Grüne Woche diffamieren!

Pünktlich zur Internationalen Grünen Woche in Berlin findet ein Aufmarsch diverser Tunichtgute und Einfaltspinsel statt, die Es satt haben. Das Es ist ein Popanz namens Agrarindustrie. Jeder stellt sich darunter etwas anderes vor, doch für alle Teilnehmer steht fest, dass Es die Inkarnation des Bösen sei. Dabei wird eine winzige Kleinigkeit vergessen: Allein jenem Es ist es zu verdanken, dass die Menschen soviel Freizeit haben, um gegen Es zu revoltieren, anstatt sich – wie in der guten alten Zeit –  in irgendwelchen Gehöften die Buckel krumm zu schuften. Die Kinder sind so verwöhnt, dass sie glauben, sie könnten jenes Es vernichten und zugleich ein angenehmes Leben führen. Was für ein Selbstbetrug!

Bock auf Tierbefreiungsblock?

Besondres bockig sind die Mitglieder des sogenannten Tierbefreiungsblocks. Diese marschieren zusammen mit Ökolandwirten, obwohl letztere an „Tierbefreiung“ (Abschaffung der Nutztiere) nicht das geringste Interesse haben dürften. Offenbar ist den marschierenden Ökolandwirten aber an einer Landwirtschaft kaum gelegen, welche die Menschen auch ernähren kann. Haben doch jüngst die Initiatoren der Wir-haben-es-satt-Demonstration vor dem Reichstag erkleckliche Fuder Mist ausgekippt. Motto: Agrarindustrie ist Mist.

So sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus! Mist wird nicht als wertvoller Dünger verwendet, sondern wie Kamelle unters Volk gestreut. Und die Moral von der Geschicht: „Die Verbraucher müssen bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.“ Das ist ja mal ein emanzipatorisches Programm erster Güte! Darüber freuen sich die Verbraucher mit kleinem Geldbeutel ganz besonders. Prima Konzept: mehr Geld für Ware, die nicht besser ist, sondern bloß ineffizient produziert wird. Es gab mal eine Disko, die Teuer und Scheiße hieß. Das war wenigstens witzig.

Der Grüne-Woche-Frosch mit der Maske

Angesichts solcher Gaga-Aktionen nimmt es nicht wunder, dass sich die größten Gaganauten auf der Wir-haben-es-satt-Demo so wohl fühlen wie die Maden im Speck. Aus purem Übermut fordern die Tierbefreiungswesen dazu auf, die Grüne Woche zu demaskieren. Unter „Demaskieren“ verstehen diese Kinder allerdings, dem Gegner eine Maske zu entreißen, die sie selber aufhaben. Auf der Homepage sieht man es bildlich dargestellt: Kuh auf Wiese, Viehtransport, Schlachtung, abgepacktes Fleisch im Supermarkt. Ist es denn die Möglichkeit? Die Tiere werden gehalten, transportiert, geschlachtet, verkauft und gegessen! Doch die Grüne Woche vermittelt perfiderweise den Eindruck, dass Landwirtschaft nur dazu da ist, Kälbchen, Ferkelchen und Küken zu knuddeln. Danke, liebe Tierbefreier, für diese Demaskierung! Was kommt als nächstes? Den Weihnachtsmann demaskieren („Es ist Opa!“)?

Was die Befreiungsblockheads sonst noch schreiben, ist der übliche halbverdaute Phrasenbrei, den Tierbefreier eben bei jeder Gelegenheit wiederkäuen. Man dürfe die armen Tiere nicht nutzen, das sei „Diskriminierung“. Und schuld daran sei nur der Kapitalismus. Derlei Phrasen habe ich schon so oft aufgegriffen und besprochen, dass ich mich hier mit einer Kurzfassung begnüge. Wenn Tiere andere Tiere töten und nutzen dürfen, muss es das Tier namens Homo sapiens auch dürfen. Andernfalls würde es aufgrund seiner Artzugehörigkeit diskriminiert. Die Aktivisten können also nicht den Speziesismus beklagen und zugleich fordern, der Mensch solle andere Tiere nicht nutzen. Die Tierbefreier diskriminieren ihrerseits Tiere, indem sie ein paar Knuddelarten den anderen vorziehen – meist sogar mit dem expliziten Verweis, dass jene Arten („höhere Wirbeltiere“) so seien „wie wir“. Anthropozentrismus und Speziesismus in einem.

Was den Kapitalismus betrifft: Es wäre einmal interessant zu erfahren, wie die Aktivisten sich den Kommunismus oder irgend eine „freie Gesellschaft“ ohne effiziente Landwirtschaft vorstellen. Woher soll der Überfluss kommen, den Marx ja zur Bedingung einer neuen Gesellschaft gemacht hat? Aber solche Fragen zu beantworten, ohne noch mehr Phantasmagorien zu produzieren, ist natürlich zuviel verlangt von den Aktivisten. Die wollen nur ein bisschen Dissidenz spielen – die Suppe sollen schließlich andere auslöffeln. Und natürlich wollen diese Apostel niemanden diffamieren, nein, ganz gewiss nicht. Sie sind doch bloß gegen Ausbeutung von Tieren. Frage: Wenn sie dagegen sind, warum machen sie es dann? Dass sie nicht wissen, was sie tun, ist eine Ausrede, die nur für Tiere gilt – sofern sie nicht von Tierrechtlern zu mündigen Subjekten erklärt werden.

Kommet Zuhauf!

Wer weiter eine Landwirtschaft will, die in der Lage ist, die Menschen aller gesellschaftlichen Schichten mit hochwertigen und erschwinglichen Lebensmitteln zu versorgen, sollte sich am 16. Januar ab 9 Uhr 15 bei der Demonstration Wir machen Euch satt auf dem Berliner Washingtonplatz (direkt am Hauptbahnhof) einfinden! Es ist wichtig. So wichtig, wie kaum jemand ahnt. Streichelzoo-Landwirtschaft ist nur was für Narren.