewesen, weil sie keine Sinne bzw. kein Herz hätten.

Die zitierte Marian Dawkins betont übrigens in ihren Werken ausdrücklich, dass Hierarchisierungen nach Leidensfähigkeit oder Grenzziehungen zwischen höheren und niederen Tieren auf der Basis empirischer Daten unmöglich ist. 


 
Obwohl Tierethiker auf Kritik oft wie Mimosen reagieren, 
 wollen sie nicht glauben, dass Pflanzen Gefühle haben. 

Zarte Pflänzchen
»Nein. Pflanzen sind viel empfindungsfähiger als wir und besitzen neben unseren mindestens fünfzehn weitere Sinne,« schreibt der italienische Pflanzenphysiologe Stefano Mancuso in seinem Werk »Die Intelligenz der Pflanzen« (2015). 
Dass Pflanzen nichts fühlen können, weil sie keine Nerven und Muskeln haben, ist eine neurozentrische und damit anthropozentrische Vorstellung, welche Tierethikern nicht gestattet ist, die sich ständig über den Anthropozentrismus und »Speziesismus« anderer mokieren. Wenn es um Pflanzen geht, fallen Tierethiker regelmäßig in die Grube, die sie anderen graben – genau genommen fallen sie schon bei den wirbellosen Tieren in diese Grube.

Die Empfindungsfähigkeit wird an das Zentrale Nervensystem nur zu dem Zweck gebunden, fast alle Lebewesen aus der angeblich antispeziesistischen Ethik auszuschließen. Das geht so: Moralisch berücksichtigen muss man nur, was Interessen hat. Interessen hat nur, was empfinden kann. Empfinden kann nur, was ein Zentrales Nervensystem hat. Fertig. Alle anderen müssen leider in die Röhre gucken.

Wer Gefühle hat, bestimmen wir!
Diese Ethik nennt sich selber hochtrabend Sentientismus. Die Sensibilität der betreffenden Ethiker macht aber vor den eigenen Widersprüchen konsequent halt. Man leugnet einerseits mit großem Pathos die Kluft, die den Menschen qua praktischer Vernunft von allen anderen Lebewesen trennt. Es gebe nämlich nur graduelle Unterschiede zwischen den Lebewesen. Zugleich postuliert man selber eine solche Kluft, einen scharfen Schnitt zwischen Lebewesen mit Zentralem Nervensystem und Lebewesen ohne ein solches. Die einen haben Empfindungen, die anderen haben keine. Töpfchen, Kröpfchen.

Etwa 95 % aller Tierarten fallen als „niedere Tiere“ ebenso heraus wie alle Pflanzen und Pilze. Das alles nur, weil sie eine kontingente Eigenschaft nicht aufweisen – den Besitz eines Zentralen Nervensystems. Entscheidend für die Empfindungsfähigkeit ist aber nicht, ob ein Lebewesen Nerven hat, sondern ob es Strukturen besitzt, welche eine analoge Funktion übernehmen.

Das ist bei Wirbellosen und Pflanzen zweifellos der Fall. Vor hundert Jahren glaubte man nicht, dass Pflanzen Hormone produzieren können. Man wurde eines Besseren belehrt. Die Ethiker, welche sich um ihres moralischen Klapperatismus willen taub und blind stellen, werden ebenfalls eines Besseren belehrt werden. Selbst Einzeller setzen Stressmarker. Je feiner die Messmethoden, desto enger wird es für den Sentientismus.

Mancuso: »Überraschenderweise ähneln die heutigen Argumente häufig denen der Antike. Sie gründen weniger auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als vielmehr auf dem ‚gesunden Menschenverstand‘ und zahllosen Vorurteilen, die unsere Kultur seit Jahrtausenden prägen«. Alles fühlt, meint der Biologe und Philosoph Andreas Weber: »Für die kleinste Zelle wie für den Menschen gilt: Es gibt kein Leben ohne Gefühle.«

Evolutionärer Unsinn
Geradezu rührend ist die allgemein unter Tierethikern beliebte Behauptung, Schmerz oder eine analoge Empfindung würde bei Pflanzen keinen „evolutionären Sinn“ haben, da letztere nicht zum Ortswechsel fähig seien. Das Argument stammt – ohne den Rekurs auf Evolution – ebenfalls von Aristoteles, der meinte Schmerz habe bei Pflanzen keinen „Zweck“.

Evolution hat bekanntlich generell keinen Sinn. Pflanzen könnten also ganz ohne Sinn und Zweck schmerzempfindlich sein. Dass die Evolution alles Nutzlose heraussiebe, muss ja nicht stimmen. Schließlich hat die Evolution selbst Tierethiker und Veganer verschont. Es könnte ferner eine bisher unbekannte Funktion geben, die schmerzanaloge Empfindungen sinnvoll erscheinen ließe.

Fest steht, dass Pflanzen starke aversive Reaktionen zeigen, wenn sie angeknabbert werden, sie verwenden Strategien der Abwehr wie die Tiere. Sie senden elektrische Impulse an die Wurzeln etc. Sie scheinen also etwas gegen ihre Malträtierung zu haben – ganz genau wie die Wirbellosen.

Wer behaupten will, dass Wirbellose keinen Schmerz empfinden, sollte tunlichst nicht Pflanzen mit dem Argument ausschließen, dass sie zum Ortswechsel unfähig seien. Denn die meisten Wirbellosen sind zum Ortswechsel fähig. Sie fliehen behände, sobald sie sich in Gefahr wähnen. Mit diesem Argument läge es also sehr nahe, ihnen auch Schmerzempfinden zuzuschreiben.

Bei irgend einem Schlaumeier habe ich sogar gelesen, Insekten und Krabbeltiere lebten nur kurz, daher lohne sich der Schmerz bei ihnen sozusagen nicht. Das erreichbare Lebensalter entscheidet? Manche Spinnen und Insektenköniginnen können über zwanzig Jahre Jahre alt werden, Ratten nur zwei. Sind Ratten deswegen vielleicht nur ein Zehntel so schmerzempfindlich wie Ameisenköniginnen? Grönlandwale schaffen über 200, Grönlandhaie 500 Jahre. Es gibt Schwämme, die 10.000 Jahre alt werden. Manche Polypen sind sogar unsterblich. Der älteste Baum ist übrigens 9550 Jahre alt. Wo soll da der Zusammenhang sein, zumal Dauer auch noch relativ ist? Was uns lang oder kurz erscheint, besagt doch nichts über den „evolutionären Sinn“ des Schmerzes!

Wenn schon, denn schon!
Mitgefangen, mitgehangen. Die einzig kohärente Position wäre, alle Lebewesen als moralisch gleichwertig zu betrachten, wenn man nicht anthropozentrisch sein will. Das Unangenehme an dieser Position ist allerdings, dass sie ethisch ins Absurde führt. Aber diese Absurdität muss man – wie Albert Schweitzer – dann eben aushalten und sich konsequenterweise vom rationalen Diskurs verabschieden. 

Absurd ist diese Ethik unter anderem deshalb, weil sie das Subjekt ohne Not in ein unauflösliches Dilemma führt. Haben auch Pflanzen Empfindungen, ist es moralisch problematisch, sie zu verzehren. Wenn wir nicht verhungern wollen, müssen wir also dauernd unmoralisch handeln. Eine Moral aber, die verlangt, was wir nur um den Preis unserer Selbstaufgabe leisten könnten; die das Verhungern als ideale moralische Handlung ansehen muss, taugt nichts. Anstatt nun den ethischen Ansatz wegen Idiotie zu verwerfen, steigern sich namentlich die Veganer ausgiebig in ihn hinein.

Vegane Verrenkungen
Das Pflanzenargument ist gegen Veganer schlagend, zumal, wenn diese aus der Empfindungsfähigkeit von Lebewesen Rechte ableiten. Sind Pflanzen empfindungsfähig, begeht man ständiges Unrecht an ihnen, wenn man sie nutzt. Was sollen beliebige Rechte, wenn sie nicht vom Recht auf Leben gestützt werden? Haben Pflanzen ein Recht auf Leben, begehen Veganer wie Nichtveganer täglich tausend Morde. Ein offenkundiger Nonsens. Wer aufgrund der Empfindungsfähigkeit von Tieren deren Befreiung fordert, muss aus demselben Grund ebenfalls die Befreiung der Pflanzen fordern.

Selbst wenn man nicht mit Rechten, sondern mit der gleichen Berücksichtigung von Interessen argumentiert, wie etwa Peter Singer, kommt man in die ethische Bredouille. Dann steht das Interesse des Baumes gleichberechtigt neben dem Interesse der Ranke, die ihn langsam tötet, und gleichberechtigt neben dem Interesse des Trappers, der eine Hütte bauen will und Brennholz braucht. Da kann man die Interessen abwägen, bis man schwarz wird.

Aus der Not versucht man sich zu befreien, indem man eine Hierarchisierung der Lebewesen vornimmt, die aber – siehe oben – rettungslos anthropozentrisch und speziesitisch ist. Singer meint: „Pflanzen haben kein zentral organisiertes Nervensystem wie wir.“ Weil Pflanzen nicht sind wie wir, zählen sie nicht. Nein, wir sind gar nicht anthropozentrisch, aber nicht doch!

Als letztes Mittel wird folgendes Scheinargument verwendet: Selbst wenn Pflanzen empfindungsfähig sein sollten, sind sie dies 1. wahrscheinlich schwächer als Tiere und Menschen. Außerdem würden ja 2. bei allgemein praktiziertem Veganismus viel weniger Pflanzen genutzt, weil der Umweg über die tierische Veredelung wegfiele. Es würde also 3. auf jeden Fall weniger Leid entstehen, Veganismus sei moralisch geboten.

1. Dass eine Pflanze irgend etwas subjektiv schwächer empfindet, sofern sie denn etwas empfindet, weiß kein Mensch. Darüber lässt sich keine Aussage treffen.

2. Dass bei allgemeinem Veganismus weniger Pflanzen verbraucht werden würden, ist graue Theorie. Wahrscheinlicher ist, dass man viele Planeten zusätzlich brauchen würde, um dort die Pflanzen für den Kompost anzubauen, der zur Düngung notwendig wäre. Bevor diese Planeten entdeckt wären, wären hienieden fast alle Menschen verhungert. Dann würden tatsächlich weniger Pflanzen getötet. Schöne Aussichten!

3. Der Philosoph Hans Werner Ingensiep antwortet in seinem Buch Geschichte der Pflanzenseele darauf folgendermaßen: Man kann sich durchaus vorstellen, das Vieh nur synthetisch, ohne Rückgriff auf pflanzliche Kost zu ernähren. Unter diesen Umständen wäre plötzlich der Fleischkonsum moralisch geboten und der Pflanzenkonsum moralisch verwerflich, „weil Vegetarier (oder Bücherleser) dann – auf die Zahl und das Gewicht der Individuen bezogen – wesentlich mehr Leid in die Welt brächten als Fleischesser.“ 

Fazit

Es bleibt schwierig, vor allem für Tierethiker.

 

 

Liebe Künstlergruppe »Dies irae«

Durch Ihre jüngste Aktion, bei der Sie an Bushaltestellen Werbeplakate heimlich durch Ihre eigenen ersetzt haben, sind wir auf Sie aufmerksam geworden. Zu den Bildern von unvorteilhaft aussehenden Schweinen haben Sie folgenden Text formuliert:

Tierschutz à la CDU. Die CDU setzt sich dafür ein, dass diese Zustände legal bleiben.

Wir möchten uns herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns in Fragen des Tierschutzes unterstützen. Denn mit Ihrer pfiffigen Aktion tragen Sie erheblich dazu bei, die Menschen für Tierschutzbelange zu sensibilisieren. Dies ist ganz in unserem Sinne. Dass Tiere sich verletzen und krank werden können, wissen leider immer weniger Bürger. Ebenfalls gerät immer mehr in Vergessenheit, dass Verletzungen und Krankheiten sehr übel aussehen können – zumal, wenn sie in ungünstigem Licht aufgenommen wurden. Ihre Plakate helfen, diesen alten Wissensschatz zu heben und der jungen Generation weiterzugeben.

Bedanken möchten wir uns auch für Ihre ausdrückliche Würdigung, dass wir die Legalität der gezeigten Zustände sicherstellen möchten. In der Tat sind wir im Einklang mit dem Tierschutzgesetz entschieden der Ansicht, dass kranke oder verletzte Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden dürfen, sondern einen Anspruch auf medizinische Versorgung auch dann haben, wenn letztere keine wundersame Spontanheilung bewirkt, als hätte Jesus persönlich seine Hand aufgelegt. Wir sind überdies der Meinung, dass Tiere nicht gleich abgeschafft werden sollten, weil sie krank werden oder einander verletzen können.

Liebe Künstlergruppe! Wir sind sehr interessiert an kreativem Input von außen und würden uns freuen, wenn wir in Zukunft eng mit Ihnen zusammenarbeiten dürften. Es wäre ganz wunderbar, wenn Sie uns bei der Konzeption, Produktion und Verbreitung ähnlich aufklärerischer Kampagnen helfen könnten. Denn es gibt bis zum Jüngsten Tag noch viel zu tun!

Wir stellen uns folgende Plakataktionen vor:

1. Schlimme Fotos aus dem Pschyrembel mit der Zeile: »Skandal! Menschenrechtler setzen sich dafür ein, dass diese Zustände legal bleiben!«

2. Schlimme Fotos von Wolfsrissen: Lämmer, Fohlen, Kälber entweder skelettiert oder mit herausquellendem Gedärm.

Artgemäß ist nur die Freiheit!

Dazu die Zeile: »Naturschützer setzen sich dafür ein, dass diese Zustände Normalität werden!«

Appetit auf ein leckeres Lammsteak? Zu spät!

3. Schlimme Fotos von Gnadenhöfen, Lebenshöfen oder aus der Heimtierhaltung könnten das Bild abrunden und zur umfassenden Tierschutz-Bildung der Bevölkerung beitragen. Vielleicht schauen Sie sich einfach mal heimlich auf dem Hof Butenland oder bei Hilal Sezgin um. Wenn Sie dort wider Erwarten nichts Geeignetes finden, nehmen Sie einfach andere Bilder von irgendwo. Es interessiert niemanden, wo die Bilder wirklich gemacht worden sind. Hauptsache schön schrecklich! Aber das brauchen wir Ihnen ja nicht zu sagen. 

Das sind nur erste Ideen unsererseits. Wir sind sicher, das Ihnen noch viel kreativere Lösungen einfallen. Fotografieren Sie sich doch mal gegenseitig nach einer durchzechten Siegesfeier wider die „Tierausbeuter“! Da sehen Sie bestimmt auch ganz schön elend aus. Dann schreiben Sie dazu: Unendliches Leid – apokalyptische Zustände bei(m) Dies irae! und plakatieren das in ganz Deutschland. Gewiss wird die Mehrheit der Betrachter aus Mitleid für Ihre Abschaffung plädieren.

Wie wäre es? Möchten Sie uns unterstützen? Es soll Ihr finanzieller Schaden nicht sein. Und niemand braucht zu erfahren, dass das Geld von uns stammt. Wir übernehmen im Falle des Falles auch gerne die Anwalts- und Prozesskosten gegen die Wall-AG.

Bitte melden Sie sich! Wir freuen uns auf Sie!

Herzlichst

Ihre CDU