Tierethische Grenzkontrolle

Hund oder Baby?
Das Kerngeschäft vieler Tierrechtler und -befreier ist es, erwachsene intakte Exemplare diverser Tierarten gegen nicht erwachsene, beeinträchtigte oder beschädigte Menschen auszuspielen. Ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sei unvergleichlich vernünftiger als ein menschliches Baby, meinte im achtzehnten Jahrhundert Jeremy Bentham (1748–1832).

Ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier jedoch qualitativ, und ist es sinnvoll, den Begriff »Mensch« zu verwenden, gibt es keinerlei rationalen Grund, Tiere rechtlich in irgend einer Weise mit Menschen gleichzustellen.

Wer darf rein? 
Das Argument der Tierrechtler ist das Folgende: Da es Menschen gebe, denen die Vernunft- und Moralfähigkeit ebenso abgehe wie den Tieren, brauchten sie entweder moralisch und rechtlich so wenig berücksichtigt zu werden wie Tiere, oder Tiere müssten die gleiche Berücksichtigung in Moral und Recht erfahren wie Menschen – aber auf anderer Grundlage.

Diese Grundlage ist bei Peter Singer die Empfindungsfähigkeit, genauer die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden: Nur was (Schmerz) empfinden kann, kann Interessen haben. Nur was Interessen hat, muss moralisch berücksichtigt werden. Gleiche (subjektive) Interessen sollen laut Singer unabhängig von der Spezieszugehörigkeit gleich berücksichtigt werden. Diesem Prinzip pfropft er noch eine objektive Unterscheidung zwischen unbewusstem, bewusstem und selbstbewusstem Leben auf. Selbstbewusste Lebewesen seien »Personen«  – zum Beispiel geistige gesunde Menschen, aber auch Menschenaffen und Delfine. Personen sollten nach Singer den Schutz der Menschenrechte genießen.

Bei Tom Regan ist es die Kategorie des Subjekt-eines-Lebens-Seins, welches den betreffenden Lebewesen »inhärenten Wert« verleihe – ebenfalls unabhängig von der Spezieszugehörigkeit.

Tierrechtler meinen, dadurch den Kreis derjenigen Entitäten zu erweitern, denen Rechte zugesprochen werden müssen. Doch auch sie ziehen enge Grenzen. Nicht jedes Tier oder gar Lebewesen wird einbezogen, sondern nur diejenigen Arten, welche die benannten Eigenschaften aufweisen.

Die meisten Tierrechtler sprechen diese Eigenschaften nur den Wirbeltieren zu (also lediglich 5 % der Fauna), plus ein paar Wirbellosen, zum Beispiel Kraken. Tom Regan zählt zu den Lebewesen mit inhärentem Wert Säugetiere und Vögel ab einem Jahr, bei den Fischen ist er sich nicht sicher. Wirbellose fallen ganz heraus.

Wer anderen eine Grube gräbt …
Der Vorwurf, den die Tierrechtler den »Speziesisten« machen, fällt indes auf sie selber zurück: Aus der Tatsache, dass manche Menschen bestimmte normale Eigenschaften ihrer Art nicht haben, konstruieren sie, dass diese Eigenschaften untaugliche Mittel seien, um auch diese Individuen unter den Schutz der Menschenrechte zu stellen. Doch auch innerhalb der definierten Gruppe »empfindungsfähiger Lebewesen«, »Personen« oder »Lebewesen mit inhärentem Wert« gibt es Exemplare, welche die ihrer Art zugeschriebenen Eigenschaften in geringerem Ausmaß oder überhaupt nicht haben.

Zum Problem innerartlicher Differenz kommt noch das generelle Problem hinzu, dass die Grenze zwischen schmerzempfindlichen und nicht schmerzempfindlichen Lebewesen auf empirischer Basis nicht genau bestimmbar ist. »Wenn ich einen Wurm mit einem Strickleiternervensystem zwicke, hat der natürlich einen Rückzugsreflex. Doch für diesen lokalen Spinalreflex braucht es kein Gehirn. Wir wissen nicht genau, wann ein Reiz tatsächlich als Schmerz empfunden wird«, betont der Neurophysiologe Wolf Singer.

Nacktmulle (Nagetiere) hätten trotz »reichem Sozialleben« bei Peter Singer als Spezies keine Chance, da sie angeblich nicht schmerzempfindlich sind. Doch jeder Tierfreund würde sich gegen die Konsequenz sträuben, dass man mit diesen Nagern deshalb machen könne, was man wolle. Wenn man sie mit heißem Wasser übergießt, bloß weil man sie hässlich findet, hätte Singer keine prinzipiellen Einwände dagegen parat.

Noch heikler ist die Kategorie Subjekt-eines-Lebens-Sein bzw. »inhärenter Wert«. Die hierfür laut Regan erforderlichen Eigenschaften Bewusstsein, Fühlen, Wünschen, Glauben (consciousness, feeling, desire, belief) stellen sich bei einem Lebewesen schwerlich erst ab dem ersten Geburtstag ein und können sehr wohl auch Fischen, Wirbellosen oder sogar Pflanzen zugesprochen werden, wenn man diese Begriffe nur weit genug definiert.

Hinzu kommt, dass der »inhärente Wert« zwar irgendwie in jenen Eigenschaften gründen, aber zugleich von diesen unabhängig sein soll. Regan will genau das vermeiden, was Singer betreibt – den ethischen Perfektionismus (Stufenleiter). Er zieht daher eine nominell scharfe Grenze: Alle Säugetiere und Vögel ab einem Jahr haben unverlierbaren inhärenten Wert, die anderen nicht. Aber diese Grenze kann sich ja nur aus pragmatisch-praktischen Erwägungen heraus ergeben, nicht aus prinzipiellen. Sie beruht weit mehr auf bloßer Setzung (Dezisionismus), als Regan es den »Speziesisten« bezüglich der Kategorie »Mensch« vorwirft.

Singer und Regan betonen, dass es in der Moral nur aufs konkrete Individuum ankomme, nicht auf Gruppen (moralischer Individualismus). Dennoch benennen sie ganze Arten, die moralisch und rechtlich berücksichtigt werden sollen. Sie schließen nicht aus der Existenz beeinträchtigter Exemplare oder Jungtiere, dass es Speziesismus wäre, sie aufgrund ihrer Artzugehörigkeit den Wirbellosen vorzuziehen. Eine Biene ist aber vielleicht mehr Subjekt ihres Lebens, hat einen reicheren Erfahrungshorizont als ein neugeborener Bär oder ein neugeborenes Beuteltier.

Äpfel und Birnen
Die Probleme, die angeblich eine tierrechtliche Revision von Moral und Recht erzwingen, tauchen bei den Tierrechtlern selbst an anderer Stelle, aber in höherem Maße wieder auf. Ausnahmen machen eine Regel nicht ungültig, sondern bestätigen diese. Es ist weder beim Menschen noch bei anderen Arten sinnvoll, alle Exemplare ständig daraufhin abzuscannen, ob sie irgendwelche der Art zugeschriebenen Eigenschaften im Moment X auch wirklich in vollem Umfang besitzen. Tierrechtler schließen von den wenigen bekannten normalen erwachsenen Exemplaren auf alle. Sie schließen nicht vom Ausnahmefall auf den Normalfall, sondern umgekehrt. Und genau das tut man auch, wenn man sagt, dass Menschen zu praktischer Vernunft und Moral fähig sind.

Wie der Philosoph Tibor R. Machan betont, ist es abwegig, den Menschen von Grenzfällen her zu definieren. Um überhaupt zu erkennen, was ein Spezialfall sein könnte, müsse man vorher den Normalfall definiert haben. Ohne zu wissen, was zum Beispiel einen Baum im Normalfall ausmacht, kann man nicht erkennen, ob er beschädigt oder verkümmert ist. Man kann ihn nicht einmal von einem Strauch oder einer Blume unterscheiden. Wer aber beim Tier großzügig ist, sollte beim Menschen nicht pingelig sein. Das wäre nämlich »Speziesismus« zu Lasten der eigenen Artgenossen.

Es bietet sich als Ausweg an, den Artbegriff als solchen zu verwerfen und zu behaupten, dass es nur Individuen oder Gene gebe oder ähnliches. Dann muss man ihn aber auch ganz verwerfen und darf nicht nur den Begriff »Mensch« als »speziesistisch« kritisieren, sondern auch beispielsweise den Begriff »Nacktmull«. Dann tappt man allerdings in die Reduktionismusfalle. Die Tierrechtler müssten sich zum Beispiel fragen lassen, warum sie denn Tiere noch von Pflanzen abgrenzen. Dies könnte man analog als »Regumismus« kritisieren – als Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem taxonomischen Reich. Schließlich gibt es auch hier Übergänge und Lebewesen, bei denen eine Zuordnung schwerfällt.

Viel Lärm um nichts

In der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ist davon die Rede, Menschen seien mit Gewissen und Vernunft »begabt«. Was bedeutet »Begabung«? Wenn jemand zum Geigenspiel begabt ist, wird niemand verlangen, dass er auf Anhieb spielen kann wie Paganini. Er bringt nur die Voraussetzungen mit, die Kunst des Geigenspiels zu erlernen, anstatt das Instrument bis ans Ende seiner Tage zu traktieren und damit die Zuhörer zu quälen. Ein Schimpanse ist für das Violinspiel gänzlich unbegabt. Er wird auch nach Jahren keine noch so einfache Etüde spielen können.

Um es etwas präziser auszudrücken: Der kommende Geigenvirtuose hat, bevor er die erste Lehrstunde beginnt, die Fähigkeit zweiter Ordnung zum (brillanten) Geigenspiel. Er hat dazu allerdings noch nicht die Fähigkeit erster Ordnung, das heißt, er kann jetzt noch keine Etüde spielen. Selbst »unbegabte« Menschen können mit viel Mühe durchaus lernen, eine Etüde auf einem Instrument zu spielen. Und es gibt einen erstklassigen Hornisten, der keine Arme hat und sein Instrument mit den Füßen spielt. Doch der Schimpanse besitzt weder die Fähigkeit erster noch zweiter Ordnung, eine Etüde auf welchem Instrument und auf welche Weise auch immer zu spielen. Er ist in diesem Punkt vollkommen unfähig. Ob mit Armen oder ohne. Im Vergleich zu ihm ist selbst ein »unbegabter« Mensch begabt.

Gewissen wird von Immanuel Kant (1724–1804) als »innerer Gerichtshof« beschrieben, in dem die Gedanken einander anklagen und verteidigen. Kant meint, dass der Mensch das Gewissen in sich vorfinde. Er habe keine Wahl, es sich zuzulegen oder nicht. Das Gewissen, meint Charles Darwin (1809–1882), »schaut zurück und dient zugleich als Führer in der Zukunft.« Moralisch ist ein Wesen laut Darwin dann zu nennen, wenn es imstande ist, »seine früheren und künftigen Handlungen oder Motive zu vergleichen und sie zu billigen oder zu verwerfen. Wir haben keinen Beweis zugunsten der Annahme, dass irgendein Tier diese Fähigkeiten besitzt.« An dieser Diagnose hat sich bis heute nichts geändert. Nur der Mensch ist Darwin zufolge »allein mit Bestimmtheit als moralisches Wesen zu bezeichnen«.

Menschen sind in diesem Sinne zu Vernunft und Moral begabt. Kinder lernen, vernünftig zu handeln und selbstbestimmte Menschen zu werden. »Ein Kind ist […] nicht nur ein ›potenzielles‹ vernünftiges Wesen in demselben Sinn, in dem ein Stück Ton ein ›potenzieller‹ Tontopf ist«, stellt die Philosophin Christine Kosgaard klar. Ein erwachsenes Pferd oder ein anderes Tier ist in keiner Weise vernünftiger als ein menschlicher Säugling. Das Pferd ist zur Vernunft gänzlich unbegabt, das Baby hingegen nicht. Da Kinder unter normalen Umständen zu vernünftigen Wesen werden, muss schon etwas da sein, das sich entwickeln kann. Kinder fangen sehr früh an, primitive physikalische oder psychologische Theorien aufzustellen und wieder zu verwerfen. Untersuchungen der Psychologen Andrew Meltzoff und Alison Gopnik zeigen, dass sie dies von Geburt an tun. Gopnik und Meltzoff sind der Ansicht, dass schon Babys wie kleine Wissenschaftler agieren.

Die Rationalität des Menschen unterscheidet sich qualitativ von den geistigen Fähigkeiten der Tiere. Weil das so ist, haben Menschen auch als einzige Spezies die Fähigkeit, moralisch zu handeln. Sie können nicht nur passiv von moralischen Regeln und juristischen Gesetzen profitieren, sondern diese selbst schaffen und aus Einsicht befolgen. Sie geben sich die Gesetze ihres Handelns selbst, weil sie die Wahl haben.

Zählt nur das Hier und Jetzt?

Die Tatsache, dass nicht jeder einzelne Mensch zu jedem Zeitpunkt die betreffende Fähigkeit hat, tut dem wie erwähnt keinen Abbruch. Denn dies kann als Abweichung von der Norm beschrieben werden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Nur wenn durch Krankheit, Unfall, Verbrechen etwas schief läuft, können Menschen jene Fähigkeit verlieren oder sie gar nicht erst (voll) ausbilden.

Bei den »nichtparadigmatischen Fällen«, also den Ausnahmen, handele es sich »um vernünftige Wesen, deren Vernunft entweder noch nicht oder defekt ausgebildet ist«, schreibt Kosgaard. »Der Sinn, in dem so jemandem ›Vernunft fehlt‹, ist ein ganz anderer Sinn als der Sinn, in dem einem nichtmenschlichen Tier ›Vernunft fehlt‹, denn das nichtmenschliche Tier funktioniert auf seine spezifische Weise perfekt, ohne Vernunft zu besitzen.«

Tierrechtler und Tierbefreier meinen aber,  entscheidend sei nur, welche Eigenschaften ein Individuum im Hier und Jetzt habe. Ein erwachsener Schimpanse habe nun mal ein höheres Bewusstsein, sei leidfähiger als ein neugeborener oder dementer Mensch. Deshalb zähle der Affe im Hier und Jetzt mehr.

Alle müssten in dieser Logik streng genommen dauernd nachweisen, dass sie ganz auf der Höhe ihrer Möglichkeiten sind, denn sie könnten ja aus irgendeinem Grund zeitweise schwächeln oder ganz ausfallen. Dann wären sie vielleicht gegenüber einem gesunden Schwein im Hintertreffen. Vor einer solchen Ethik ist daher im Prinzip kein Mensch sicher. Selbst gesunde Babys und Kleinkinder könnten die Verlierer gegen erwachsene »höhere Tiere« sein.

Angesichts der geschichtlichen Erfahrungen mit Eugenik, Rassismus, Nationalsozialismus, Stalinismus scheint jene Ethik doch sehr bedenklich zu sein. Nicht ohne Grund begnügt man sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs damit, allen Menschen Menschenrechte zuzusichern, ohne dies ausdrücklich an bestimmte Eigenschaften zu binden. Diese Konvention schützt vor allen Versuchen, wertes gegen unwertes Leben aufzurechnen oder Menschenleben einem Zwangskollektiv, einer höheren Idee, dem Volk und ähnlichem zu opfern.

Fazit

Menschliche »Grenzfälle« sind Ausnahmen von der Regel. Kinder können im Normalfall zu selbstbestimmten Erwachsenen werden. Es ist sinnvoll und möglich, ihnen den Schutz der Menschenrechte zu gewähren. Weniger sinnvoll ist es, Gruppen von Lebewesen einzubeziehen, die allesamt nicht verstehen, was Moral und Recht bedeuten.

Quellen

Jeremy Bentham: An introduction to the principles of morals and legislation. Kitchener 2000.
https://socserv2.socsci.mcmaster.ca/econ/ugcm/3ll3/bentham/morals.pdf

Peter Singer: Praktische Ethik. Stuttgart 2013.

Tom Regan: The case for animal rights. Berkeley/Los Angeles 2004.

Martha C. Nussbaum: Die Grenzen der Gerechtigkeit. Berlin 2010.

Generalversammlung der Vereinten Nationen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Paris 1948.
http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

Eric Olson: The human animal. Oxford 1997.

Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten. In: Ders.: Werke in zehn Bänden (hrsg. von Wilhelm Weischedel). Band 7. Darmstadt 1983, S. 309–634.

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen. Stuttgart 2002.

Peter Kunzmann: Die Würde des Tieres – zwischen Leerformel und Prinzip. München 2007.

Peter Kunzmann, Nikolaus Knoeppfler. Primaten. Bern 2011.

Christine Kosgaard: Mit Tieren interagieren. Ein kantianischer Ansatz. In: Friederike Schmitz (Hrsg.): Tierethik. Berlin 2014, S. 243–286.

Elisabeth Anderson: Tierrechte und die verschiedenen Werte nichtmenschlichen Lebens. In: Friederike Schmitz (Hrsg.): Tierethik. Berlin 2014. S. 287–320.

Andrew N. Meltzoff: Origins of theory of mind, cognition and communication. In: Journal of Communication Disorders, Vol. 32 (4) 1999. S. 251–269.

Andrew N. Meltzoff, Alison Gopnik, Betty M. Repacholi: Toddlers’ understanding of intentions, desires, and emotions: Explorations of the dark ages. In: Philip David Zelazo, Janet Wilde Astington, David R. Olson (Hrsg.): Developing theories of intention. Mahwah, New Jersey/London 1999.

Alison Gopnik: Scientific thinking in young children. In: Science Vol. 337, 28. September 2012. S. 1623–1127.

Diana Mertz Hsieh: On the margins of humanity. Philosophy in Action online. 19. Dezember 2005.
http://www.philosophyinaction.com/docs/otmoh.pdf

Russell DiSilvestro: Capacities and moral status. Dissertation Bowling Green State University. Bowling Green, August 2006.
https://etd.ohiolink.edu/rws_etd/document/get/bgsu1149604647/inline

Roger Scruton: Animal rights and wrongs. London 2000.

Tibor R. Machan: Putting humans first. Lanham, Maryland, 2004.

Tibor R. Machan: Revisiting animal »rights«. AG-Tierethik.
http://www.ag-tierethik.de/archiv/blog/tibor_machan_revisiting_animal_rights.pdf

Carl Cohen, Tom Regan: The animal rights debate. Lanham, Maryland, 2001.

Tiere sind eben so bürtig wie wir

Jens Tuider – ein im Uni-Gewächshaus herangezüchtetes Tierrechtler-Pflänzchen – hat eine eigene Seite (Hinweis 13. März 2018: Die Seite ist anscheinend inzwischen offline).

Er geht als Tierrechtler »davon aus, dass es keinen grundlegenden Unterschied zwischen Menschen und Tieren gibt, sondern dass Tiere uns moralisch ebenbürtig sind.«

Es gibt auch keinen grundlegenden Unterschied zwischen Tuider und einem Tofublock, denn beide bestehen hauptsächlich aus Wasser. Daher ist der Tofu dem Tuider moralisch ebenbürtig – oder gar überlegen, weil mehr Wasser drin. Tuider macht ihm folgerichtig auch Vorwürfe, wenn er sich an selbigem verschluckt. Oder nicht?

Meint Tuider, dass Tiere (welche?) »genauso moralisch« sind wie Menschen? Nein, das meint er nicht. Er meint, dass Tiere die gleichen grundlegenden Grundrechte wie Menschen haben sollen, kann es aber nicht so recht ausdrücken.

Wer jedoch verlangt, dass Menschen Tiere Rechte zusprechen, muss logischerweise davon ausgehen, dass Tiere Menschen moralisch nicht ebenbürtig sind, sofern er Tiere »grundlegend« von jeder moralischen und rechtlichen Pflicht entbindet.

Wären Tiere Menschen tatsächlich moralisch ebenbürtig, wären sie im Normalfall voll zurechnungsfähig, müssten Recht und Gesetz beachten sowie Handeln und Gedanken bei sich und bei anderen anhand von moralischen Normen beurteilen können. Dann gäbe es zum Beispiel Kakerlaken oder Zecken oder Nacktmulle auf Ethik-Lehrstühlen.

Affen gibt es dort ja schon eine ganze Reihe. Und es werden immer mehr.