Lass das mal den Toni machen?

Anton Hofreiter will Grundsätze über Maßstäbe stellen.

Anton Hofreiter hat ein Buch geschrieben. Ich habe bei Amazon nur einmal kurz in die Vorschau geguckt – und wurde nicht enttäuscht:

Beim Umgang mit Tieren darf es kein Diktat der Kosteneffizienz geben […]. Es gibt ein eigenes Tierschutzgesetz, das besagt, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfe. Doch welchen Grund gibt es für das Kükenschreddern, als einen rein ökonomischen? Ist das ein vernünftiger Grund? Ganz klar nein. Es kann nicht sein, dass jedes Jahr 45 Millionen Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet werden, weil sie schlicht unrentabel sind. Das ist Ausdruck eines pervertierten Systems, in dem industrielle Maßstäbe über ethischen Grundsätzen stehen. Und das müssen wir umkehren.

Dass rein ökonomische Gründe unvernünftige Gründe seien, ist eine bizarre Ansicht. Wer das ökonomische Prinzip anwendet, handelt rational, da Güter knapp sind. Effizienz ist der Quotient aus Ergebnis und Aufwand. Die Grünen berufen sich ständig selbst auf dieses Prinzip, zum Beispiel, wenn sie gegen die Verschwendung von Ressourcen oder Lebensmitteln protestieren.

Nicht nur bei der Konsumtion, sondern auch bei der Produktion von Lebensmitteln sollte nichts verschwendet werden. Bruderhähne zu päppeln ist jedoch pure Verschwendung. Auch die männlichen Geschwister von Bio-Legehennen werden nicht älter als einen Tag. Der Grund ist hier derselbe wie dort: Weil bei den Spezialrassen weniger Futter pro Ei und pro Kilo Fleisch verbraucht werden. Höbe man nun noch das unsinnige Tiermehlverbot auf, könnte man alle Eintagsküken ans Vieh verfüttern.

Im Übrigen ist „Kükenschreddern“ kein angemessener Begriff für die gängige Praxis in Deutschland. Die Eintagsküken werden vor ihrem Tod mit Kohlendioxid betäubt. Die vollständigen Kadaver werden dann u.a. an Zoos, Falknereien oder Heimtierhalter verkauft. Nur die nicht lebensfähigen Exemplare in Brütereien werden tatsächlich „geschreddert“.

Für das Oberverwaltungsgericht Münster ist die effiziente Eierproduktion jedenfalls sehr wohl ein vernünftiger Grund. Das juristische Informationsportal Rechtsindex referiert die Urteilsbegründung des Gerichts vom 20. Mai 2016 folgendermaßen:

Die Tötung der Küken sei daher Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch. Die wirtschaftliche Gestaltung dieser Verfahren sei für die Brütereien als Erzeuger der Küken unvermeidbar. Hiervon seien auch die für den Tierschutz verantwortlichen staatlichen Stellen über Jahrzehnte hinweg unter Gel­tung des Tierschutzgesetzes einvernehmlich mit den Brütereien ausgegangen.

Das von Hofreiter als Diktat der Kosteneffizienz gebrandmarkte ökonomische Prinzip, welches bei der Eierproduktion angewendet wird, hat u.a. den gesellschaftlichen Nutzen, dass sich auch die wenig zahlungskräftige Bevölkerung hochwertige Nahrungsmittel leisten kann. Die Grünen sind aber eine Partei der Besserverdienenden. Diese kann selbstverständlich nicht dulden, dass jeder Prolet einfach Eier in die Pfanne schlägt, ohne sie zuvor von grünen Glucken teuer erbettelt zu haben. Deshalb bewirft Hofreiter das uneinsichtige Volk nun mit faulen Ethik-Eiern.

Maßstäbchen und Grundsätzchen 

Das ist Ausdruck eines pervertierten Systems, in dem industrielle Maßstäbe über ethischen Grundsätzen stehen.

Wie kann ein Maßstab über einem Grundsatz stehen? Diese Frage hat sich Hofreiter offenbar nicht gestellt. Maßstab ist allerdings ein gutes Stichwort: Wäre nämlich Hofreiters Ethik maßstabsgerecht, müsste er dafür plädieren, seine innig geliebte Biohaltung sofort abzuschaffen. Denn in der Biohaltung haben die Tiere im Schnitt einen schlechteren Gesundheitsstatuts als in der konventionellen – und zwar aufgrund der Biovorschriften.

Bioschlachttiere haben mehr Würmer, Lungenentzündungen, Leberschäden. Bioschweine haben mehr Knochenbrüche und weit höhere Ferkelverluste als konventionelle. Sie leiden beträchtlich unter der schlechten Futterversorgung mit eiweißarmem Futter von stickstoffarmen Böden. Freigang von Hühnern ist im ökologischen Landbau vorgeschrieben und mit höherem Krankenstand und höheren Todeszahlen verbunden als Käfig- bzw. reine Stallhaltung.

Warum plädiert Hofreiter nicht dafür, den Hermannsdorfer Landwerkstätten – einem Bio-Vorzeigebetrieb mit bis zu 63 % Ferkelsterblichkeit pro Wurf – die Tierhaltung zu verbieten? Wie sieht es aus mit dem Kupierverbot bei Schweinen? Gibt es einen vernünftigen Grund, das Schwanzbeißen zu fördern (dieses kommt in jeder Haltungsform vor)? Gibt es einen vernünftigen Grund, mit der Ebermast auch das Penisbeißen zu fördern (ein natürliches Verhalten übrigens)? Gibt es einen vernünftigen Grund, die Tiere im Krankheitsfall nicht angemessen zu behandeln, sondern es erst mit homoöpathischen Mitteln zu versuchen (EU-Bioverordnung Art. 14 e 2)? Nein. Es sind rein ökonomische Gründe, nämlich die Angst, mit dem Verlust des Biostatus einen weit geringeren Preis für die Produkte zu erzielen.

Perversitäten 

Katze beim vorschriftsmäßigen Vögelschreddern. Vernünftiger Grund? Fehlanzeige!

Man sieht: Hofreiter hat gar nichts gegen Tierleid als solches. Er hat nur etwas gegen Ökonomie, Industrie und „pervertierte Systeme“. Doch was wurde durch die Praxis pervertiert, männliche Küken zu töten? Landwirtschaft und damit auch die Eierproduktion dienen dem Zweck, Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dieser Zweck ist weder durch Effizienz noch durch Industrie noch durch Eintagsküken pervertiert, also ins Gegenteil verkehrt oder verfälscht worden. Er wird heute besser erfüllt denn je.

Hofreiter und Die Grünen wollen dies nun ändern. Sie wollen die Landwirtschaft mit Hilfe einer wirren Naturethik zweckentfremden, indem sie zum Beispiel die Artenvielfalt über die Ertragseffizienz stellen. Dabei ist der größte Artenkiller nicht die Landwirtschaft, sondern die Natur selbst. Die Grünen pervertieren die Landwirtschaft, nicht die Eierproduzenten.

Die wörtliche Übersetzung von pervers lautet widernatürlich. Doch für ein Huhn ist es ganz natürlich, bereits als Ei oder Küken getötet zu werden. Ebenso wie es für Arten ganz natürlich ist, auszusterben. Die meisten Wildhühner leben in Kleingruppen von etwa zwanzig Hennen und einem Hahn. Was passiert mit den vielen überzähligen Junghähnen? Sie werden vertrieben und landen rasch in den Mägen der Beutegreifer. Wer natürliche Verhältnisse für Hühner will, muss genau das machen, was in freier Wildbahn auch geschieht: die überflüssigen Männchen aussieben. Der Ausdruck Perversion ist also fehl am Platz.

Hätte Hofreiter tatsächlich etwas dagegen, dass Tiere aus unvernünftigen Gründen gequält und getötet werden, müsste er sich zuerst für die Abschaffung fleischfressender Heimtiere einsetzen. Freilaufende Katzen schreddern Milliarden Vögel und Kleinsäuger, ohne sie vorher zu betäuben. „Vermutlich fallen jedes Jahr mindestens zehnmal mehr Felltiere und Vögel unserer Katzenliebe zum Opfer, als bei biomedizinischen Experimenten verwendet werden“, bemerkt der Psychologe Hal Herzog, führender Experte auf dem Gebiet der Mensch-Tier-Beziehungen. Katzen werden übrigens sehr gerne von ihren Besitzern mit Eintagsküken gefüttert. Diese munden Miezi ganz hervorragend. Hunde sind ebenfalls nicht zimperlich beim Jagen. Das alles geschieht nur, weil Menschen Heimtiere für ihren emotionalen Haushalt missbrauchen. Hier stehen irrationale Maßstäbe über ethischen Grundsätzen. Und das müssen wir umkehren.

Fazit

Bruderhahn Toni wird aufgrund seines halbherzigen Ethik-Gegackers bereits jetzt von TierrechtlerInnen wie Hilal Sezgin in den Orkus geschreddert, und das geschieht ihm ganz recht. Da Biohaltung keineswegs mehr Tierwohl bedeutet, bleibt in dieser Logik als Konsequenz nur noch die Abschaffung der Nutztierhaltung. Robert Habeck ist da viel cleverer: Er hat bereits für die Zeit nach dem Fleischverbot mental vorgesorgt. Habeck wird daher bestimmt mal der grüne Obergockel von Deutschland. 

Lass das mal den Toni machen? Lieber nicht.

 

Der Mensch ist immer der Böse

Sanfter Riese macht den Affen

Auch Silberrücken haben Tücken.

Menschenaffen, so heißt es bei vielen Tierrechtlern, seien Personen. Deshalb solle man ihnen Grundrechte zugestehen. Grundrechte sind in staatlichen oder überstaatlichen Verfassungen festgeschriebene Menschenrechte.

Obwohl sie angeblich Personen sind, werden selbst erwachsene Menschenaffen jedoch nicht für ihre Taten verantwortlich gemacht. Der Gorilla, der jüngst im Zoo von Cincinnati ein kleines Kind durch’s Gehege geschleift hat, ist vernünftigerweise erschossen worden – allerdings nicht zur Strafe, sondern weil Gefahr in Verzug war. Moralische Appelle wären ebenso nutzlos gewesen wie die Androhung juristischer Konsequenzen. Das Tier war im Vollbesitz seiner geistigen Affenkräfte und trotzdem nicht schuld.

Es kommt leider ab und zu vor, dass Kinder in Zoogehege fallen oder klettern. Auch aufmerksamen Eltern entgeht manchmal etwas. Die Zoomitarbeiter haben verantwortungsbewusst und korrekt gehandelt. Darüber müsste eigentlich nicht viel geredet werden. Doch nun muss sich der Direktor gegen einen öffentlichen Proteststurm wehren, und die Eltern des Kindes werden bezichtigt, fährlässig gehandelt zu haben.

Irgend etwas stimmt da nicht. Gorillas werden von echten oder vermeintlichen Tierfreunden gerne als sanfte Riesen bezeichnet – als wäre die Sanftheit ein Verdienst des Tieres. Verhält sich ein Gorilla aber wie der im Zoo von Cincinnati, werden sofort Menschen dafür verantwortlich gemacht. Das Tier wird reflexartig zum Opfer erklärt.

Den Trick durchschauen

Viele vermeintliche Tierfreunde behandeln Tiere so wie Eltern ihre verzogenen Tyrannenkinder. Bei jedem Pups des vergötterten Lieblings geraten sie in Ekstase, an jeder Bosheit sind andere schuld.

Bei den Tierrechtlern wird dies zum Prinzip – und paradoxerweise mit dem Gleichheitspostulat verbunden. Weil Tiere und Menschen in relevanter Hinsicht gleich seien, müsse man mit zweierlei Maß messen, welches aber gar kein zweierlei Maß sei. So könnte man den tierrechtlichen Imperativ zusammenfassen.

Der Trick ist, die strukturelle Asymmetrie zwischen Mensch und Tier zugunsten des Tieres umzudrehen. Worin besteht diese Asymmetrie? Darin, dass Menschen die einzigen bisher identifizierten Moralsubjekte auf Erden sind. Sie machen einander für ihr Tun verantwortlich, rechnen sich – wie der Philosoph Peter Janich es formuliert – ihre Taten als Verschulden oder Verdienst zu.

Menschen betrachten einander als handelnde Subjekte, also als Wesen, die eben auch anders können.* Wer stolpert oder niest, wird dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Denn das ist bloßes Verhalten. Wer jemanden aber absichtlich ins Gesicht niest oder die Treppe herunterwirft, handelt. Deshalb wird ihm seine Tat als Verschulden zugeschrieben. Er wird moralisch verurteilt und, sofern er kein Kind mehr ist, für letzteres gegebenenfalls juristisch belangt.

Einen Affen, der einen Artgenossen tötet, wird niemand moralisch oder juristisch zur Rechenschaft ziehen. Warum nicht? Tierrechtler betonen doch stets, dass Tiere gar nicht unflexibel in ihrem Verhalten seien, sondern ein breites Spektrum zur Verfügung hätten. Wie überaus wundersam jedoch, dass selbst die flexibelsten Exemplare exakt so konstruiert zu sein scheinen, dass die Tierrechtler sie für ihre guten Taten in den Himmel heben können, ohne sie für ihre Bosheiten in die Hölle schicken zu müssen!

In der Beziehungsfalle

Menschen haben in dieser Logik sowenig eine Chance wie Angeklagte in einem Schauprozess. Tiere erscheinen immer als die besseren Menschen, obwohl sie morden, quälen, plündern, vergewaltigen**. Tötet ein Bulle einen Bauern, wird ihm dies von Tierrechtlern als Akt des Widerstands gegen den „Sklavenhalter“ positiv zugeschrieben; erdrückt derselbe Bulle ein kleines Kind, ist er für Tierrechtler nur ein Tier, das nicht anders konnte.

Bienen gelten als fleißig. Wer den Tieren ihren Fleiß als Verdienst zuschreibt, muss ihnen auch ihre Faulheit als Verschulden zuschreiben. Drohnen kämen dann schlecht weg. Sie werden von den Arbeiterinnen aus dem Stock geschmissen, sobald sie ihre Funktion erfüllt haben. Das ist nun wieder nicht nett von den Bienenweibchen. Aber sie können ja nicht anders …

Kinder und geistig Behinderte, die einen Erwachsenen mit einem Revolver bedrohen, werden daran gehindert zu schießen. Schimpansenmännchen, die Schimpansenbabys im Beisein der Mütter fressen, während sie diese vergewaltigen, zeigen „arttypisches Verhalten“. Nach dem Willen der Tierrechtler sollen sie darauf ein Grundrecht haben  („Recht auf Freiheit“).

Der wildlebende Schimpanse Frodo, der 2002 ein menschliches Baby tötete, zeigte damit ebenfalls „arttypisches Verhalten“, wie Jane Goodall betont: „Because chimpanzees are hunters and […] their favourite prey is monkey infants, human beings are just one other kind of primate.“ Frodo lebte bis 2013. Er wurde selbstverständlich nie für seine Tat zur Rechenschaft gezogen.

Laut tierrechtlichem Credo dürfe der Mensch keine Privilegien beanspruchen, bloß weil er kognitiv überlegen ist. Er dürfte der Gleichheitslogik zufolge aber auch nicht benachteiligt werden, weil er kognitiv überlegen ist. Wer den Menschen benachteiligt, weil dieser moral- und rechtsfähig ist, diskriminiert ihn aufgrund einer spezifisch menschlichen Eigenschaft, das heißt, weil er Mensch ist. Das paradoxe Resultat lautet, dass der Mensch durch das Diskriminierungsverbot diskriminiert wird. 

Der Vorwurf der Ungleichbehandlung ergibt jedoch nur unter Symmetriebedingungen Sinn. Menschen können Tiere daher gar nicht diskriminieren, denn beide sind in moralischer Hinsicht fundamental ungleich. Ungleichbehandlung von in relevanter Hinsicht Ungleichen ist gerecht. Man kann dem Menschen nicht sinnvoll vorwerfen: „Du glaubst wohl, du hättest Sonderrechte, bloß weil du allein alle Pflichten hast, was?“ Das ist so ähnlich, wie wenn man sagte: „Du glaubst wohl, du bist der Stärkste, bloß weil du mehr Kraft als alle anderen hast. Schwächere sind genauso stark wie du, also lass dich gefälligst von ihnen verprügeln!“ 

Paradoxe Botschaften wie die der Tierrechtler dienen tyrannischen Herrschaftsinteressen. Wer versucht, jemandem den Pelz zu waschen, ohne ihn nass zu machen, reibt sich bei diesem Versuch auf. Tierrechts-Gurus können je nach Gusto bestimmen, wer bei diesem Versuch erfolgreicher ist und wer nicht. 

* Von der philosophischen Frage des Determinismus, also ob Menschen tatsächlich anders können, sehe ich hier einmal ab. Denn sie spielt ja auch für Tierrechtler keine Rolle. Andernfalls würden sie keine moralischen Forderungen stellen.

** Tiere tun selbstverständlich nichts dergleichen. Es handelt sich hierbei um Verhalten, dass von Weitem menschlichen Handlungen ähnelt, die man als »Vergewaltigung«, »Plündern« usw. bezeichnet.

Welthunger im veganen Zwangsdienst

Die Fleischproduktion, so behaupten Veganer mit Verve, sei schuld am Welthunger. „Wertvolle Nahrung“ lande in den Futtertrögen der Reichen, während 795 Millionen Menschen noch immer hungerten. Diese Anklage macht bei agrarisch Unwissenden stets großen Eindruck, sodass ihnen die Schnitzel in den Gierhälsen steckenbleiben. Dass universal praktizierter Veganismus die Lösung wäre, versteht sich dann natürlich von selbst. *Ironie aus*

Doch auch ohne jede agrarwissenschaftliche Kenntnis genügen die Kenntnisnahme der Daten sowie einfaches Nachdenken, um darauf zu kommen, dass obige These nicht stimmen kann:

1961 gab es etwas mehr als 3 Milliarden Menschen auf der Erde, von denen etwa 1,2 Milliarden hungerten (1950 hungerte noch jeder Zweite). 2015 gab es 7,35 Milliarden Menschen, von denen 795 Millionen hungerten. Heute werden also deutlich über 4 Milliarden Menschen mehr satt als 1961. Im selben Zeitraum ist die globale Fleischproduktion von 71 auf 318 Millionen Tonnen Schlachtgewicht gewachsen. Die Fleischproduktion hat sich mehr als vervierfacht. Tendenz steigend.


Von 1961 bis 2015 gab es also weltweit: erstens einen sehr starken Anstieg der Fleischproduktion, zweitens eine sehr starke Abnahme der hungernden Bevölkerung in Bezug auf die Gesamtbevölkerungszahl, drittens eine starke Abnahme der hungernden Bevölkerung in absoluten Zahlen. Der Welthunger hat im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung so drastisch abgenommen, dass heute 2,6 Milliarden Menschen hungern würden, wenn die Relation noch dieselbe wäre wie 1961.

Luftnummern statt Fakten 

Wie kommt man von diesen Zahlen zu der Behauptung, dass ausgerechnet die Fleischproduktion den Welthunger verursache? Ganz einfach, indem man gänzlich realitätsferne Theorien für bare Münze nimmt und als handfeste Fakten ausgibt. Man addiert die weltweiten Bruttonährstoffmengen und verteilt dann die Früchte dieser Rechenarbeit unter den geistig Armen. Hilal Sezgin füttert in ihrem neu erschienenen Jugendbuch sogleich den deutschen Nachwuchs damit : „Würden wir alles Getreide direkt selbst verzehren, statt es zu Tierfutter zu verarbeiten, könnten noch 4 Milliarden Menschen mehr ernährt werden.“

Derlei Studien sind jedoch wissenschaftlich nicht gehaltvoll. Sie werden gemacht, weil es eine starke Nachfrage danach gibt. Würden wir Holz und Kohle essen, könnten vielleicht 100 Milliarden Menschen mehr satt werden. Denn in Holz und Kohle sind viele Kalorien drin. Aber Vorsicht: nicht den Bibern das Frühstück wegessen! Hilal Sezgin verdirbt sich unterdessen den Magen an ihrem täglichen Einheitsgetreidebrei aus Massenertragspflanzen, die Leute bekommen von der getreidebasierten Kost ohne tierisches Eiweiß die schönsten Mangelerkrankungen, und alles wird gut. Dünger braucht auch kein Mensch. Wofür denn auch? Kann man doch selber essen!

Realitätscheck längst bestanden

Während in der Wirklichkeit längst eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden ist, dass mit hoher Fleischproduktion und intensiver Landwirtschaft viele Milliarden Menschen mehr satt werden als noch vor ein paar Jahrzehnten, sind Versuche, die vegetarischen Fieberphantasien in die Praxis umzusetzen, bisher katastrophal gescheitert. Als man vor hundert Jahren in Deutschland aufgrund abstrakt korrekter Berechnungen meinte, die Menschen sollten statt Schweinen lieber Getreide essen, verhungerten in der Folge 800.000 Menschen (Schweinemord).

Der Mythos der Nahrungskonkurrenz von Nutztieren und Menschen wurde jüngst durch eine FAO-Studie zerstört. Um zu erkennen, dass diese Nahrungskonkurrenz nicht bzw. kaum besteht, braucht man indes keine FAO. Es reichen biologische Grundkenntnisse und Beobachtungsgabe. Denn Veganer weigern sich hartnäckig, wirklich das zu essen, was das Vieh frisst.

Unter Welthungerhilfe scheinen sie zu verstehen, den Welthunger tatkräftig zu fördern. Was würde wohl passieren, wenn diese Leute tatsächlich den Welternährungsverkehr regelten? Das könnte schon bald geschehen. Der amtierende Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, verkündet bereits, dass die Tötung von Nutztieren nicht mehr zu rechtfertigen sei. Im grünen Milieu und bei der sogenannten Bildungselite ist das bereits als feststehende Wahrheit anerkannt. 

Wie viele Milliarden Menschen müssten sterben, bis auch der letzte Naivling begriffe, wie menschenverachtend die Tierrechts-Ideologie ist und wie wenig Anlass besteht, deren Vertreter für respektable Personen zu halten? Der Welthunger wird ganz anderes besiegt werden, wenn Tierrechtler und Veganer dies nicht verhindern.

Rechte und Schnitzel

Der Untertitel von Hilal Sezgins Jugendbuch Wieso? Weshalb? Vegan! enthält zwei Tatsachenbehauptungen: 1. Tiere haben Rechte und 2. Schnitzel sind schlecht für’s Klima.
Tiere haben jedoch keine Rechte und Schnitzel sind nicht schlecht fürs Klima.

Recht

ist ein staatlich gesichertes Normensystem, das die Handlungsfreiheit der Menschen begrenzt und sie zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet.
Tiere sind nicht handlungsfähig und können daher die Interessen von Menschen nicht berücksichtigen. Sie können keine Normen befolgen und zu nichts verpflichtet werden. Dies gilt ohne Ausnahme für jedes einzelne Tier. Kein einziges Tier kann jemals Rechtssubjekt sein. Deshalb haben Tiere keine Rechte, sondern bleiben stets Objekte desselben.
Menschen haben alle Pflichten, deshalb auch alle Rechte. Tiere haben keine Pflichten, deshalb auch keine Rechte.

Menschen sind „von Natur aus“ (also üblicherweise) moral- und rechtsfähig. Sie schreiben einander ihre Taten als Verdienst oder Verschulden zu. Dass es sogenannte Nichtparadigmatische Fälle gibt, ändert nichts an der Sache. Wie Tibor R. Machan betont, haben Begriffe an den Rändern immer Unschärfen. Deshalb muss man nicht Affen zu Menschen erklären. Ein Baum bleibt für uns offenbar auch dann ein Baum, wenn er keine Äste mehr hat, morsch ist oder „verkrüppelt“ aussieht. Bäume müssen nicht deshalb zu Vogelscheuchen erklärt werden, weil manche Bäume diesen vielleicht ähneln.

Es gibt gute Gründe, Demente oder Schwerstbehinderte weiterhin als Menschen anzusehen, Schimpansen oder Schweine jedoch nicht. Letztere sind erkennbar andere Lebewesen. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist so gewaltig, dass es eines ausgeprägten biologischen Tunnelblicks bedarf zu glauben, Menschen seien nichts als „nackte Affen“, „dritte Schimpansen“ oder ähnliches.

Mit moralischer und rechtlicher „Bevorzugung der eigenen Spezies“ (Speziesismus) hat das alles nichts zu tun. Die biologische Zugehörigkeit zur Art Homo sapiens ist nicht der Grund, Menschen Rechte zuzusprechen; sie ist nur ein pragmatisch höchst geeignetes Kriterium.

Der Versuch indes, Rechte für Tiere zu begründen, scheitert bei Sezgin und ihrer Gewährsfrau Martha Nussbaum besonders kläglich. Er besteht vor allem in der Aufzählung irgendwelcher vermeintlicher Fähigkeiten, von denen dann einfach gesagt wird, dass Tiere ein Recht hätten, sie auszuleben. Derlei Versuche, einen inneren Wert oder eine innere Würde aus beliebigen Eigenschaften zu destillieren, hängen – wie Norbert Hoerster sagen würde – begründungstheoretisch in der Luft.

Schnitzel

Schweinefleisch wird mit vergleichsweise wenig Kohlenstoff-Emissionen produziert. Reisanbau ist zum Beispiel viel klimaschädlicher. Der weltweite Methanausstoß durch Reisanbau beträgt etwa zwei Drittel der Metahnemission von Wiederkäuern. Würden die Menschen mehr Schweine- und Geflügelfleisch statt Wiederkäuerfleisch und Reis essen, könnte die Emission von Treibhausgasen drastisch gesenkt werden.

Ob das wünschenswert sein kann, ist eine andere Frage. Denn Wiederkäuer verwerten für Menschen gänzlich unverdauliche Nahrung. Schweine und Hühner sind wesentlich bessere Futterverwerter als Menschen, sodass die Nahrungskonkurrenz zum Menschen de facto nicht vorhanden ist. Die Produktion von Hochleistungsrassen in der Massentierhaltung ist klimafreundlicher als extensive Haltung von Rassen geringer Leistung.

Fazit

Die Wahrheit ist weitaus komplizierter als die einfachen Unwahrheiten, die Sezgin schon in der Überschrift präsentiert. Wäre Sezgin an Jugendlichen interessiert, würde sie berücksichtigen, dass sehr junge Menschen dazu neigen, in strikten Freund-Feind-Kategorien zu denken, weil sie moralisch noch nicht ausgereift sind.

Sezgin will Jugendliche aber auf ihren eigenen Infantilismus verpflichten, den sie auch mit noch soviel philosophischem Wortgeklingel nicht verbergen kann. Es ist ja in hohem Maße kindisch anzunehmen, dass die Übel der Welt beseitigt werden könnten, wenn Sezgins Lieblingstiere ein Recht auf Leben zugesprochen bekämen.

Aufklärerisch wäre es, den Jugendlichen mit einfachen Worten zu vermitteln, dass die Dinge so einfach nicht sind. Antiaufklärerisch ist es, die Jugendlichen um einer überwertigen Idee willen vorsätzlich dazu anzuleiten, sich selbst und anderen zu schaden.

Kochen ohne … Hildmann

Dem Vater grauset’s 

Ich habe mal einen Blick auf die Homepage des populären veganen Kochbuchautors Attila Hildmann geworfen. Dort wird unter anderem Folgendes behauptet:


Als sein Vater vor 14 Jahren einen Herzinfarkt erlitt, war das ein Schock für ihn. Attila beginnt damit, sich intensiv mit dem Thema „gesunde Ernährung“ zu beschäftigen. Er findet heraus, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel das Leben seines Vaters beendet hat und sagt dem Cholesterin den Kampf an.


Diese Aussage ist befremdlich. Kraft welcher Belege will Hildmann herausgefunden haben, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist? Die behandelnden Ärzte werden ihm eine derartige Auskunft nicht erteilt haben; sie hätten guten Gewissens allenfalls Vermutungen in diese Richtung äußern können.

Doch selbst diese Vermutungen wären überaus gewagt gewesen, denn die Hypothese, dass vom Nahrungscholesterin – und darum geht es ja wohl – eine Gesundheitsgefahr ausgehe, konnte nie belegt werden. Deshalb ist auch die Behauptung, Cholesterin sei für koronare Herzkrankheiten verantwortlich, falsch oder zumindest sehr zweifelhaft. Die US-Regierung hat ihren Gesundheitsbehörden im Jahr 2015 empfohlen, alle Warnungen bezüglich Cholesterin künftig zu unterlassen.

In einem Interview mit der SZ merkt die Redaktion an, dass dem Herzinfarkt von Hildmann senior erhöhte Cholesterinwerte vorausgegangen seien. Daraus zu schließen, dass Cholesterin die Ursache für den Herzinfarkt war, ist selbstverständlich ein Fehlschluss der Marke  danach, also deswegen. Meinem zukünftigen Tod ist die Geburt vorausgegangen. Ich werde jedoch nicht an ihr sterben. 

Logische Folgerung: Hildmann kann überhaupt nicht wissen, dass sein Vater an einem zu hohen Cholesterinspiegel gestorben ist. Der Kampf gegen das Cholesterin erweist sich daher als Don-Quichotterie. Cholesterin ist unentbehrlich, um Nervenzellen und Gehirnzellen aufzubauen. Cholesterin-Mangel kann hingegen sehr gefährlich werden. Diesbezügliche Kampfhandlungen sollten also unterbleiben. Friede dem Hüttenkäse, Krieg den Seitanpalästen!

Die Geschichte über den Vater wirkt auf mich wie eine jener rührseligen Storys, die zwielichtige Personen an Wohnungstüren erzählen, um den Bargeldspiegel argloser Senioren zu senken.

Attila Hildmann beim insehen – mitfühl und sF

Dick & Dünn

Hildmanns Erfolg gründet wohl vor allem darauf, dass er früher dicklich war, jetzt dünn ist und behauptet, sein Gewichtsverlust sei die Folge veganer Ernährung. Darauf reagieren die Konsumenten heute mit gierigem Speichelfluss, denn kaum etwas ist für sie schlimmer, als dick zu sein. Dicke sind in diesem Land starker Diskriminierung ausgesetzt (siehe z.B. diese Dissertation, Kapitel 3. Und meinen Text). 

Zusätzlich zum herkömmlichen Schlankheitsversprechen bietet Hildmann der Kundschaft die typischen Veganer-Extras: Pseudomoral und Ökosprech („Veganismus ist das Beste für den Planeten“). So können die Kunden ihren schnöden Schlankheitswahn überhöhen und diverse Essstörungen als ethisch hochstehend rechtfertigen. 

Vielleicht ist Hildmann erfolgreicher als beispielsweise der Musikmanager Andreas Bär Läsker, weil dieser trotz veganer Kur noch immer irgendwie rundlich wirkt. Falls beide wieder aufquellen und am Ende so dick sein sollten wie vorher, können sie einpacken. Dann ist ihr Nimbus trotz Moralgewäsch und Tierleidgefasel dahin, die Kundschaft fühlt sich betrogen und wandert geschlossen zu Detlef D! Soost ab (I make you sexy).

Mit Gesundheit hat das alles nichts zu tun, denn „Übergewichtige“ leben im Schnitt länger als Dünne und haben auch bessere Chancen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu überleben. Der pummelige Attila hätte statistisch gesehen also eine längere Lebenserwartung als der dürre. 

Die gesundheitlichen Folgen des Schlankheitswahns werden hingegen weithin unterschätzt. Magersucht ist diejenige psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. 90 % der Magersüchtigen sind Mädchen oder Frauen. Jugendliche sind besonders gefährdet. Man könnte die Werbestrategie Hildmanns und anderer veganer Lifestyle-Apostel also durchaus als jugendgefährdend bezeichnen. Denn es wird hierbei moralischer Druck aufgebaut, der es jungen Menschen zusätzlich erschwert, den Veganismus aufzugeben, sobald sie Mangelerscheinungen bekommen. Motto: Was soll denn der arme Planet von mir denken? 

Vegane Kreislaufwirtschaft

Der Verdacht, dass die propagierte vegane Ernährungsweise nicht gesund sein kann, muss sich jedem skeptischen Betrachter doch schon allein deshalb aufdrängen, weil Hildmann parallel zu seinen Kochbüchern ein Präparat bewirbt, welches die Mängel der betreffenden Ernährungsweise auszugleichen verspricht. Zitat:

Wer aber auf tierische Lebensmittel verzichtet, sollte besonders auf die Zufuhr solcher Vitamine achten, die vor allem in Fleisch, Fisch & Co stecken. Das sind die Vitamine B12 und D3, die Spurenelemente Jod, Selen und Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Wäre ihm vor allem an Gesundheit gelegen, würde Hildmann einfach Fleisch, Fisch und Co. empfehlen anstatt ein Nahrungsergänzungsmittel zu bewerben, in welchem die Zusatzstoffe recht wild zusammengerührt zu sein scheinen. Ich würde so ein Zeug niemals schlucken, und Kindern würde ich das schon gar nicht verabreichen.

Mangel an essentiellen Stoffen hat unweigerlich gesundheitsschädigende Auswirkungen. Dieser Mangel wird bei Veganern durch das Gebot verursacht, keinerlei tierische Nahrung zu konsumieren. Ein solches Gebot kann fatale Auswirkungen haben. Vegane Kost kann nur mit Hilfe von synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt in die Nähe des gesundheitlich Verträglichen gerückt werden. Dies widerspricht schon rein logisch der Behauptung, vegane Kost sei als solche besonders gesund. 

Der oft geäußerte vegane Einwand, dass es auch „Fleischesser“ gibt, die z.B. an Vitamin-B-12-Mangel litten, verfängt nicht. Dazu folgendes Beispiel: Eine Lebensweise, deren Gebot es ist, keinen Sauerstoff zu sich zu nehmen, führt notwendig zum Erstickungstod. Dass andere Menschen aus vielerlei anderen Ursachen ebenfalls ersticken, ändert daran nichts. Normale Menschen würden im Zweifelsfall einfach atmen, bevor sie den Erstickungstod sterben; den Sauerstoff-Abstinenzlern wäre dies jedoch nicht erlaubt. 

Hildmanns Nachdenklichkeit

In einem Facebook-Post vom 22. Februar 2016 zitiert Hildmann sich selbst aus oben verlinktem SZ-Interview und versieht den Post mit dem Button nachdenklich.

Anfangs stand für mich die Frage im Raum: Kannst du einem Tier wehtun? Dann habe ich mir diese ganzen blutigen Videos angeschaut und wusste: Nur um jeden Morgen mein Leberwurstbrot zu essen, hätte ich einfach keinen Bock, ein Tier abzustechen. Ein Freund, der mich von der vegetarischen Idee überzeugt hat, wurde damals durch religiöse Themen angesprochen. Im Buddhismus gibt es die These, dass jedes Lebewesen Gottesatem hat. In der abendländischen Kulturgeschichte gibt es ähnliche Gedanken, zum Beispiel bei Schopenhauer.

Hier ist jeder Satz unfreiwillig komisch. Anstatt „diese ganzen blutigen Videos“ anzuschauen hätte er auch „jene ganzen unblutigen Videos“ anschauen können. So what? Er ist nicht bereit, für Leberwurst Schweine oder Kälber abzustechen. Wäre er denn bereit, alle Mäuse oder Ratten persönlich zu vergiften und qualvoll sterben zu lassen, die für seine Salat- und Gemüsegerichte dran glauben müssen? Viele Zutaten dieser Gerichte haben im Gegensatz zu Leberwurst so gut wie keinerlei Nährwert. Der Tod der Schadnager wäre also nicht nur qualvoll, sondern auch umsonst.

Die Bemerkung über den Buddhismus ist sinnfrei. Hildmanns Nachdenklichkeit reicht nicht so weit, zu erörtern, was daraus folgt, dass alle Lebewesen angeblich einen „Gottesatem“ haben. Ein Tötungsverbot scheint daraus jedenfalls nicht zu folgen, denn Pflanzen sind bekanntlich auch Lebewesen und hätten also ebenfalls einen eingebauten „Gottesatem“. Hildmann mag diesen Atem spüren, wenn er sich in die Ledersessel seines Porsches setzt. Denn dafür mussten Rinder ihren Atem aushauchen und auf eine Reise gehen, von der niemand zurückkommt.

Das Tötungsverbot gilt im Buddhismus nur für den Weisen. Der normale Buddhist darf sehr wohl Fleisch konsumieren. Aber:

Während der Konsument, der das Fleisch lediglich kauft, entlastet wird, werden die Produzenten, welche die Tötung durchführen (Fischer, Metzger usw.) verachtet und sozial diskriminiert,

schreibt der Indologe Lambert Schmidthusen und bezeichnet diese Haltung als ein „Manko“ der buddhistischen Lebensweise. Fischer, Metzger usw. haben vom Gottesatem nicht viel. Dass man diejenigen verachtet, die einen ernähren, kommt mir irgendwie bekannt vor. Das ist ja eine feine Moral!

Ich habe das Gesamtwerk Schopenhauers gelesen. Auf einen „Gottesatem“ wird dort nicht Bezug genommen. Schopenhauer lehnte den Vegetarismus ab. Außerdem ging seine Tierliebe mit ausgeprägter Menschenfeindschaft einher. Dass er von Hildmann vereinnahmt wird, hätte ihn sicher zu derben Kraftausdrücken veranlasst. Gedanken, die dem Buddhismus und Schopenhauers Philosophie entlehnt sind, finden sich auch bei Hitler, Himmler und Co. Was besagt also „Ähnlichkeit“ in diesem Fall? Und worin genau besteht sie?

Strenger Buddhismus und Schopenhauer fordern eine asketische Lebensweise. Sowohl für den Buddhismus als auch für Schopenhauer ist die Nichtexistenz das Erstrebenswerte (Nirwana). Protzerei und hedonistisches Gehabe müsste sich der „Starkoch“ also schon mal verkneifen. Porsche und Halligalli bei Let’s dance wären tabu. 

Fassen wir zusammen: Hildmann hat irgendwelche blutigen Videos gesehen (welche genau, teilt er nicht mit), will etwas nicht tun, wozu ihn niemand zwingt (Tier abstechen), hat Gerüchte über Buddhismus und Schopenhauer vernommen, kann aber nicht sagen, was sie bedeuten. Diese losen Gedanken und Assoziationen sollen tiefgründig wirken. Doch wie heißt es so schön in Otto Waalkes’ Wort zum Sonntag: „Sollte uns das nicht zu denken geben? Ich glaube, nein.“

Frage: Wenn das Hildmanns Nachdenklichkeit ist, wie sieht dann erst seine Gedankenlosigkeit aus?

Fazit

Attila Hildmann lässt keinerlei Urteilskraft erkennen. Sein ganzes Tun ist ebenso durchsichtig, wie es zum Lachen reizt. Leider bedeutet sein Erfolg, dass eine Form der Mangelernährung popularisiert wird, die vor allem für Kinder und Jugendliche von großem Schaden sein kann. Ferner wird eine Idee weitergetragen, die moralisch äußerst fragwürdig und im Kern totalitär ist (Veganismus). Da hört für mich der Spaß auf.