Nahrungsmittel müssen unerschwinglich werden!

Die letzten Lebensmittel-Skandale (Einlagen in Suppen, Einwaagen in Dosen, Einparken in Lücken) haben gezeigt, dass mit unserem Kaufverhalten etwas nicht stimmt. Wir kaufen Lebensmittel, um zu essen, zu trinken. Wir wollen möglichst preiswerte Lebensmittel, ohne an die Konsequenzen zu denken. Das schadet dem Klima, ist ethisch unvereinbar. Und alles nur, weil wir uns weigern anzuerkennen, dass Nahrung ein Luxusgut ist. Wer die einfachen Menschen in den Slums und Elendsregionen dieser Welt besucht, der weiß, wie wertvoll ein schimmeliges Stück Brot sein kann. Was in unserer Gesellschaft fehlt, sind Missernten und Hungerödeme. Wir als Verbraucher haben es in der Hand. Es wird höchste Zeit!

 

Alle anfassen zum Anpassen

Aufgemerkt nun also! Wer hat wieder die Klimaanpassungsschule geschwänzt? Dann aber hurtig hurtig in die “Kick-off-Veranstaltung”, denn das “Deutsche Anpassungsprogramm” duldet keinerlei Aufschub! Der “Aktionsplan Anpassung” muss unverzüglich und ohne Rücksicht durchgeführt werden. Wir marschieren als Eichenprozessionsspinner gen Osten, und wenn wir in Sibirien ankommen, gibt es dort aufgrund des Klimawandels keine Winter mehr.

Vorher müssen aber noch einige brennende Fragen der Klima-Bewegung gepaukt werden, z. B. “Was sind die Maßnahmen gegenüber starker Sonneneinstrahlung und hoher Pollenbelastung?” Man antworte jetzt aber nicht: drinbleiben, Fenster schließen oder so etwas. Die Lage ist nämlich ernst. Durch den Klimawandel hat sich unser aller Blick in die Sonne so sehr getrübt, dass wir wahrscheinlich im Jahre 2350 alle blind sein werden, sofern wir nicht schon tot sind.

Wenn wir also irgendwo ein Extremwetter sichten, müssen wir umgehend unsere Ernährung anpassen und auf extremes Würzen verzichten, weil sonst unsere Eier hartgekocht werden könnten, also im Jahr 2450 wahrscheinlich. Deswegen müssen wir uns schon jetzt anpassen. Wer sich zuerst anpasst, stirbt zuletzt – das könnt ihr euch schon einmal mit euren Füllfederhaltern notieren. Früh übt es sich im Frühtau zu Berghe von Trips!

Die Erderwärmung macht unterdessen eine kleine Pause, wie Professor Latif mitteilt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Menopause. Also Vorsicht bei den Hitzewellen.

Euer
Ulf
(Kinderklimawandler)

Hinweis: Bei der Klimaanpassungsschule handelt es sich weder um einen Karnevalsverein noch um einen Karnevals-Scherz. Vielmehr wird schon bald eine Klimaanpassungsschulpflicht eingeführt.

Der Vergleich hinkt wie Goebbels

Man hat die politischen Morde zwischen 1919 und 1922 in Deutschland auf gut 376 geschätzt; die Rechten begingen 354 und die Linken 22 dieser Morde. Doch trotz dieses Ungleichgewichts betrugen die gegen Rechte ausgeworfenen Gefängnisstrafen insgesamt 90 Jahre und 2 Monate und die gegen die Linke 248 Jahre, 9 Monate und 10 Hinrichungen. Die Richter der neuen Republik bevorzugten eindeutig die Rechten (…).

(George L. Mosse, Die Geschichte des Rassismus in Europa, Frankfurt am Main 1990, S.217)

Zum Glück leben wir ja heute in einem Saat, wo nicht die Rechten, sondern das Recht herrscht. Die Behörden sind hierzulande derart rechtschaffen, dass sie die Zwickauer Terrorzelle noch immer für eine Volksmusik-Gruppe und die NSU korrekterweise für ein Motorenwerk halten. Wer Zschäpe und Mundlos heißt, ich mein hallo, der geht ja wohl gar nicht! “Gysi” hört sich in den Ohren mancher Ermittlungsbeamter schon eher nach Schlitzohr und Dreck am Stecken an. Weitermachen! Wegtreten!

 

Perfektes Timing

Pünktlich zur Eröffnung meines WordPress-Weblogs fehlen mir die Worte. Um eine solche Punktlandung zu schaffen, bedurfte es der gemeinsamen Anstrengung aller vorhandenen geistigen Kräfte. Zwar konnten diese nicht gebündelt werden, sondern wirkten in verschiedene Richtungen. Aber immerhin sind sie vorhanden.
Wann sie wieder auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten werden, entnehmen Sie bitte Ihrem Faltblatt. Noch hapert es vor allem beim Brandschutz.

Lesen Sie daher zunächst zwei ältere Beiträge aus meinem alten Weblog. Wir informieren Sie rechtzeitig über Anschlüsse.
Herzlichst

Ihre Gedankenweberei

Wer wird de Handetasche?

Die Casting-Shows der Privatsender haben immerhin eines für sich: Jeder halbwegs Zurechnungsfähige weiß, dass es dabei um alles Mögliche geht, nur nicht um das Wohl der Kandidaten. Diese wiederum sind dumm oder fehlgeleitet genug, sich öffentlich das Fell über die Ohren ziehen zu lassen, weil man ihnen etwas von einer “großen Karrierechance” erzählt hat. Die Gewinner freuen sich über ihre Knebelverträge und verschwinden – bis auf wenige Ausnahmen – spätestens nach ein, zwei Jahren wieder in der Versenkung.

Casting-Shows sind derart bildungs- kunst- und ästhetikfern, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Kulturfernsehens auf die gloriose Idee kamen, ihren Bildungsauftrag mit Hilfe solcher Formate ad absurdum zu führen. Im Bereich der klassischen Musik, namentlich der Oper, kommt das Fernsehen ohnehin nicht mehr ohne Blödelei aus. Man traut dem heutigen Publikum nicht zu, einem klassischen Werk konzentriert zu folgen, und deshalb muss das Werk von vornherein depotenziert und als “Event” dargeboten werden. Ohne kulturindustrielle Knallchargen, die zum “Näherbringen” engagiert werden, geht anscheinend gar nichts mehr. Adornos Satz “Musik im Fernsehen ist Brimborium” wird von den verantwortlichen Kulturredakteuren heute offensichtlich nicht mehr als Kritik, sondern als Aufforderung verstanden, solange keine Ruhe zu geben, bis der Kretinismus der Privatsender endgültig unterboten ist.

Der Sender Arte darf sich rühmen, diesem Ziel einen guten Schritt nähergekommen zu sein: In einer siebenteiligen Casting-Show mit dem Titel Open Opera wird die B-Besetzung der diesjährigen Seefestspiele Wannsee ausgewählt. Irgend jemand aus dem Sender konnte den Programmverantwortlichen einreden, dass – frei nach Loriot – die Verbindung von klassischer Musik mit dem Castingshow-Gedanken unter Einbeziehung der Seefestspiele ein großer Coup zur Gewinnung ferner Schichten sei.

Im Gegensatz zu den über 30 000 Bewerbern von “DSDS” mussten die Bewerber für “Open Opera” mühsam aus allen Winkeln der Welt zusammengekratzt werden. Nicht einmal 500 Gestalten ließen sich überreden; eine Handvoll von ihnen wurde, nach welchen Kriterien auch immer, ausgewählt. Es kann ja wirklich nur die pure Verzweiflung, Verblendung oder Unbedarftheit sein, die jemanden dazu verleitet, bei einem derartigen Grotten-Trash mitzuwirken. Von einem millionenschweren Plattenvertrag, wie ihn seinerzeit die pseudotenorale Witzfigur Paul Potts unterzeichnet hatte, können die Kandidaten bei “Open Opera” jedenfalls nur träumen. Sie geraten schon ins Schwärmen, weil das kalte Büffet beim Empfang nichts kostet. Ob sie außer einer “großen Karrierechance”, billigem Sekt und trockenen Brötchen sonstige Vergütungen erhalten, bleibt im Dunkeln. Wahrscheinlich müssen sie das Geld selber mitbringen. In unseriösen Stellenanzeigen heißt es schließlich auch immer: “Große Karrierechance – bis zu 5000 Euro monatlich verdienen.” Zuvor muss man aber gegen eine Gebühr von 1000 Euro eine sinnlose Schulung mitmachen, die zu nichts qualifiziert, und steht danach wieder auf der Straße.

Etwas vergleichbar Sinnloses veranstaltet die dreiköpfige Jury bei Open Opera. Sie befindet sich in einem unterakustischen Raum im Berliner Radialsystem. Die Kandidaten tragen Headset-Mikrophone und wirken wie die Probanden in einem Experiment von Dr. Seltsam. Regisseur und Dirigent lassen sich nicht blicken. Insgesamt ein durchaus merkwürdiges Setting. Ist man vielleicht doch bei “Verstehen Sie Spaß” gelandet? Dafür spricht, dass die Teilnehmer am ersten Tag einen Popsong zum Besten geben müssen, obwohl sie das nicht im mindesten für die vier Hauptpartien der Oper “Carmen” qualifiziert. Alles Verarschung? Ja.

Wer sich fragt, warum man für eine Zweitbesetzung ein aufwendiges öffentliches Casting veranstaltet, während die Erstbesetzung im stillen Kämmerlein ermittelt wurde, befindet sich auf der richtigen Spur. Die Antwort ist simpel: weil es bei dieser Veranstaltung überhaupt nicht um die Sänger geht! Es kräht nämlich tatsächlich kein Hahn danach, wer hinterher auf der Bühne herumkräht, denn die wirklichen Stars von Open Opera sind die Mitglieder der Jury. Man hat sogar ein Bruce-Darnell-Double namens David Lee Brewer aufgetrieben. Er sagt statt “De Handetasche” lieber “de Undekiefer” oder “Du hasde eine schööne Kööper”. Ein Bassbariton aus Bayern (Franz Hawlata) sitzt großkariert auf der Couch und macht insgesamt keinen besonders hellen Eindruck – ganz im Gegensatz zur blonden Haarpracht des weiblichen Jury-Mitglieds: Die Sopranistin Annick Massis hat zwar die strenge Aura einer Chefsekretärin, ist aber als Casting-Domina ein Totalausfall.
Die drei Koryphäen geben wertvolle Tipps für “de Undekiefer” oder “de Kehlkopf” und sind mit beeindruckender Konsequenz von den schlechtesten Sängern am meisten begeistert. David Lee Brewer nennt manche von ihnen “genial”, aber wohl nur wegen de schööne Kööper, und kann sein Desinteresse an weiblichen Kandidaten kaum verbergen. Franz Hawlata findet alles toll und scheint nicht so recht zu wissen, wo er sich befindet. Frau Massis … nun ja, ist auch anwesend.

In einer Folge gibt sich Kammersänger Bernd Weikl die Ehre und klärt die Escamillo-Anwärter darüber auf, dass man in der Oper nicht wie ein Breitmaulfrosch, sondern wie ein Karpfen singen müsse. Er selbst hatte in seiner langen Karriere ausreichend Gelegenheit, wie ein Karpfen zu singen -, warum sollten junge Leute von dieser Kunst nicht profitieren? Die Teilnehmer sind nach der ichthyologischen Unterweisung hochmotiviert und schreien wie vom Killer-Karpfen gebissen.

Da die Gewinner vorwiegend nach fischwirtschaftlichen Kriterien ermittelt werden, ist es kein Wunder, dass die erwählten “Stimmen von Morgen” leider überhaupt nicht für die entsprechenden Partien geeignet sind. Die Inszenierung läuft ja bereits mit A- und B-Besetzung, während das Casting noch im Fernsehen gezeigt wird. Wo bleibt denn da die Spannung? Typisch Arte!

Als naiver Betrachter fragt man sich vollkommen zu recht, was dieser ganze Zinnober eigentlich soll. Wem bringt das was? Antwort: Niemandem*. Leute, die gerne Casting-Shows ansehen, halten sich lieber an die prolligen Originale, wo einem nicht schon vorher verraten wird, wer als Sieger feststeht; Sänger, die auf eine große Chance hoffen, bekommen nach dem Ende der Seefestspiele wahrscheinlich nicht einmal einen feuchten Händedruck; Annick Massis, Franz Hawlata und David Lee Brewer werden nach dem Casting vielleicht etwas reicher, aber nicht populärer sein als vorher, denn Arte hat sich beim Schielen nach Quote gehörig verschielt. Das lässt immerhin hoffen: Dieser als “Kultur” daherkommende Scheiß schlägt noch den bräsigsten Zuschauer in die Flucht.

Und wir sehen betroffen – die Oper tot und alle Ärsche offen!

* Wenn man einmal von dem wirklichen Zweck absieht, dem Veranstalter, der Casting-Agentur und ein paar anderen Figuren die Taschen zu füllen.

Generation Kackbratze

Blas’ dich nicht auf, sonst bringet dich/zum Platzen schon ein kleiner Stich.

(Friedrich Nietzsche)

Nichts gibt so sehr das Gefühl von Unendlichkeit wie der stetige Nachschub an Selbstbestätigungsliteratur für Frauen.
Naiverweise könnte man vermuten, dass dieser Markt irgendwann gesättigt sei, so wie etwa bei Staubsaugern oder Rasierapparaten, wo sich die Konzerne immer wahnwitzigere technische Spielereien ausdenken müssen, damit überhaupt noch jemand ein neues Gerät kauft. Aber in jener Literatursparte wird seit Jahr und Tag dieselbe Platte aufgelegt; “Ich bin toll und begehrenswert” läuft dort ohne nennenswerte Modifikation in Endlosschleife, und die Leserinnen reagieren wie Pawlowsche Hündinnen mit erhöhtem Speichelfluss in Erwartung eines Leckerlis.
Naiverweise könnte man darüber spekulieren, wie es um das behauptete Selbstbewusstsein von Autorinnen und Leserinnen bestellt sein muss, die es in jeder Sekunde wie Marktschreierinnen herausbrüllen müssen, dass ihnen die Schlagadern aus dem Kopf zu springen drohen.
Naiverweise könnte man weiter fragen, warum man Menschen, die ein derart zwanghaftes Selbstlob anstimmen, sympathisch finden oder gar lieben soll.
Noch naiver mag derjenige denken, der davon ausgeht, dass eine Frau, die ein halbwegs funktionierndes Selbstbewusstsein hat, sich derlei peinliche Beweihräucherung verbitten würde.

Wer so naiv denkt, hat einfach nichts begriffen von dem alles beherrschenden Bedürfnis jener Frauen: dem Bedürfnis nach ständiger Bestätigung ihres eigenen Narzissmus’ durch andere. Da dieses narzisstische Bedürfnis per se maßlos und niemals zu befriedigen ist, gibt es im erwähnten Segment auch keinerlei Sättigung des Marktes. Im Hinblick auf den Verkaufserfolg erweist es sich als sehr günstig, dass literarische Originalität in diesem Genre vollkommen entbehrlich, ja sogar störend ist. Da sich die Zielgruppe auf dem Reflexniveau von Lurchen befindet und immer nur “bestätige mich, bestätige mich” ruft, würde eine differenzierte oder gar doppelbödige Darstellungsweise die Kundschaft nur verunsichern und zu starken Umsatzeinbußen führen.

Der in jenen Werken zum Vorschein kommende Ungeist ist das strikte Gegenteil von Emanzipation, vielmehr der zeitgemäße Ausdruck der Unterwerfung unter das Patriarchat. Denn ein solch ostentativer Kackbratzen-Feminismus für Sachbearbeiterinnen bestätigt schließlich alle patriarchalen Vorurteile über Frauen, anstatt sie in Frage zu stellen. Das dortige Aufmucken ist vergleichbar mit der Sklavenmoral von Gewerkschaftsmitgliedern, die den Oberen ständig beweisen müssen, dass sie auch was wert sind. In Wirklichkeit wollen diese Frauen sich überhaupt nicht emanzipieren; sie sind nur beleidigt, dass sie von den Männern nicht vollkommen an die Kandare genommen werden und lechzen geradezu nach Loriots “Immer hinten drauf!” Natürlich möchten sie nicht von jedem dahergelaufenen Versager erniedrigt werden. Es muss schon “Mr. Right” sein, also mindestens ein Erfolgsmensch mit Leitwolfqualitäten (= dicker Brieftasche).
Dummerweise sieht man es den Männern nicht immer gleich an, wie “erfolgreich” sie tatsächlich sind, da sie stets einen auf dicke Brieftasche machen müssen, damit jene Bratzen sich überhaupt für sie interessieren. Der Grad ihrer Enttäuschung über die Männer lässt sich daher auch auf Heller und Pfennig genau beziffern.

Solche Frauen verachten sich selbst und sind mit dem gesellschaftlichen Zwang zur Emanzipations-Laiendarstellung völlig überfordert. Ihr infantiles Liebesbedürfnis kann niemals befriedigt werden. Das ihnen gemäße Beziehungsmodell ist das der Beziehungsfalle. Sie verlangen von ihren männlichen Partnern ständige narzisstische Zufuhr; wenn sie diese tatsächlich bekommen, verachten sie ihre Partner und zeihen sie der Unlauterkeit. Wird die Zufuhr aber verweigert, hat das natürlich ebenso katastrophale Folgen. Der blanke Terror. Double Bind, Borderlinesyndrom und fragmentierte Persönlichkeit sind heute derart normal, dass als “gestört” inzwischen derjenige gilt, der ein halbwegs funktionierendes Ich hat.
Das würdelose Männerbashing, das in dieser Art Literatur betrieben wird, ist vergleichbar mit dem Neid der Billigjobber auf Hartz-Vierer und darf nicht verwechselt werden mit dem berechtigten Spott wirklich selbstbewusster Frauen über die peinliche Wichtigtuerei der Männer. Jenes Bashing hat nämlich nur die Funktion, von der eigenen Unerträglichkeit abzulenken. Die Selbstbestätigungs-Ziegen kämen mit Männern, die keine Machos und Vollidioten sind, niemals klar, weil sie dann erkennen müssten, dass ihr Bratzentum vollkommen unabhängig vom männlichen Objekt ist. Um Baruch de Spinoza ein wenig abzuwandeln: “Was Petra über Paul erzählt, sagt uns mehr über Petra als über Paul”. Denn “Petras” Narzissmus ist der “eines schwachen Selbst, das nur über die Vortäuschung der eigenen Grandiosität stabilisiert werden kann.” (Heinz Kohut)
Rührend auch diese erflunkerten, gequält selbstironischen Geschichten, in denen man z.B. von einer verschworenen Gemeinschaft patenter Freundinnen liest, die sich gegenüber der bösen Männerwelt behauptet und dabei einige Rückschläge verkraften muss. Wie unbeholfen Autorinnen dort die Fähigkeit zur Solidarität simulieren, obwohl jeder merkt, dass diese Frauenfreundschaften nur durch Neid und Missgunst zusammengehalten werden! Ja, so wären sie gerne: so, wie es immer in den großen SAT-1-Filmen zu sehen ist. Aber in Wirklichkeit sind sie strukturell zu keinerlei Solidarität fähig, schon gar nicht zu der mit den eigenen Geschlechtsgenossinnen.

Erstaunen könnte einen bei allem nur, dass diese Frauen glauben, man bemerke nicht, was sie für arme Würstchen sind. Das liegt nun wieder daran, dass es in den Intimbeziehungen einen geschlossenen Kreis der Unmündigkeit gibt, eine Art do ut des der charakerlichen Deformationen. Denn die Männer merken ja auch nicht, was sie für Hanswurste sind. Das ganze Gezeter der Frauen über die Männer et vice versa ist grundiert von einem stillschweigenden Konsens: Ich lasse dir deine Unfreiheit, wenn du mir die meine lässt. Das Beziehungspack schlägt sich und verträgt sich, ohne dass ein reflektierendes Bewusstsein dazwischenträte. Daher läuft auch alles vollkommen berechenbar stets in den gleichen Bahnen ab. Die Kulturindustrie freut sich natürlich über derart berechenbare Kundschaft und füttert sie mit dem “immer anderen Immergleichen” (Adorno). Dass nur ja keiner ausschert! Feminismus? Emanzipation? Gerne doch! Aber bitte nur, wenn der Fiskus seinen Vorteil davon hat.

Solange sich die Menschen im Geschlechterverhältnis das Leben zur Hölle machen, braucht man auf Emanzipation nicht zu hoffen.