EuroTierleid mit Rike

Wenn Hilal Sezgin gerade mal unabkömmlich ist, müssen sofort Gleichgesinnte in die Bresche springen, damit der vegane Shitstorm keine Sekunde lang nachlässt. Als Ersatz steht z.B. Dr. Friederike Schmitz parat. Die Tierethikern hat bei Suhrkamp ein Buch über Tierethik herausgegeben und befasst sich in ihrer Freizeit hauptsächlich mit Tierethik. “Im Moment denke ich in Berlin über Ethik und Politik der Mensch-Tier-Beziehung nach und bin in verschiedenen Gruppen der Tierbefreiungsbewegung aktiv”, schreibt sie auf ihrer HomepageAnstatt sich also ein schönes Hobby zuzulegen und in verschiedenen Bauchtanzgruppen aktiv zu werden, hat die promovierte Philosophin anscheinend nichts anderes zu tun, als im Tierleid zu suhlen. Kein Wunder, dass sie davon einen Koller bekommt.

Neulich ist sie mit veganem Tunnelblick über das Messegelände der EuroTier gestapft und hat darüber einen langen Artikel für die Huffington Post verfasst. Darin prangert sie wortreich die vermeintlichen Foltermethoden der Tierausbeuter an. Die EuroTier hat jedoch mit Folter nichts zu tun, sondern ist laut Eigenauskunft “weltweit die Leitmesse für Tierhaltungsprofis” (wohlgemerkt: Leitmesse, nicht Leidmesse). Dort kommen Hersteller und potentielle Kunden zusammen, um sich über die neuesten technischen Entwicklungen zur Verbesserung der Nutztierhaltung auszutauschen. So weit, so unspektakulär.

Doch in den Augen von Dr. Schmitz ist dies genauso verwerflich, wie wenn sich Inquisitionsfachleute während einer Blutgerichtsbarkeitsmesse über Finessen der hochnotpeinlichen Befragung informieren. Auf ihrem Weblog hat sie daher als Mahnung das Plakat einer Firma abgelichtet, die Gummibodenbeläge für Rinderställe herstellt. Denn wisset: Wenn schwere Leiber auf gummierten Matten ruhen, ist der Tag des Jüngsten Gerichts gekommen! Wie unzählige Urlauber berichten können, gibt es kaum etwas Schlimmeres, als auf Gummimatten zu liegen und gelegentlich zum Buffet zu schlendern. Das “Leid der Milchkühe” ist also fast so groß wie die Qual der Touristen im Club Méditerranée.

Dass Kühe “im Freien bis zu 13 Kilometern zurücklegen” ist für Frau Schmitz ein Argument gegen Boxenlaufställe. Sie scheint zu glauben, Rindviecher müssten täglich für die IronCow trainieren und würden andernfalls leiden wie Marathonläufer auf Jogging-Entzug. Doch Milchviehrassen wie z. B. Holstein Fresian sind vergleichsweise faul. Auf täglich 13 Kilometer haben die garantiert keinen Bock. In freier Wildbahn legen Rinder nur deshalb so viele Kilometer zurück, weil ihnen das Fressen nicht serviert wird, sondern sie es abweiden müssen. So what? Menschen sitzen in Büros und verdrücken Burger, ohne noch selber auf die Jagd zu gehen. Ist dieser Tatbestand Anlass, von unendlichen Qualen der “Massenmenschenhaltung” zu reden? Wohl kaum. [1]

Wie allen selbsternannten Tierbefreiern dient die Schilderung vermeintlicher oder wirklicher Missstände nur dem Zweck, ihre fundamentalistische Obst- und Gemüsereligion als glückselig machende Patentlösung anzupreisen. Das kennt man ja von diversen Sekten: Um die Welt vor dem Untergang zu bewahren, müsse man unbedingt Mitglied werden oder wenigstens den “Wachturm” abonnieren. Frau Schmitz fischt in veganer Kratzbürstenmanier Leichtgläubige und wird am Ende des Artikels “grundsätzlich”:

Bemerkenswert ist, dass in all den Lehr-Materialien, Broschüren und Funktionärs-Reden der Industrie bestimmte grundsätzliche Fragen gar nicht angesprochen werden. Was gibt uns überhaupt das Recht, fühlende Individuen auf ökonomische Zwecke hin zu züchten, sie einzusperren, in ihren Grundbedürfnissen einzuschränken, sie körperlich zu verstümmeln und sie schließlich umzubringen? Schließlich brauchen wir keine Tierprodukte, um gesund und gut zu leben.

Beginnen wir mit dem letzten Satz, denn die Richtigkeit der darin getroffenen Aussage ist die Bedingung dafür, eine vegane Lebensweise als möglich und vor allem moralisch geboten erscheinen zu lassen. Hierbei stellt sich unmittelbar die Frage, warum Frau Schmitz nicht ohne Tierprodukte lebt, wenn sie es doch für so dringend erforderlich hält.

Würde sie ihre eigene Moral beherzigen, müsste ich jetzt nicht ihren Artikel kommentieren, weil sie ihn gar nicht hätte veröffentlichen können. Denn sie hat sich beim Verfassen ihres Pamphlets offensichtlich moderner Technik bedient (Computer, Internet). Alle Geräte, die mit Strom betrieben werden, enthalten Kupferdrähte. Um aber die notwendige Reinheit des Kupfers herzustellen, muss Knochenleim als Inhibitor verwendet werden. Dieser Leim findet auch in anderen Bereichen häufige Verwendung: “Wir nutzen ihn als Klebstoff für Papier, Pappe, Holz, Filz und Stoff. Ebenso benötigen wir ihn für Gummierungen und Beschichtungen in der Buchbinderei, als Vergolder- und Bildergrund, zum Leimen von Farbpigmenten”, heißt es z. B. in einem technischen Merkblatt eines Fachhandels für ökologisches Bauen.

Knochenleim wird aus Schlachtabfällen gewonnen. Bei der Kupferherstellung ist er unentbehrlich. Darüber hinaus enthalten alle Benutzeroberflächen von Computern und Handys Cholesterin, das ebenfalls aus Schlachtabfällen stammt. Wer also ohne tierische Produkte leben will, sollte konsequenterweise auf moderne Technik verzichten, keine Smartphones benutzen, sich nicht im Internet herumtreiben und vorsichtshalber keine Bücher kaufen oder vertreiben (sie könnten ja Knochenleim enthalten). Ferner dürfte er keine Autos mit Biodiesel benutzen, da letzterer Rindertalg enthält; er dürfte weder mit der Bahn fahren noch mit dem Flugzeug fliegen, da jede Fahrt und jeder Flug mit Tierleichen gepflastert ist. Den Ökostromtarif müsste er ebenfalls kündigen, weil Biogas auch aus Reststoffen der Schlachthöfe gewonnen wird. Ganz zu schweigen von den medizinischen Errungenschaften, die allesamt die Nutzung und Tötung von Tieren zur Voraussetzung haben. Der Wirkstoff Heparin wird z.B. aus Darmschleim von Schweinen gewonnen.

Eine Lebensweise, die auf dem weitgehenden Verzicht von tierischen Produkten beruht, wäre durchaus möglich. Man brauchte bloß ein Leben zu führen wie z.B. der schweizer Nationalheilige Nikolaus von Flüe (1417–1487). Der lebte einsam in einer Kapelle und soll mit einer Hostie am Tag prima ausgekommen sein. Mehr braucht man nicht, um gut und gesund zu leben. Also, ihr Veganer, macht euch doch einfach vom Acker! Werdet alle Jainisten! Der Philosoph Andreas Flury hat in seiner Kritik am Tierethiker Peter Singer darlegt, dass eine jainistische Lebensweise tatsächlich die Konsequenz aus Singers Ethik wäre. Also: Nicht quasseln, sondern machen!

A propos quasseln: Wenn sich die heutigen Prediger des Fleischverzichts die vegetarische Sekte des Pythagoras aus dem 6. Jahrhundert vor Christus zum Vorbild nähmen, würde eine wundervolle Ruhe herrschen. Denn die Pythagoräer haben sich nicht nur zum Vegetarismus, sondern auch zum Schweigen verpflichtet. Still und sittsam waren sie. Nicht laut und unverschämt. Was hindert die tierrechtlichen Maulhelden eigentlich daran, ein Leben zu führen, das ihren moralischen Maximen auch praktisch wenigstens annährungsweise entspricht? Die Jainisten zeigen ja, dass es geht. 

Frau Schmitz scheint überdies einfach davon auszugehen, dass jemand ohne tierische Produkte lebt, sobald er nur noch Pflanzenkost verzehrt. Dies ist jedoch ein Irrtum. Auch pflanzliche Nahrung muss bekanntlich vor der Ernte gedüngt werden; dies geschieht in den meisten Fällen mit Hilfe von Mist, Jauche, Gülle, Guano u.ä. Wer sich ohne tierische Produkte ernähren will, dürfte streng genommen nur solche Pflanzen konsumieren, die auch vegan produziert worden sind.

Eine “vegane Landwirtschaft” im strengen Sinn kann es jedoch nicht geben, da für jede Form von Ackerbau massenweise Tiere unsanft ins Jenseits befördert werden müssen. Es ist nicht einmal sicher, ob bei einer viehlosen Landwirtschaft weniger Tiere sterben müssten. Die vegane Logik führt daher ganz von selbst zum Frutariertum, zum Verzicht auf jegliche Form von Landnutzung zu menschlichen Zwecken und letztlich zur Durchstreichung der Spezies Mensch.

Viehlose Landwirtschaft im größeren Stil ist erst seit Einführung des Haber-Bosch-Verfahrens und des Mineraldüngers möglich geworden. Dafür braucht es jedoch ordentlich Kunstdünger und Pestizide (Achtung Tiermord!) sowie moderne Landmaschinen mit viel Elektronik, also wiederum eine Menge Knochenleim. Überdies müssen auch für Ernte, Lagerung und Herstellung veganer Nahrung Myriaden Acker- und Lagerschädlinge getötet werden (Ratten, Mäuse, Eidechsen, Schlangen, Hamster, Wildschweine, Insekten, Spinnentiere u.v.a.m.). Der Anteil “bioveganer” Landwirtschaft liegt im Promillebereich und ist gänzlich ineffizient. Mit einer Landwirtschaft, die komplett auf Viehnutzung und Mineraldünger verzichtet, kann man nicht mehr als eine Handvoll Menschen satt bekommen. Mit anderen Worten: Viehhaltende Landwirte füttern die Veganer durch und werden von diesen zum Dank mit geiferndem Hass verfolgt.

Selbst wenn es möglich wäre, ein kleines Häuflein Menschen von jener “reinen Kost” zu ernähren, so spräche dies nicht für, sondern gegen die Argumentation von Frau Schmitz. Die Autorin schreibt nämlich: “Schließlich brauchen wir keine tierischen Produkte”, und damit meint sie selbstverständlich uns alle. Wie wir aber sahen, kann nicht einmal Frau Schmitz allein ”gut” ohne tierische Produkte leben, denn sie verzichtet offenbar nicht auf die Annehmlichkeiten der technischen Zivilisation. Darüber hinaus ist es unmöglich, alle oder nur eine relevante Anzahl der auf dem Planeten befindlichen Menschen ganz ohne tierische Produkte zu ernähren. Und deshalb ist es auch abwegig, einen grundsätzlichen Verzicht auf diese Produkte als moralisch geboten erscheinen zu lassen.

Die Behauptung, man könne gut und gesund ohne tierische Produkte leben, ist also schlichtweg falsch. Damit verliert auch der restliche Sermon von Frau Schmitz automatisch seine Relevanz. Sie fragte:

Was gibt uns überhaupt das Recht, fühlende Individuen auf ökonomische Zwecke hin zu züchten, sie einzusperren, in ihren Grundbedürfnissen einzuschränken, sie körperlich zu verstümmeln und sie schließlich umzubringen?

Diese Frage lässt sich nun leicht mit dem Hinweis auf das menschliche Selbsterhaltungsinteresse beantworten. Ohne tierische Produkte herrschte Mangel, Hunger und Elend auf dem Planeten. Deshalb müssen wir Tiere halten. Da wir Tiere halten müssen, müssen wir auch dafür sorgen, dass sie uns nicht weglaufen oder sich gegenseitig anknabbern. Wir müssen sie so züchten, dass sie friedfertig sind und eine gute Fleisch-Lege- oder Milchleistung bringen. Je mehr Leistung das einzelne Tier bringt, desto weniger Exemplare müssen gehalten werden. Wer das “Leid” der Nutztiere lindern will, sollte für die weltweite Einführung von Hochleistungsrassen eintreten. Dadurch könnte die Anzahl der Nutztiere drastisch verringert werden.

Zwar könnten rein theoretisch in Zukunft Wege gefunden werden, eine vegane Landwirtschaft weltweit ertragreich zu gestalten. Aber dazu gibt es bisher nur ein paar utopische Modelle. Träumen darf man; aber sobald man diese Träume als aktuell realisierbar ausgibt und daraus moralische Forderungen ableitet, die noch dazu sehr rigide sind, wird’s gefährlich. Die vegane Moral ist schon im Ansatz erledigt, weil sie an der fundamentalen Voraussetzung scheitert, überhaupt praktikabel zu sein. Wir können nicht ohne tierische Produkte leben und deshalb müssen wir es auch nicht.

Der Verweis “auf ökonomische Zwecke” irritiert, weil man nicht recht weiß, was darunter konkret zu verstehen sein soll. Meint Frau Schmitz “zu Profitzwecken”? Dann meint sie nur eine ganz bestimmte Form der Ökonomie, nämlich die kapitalistische. Wenn sie etwas gegen eine profitorientierte Wirtschaft hat, könnte sie z.B. mit den Bauern für bessere Erzeugerpreise kämpfen oder sich für die Abschaffung des Kapitalismus einsetzen, anstatt für die Abschaffung der Nutztiere. Denn wenn die Ökonomie das Verwerfliche an der Tiernutzung wäre, läge es nahe, die Ökonomie zu bekämpfen.

Eine Gesellschaft ohne Ökonomie gibt es allerdings nicht, denn letztere umfasst definitionsgemäß alle Aufwendungen und Erträge, die den Unterhalt des Menschen sichern. In jeder Gesellschaft müssen Lebensmittel produziert und verteilt werden. Damit z.B. in einer kommunistischen Gesellschaft “die Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen”, wie Marx es ausdrückt, müsste dieser Reichtum erst einmal erwirtschaftet werden. Das ginge wiederum nicht ohne eine effiziente Landwirtschaft. Wer diese bekämpft, sägt an dem Ast, auf dem alle sitzen.

Die geläufige Rede von den “fühlenden Individuen” bzw. Lebewesen finde ich inzwischen nur noch ulkig. Wenn Tierethiker sich mit dieser Floskel aufplustern, wollen sie bloß den Umstand kaschieren, dass die “fühlenden Individuen” nichts anderes sind als ihre paar Lieblingstierarten. Was geht mich der private Tierfimmel von anderen Leuten an? Dass sie Bonobos knuffiger finden als Bandwürmer, muss mich moralisch nicht im mindesten interessieren. Alle Lebewesen “fühlen”. Man kann nur bestimmte Lebewesen auf Kosten anderer bevorzugen und dies dann großspurig “Antispeziesismus” nennen. Ich nenne das pure Heuchelei.

Wer Antispeziesist sein will, sollte sich Albert Schweitzer zum Vorbild nehmen und jede moralische Rangordnung der Lebewesen ablehnen. Nach Schweitzer ist ausnahmslos jedes Lebewesen gleichwertig. Er verschweigt aber im Gegensatz zu den modernen Tierrechtlern nicht die innere Widersprüchlichkeit einer Ethik, die allen Lebewesen gleich gerecht werden will. Denn in der Praxis bedeutet dies nichts weniger, als dass ein Grashalm in der afrikanischen Steppe für mich den gleichen moralischen Rang haben soll wie die eigenen Angehörigen zuhause. Der Mensch soll ständig mit einem schlechten Gewissen herumlaufen, weil er nicht anders kann, als der armen Schöpfung auf die Füße zu treten, deren Teil er ist. Dass dieser moralische Masochismus allgemeinverbindlich werden könne, ist eine ziemlich verblasene Vorstellung.

Das Mindeste, was man von Friederike Schmitz, Hilal Sezgin und Co. erwarten könnte, wäre ein bescheidenes Auftreten sowie das ehrliche Eingeständnis, dass ein Leben ohne tierische Produkte erhebliche Opfer verlangt und letztlich unmöglich ist. Was sagt Frau Schmitz denn z. B. der Verhaltensbiologin Temple Grandin, die aufrichtig versucht hat, sich ohne Fleisch zu ernähren, dabei jedoch unter schwersten Konzentrationsstörungen leiden musste? Dass sie eine Versagerin ist? Dass sie moralisch nichtswürdig ist? Hier wird deutlich, wie stark das vegane Bedürfnis ist, andere Menschen zu tyrannisieren und “in ihren Grundbedürfnissen einzuschränken”. Die Arztpraxen sind voll von den Opfern jener Moral, deren Gebote angeblich so leicht zu befolgen sind. Daher meine dringende Empfehlung: Don’t Go Veggie!

 

Anmerkungen 

[1] Vielleicht glaubt Frau Schmitz auch, die Millionen Gnus der Serengeti, die auf ihrer jährlichen Wanderung bis zu 3000 Kilometer zurücklegen, sind aus purer Lust an körperlicher Ertüchtigung unterwegs. Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt? Von wegen! Gnus nehmen alle Entbehrungen und Gefahren nur auf sich, um an Weidegründe zu gelangen. Gäbe es daheim immer genug zu fressen, blieben sie zuhause. Dasselbe gilt für Rentiere, die 5000 Kilometer jährlich wandern. In Zoos gedeihen Gnus und Rentiere übrigens prächtig; ihre Sehnsucht nach der Heimat, wo sie von Krokodilen und Löwen bzw. Wölfen und Bären gefressen werden, hält sich verständlicherweise in Grenzen.

 

Don’t Go Veggie!

Leider wird das Buch, das ich mit Udo Pollmer und Georg Keckl zusammen verfasst habe, frühestens Ende März 2015 erscheinen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Da es also noch ein bisschen dauert, bis man dieses Buch käuflich erwerben kann, will ich ein paar Worte dazu schreiben:

Wer mit Veganern* diskutiert, wird feststellen, dass sie oft abrupt die Argumentationsebene wechseln. Kaum konzentriert man sich etwa auf die grundsätzliche Frage, ob Tiernutzung zu menschlichen Zwecken moralisch legitim sei, wird man alsbald mit Gesundheitsaspekten oder Missständen in der Tierhaltung konfrontiert, die mit jener grundsätzlichen Frage in keinem oder nur mittelbaren Zusammenhang stehen. Geht man nun auf diese konkreten Fragen ein, kommen die Veganer wieder mit grundsätzlichen moralischen Erwägungen usw.

Es ist offenkundig, dass es in solchen Diskussionen nicht auf Argumente ankommt, sondern darauf, andere Menschen ins Unrecht zu setzen und sich dabei aller erdenklichen Versatzstücke zu bedienen.** Der unbedarfte Teilnehmer hat dann das ambivalente Gefühl, zugleich im Recht und Unrecht zu sein. Er ist verwirrt, weil ihm die von Veganern benannten Probleme tatsächlich als lösungsbedürftig erscheinen. Wer ist nicht gegen Umweltverschmutzung? Wer ist nicht gegen tierquälerische Haltungsformen? Wer hat etwas gegen Gesundheit? Niemand. Also, so suggerieren die Veganer, haben wir Recht. Die Folge: Viele Menschen sind zwar diffus gegen den Veganismus, halten ihn aber zugleich für eine gute Sache.

Besorgte Eltern können ihren essgestörten Kindern meist wenig Paroli bieten, wenn diese von Peta-Videos in ihrer Autoaggression bestätigt werden und zugleich ein Ventil erhalten, diese Aggression nach außen zu kehren. Die Eltern sehen, wie ihre Kinder sich selbst schaden, glauben aber, dass deren Ideologie „an sich“ gut sei. Veganismus gehe zu weit, aber „Massentierhaltung“ sei nun einmal schlecht. Dass das eine von der Sache her nichts mit dem anderen zu tun hat, merken sie nicht.

Orientiert man sich an die vom Philosophen David Hume getroffene Unterscheidung zwischen Relation of Ideas und Matters of Fact, so haben wir den Veganismus auf beiden Ebenen behandelt. Auf der Ebene der Relation of Ideas zeigen wir knapp, dass die vegane „Ethik“ schon auf logisch-deduktiver Ebene untauglich ist, moralische Normen zu begründen. Theoretische Ableitungen dieser Art reichen aber nicht aus, weil das vegane Huhn auch ohne Kopf munter weitermarschiert, gackert und seine faulen Eier legt. Deshalb nimmt unsere Kritik auf der Ebene der Matters of Fact viel mehr Platz in Anspruch. Dabei verweisen wir auf Zusammenhänge und Tatsachen, die in der allgemeinen Diskussion selten zu vernehmen sind.

Wir haben uns entschieden, der Sprunghaftigkeit veganer Pseudoragumentation zu folgen und alle paar Seiten das Thema zu wechseln. In bunter Mischung werden 75 geläufige Statements vorgestellt, welche die vegane Ideologie scheinbar stützen, und in knapper Form kritisch analysiert. Die Behauptungen bzw. Beschuldigungen der Veganer fallen dabei stets auf diese selbst zurück; letztere werden also mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

 

* Wenn ich “Veganer” schreibe, meine ich damit immer auch “Vegetarier”. Denn letztere unterscheiden sich von ersteren nur durch ihre Inkonsequenz, nicht durch prinzipielle Differenzen. Ferner meine ich immer nur solche Vertreter dieser Ideologie, die moralische Gründe angeben.

** Diese Art der Diskussionsführung trifft man nicht nur bei Veganern an; sie ist leider allgemein verbreitet.