Die 3Sat-Lena

Es ist immer rührend, wenn die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sich bemühen, „frischen Wind“ in ihr Kulturprogramm zu bringen. Dieses Bemühen ist durchaus verständlich, wenn man sich manchen Drömmelkopp ansieht, der zur Moderation in der Sparte „Kultur“ abkommandiert worden ist. Missmutig versieht er seinen Dienst, stets mit einem entschuldigenden Blick, der besagt: „Ich kann doch auch nix dafür. Ist nun mal Kultur, einer muss es doch machen.“
Noch schlimmer als solche verschnarchten Schmöcke sind die Quirligen mit kulturellem Sendungsbewusstsein: „Lesen! Basta! Zack-zack, ihr Kulturbanausen!“ Willemsen und Heidenreich quasseln dir die Birne weich.

Da kann man schon verstehen, dass die Programmchefs begeistert waren, als sie das Youtube-Video von Katrin Bauerfeind anschauten, welches ihnen der zuständige Redakteur vorspielte. Motto: Die würde aber frischen Wind in unser Programm bringen, was? Hoho. Und die kommt sogar aus dem Internet! Wie modern ist das denn?
„Sehen’s, Herr Professa, sso a siaßes, junges, unverbrauchtes und natürliches Moderatorerl könnte das junge Pubikum hervorragend an die Kultur heranbindn … äh … -führn und bindn und dos ois, ned woa?“

Daran muss ich immer denken, wenn ich die kleine, freche, schlaue Biene Katrin im Fernsehen sehe. Das ist bis jetzt so zwei-, drei-, viermal vorgekommen, und es war immer schön.
Einmal fragte sie den Tenor Juan Diego Florez etwas über dessen Gesangskunst: „Sagen Sie mal, das sieht alles so einfach aus, was Sie da machen. Ist das wirklich so einfach?“
Herr Florez antwortete freundlich, was man nicht für möglich gehalten hätte: „Nein, das ist das Ergebnis jahrelanger Übung und harter Arbeit.“ Überraschende Einblicke in das Leben eines Künstlers. Der Zuschauer dachte gewiss, Herr Florez hätte seine hohen C’s auf dem Jahrmarkt geschossen oder im Preisausschreiben gewonnen.

So jung, um noch überzeugend das Naivchen zu spielen, ist Katrin Bauerfeind nun wieder auch nicht. Sie tut’s aber trotzdem – und ist dabei so … so … voll Lena irgendwie. Jung, Schwung, Stimmung, Popkultur! (Wer war nochmal diese Lena?)
Das nächste Mal, als ich sie sah, sprach sie mit der geigenden Killer-Säge David Garrett und sagte „krass“. Sie meinte damit aber nicht das Gegoge der männlichen Vanessa Mae, sondern kommentierte auf diese Weise den Umstand, dass man, um ein Virtuose zu werden, von klein auf üben muss. Little Davids Eltern waren aus diesem Grunde sehr streng; das sei zwar ziemlich scheiße gewesen, habe aber auch irgendwie einen Sinn gehabt.
Ziemlich krass, das alles. Yo Alta! Was geht?

Die Programmchefs wird es freuen:

„Krass – das sagen die jungen Leute doch, nicht wahr, Huber?“
„Ja, i glaab scho, Herr Professa.“
„Und was sagen die noch so, die jungen Leute?“
„I waas ned.“
„Sie sind gefeuert!“
„Ah, Moment, äh … vielleicht sagen die auch … yep oder sowos …“
„Yep?“
„Yep.“