Schattenparker

Zum Glück muss ich nicht mit der Kölner Straßenbahn fahren. Ich müsste dort nicht nur, wie üblich, eine medizinisch unnütze und gesundheitsschädliche Mundnasenbedeckung tragen, sondern mich auch noch von Gaby Köster oder Carolin Kebekus durch die Lautsprecher dumm anmachen lassen. Für diese Erniedrigung müsste ich auch noch zahlen.

Durchsage Kebekus:

Wir in Köln sind keine Asis und tragen darum Masken, um uns gegenseitig zu schützen – auch in der KVB. Wenn man das nicht macht, ist das nicht nur asi, sondern das Ordnungsamt bekommt auch 150 Euro von euch. Und das ist doch scheiße.

Wer keine Maske trägt, ist also „asi“? „Asi“ bedeutet soviel wie „asozial“. Das Wiktionary nennt „Gesocks“ und „Gesindel“ als sinnverwandte Wörter. Weiter heißt es dort:

Ein Fall von Diskriminierung liegt vor, wenn man Sie einer marginalisierten Randgruppe zuordnet: «Du Asi», «Spast», «Hurensohn», «Politiker», «Kukidentler», «Pokemon» oder «Schattenparker».

Menschen, die jenen staatlich verordneten Nonsens nicht mit sich machen lassen, sind als „Maskenverweigerer“ inzwischen ganz sicher eine marginalisierte Randgruppe. Es liegt hier also ein Fall von Diskriminierung vor, welche sogar Menschen umfasst, die per Attest von der Maskenpflicht befreit sind. Aufgrund von Hass und Hetze ziehen sich „Maskenverweigerer“ immer weiter zurück. Sie erleben „eine stark reduzierte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft aufgrund von aversionsbedingtem MNS-Vermeidungsbestreben, sozialen Rückzug, herabgesetzte gesundheitliche Selbstfürsorge (…)“.

Im Unterschied zu anderen Formen der Diskriminierung in der Bundesrepublik wird die Diskriminierung von „Maskenverweigerern“ staatlich vorgeschrieben und mit massiver Propaganda verstärkt. Prominente spielen dabei eine sehr unrühmliche Rolle. Am schlimmsten sind diejenigen mit einer systemkritischen Aura. Sie lassen sich vor jeden Antidiskriminierungs-Karren spannen, solange sie damit nur Türen einrennen, die längst sperrangelweit offen stehen. Wenn es aber ans Eingemachte geht, mutieren sie bereitwillig zu Bütteln autoritärer Staatsgewalt.

Es wäre natürlich zuviel von ihnen verlangt, anhand der offiziellen Zahlen zu ermitteln, wie wahrscheinlich es ist, an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben. Wissenschaftliche Studien zu lesen oder gar zu beurteilen liegt ebenfalls weit jenseits ihrer kognitiven Möglichkeiten. Andere Menschen als Mitglieder einer inferioren Feindgruppe klassifizieren und angreifen können sie hingegen umso besser. Das kann auch jeder Schimpanse.

Und jeder Papagei kann nachplappern, was in Pressekommentaren wie Maskenverweigerer, ich verachte euch zutiefst vorgeplappert wird. Ich vermute, solche Kommentare sind die Informationsquellen von Kebekus und Co. Denn schon die Überschrift lockt sie damit, sich nach Lektüre des Textes als geistig und moralisch höherstehendes Exemplar der Gattung Mensch bestätigt zu fühlen. Im Fall von Kebekus liegt der Verdacht auch wegen der Bemerkung nahe, die am Ende des Artikels steht:

Ich unterstelle dem Autor Sebastian Leber kein besseres Wissen. Er ist sicher so authentisch eingeschränkt, dass er meint, was er schreibt: „Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse fahren viele Menschen immer noch ohne Maske Bahn. Es reicht!“ Leider teilt er nicht mit, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es denn sind, die den Sinn von Alltagsmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln erwiesen haben. Wie sollte er auch? Denn wissenschaftliche Erkenntnisse dieser Art existieren schlichtweg nicht. Zum Infektionsrisiko und zu Masken äußert sich der österreichische Infektiologe Professor Allerberger folgendermaßen: Das Risiko ist gering, Masken haben null Wirkung.

Die wissenschaftlichen Erkenntisse fasst Professor Ines Kappstein schon in der Überschrift ihrer gründlichen Untersuchung zusammen: Mund-Nasenschutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit. „Eine Maskenpflicht für viele Millionen Menschen im öffentlichen Raum“ kann laut Kappstein „sogar zu einem Infektionsrisiko werden, weil die erforderliche Händehygiene nicht eingehalten werden kann.“

Wäre der Kommentar also im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, müsste sich die Empörung des Autors gegen die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln richten. Er müsste schreiben: „Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen die Menschen immer noch mit Maske Bahn fahren. Es reicht!“ Doch er verachtet lieber zutiefst alle Menschen, die im Gegensatz zu ihm noch ihren Verstand beisammen haben. Und er hält es sogar für geboten, sie zu belästigen:

Vermutlich hilft da nur eines: die Verweigerer selbst anzusprechen und ihnen klarzumachen, dass sie sich schämen sollen. Dass Typen wie sie die Pandemie verlängern, teuer erkaufte Erfolge im Kampf gegen das Virus zunichte machen und Menschenleben gefährden. Dass sie niemals wissen werden, welche Infektionsketten sie losgetreten, welche Oma durch ihre Rücksichtslosigkeit auf dem Gewissen haben.

Weil man etwas niemals wissen wird, soll man sich schämen? Interessante Logik. A propos Logik: Der Rechtsanwalt Ralf Ludwig macht darauf aufmerksam, dass die Verordnungsgeber selbst das Risiko durch „Maskenverweigerer“ gering einzuschätzen scheinen, da bei Verstoß nur ein Bußgeld fällig wird. „Maskenverweigerung“ ist also lediglich eine Ordnungswidrigkeit und steht damit auf derselben Stufe wie Falschparken. Würden „Maskenverweigerer“ tatsächlich akut Menschenleben gefährden, müsste dies als Straftat geahndet werden.

Zum Glück gilt es bisher nicht als Straftat, sich dem verordneten Maskenirrsinn zu verweigern. Wenn aber Journalisten und Politiker öffentlich so weitergeifern und Prominente sich als Superspreader dieses Geifers betätigen, wird sich das wohl bald ändern. Unerträglich sind schon jetzt die Denunzianten und Blockwarte, die überall lauern. Wenn mir einer von ihnen blöde kommt, antworte ich, dass Masken gegen Corona so gut wirken wie gegen Faustschläge, und ermuntere ihn, letzteres einmal am eigenen Leib zu überprüfen, indem er sich selbst mit aller Kraft eins auf die Maske haut.

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Noch’n Preis

Ich musste damals erbittert auflachen, als die Deutsche Forschungsgemeinschaft exklusiv für Christian Drosten einen immerhin mit 50.000 Euro dotierten einmaligen Sonderpreis „für außerordentliche Leistungen für Wissenschaft und Gesellschaft angesichts einer dramatischen Pandemieentwicklung“ geschaffen hatte. Es gab zwar nie eine dramatische Pandemieentwicklung, aber den Menschen eine solche erfolgreich vorzugaukeln, ist ja auch eine Leistung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft schreibt:

Drosten habe es geschafft, dass die Wissenschaft in der Öffentlichkeit innerhalb sehr kurzer Zeit als verlässlichste Orientierung für das Management der Krise wahrgenommen wird. Er erkläre den Menschen auf anschauliche, transparente und faktenbasierte Weise, was die Wissenschaft weiß, wie sie arbeitet und welche Unsicherheiten bestehen.

So weit das Märchen. Die Realität: Drosten erzählt dieses und jenes, liefert eine Fehlprognose nach der anderen und richtet sich dabei stets nach der Devise: „Drama, Baby, Drama!“ (Bruce Darnell). Deswegen hat er wahrscheinlich auch gleich den Grimmepreis in der Kategorie Bestes Drama gewonnen. Die Jury:

Das ‚Coronavirus-Update‘ demonstriert, dass auch ausführlicher Wissenschaftsjournalismus das Publikum fesseln kann – und erschließt ganz nebenbei neue Hörergruppen für das Medium Podcast

Seine gelungene Wissenschaftskommunikation besteht darin, sich öffentlich „große Sorgen“ zu machen, damit das Publikum vor Panik im Dreieck springt. Wenn er sagt, er wolle „den Teufel nicht an die Wand malen“, sind seine Fans schon so geil vor Angstlust, dass er danach erzählen kann, was er will. Zum Beispiel so etwas (vom Juni):

Die Gefahr einer Virus-Mutation ist nie gebannt. „Es kann sicherlich optimiert werden durch die Evolution – das macht mir schon ein bisschen Angst. Und wie das dann aussieht, ob es tödlicher wird – wir wissen es nicht“, stochert auch Drosten im Dunkeln: „Ich will auch nicht den Teufel an die Wand malen, aber man vermutet ja, dass so etwas auch bei der Spanischen Grippe 1918 passiert ist: dass das Virus gen Winter mutierte.“

Ich schrieb dazu in mein Corona-Tagebuch:

Man vermutet so dies und das. Wir wissen es nicht. Und weil wir das alles nicht wissen, dürfen wir auf keinen Fall zur „alten Normalität“ zurück. Drosten könnte auch zum Hyperdrosten mutieren. Das macht mir schon ein bisschen Angst. Man vermutet ja, dass eine harmlose Echse während der Honkong-Grippe zum Godzilla mutierte.

Hilfe, Drosten hat „Spanische Grippe“ gesagt!

Die Deutschen Forschungsgemeinschaft frohlockt indes:

Drosten korrigiere aber auch wissenschaftlich nicht belegte Thesen, kommuniziere die Grenzen seines eigenen Wissens und weise immer wieder darauf hin, dass zur Wissenschaft auch gehört, diese Grenzen ständig neu auszuloten und Gewissheiten zu revidieren.

Wissenschaftlich nicht belegt ist Drostens These, durch irgendwelche Maßnahmen seien Leben gerettet worden. Er behauptet aber nach wie vor, dass infolge der von ihm empfohlenen Maßnahmen 100.000 Menschen vor dem Tode bewahrt worden seien. Würde er diesen offenkundigen Unsinn korrigieren, wäre die Nichtigkeit seines Tuns offenbar. Auch seine These, Masken böten Schutz gegen grippeähnliche Viren, ist unbelegt. Aber Drosten korrigiert nichts, was die Menschen beruhigen und entlasten könnte. Er korrigiert nur die alte Normalität, in der Grundrechtseinschränkungen auf erwiesenen Tatbeständen beruhen müssen. Nun reicht das Gerede eines „Starvirologen“ aus, um den Rechtsstaat zu kassieren.

Wirklich ulkig ist Drostens Reaktion auf die Irritation aus, die seine Äußerungen zur Maskenpflicht bei aufmerksamen Menschen hervorrufen:

Wie Boris Reitschuster in seinem Beitrag dokumentiert, sagt Drosten in der Anhörung Folgendes:

Und es gibt einen anderen Punkt, den man nicht von der Hand weisen kann. Wir wissen nicht, ob nicht die Verwendung von Alltagsmasken in großer Verbreitungsweite, ob das nicht dazu führt, dass im Durchschnitt die erhaltene Virusdosis in einer Infektion geringer ist und dass im Durchschnitt des Krankheitsverlauf auch weniger schädlich sein könnte, aber das ist eine reine Spekulation. Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und es gibt umgekehrt eben Länder, in denen man sagen kann, es wurde von Anfang an durchgängig Maske getragen, dazu gehören sehr viele asiatische Länder und trotzdem ist es zu großen Ausbrüchen gekommen.

Reitschuster schreibt: „Warum wird nicht nachgefragt, was zu dem Sinneswandel des Professors führte. Und was sich genau zwischen Januar und April an den bis dahin ’nicht guten Daten‘ geändert hat?“ Denn genau mit letzteren hatte Drosten ja bis April die Auffassung vertreten, dass Masken nichts gegen Corona ausrichten können. Und selbstverständlich hat sich seitdem wissenschaftlich nicht das Geringste geändert. Es ist nur ein Haufen Studien minderer Qualität produziert worden, die eine Wirkung suggerieren, aber nicht mit hinreichender Evidenz nachweisen können. Doch Drosten tut plötzlich so, als wäre die schützende Wirkung von Masken das Natürlichste der Welt. Vielleicht hat er da aber auch etwas verwechselt. Der Top-Epidemiologe Carl Heneghan verweist auf die nachteilige Wirkung von Alltagsmasken aus Stoff: „And let’s be clear the high quality trial evidence for cloth masks suggest they increase your rate of reinfection.“ (Das Video anklicken)

Immerhin ist Drosten schon aufgefallen, dass es Länder mit Maskenpflicht gibt, die „Ausbrüche“ zu verzeichnen haben. Na sowas! Er hätte in Vorbereitung auf die Anhörung ja einfach mal einige Länder mehr durchgehen können, so wie in diesem Video geschehen (Min. 35:57 bis 37:40)

In welchem Kontext schützen also Masken gegen „die Infektion“? Antwort: nur im Propaganda-Kontext. Aber klar, Drosten ist ein prima Wissenschaftskommunikator. Wäre er das wirklich, würde er folgende Botschaften immer wiederholen: Lockdowns nützen nichts, Social Distancing nützt nichts, Masken nützen nichts. Das ist es, was man als empirischer Wissenschaftler dazu sagen kann. Alles andere ist Bullshit. Die penetranten Preisverleihungen hingegen sollen bloß die Hemmschwelle erhöhen, den inoffiziellen Staatsvirologen noch zu kritisieren.

Wenn ich einen Preis ihn zu verleihen hätte, dann wäre es der Verhängnispreis. Er wird verliehen für das außergewöhnlich verhängnisvolle Wirken einer einzelnen Person. Stattdessen bekommt er nun auch noch das Bundesverdienstkreuz, zusammen mit anderen Personen, „die helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen“, zum Beispiel „die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, die selbst komplexe Themen wie Corona bei YouTube und im WDR anschaulich erklärt“.

Zu dieser Dame habe ich in meinem Corona-Tagebuch auch etwas geschrieben. Ich hatte mir im April ein einziges Mal ein Video von ihr angetan, und zwar ihren Virologencheck, in welchem sie Drosten, Streeck und Kekulé verglich. Am 22. April schrieb ich dazu:

Who the f* is she? The Wahrheitsministerin? Zu Streeck: Die Zahl 0,37 Prozent betrifft die Letalität, nicht die Mortalität. Eine Letalität von maximal 0,37 Prozent liegt im Bereich der Grippen 2017/2018 (0,5) und 2018/2019 (0,4). Wenn man in den Jahren davor keinerlei Maßnahmen der diesjährigen Art ergriffen hat – wieso sollte man heute nicht für Lockerungen plädieren, wenn die Letalität nicht höher ist?

Formulierungen auf die Goldwaage legen und sich als Kommunikationsexperte aufspielen kann jeder. Streecks Kernaussage, es sei problematisch, sich hauptsächlich auf Modelle zu verlassen, ist absolut zutreffend. Hier wie überall gilt: „Garbage in Garbage out“. Es ist eben gar nicht die entscheidende Frage, warum Streeck für Lockerungen plädiert, sondern warum man überhaupt einen Lockdown beschlossen hat. Auch MaiLab versteht offenbar nicht, dass die Befürworter des Lockdowns in der Begründungspflicht sind, nicht die Gegner. Und leider kommt von den Befürwortern nur Malen nach Zahlen. Es gibt keinerlei auf Daten basierender Beweis, dass ein Lockdown irgendwas bringt. „No Evidence? We don’t care, because we are Scientists“, oder was?

Wie kann man eine solch plumpe Werbeveranstaltung für Drosten gut finden? Oh, Drosten ist ja ganz toll und so eloquent und so ein Superexperte, dass Deutschland sich glücklich preisen sollte, ihn zu haben. Kekulé? Ein Scharlatan! Streeck? Ein kleines Dummerle, das seine „Glaubwürdigkeit verspielt“ habe. Als ob Mai das beurteilen könnte! Sie behauptet wider alle Evidenz, der milde Verlauf in Deutschland sei auf den Lockdown zurückzuführen. Und so eine hat Angst, dass „der Laie“ etwas falsch verstehen könnte. Fazit: Wenn die Ziege den Gärtner checken will, kommt Käse heraus, der zum Himmel stinkt.

Angesichts dieser preisgekrönten Wissenschaftspropaganda wundert es mich nicht, dass die restlos verblödeten Leute nun widerstandslos in einen weiteren Lockdown marschieren und alle „Maskenverweigerer“ am liebsten totschlagen würden. In einer gerechten Welt mit gelungener Wissenschaftskommunikation käme Drosten in den Knast, Mai Thi Nguyen-Kim in Bedrängnis, und die Bundesverdienstkreuze erhielten mutige Menschen wie Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, Stefan Homburg oder der Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Wahrscheinlich bekommt Drosten aber noch den Friedensnobelpreis, und zwar eher als Greta.

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Leere Betten, volle Hose

Mit leeren Intensivbetten zu argumentieren ist „ganz gefährlich“? Stimmt. Denn jeder, der das tut, muss unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass alle Einschränkungen der Grundrechte verfassungswidrig sind. Diese wurden – zur Erinnerung, Frau Weisband! – exakt damit begründet, Triagesitiuationen infolge überfüllter Intensivstationen zu verhindern. Die deutschen Intensivstationen blieben aber auffallend leer, Covid-Patienten muss man dort mit der Lupe suchen, und ein Zusammenhang mit irgendwelchen Maßnahmen ist nicht nachweisbar. Die Regierung argumentiert mit vollen Intensivbetten, die es gar nicht gibt.

Gewiss wäre es für Frau Weisband sehr gefährlich, öffentlich zu dem zwingenden Schluss zu kommen, dass keine Epidemie nationaler Tragweite existiert und daher alle mit Corona verbundenen Grundrechtseinschränkungen sofort aufgehoben werden müssen. Denn dann würde sie von ihrer ach so freiheitlichen Twitter-Community in der Luft zerrissen. Und zu Talkshows würde sie dann auch nicht mehr eingeladen. Statt also das einzig Folgerichtige zu tun, fordert sie „zufällig ausgeloste Bürgerräte. Diese sollten sich ein Wochenende lang mit Ärzten zusammensetzen und die Maßnahmen festlegen. Diese sollten sich ein Wochenende lang mit Ärzten zusammensetzen und die Maßnahmen festlegen. Damit solle bei den Bürgern die Akzeptanz für die Maßnahmen erhalten bleiben.“

Müsste sie als Aktivistin für Bürger*innenrechte nicht dazu auffordern, an Demonstrationen gegen die verfassungswidrigen Maßnahmen teilzunehmen? Mitnichten. Es ist ihre heiligste Pflicht, auf Twitter zustimmend Videos von FFF-Demos zu verlinken, bei denen alle Hygieneregeln missachtet werden und irgend ein „Klimastreik“ gefordert wird, oder das skrupellose Gerede von Anthony Fauci über rote, gelbe und grüne Zonen zu teilen, in denen Kinder sich aufhalten sollen (Weisband hat selber eine vierjährige Tochter. Poor child!).

Es ist sehr bezeichnend für ihr Demokratieverständnis, dass sie als Ziel jener Bürgerforen festlegt, die „Akzeptanz für die Maßnahmen zu erhalten“. Was macht sie denn, wenn die ausgelosten Bürger zu dem Ergebnis kommen, sich die Maßnahmen nicht mehr gefallen zu lassen? Sie hat vielleicht nicht durchdacht, dass bei einer Zufallsauswahl eine ganze Menge Bürger ausgelost werden könnten, die nicht ihrer Meinung sind, weil sie stark unter den Maßnahmen leiden. Die sind „ganz gefährlich“, weil sie mit ihrem leeren Bankkonto, ihren leeren Läden, ihren leeren Auftragsbüchern argumentieren. Aber kein Problem: Dann behauptet sie einfach, die Foren seien von Nazis, Coronaleugnern und anderen rechten Finsterlingen unterwandert worden. Alles easy in der neuen Normalität.

Im Gestus einer überkritischen Bürgerin liefert sie mit ihrem Statement nur die Kurzfassung der Regierungspropaganda. Denn zunächst wurde als Ziel ausgegeben, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Da diese zu keinem Zeitpunkt in Sicht war, drängte sich das schwülstige Bekenntnis in den Vordergrund, jeder Coronatote sei „einer zuviel“. Die Maßnahmen würden sich schon lohnen, wenn nur ein einziges Leben dadurch gerettet werde. Während vielen Leuten dabei Tränen der Rührung in die Augen steigen, bekomme ich einen gewaltigen Brechreiz. Menschenleben sind solchen Heuchlern vollkommen egal, die Leichenberge an Kollateraltoten interessieren sie nicht. Jährlich sterben 13.000 Menschen an Stürzen, fallen zum Beispiel von der Leiter. Jeder ist „einer zuviel“, deswegen sollten ausgeloste Bürgerräte die Akzeptanz für eine allgemeine Rollstuhlpflicht erhöhen.

In den Jahren davor, als Kliniken wähernd der Grippesaison regelmäßig vor dem Kollaps standen, war die Aktivisten auffällig inaktiv. Wieso hat sie nicht schon damals Bürgerforen gefordert und alle Abscheulichkeiten gutgeheißen, die jetzt angeblich notwendig sind, weil „jedes Leben zählt“? Wie? Das ist ja wohl etwas ganz Anderes? Nein. Ist es nicht. Es ist des Pudels Kern.

Fazit: Mit leerem Hirn zu argumentieren halte ich für ganz gefährlich. Es ist hochansteckend und für den Verstand hundert Prozent tödlich.

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PCR-Propaganda

Es droht sich allgemein herumzusprechen, dass PCR-Tests kein geeignetes Instrument sind, um Infektionen nachzuweisen. Entsprechende Hinweise stehen sogar auf den Verpackungen diverser Testkits. Aber wer bekommt diese schon zu lesen? In der alten Normalität wären sämtliche Anticorona-Maßnahmen allein schon deshalb rechtswidrig, weil sie auf der falschen Prämisse beruhen, dass Testpositive Infizierte sind. Wie ich bereits erwähnte, begeht das Robert-Koch-Institut schon mit seinem Dashboard die grobe Täuschung, Testpositive nicht nur mit Infizierten, sondern sogar mit Erkrankten gleichzusetzen:

Covid-19 heißt die Erkrankung, das Virus heißt SARS-Cov-2. Testpositive sind mitnichten Covid-19-Fälle, sie sind für sich genommen nicht einmal Fälle.

Wegen solcher und weiterer Täuschungen bereitet eine Gruppe von Juristen eine internationale Schadenersatzklage vor. In den USA waren womöglich bis zu neunzig Prozent der Tests falsch positiv. Ich hoffe, dass nun auf Drosten und Co. ein Klagetsunami zurauscht. Auf die deutsche Judikative kann man indes keinen Pfifferling geben. Sie bequemt sich bei Corona-Klagen nicht, die Sachverhalte wenigstens auf Plausibilität zu prüfen, sondern winkt durch, was die Regierung(en) samt Behörden an der Verfassung vorbei beschlossen haben.

Ein immer totalitärer agierender Apparat kann auf Dauer nicht dulden, dass es überhaupt noch kritische Stimmen gibt. Von Anfang an beruhte die Propaganda vor allem darauf, jene bedeutsamen Unterschiede zwischen Testpositiven, Infizierten, Erkrankten, Todesfällen zu verschleiern. Wären sie immer klar kommuniziert worden, hätte man niemals Akzeptanz dafür bekommen, die Grundrechte bis auf Weiteres so gravierend einzuschränken. Kein Wunder also, dass die unsinnigen PCR-Massentests so zäh verteidigt werden und so hartnäckig weiter mit unbereinigten Zahlen Panikstimmung verbreitet wird.

Faktenchecken, bis der Arzt kommt

Eine entscheidende Rolle bei dieser Propaganda spielen die sogenannten Qualitätsmedien. Sie halten die Angehörigen derjenigen Schicht bei der Stange, auf welche es bei der öffentlichen Meinungsbildung im Wesentlichen ankommt, also Akademiker und solche, die sich zur geistigen Eilte zählen. Eine besonders unrühmliche Rolle spielt hierbei offenbar der Spiegel. Warum man diesem Magazin selbst nach Relotius noch über den Weg traut, ist mir schleierhaft. Der Spiegel hat eine eigene Faktencheck-Abteilung. Warum wird von diesem Magazin trotzdem so viel gequirlter Quark produziert? Die Antwort findet man, wenn man trotzdem durch deswegen ersetzt. Denn Faktenchecken ist das neue Faktenverdrehen.

Beim Thema Corona hatte sich der Spiegel bereits im März mit dem „Faktencheck“-Beitrag Die gefährlichen Falschinformationen des Wolfgang Wodarg hervorgetan. Im Artikel findet man dann allerdings keinerlei Falschinformationen Wodargs. Die Autorin ist lediglich anderer Meinung und präsentiert vor allem Spekulationen über die Herkunft des Virus sowie dessen „pandemische Wirkung“. Ungesicherte Annahmen werden als Fakten präsentiert, während man die von Wodarg angeführten gesicherten Erkenntnisse als irgendwie verkürzt oder missverständlich hinstellt. Die Autorin stellt zum Beispiel Folgendes als Tatsache hin:

Dadurch, dass der Mensch die Viren nicht kennt, gibt es keine Immunität. Die Erreger können sich – je nachdem, wie ansteckend sie sind – exponentiell in der ganzen Welt ausbreiten.

Das war schon damals aufgrund der hohen Anzahl symptomloser Verläufe mehr als zweifelhaft und hat sich inzwischen als falsch herausgestellt. Ebenfalls zweifelhaft ist, ob sich das Virus in der Welt tatsächlich exponentiell ausgebreitet hat. Nobelpreisträger Michael Levitt verneint dies zum Beispiel. In Deutschland gab es zu keiner Zeit eine exponentielle Ausbreitung des Virus, sondern nur eine exponentielle Zunahme der Tests. Die vollmundige Ankündigung im Teaser, man werde Wodarg nachweisen, dass er unschlüssig argumentiere, findet im Text keinerlei Bestätigung.

Auf Wodargs Richtigstellungen hat der Spiegel dann unter anderem mit dieser Bemerkung reagiert:

Wodarg geht jedoch weiter nicht darauf ein, dass sich das Virus pandemisch ausbreitet und schwerere Symptome verursacht als die endemischen Corona-Erkältungsviren. Es ist korrekt, dass sich das neue Virus in der diesjährigen Statistik der Todesfälle in Folge von Atemwegsinfekten in Deutschland bislang nicht bemerkbar macht. Wenn es nicht gelingt, die exponentielle Ausbreitung abzuflachen, kann sich das jedoch schnell ändern.

Von den Vorwürfen der Autorin konnte zwar nichts erhärtet werden, aber der Spiegel will stur das letzte Wort haben. Leider stimmt hier auch wieder nichts. Denn andere Coronaviren können durchaus bei Risikogruppen schwere Symptome zeitigen und erheblichen Schaden anrichten. Das mit der „pandemischen Ausbreitung“ ist ein Gummi-Argument. Nach der neuen, laschen Definition der WHO kann man jede Grippewelle, auch die milde Schweinegrippe, als Pandemie bezeichnen. Der Spiegel hatte seinerzeit aber behauptet, dass die Schweinegrippe keine Pandemie war. Dies steht im Widerspruch zum Robert-Koch-Institut, welches ausdrücklich betont (Stand 2017):

Auch wenn die pandemische Influenza (Schweinegrippe) 2009 unerwartet mild verlief, erfüllt sie sowohl die Kriterien des globalen Pandemieplans der Weltgesundheitsorganisation als auch die üblichen infektionsepidemiologischen Kriterien früherer Pandemien.

Der Spiegel müsste also seinen eigenen Einwand mit der „pandemischen Ausbreitung“ als irrelevant kennzeichnen und damit dem Gottseibeiuns Wodarg Recht geben, der damals als einer der Wenigen sofort erkannt hatte, dass die Schweinegrippe – „Pandemie“ hin oder her – ein Sturm im Wasserglas war. Andernfalls kommen die famosen Faktenchecker in die Verlegenheit, erklären zu müssen, warum sie damals bei der Schweinegrippe Wodargs korrekte Analyse nicht auch als „gefährliche Falschinformation“ gebrandmarkt haben. Denn damals kursierte ja auch das Gerede über schwere Verläufe. Christian Drosten meinte im Jahr 2010:

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann.

Das Ärzteblatt schrieb:

Experten zeigen sich vor allem beunruhigt, weil nicht wie bei einer normalen Grippe in erster Linie schwache und ältere Menschen betroffen sind, sondern junge und gesunde Menschen – ähnlich wie bei der Grippepandemie in den Jahren 1918 und 1919.

Dieser Grund zur Sorge hat bei SARS-CoV-2 von Beginn an kaum bestanden. Doch die Spanische Grippe ist offenbar eine Dirne, die es mit jedem macht. Man kann mit ihr ganz unabhängig von der realen Situation jederzeit Angst und Schrecken verbreiten. Der Spiegel tönte damals, die WHO habe durch den Schweinegrippe-Hype das Vertrauen der Verbraucher verseucht. Heute frisst er der WHO aus der Hand. Woran das wohl liegen mag?

In zitierter Erwiderung ist nur ein einziges Faktum enthalten, nämlich die von Wodarg erwähnte Tatsache, dass sich das Virus in der Todestatistik bis dato nicht bemerkbar macht. Der Rest sind Spekulationen über die Zukunft („das kann sich schnell ändern“), die auf der nachweislich falschen Prämisse fußen, das Virus habe sich in Deutschland exponentiell ausgebreitet. Dieser Faktencheck liefert seine eigene Parodie gleich mit. Wodarg hatte mit fast allem von Anfang an Recht. Der Spiegel hat aber eifrig daran mitgewirkt, Wodargs Ruf zu zerstören, sodass dieser bei den Gebildeten heute als Corona-Buhmann der Nation dasteht, dem man auf keinen Fall zustimmen darf.

Selbst wenn Wodarg sich im Wesentlichen geirrt hätte, wäre seine Skepsis ein legitimer Standpunkt unter Bedingungen der Ungewissheit gewesen. Es hätte keinen Grund gegeben, ihn derart niederzumachen. Denn skeptisches Innehalten ist unter solchen Bedingungen nicht irrationaler als Panikmache. Irgendwer muss nun einmal die Nullhypothese vertreten, wenn die Analyse wenigstens entfernt etwas mit Wissenschaft zu tun haben soll. Es zeugt von brutalem Dogmatismus, diese Person dafür an den Pranger zu stellen. Ich selber habe anfangs irrtümlich gedacht, dass er das Virus ein wenig unterschätzt. Aber es zu überschätzen ist ja nicht legitimer und im Hinblick auf mögliche Kollateralschäden auch nicht weniger gefährlich. Die penetrante Unfairness Wodarg gegenüber war für mich allerdings ein Indiz dafür, dass ihm mit fairen Mitteln nicht beizukommen ist, er also weitgehend Recht haben dürfte.

Ablenkungsmanöver

Heute ist es nun für den Spiegel ein Leichtes, den bei der Leserschaft herangezüchteten Reflex gegen Wodarg zu wecken, um weiteren Faktenchecks den Anschein von Glaubwürdigkeit zu geben. Das letzte Meisterwerk dieser Art trägt den schönen Titel Die Mär von den unzuverlässigen PCR-Tests. Der Faktencheck macht es sich diesmal zur Aufgabe, epidemiologisches Basiswissen als Fake News hinzustellen und nimmt dabei wieder einmal Wodarg aufs Korn. Der Autor entblödet sich nicht, auf jenen blamablen Fakencheck vom März zu verlinken, den ich gerade besprochen habe. Walter van Rossum hat den Artikel bereits auseinandergenommen, sodass ich mir hier weitere Worte dazu sparen kann.

Das erwähnte Basiswissen kann man auf die Formel bringen: niedrige Prävalenz ergibt bei gleichzeitigen Massentests Symptomloser eine hohe Anzahl falsch positiver Resultate. Der entscheidende Wert ist hierbei der Positive Prediction Value. Ich zitiere mich einmal selber aus einem älteren Beitrag: “Die Bundesregierung hat schon am 15. April eine Testoffensive beschlossen, mit dem Ziel, 4,5 Millionen Tests pro Woche (!) durchzuführen. Dazu heißt es in einem leider kaum beachteten Thesenpapier ausgewiesener Experten (S. 66):

Will man wirklich im Rahmen der ,Testoffensive‘ 4,5 Mio. Tests pro Woche durchführen (Prävalenz 1%), dann muss man bei einer 
– Spezifität von 90% mit wöchentlich 445.500 falsch-positiven Ergebnissen, 
– Spezifität von 95% mit wöchentlich 222.750 falsch-positiven Ergebnissen,
– (unrealistischen) Spezifität von 99% mit wöchentlich 44.550 falsch-positiven Ergebnissen rechnen, denen selbst bei einer utopischen Sensitivität von 100% nur 45.000 richtig-positive Befunde gegenüberstehen würden. Diese Konstellationen würden zum Kollaps jeder präventiv angelegten Strategie führen, ganz gleichgültig wie sehr man das Öffentliche Gesundheitswesen ausbaut.

Aber Herr Drosten meint weiter unverdrossen, nahezu jedes positives Testergebnis sei eine „Diagnose“. Da kann man nur noch heulend weglaufen.

Die Debatte darüber, wie viele falsch positive Resultate die PCR-Tests produzieren, lenkt vom Tatbestand ab, dass auch dann weit und breit keine epidemische Notlage von nationaler Tragweite in Sicht wäre, wenn alle positiven Resultate richtig wären. Man braucht dazu nur die Zahlen zu bereinigen und die Ergebnisse auf 100.000 Einwohner umzulegen, dann sieht man klar. Dies ist den Faktencheckern vom Spiegel aber so wenig beizubringen wie die Tatsache, dass wir uns längst in einer puren Falldemie (Casedemic) befinden, also Todeszahlen und schweren Fälle seit langer Zeit auf unterstem Niveau stagnieren.

Man könnte die Versuche der Qualitätsmedien, mit allen Mitteln weiter Corona-Panik zu schüren, als verzweifelt bezeichnen, weil diese Versuche so überaus plump sind. Doch dann würde man sich Illusionen über die Lage machen. Denn in Wirklichkeit handelt es sich dabei um einen Triumph der Propaganda. Man weiß genau, dass man sich nicht um bessere Argumente bemühen muss, und spielt dieses Wissen jeden Tag aufs Neue genüsslich aus. Verzweifelt sind hingegen alle Versuche, in diese Angelegenheit doch noch so etwas wie Vernunft hineinzubringen.

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